Massaker von Vinkt

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Das Massaker von Vinkt ereignete sich am 27. Mai 1940 nach dem deutschen Überfall auf Belgien im ostflandrischen Ort Vinkt, bei Deinze, 20 km südlich von Gent. Deutsche Truppen ermordeten dabei mindestens 86 Zivilpersonen[1] und waren für den Tod von mindestens 54 weiteren Geiseln verantwortlich.

Situation am 25. Mai 1940[Bearbeiten]

Der schnelle Vormarsch der deutschen Wehrmacht hatte die Alliierten überrascht. Die französische Armee war zusammengebrochen, und das britische Expeditionskorps befand sich auf dem Rückzug nach Dünkirchen. Die belgischen Truppen versuchten, diesen Rückzug nach Kräften zu decken. Dabei kam der Brücke über den Schipdonk-Kanal große strategische Bedeutung zu. Die 1. Division der Ardennenjäger bereitete sich auf die Verteidigung der Brücke vor, um möglichst vielen britischen Versprengten und belgischen Flüchtlingen, von denen etwa eine Million unterwegs waren, den Weg freizuhalten.

Als die deutsche 225. Infanterie-Division Vinkt erreichte, stieß sie auf die vorbereitete Verteidigung der Ardennenjäger. Da es den schlecht ausgebildeten Reservisten nicht gelang, den Kanal zu überqueren, nahmen sie Geiseln unter der Zivilbevölkerung, um diese als menschliche Schutzschilde zu benutzen. Eine Artilleriegranate, die in eine Gruppe von 150 Geiseln schlug, tötete zahlreiche Zivilisten. Am nächsten Tag wurden weitere 27 Geiseln durch eine Explosion in der Kirche des benachbarten Meigem, wo sie gefangen gehalten wurden, getötet.

Ereignisse des 27. Mai 1940[Bearbeiten]

Am 27. Mai 1940 hatte der belgische König angekündigt, den belgischen Truppen den Befehl geben zu wollen, die Waffen zu strecken. Die belgischen Ardennenjäger setzten jedoch die Verteidigung der Brücke fort. Gleichzeitig begannen die deutschen Truppen mit der Exekution der Geiseln. Danach begannen sie, willkürlich herausgegriffene Flüchtlinge zu erschießen.

Nach der Kapitulation[Bearbeiten]

Am 28. Mai 1940 um 4 Uhr belgischer und 5 Uhr deutscher Zeit trat die Kapitulation der belgischen Armee in Kraft. Mindestens neun Geiseln wurden nach diesem Zeitpunkt ermordet.

Folgen[Bearbeiten]

Die Ereignisse von Vinkt und Meigem wurden propagandistisch ausgenutzt und sorgten für eine zweite Flüchtlingswelle von über einer Million Belgier, die das Land verließen. Im Juni 1940 befanden sich nach Schätzungen des Roten Kreuzes etwa 30 % der belgischen Bevölkerung jenseits der Landesgrenzen. Nach dem Ende des Krieges wurden zwei der verantwortlichen deutschen Offiziere, Major Kühner und Leutnant Lohmann, in Belgien vor Gericht gestellt und zu 20 Jahren Zwangsarbeit verurteilt, jedoch bereits nach fünf Jahren wieder entlassen.[2]

Literatur[Bearbeiten]

  • Belgique, Commission des crimes de guerre: Les crimes de guerre commis lors de l'invasion du territoire national, Mai 1940. Les massacres du Vinkt. Liège 1948.
  • Peter Taghon: Vinkt, Meigem et Deinze. Quand les légendes deviennent des vérités. In: Frances Balace (Hg.), Jours de Guerre. Band V. Brüssel 1995, S. 19–35.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Peter Lieb: Konventioneller Krieg oder NS-Weltanschauungskrieg? Oldenbourg, München 2007, ISBN 3-486-57992-4, S. 15
  2. Norbert Frei: Transnationale Vergangenheitspolitik, Wallstein Verlag 2007, ISBN 3-89244-940-6, S. 345

Weblinks[Bearbeiten]