Massaker von El Mozote

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Das Massaker von El Mozote (spanisch La Masacre del Mozote) war ein durch Regierungssoldaten verübter Massenmord an etwa 900 Zivilisten während des Bürgerkriegs in El Salvador im Jahr 1981. Es wurde von dem Batallón Atlacatl der Regierungstruppen (FAES) während einer Operation zur Guerilla-Bekämpfung vom 10. bis 12. Dezember 1981 in den Kantonen von El Mozote, La Joya und Los Toriles im nördlichen Departamento Morazán begangen.

Nach den Ermittlungen der Wahrheitskommission (UN-Kommission zur Untersuchung der während des Bürgerkriegs in El Salvador begangenen Gewalttaten) wurden etwa 900 Menschen in El Mozote und den umliegenden Kantonen während der Operación Rescate vom Batallón Atlacatl ermordet. Das Massaker war der gewalttätigste Angriff der Staatsmacht auf die Zivilbevölkerung während des Bürgerkriegs und gilt als größtes Kriegsverbrechen in der Geschichte Mittelamerikas.

Gedenkstätte für die Opfer des Massakers von El Mozote

Täter[Bearbeiten]

Die Einheit Batallón Atlacatl, die die Morde beging, war auch für weitere schwere Übergriffe auf Zivilisten verantwortlich. Sie war unter Aufsicht des US-Colonels John David Waghelstein an der US-amerikanischen Militärakademie School of the Americas aus Soldaten der Armee El Salvadors gebildet worden. Während des Einsatzes im Bürgerkrieg erhielt die Einheit Schulungen durch US-amerikanische Green Berets.[1] Im Jahr 1989 war das Batallón Atlacatl auch an der weltweit mit Empörung aufgenommenen Ermordung von sechs Jesuitenpatern in der Universidad Centroamericana von San Salvador beteiligt.

Das Geschehen in El Mozote[Bearbeiten]

Am Nachmittag des 10. Dezember 1981 kamen Einheiten des Batallón Atlacatl der FAES nach einem Zusammentreffen mit einer Abteilung der Guerilla in einen abgelegenen Teil von El Mozote. Das Batallón Atlacatl war ein Batallón de Infantería de Reacción Inmediata (BIRI), das speziell zur Aufstandsbekämpfung ausgebildet worden waren. Es war die erste Einheit dieser Art der FAES und wurde Anfang 1981 durch Militärberater aus den USA trainiert. Unter der Bezeichnung Operación Rescate hatte sie den Befehl, die FMLN aus Nord-Morazan zu verdrängen, wo die Guerilla mehrere Stützpunkte und Lager hatte.

Der Kanton El Mozote war eine kleine ländliche Ansiedlung mit etwa 25 um einen Platz gelegenen Häusern, mit einer katholischen Kirche und einem Gebäude dahinter, das als El Convento (das Kloster) bekannt war. Hier wohnten die Priester während ihrer Besuche im Dorf. In der Nähe des Dorfes befand sich eine Schule. Bei der Ankunft der Soldaten waren nicht nur Bewohner des Kantons anwesend, sondern auch Bauern aus der Umgebung, diese hatten in El Mozote Zuflucht gesucht. Die Soldaten befahlen, dass die Bewohner ihre Häuser verlassen und sich auf dem Platz versammeln sollten. Dort fragten sie nach Informationen über Guerilla-Aktivitäten, anschließend wiesen sie die Bewohner an, in ihre Häuser zurückzugehen und sich zu ihrer Verfügung zu halten. Die Soldaten blieben über Nacht und drohten mit Warnschüssen vor dem Verlassen des Dorfes.

