Massimo Carlotto

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Massimo Carlotto (* 22. Juli 1956 in Padua) ist ein italienischer Autor, der vor allem Kriminalromane verfasst. Er war Mitglied der militanten Vereinigung Lotta Continua. Heute lebt er in Padua.

Der Fall Carlotto[Bearbeiten]

Carlotto stand vor seiner Karriere als Schriftsteller im Zentrum eines der kontroversesten Gerichtsfälle der italienischen Geschichte. 5 Jahre war er auf der Flucht, 11 Prozesse wurden ihm gemacht, 6 Jahre war er im Gefängnis, seine Gerichtsakten füllen mehrere Kisten und 86 Richter und 50 Gutachter waren mit seinem Fall beschäftigt. [1]

Nachdem er 1976 in Padua eine ermordete Studentin, Margherita Magello, in ihrer Wohnung gefunden hatte, begann ein Prozess gegen Carlotto, in welchem er seine Unschuld nicht beweisen konnte. Zwar wurde er zunächst wegen der Beweislage für unschuldig erklärt, 1978 aber vom venezianischen Gericht zu 18 Jahren Haft verurteilt. Carlotto floh, erst nach Paris, dann nach Mexiko. Drei Jahre später wurde er allerdings von der mexikanischen Polizei gefangen genommen und wieder an Italien ausgeliefert, wo er inhaftiert wurde. 1989 ordnete das Kassationsgericht eine Wiederaufnahme des Falles an. Es folgten eine Reihe von Prozessen, Gefängnisaufenthalten, Verurteilungen und Revisionen. Inzwischen war der Druck der Öffentlichkeit so groß, dass das Urteil 1993 aufgehoben und Carlotto aufgrund einer Entscheidung des Präsidenten der Republik, Oscar Luigi Scalfaro, begnadigt wurde.

Das zweite Leben von Massimo Carlotto[Bearbeiten]

Nach seiner Freilassung begann sein zweites Leben, wie er es nannte, seine Chance als Schriftsteller. Sein erster Roman, Il fuggiasco („Der Flüchtling“), reflektiert zunächst Carlottos Biografie. Danach begann er die Serie um den Detektiv ohne Lizenz Marco Burrati (alias Alligator). Massimo Carlotto lebt heute in Cagliari auf Sardinien.

Werke[Bearbeiten]

Romane[Bearbeiten]

  • 1995 Il fuggiasco
  • 1996 La verità dell'alligatore
    • Die Wahrheit des Alligators, dt. von Barbara Kleiner, München: Lichtenberg 2000. ISBN 3-785-28105-6
  • 1997 Il mistero di mangiabarche
    • Die Schöne und der Alligator, dt. von Barbara Kleiner, München: Lichtenberg 2001. ISBN 3-785-28119-6
  • 1999 Le irregolari
  • 1999 Nessuna cortesia all'uscita
  • 2000 Il corriere colombiano
  • 2001 Arrivederci amore, ciao
  • 2002 Il maestro di nodi
  • 2004 L'oscura immensità della morte
    • Die dunkle Unermesslichkeit des Todes, dt. von Hinrich Schmidt-Henkel; Berlin: Tropen 2008. ISBN 978-3-608-00398-7
  • 2004 Niente, più niente al mondo
  • 2005 Nordest (mit Marco Videta)
  • 2006 La terra della mia anima
  • 2007 Mi fido di te (mit Francesco Abate)
  • 2007 L'alligatore
  • 2008 Cristiani di Allah
  • 2008 Perdas de Fogu (mit Mama Abot)
    • Tödlicher Staub. Deutschsprachige Übersetzung von Hinrich Schmidt-Henkel, Tropen Verlag, Stuttgart 2012, ISBN 978-3608502077.
  • 2009 L'albero dei microchip (mit Francesco Abate)
  • 2009 L'amore del bandito
  • 2010 Alla fine di un giorno noioso
  • 2012 Respiro corto
    • Die Marseille-Connection, dt. von Hinrich Schmidt-Henkel, Tropen, Stuttgart 2013. ISBN 978-3608501346
  • 2013 Cocaina (mit Gianrico Carofiglio und Giancarlo De Cataldo) Einaudi, Torino 2013

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Süddeutsche.de 2010