Massenentführung nigerianischer Schulkinder 2014

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Verzweifelte Angehörige der Opfer

Zu einer Massenentführung von Schulkindern kam es in der Nacht vom 14. zum 15. April 2014, als bewaffnete Männer mehr als 230 Schülerinnen der Government Secondary School in Chibok im Bundesstaat Borno im Nordosten Nigerias verschleppten. Abubakar Shekau, Anführer der nigerianischen islamistischen Terrororganisation Boko Haram, bekannte sich zu dem Verbrechen.[1]

Ablauf[Bearbeiten]

In der Nacht vom 14. zum 15. April 2014, während der Schulexamenszeit, fuhren bewaffnete Männer mit Lastwagen vor der Government Secondary School vor, die auch als Unterkunft für ihre Schüler diente. Vor Ort für den Schutz der Schule abgestellte Soldaten wurden von den Angreifern überwältigt, sodass die Männer, die sich nach Aussagen von Augenzeugen gegenüber den fünfzehn- bis achtzehnjährigen Mädchen zunächst als Mitglieder der nigerianischen Streitkräfte ausgaben, ihre Opfer auf die Lastwagen zwingen konnten. An diesem Zeitpunkt gelang einigen Schülerinnen die Flucht. Die Täter fuhren anschließend mit ihren Geiseln zu einem der Öffentlichkeit bisher unbekannten Ziel.[2]

Am 16. April 2014 gab ein Sprecher des nigerianischen Militär bekannt, dass fast alle Entführten befreit worden seien und es außerdem zur Festnahme eines Terroristen gekommen sei.[3] Die Schulleiterin der Government Secondary School sowie viele Eltern der Entführten dementierten diese Verlautbarungen. Es seien nicht alle Mädchen befreit worden. Währenddessen, so berichtende Medien, durchkämmten Sicherheitskräfte und Freiwillige den lokalen Dschungel, um das Versteck der Angreifer ausfindig zu machen.[4]

Am 5. Mai 2014 tauchte ein 57-minütiges Bekennervideo der Boko Haram auf. Dort ist der Anführer der islamistischen Terrororganisation, Abubakar Shekau, zu sehen. Er gab bekannt, für die Entführung verantwortlich zu sein und die Mädchen in seiner Gewalt zu haben. Er kündigte an, „[...] sie auf dem Markt [zu] verkaufen, so Gott will.“[5] Shekau betrachtet die Mädchen als „Sklaven“. Medien berichteten, dass die Mädchen Opfer von Zwangsverheiratungen und sexuellen Übergriffen geworden seien.[6]

Am 12. Mai 2014 tauchte erneut ein Video der Entführer auf. Es zeigt rund 130 junge Mädchen, welche Hidschābs tragen und Koranverse zitieren. Shekau teilte in der Aufnahme mit, die Entführungsopfer wären zum Islam konvertiert und würden erst dann freigelassen, wenn inhaftierte Mitglieder der Boko Haram aus der Haft entlassen werden.[7]

Am 27. Mai gab die Armee bekannt, den Aufenthaltsort der Mädchen aufgespürt zu haben, ein Befreiungsversuch sei jedoch zu riskant.[8]

Am 1. Juli 2014 gaben nigerianische Behörden bekannt, mehrere Menschen festgenommen zu haben, die unter anderem verdächtigt würden, in Zusammenhang mit dem Verbrechen zu stehen.[9]

Reaktionen[Bearbeiten]

NigeriaNigeria Nigerianische Bundesregierung

Präsident Goodluck Jonathan kündigte an, dass seine Regierung alles unternehmen würde, um Fortschritte zu machen. Man werde über Boko Haram „hinwegkommen.“[10]

Afrikanische UnionAfrikanische Union Afrikanische Union

Das „Office of the African Union Commission Chairperson’s Special Envoy for Women, Peace and Security“ verurteilte in einer Stellungnahme die Verbrechen. Es forderte die internationale Gemeinschaft auf, alles für das Wohlergehen der Mädchen zu tun.[11]

Europaische UnionEuropäische Union Europäische Union

Die Außenminister der Europäischen Union verurteilten gemeinsam die Entführungen. Sie forderten die sofortige und bedingungslose Freilassung der Jugendlichen.[12]

Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Vereinigte Staaten

Präsident Barack Obama sowie der Senat der Vereinigten Staaten verurteilten die Entführungen. Obama forderte eine „internationale Mobilisation“ gegen Boko Haram.[13] Die Bundesregierung der Vereinigten Staaten entsandte am 9. Mai 2014 Militär- und Polizeikräfte nach Nigeria. Diese sollen die nigerianischen Behörden bei ihren Bemühungen zur Rettung der Mädchen beratend unterstützen.[6]

#bringbackourgirls[Bearbeiten]

Neben Stimmen aus der internationalen Politik zeigten auch andere Teile der Gesellschaft ihre Anteilnahme. Diese wurde öffentlich vor allem unter dem Motto beziehungsweise Hashtag #bringbackourgirls (deutsch Bringt unsere Mädchen zurück) in sozialen Netzwerken, Petitionsforen wie Change.org[14], Internetnachrichtendiensten wie Twitter oder bei Demonstrationen[15] bekundet. Prominente, die sich mit diesem Schriftzug ablichten ließen, waren unter anderem die amerikanische Präsidentengattin Michelle Obama oder die Sacharow-Preisträgerin und Kinderrechtsaktivistin Malala Yousafzai.[16]

Kritik an den Behörden[Bearbeiten]

Nach der Entführung kam es zu Kritik an der Arbeit der nigerianischen Bundesregierung und der Behörden. Demonstranten und Kritiker warfen ihnen Untätigkeit vor.[17]

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: 2014 Chibok kidnapping – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. dpa-Newskanal: Nigeria: Boko Haram bekennt sich zu Entführung von Mädchen. In: Süddeutsche.de. 5. Mai 2014, abgerufen am 17. Mai 2014.
  2. Terror in Nigeria: Islamisten überfallen Schule und verschleppen Mädchen. In: Spiegel Online. 15. April 2014, abgerufen am 17. Mai 2014.
  3. Terror in Nigeria: Nigerias Militär befreit fast alle entführten Schülerinnen. In: Spiegel Online. 16. April 2014, abgerufen am 17. Mai 2014.
  4. Terror in Nigeria: Schicksal von entführten Schülerinnen bleibt ungewiss. In: Spiegel Online. 17. April 2014, abgerufen am 17. Mai 2014.
  5. Nigeria: Terroristenchef will entführte Mädchen verkaufen. In: Spiegel Online. 5. Mai 2014, abgerufen am 17. Mai 2014.
  6. a b Vorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatBoko Haram in Nigeria: Islamisten kidnappen noch mehr Mädchen. In: Spiegel Online. 2014.05.06, abgerufen am 17. Mai 2014.
  7. Boko Haram in Nigeria: Islamisten kidnappen noch mehr Mädchen. In: handelsblatt.de. 6. Mai 2014, abgerufen am 17. Mai 2014.
  8. Christoph Sydow: Panorama: Das Dilemma der nigerianischen Armee. GMX. 27. Mai 2014. Abgerufen am 27. Mai 2014.
  9. Lanre Ola: Bomb kills 20 in Nigeria market, girls' abduction suspect held. Reuters. 1. Juli 2014. Abgerufen am 4. August 2014.
  10. Kritik an Präsident Goodluck Jonathan wächst. In: Spiegel Online. 15. April 2014, abgerufen am 17. Mai 2014.
  11. Statement on the Kidnapping of the Nigerian School Girls from the Office of the African Union Commission (AUC) Chairperson’s Special Envoy for Women, Peace and Security. In: http://www.au.int/. 12. Mai 2014, abgerufen am 17. Mai 2014.
  12. EU Foreign ministers condemn recent violence in Nigeria. In: aa.com.tr. 12. Mai 2014, abgerufen am 17. Mai 2014.
  13. Obama greift durch gegen "Boko-Haram-Terroristen". In: welt.de. 7. Mai 2014, abgerufen am 17. Mai 2014.
  14. An: Regierungschefs der Welt und internationale Organisationen - Über 200 Mädchen werden in Nigeria vermisst - BITTE FINDET SIE! #bringbackourgirls. Abgerufen am 19. Juni 2014.
  15. Anne-Hathaway and Adam-Schulman Protest Bring Back Our Girls. Abgerufen am 17. Mai 2014.
  16. Malala Found. In: Twitter (Screenshot). Abgerufen am 17. Mai 2014.
  17. Entführte Mädchen in Nigeria: Regierung lehnt Verhandlungen mit Boko Haram ab. In: faz.de datum=2014-05-13. Abgerufen am 17. Mai 2014.