Am nächsten Morgen ließen die Soldaten die Bevölkerung wieder am Platz antreten. Sie trennten Männer von Frauen und Kindern und brachten sie in verschiedenen Gruppen in die Kirche, das Convento und mehrere Häuser. Im Laufe des Vormittags gab es unterschiedslos Einzelverhöre mit Folter. Gegen Mittag begannen sie die Frauen und Mädchen aus den Gruppen von ihren Kindern zu trennen, zu vergewaltigen und zu ermorden. Mädchen im Alter von zwölf Jahren wurden vergewaltigt, ihnen wurde vorgeworfen sie seien Guerilla-Sympathisanten. Schließlich wurden die Kinder getötet. Die Soldaten schossen die in der Kirche eingesperrte Kindergruppe nieder. Nachdem die gesamte Bevölkerung ermordet worden war, setzten die Soldaten die Gebäude in Brand. Auch in der folgenden Nacht blieben die Soldaten in dem Ort.

Das Geschehen in den umliegenden Kantonen von El Mozote[Bearbeiten]

Am folgenden Tag, dem 12. Dezember zogen die Soldaten des Batallón Atlacatl nach Los Toriles, einem zwei Kilometer von El Mozote entfernten Kanton. Dort versuchten mehrere der Einwohner zu entkommen. Wie in El Mozote wurden auch hier Männer, Frauen und Kinder gezwungen, ihre Häuser zu verlassen und am Platz anzutreten, um ermordet zu werden. Die Atlacatl führten ähnliche Aktionen in weiteren Kantonen durch, so in La Joya am 11. Dezember sowie in Jocote Amarillo und am Cerro Pando am 13. Dezember 1981.

Zuvor war am 9. Dezember nach einem Zusammenstoß von Regierungstruppen und Guerilla eine Abteilung des Batallón Atlacatl in das Dorf Arambala eingedrungen. Sie zwangen die Dorfbewohner, auf den Dorfplatz herauszutreten, die Männer wurden von Frauen und Kindern getrennt. Sie sperrten die Frauen und Kinder in die Kirche und befahlen den Männern zu bleiben. Dann wurde mehreren Männern vorgeworfen, Helfer der Guerilla zu sein. Sie wurden gefesselt, gefoltert und als Gefangene abgeführt. Die Bewohner von Arambala fanden später die Leichen von drei der Gefangenen.

Am 10. Dezember 1981 besetzte eine andere Abteilung des Batallón Atlacatl den Cantón Cumarol. Auch hier wurden die Bewohner gezwungen, auf dem Platz anzutreten, auch sie wurden verhört, jedoch wurde niemand getötet.

Die aufschlussreichste Zeugenaussage über die Geschehnisse von El Mozote war die von Rufina Amaya, einer Überlebenden des Massakers. Sie gab ihre Zeugenaussage bei den Ermittlungen der Wahrheitskommission zu Protokoll. Bis zu ihrem Tod im März 2007 kämpfte sie für Gerechtigkeit für die Opfer des Massakers.[2]

Aufarbeitung[Bearbeiten]

Am 16. Januar 2012 besuchte Präsident Mauricio Funes El Mozote, verurteilte das Massaker und bat im Rahmen einer Zeremonie die Angehörigen der Opfer um Vergebung.[3] Er bezeichnete es als Akt der Barbarei und nannte die Namen der drei ranghöchsten Befehlshaber der Spezialeinheit Atlacatl als Verantwortliche. Außerdem ordnete er die Streitkräfte an, ihre Geschichte zu untersuchen.[4]

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Vgl. Thomas Sheehan: Friendly Fascism. Business as Usual in America's Backyard (PDF; 133 kB), in: Fascism's Return. Scandal, Revision, and Ideology since 1980, hrsg. v. J. Richard Golson, Lincoln and London: University of Nebraska Press, 1998, S. 260–300.
  2. Testimonio de Rufina Amaya trasciende su muerte, Diario Colatino Miércoles, 12. Dezember 2007
  3. Eine Entschuldigung 30 Jahre nach dem Massaker. In: Neue Zürcher Zeitung. 17. Januar 2012, abgerufen am 17. Januar 2012 (deutsch).
  4. Massaker in El Salvador: Präsident hofft auf Vergebung. In: Frankfurter Rundschau. 17. Januar 2012, abgerufen am 17. Januar 2012 (deutsch).