Massaker von Tlatelolco

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Das Massaker von Tlatelolco (Matanza de Tlatelolco) am 2. Oktober 1968 war ein Massenmord an 200 bis 300 friedlich demonstrierenden Studenten im Stadtteil Tlatelolco von Mexiko-Stadt. Er fand am Höhepunkt der damaligen Studentenproteste statt und wurde vom Militär und anderen Sicherheitskräften verübt. Mit ausgelöst wurde der Massenmord von auf Dächern postierten Scharfschützen aus der Präsidentengarde, die gezielt in die Menschenmenge schossen. Die wahren Hintergründe wurden lange vertuscht, erst ab dem Jahr 1998 wurden erstmals offizielle Untersuchungen durchgeführt.

Verlauf[Bearbeiten]

Das Massaker ereignete sich zehn Tage vor Eröffnung der Olympischen Spiele am 2. Oktober in Mexiko-Stadt auf der Plaza de las Tres Culturas im Stadtteil Tlatelolco. Präsident Gustavo Díaz Ordaz (PRI) ließ die Studentendemonstrationen durch Militärpanzer und Geheimpolizei blutig niederschlagen. Die Zahl der Toten wird widersprüchlich angegeben: offiziell ist von wenigen Dutzend die Rede[1], die Gegenseite spricht von Tausenden, die tatsächliche Zahl dürfte bei 200 bis 300 liegen. Damit erzwang die PRI-Regierung den Abbruch des Streiks der Studenten der Autonomen Universität (UNAM) sowie des Polytechnischen Instituts (IPN) und stoppte die davon ausgehenden gesellschaftlichen Bewegungen.

Gedenkstein von 1993 an der Plaza de las Tres Culturas mit einem Gedicht von Rosario Castellanos

Aufarbeitung der Ereignisse[Bearbeiten]

Eine offizielle Aufarbeitung setzte erst 1998 unter Präsident Ernesto Zedillo ein, diese wurde durch Regierungsstellen wirksam behindert. Erst unter dem nicht mehr vom PRI gestellten Präsidenten Vicente Fox wurden bis dahin geheim gehaltene Dokumente zugänglich. Wichtigstes Ergebnis war, dass die Schießerei, wie seit langem vermutet, von Spezialkräften der Präsidentengarde, die auf den Dächern der die Plaza de las Tres Culturas umgebenden Häuser positioniert waren. Am 30. Juni 2006 wurde der inzwischen 84-jährige frühere Innenminister und spätere Präsident Luis Echeverría Álvarez als Hauptverantwortlicher für das Massaker unter dem Verdacht des Völkermords verhaftet. Bis zum Prozess wurde er unter Hausarrest gestellt. Anfang Juli 2006 wurde das Verfahren wegen Verjährung eingestellt.

Verfilmungen[Bearbeiten]

  • Jorge Fons: Rojo Amanecer, Mexiko 1989 (dt.: Rotes Morgengrauen)
  • Carlos Mendoza: „Tlatelolco: las claves de la masacre“, Mexiko 2002, Dokumentarfilm[2]
  • Carlos Bolado: Tlatelolco, verano del 68, Mexiko 2012, Drama [1]

Literatur[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Offizieller Bericht des Innenministeriums vom 2. Oktober 1968, abgerufen am 7. November 2011. (PDF; 1,6 MB; spanisch)
  2. Tlatelolco: las claves de la masacre, Google Video, 75 min. (spanisch) Abgerufen am 10. Oktober 2011.

Weblinks[Bearbeiten]