Masyaf

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Burg Masyaf
Burg Masyaf – Gesamtansicht von Süden

Burg Masyaf – Gesamtansicht von Süden

Entstehungszeit: vor 700
Erhaltungszustand: Ruine
Ort: Masyaf
Geographische Lage 35° 3′ 58″ N, 36° 20′ 36″ O35.06611111111136.343333333333500Koordinaten: 35° 3′ 58″ N, 36° 20′ 36″ O
Höhe: 500 m
Masyaf (Syrien)
Masyaf

Masyaf (arabisch ‏مصياف‎, DMG Maṣyāf) ist eine Stadt im Gouvernement Hama im Westen von Syrien. Die Ortsmitte wird von einer arabischen Burg aus der Kreuzritterzeit überragt. Die Burg war im 12. Jahrhundert Hauptsitz des „Alten vom Berg“, der Anführer der Ismailiten war.

Lage[Bearbeiten]

Masyaf liegt am Südostrand des Dschebel Ansariye etwa 40 Kilometer westlich von Hama in der Ebene des Orontes und 47 Kilometer östlich der Küstenstadt Baniyas an der Straße, die beide Orte verbindet. Die Stadt hat 38.161 Einwohner (Berechnung 2010).[1] Das Siedlungszentrum der syrischen Ismailiten ist Salamiyya am Rand der syrischen Wüste; die größten ismailitischen Gruppen im Bergland leben in Qadmus und Masyaf.

Geschichte[Bearbeiten]

Eine erste Burg bestand zu byzantinischer Zeit. Aber schon die Seleukiden und die Römer hatten den Burgberg zu Verteidigungszwecken genutzt. So war zum Beispiel das Hauptquartier der IV. Scythischen Legion in Masyaf.

Als die Kreuzritter im Jahre 1099 das Gebiet durchzogen, befand sich die Burg im Besitz der Mirdasiden. 1103 wurde sie kurzzeitig von den Kreuzrittern eingenommen, konnte aber nicht gehalten werden. 1109-1110 bezahlte der Eigentümer, der Atabeg von Damaskus, Tribut an den Grafen von Tripolis, damit dieser die Herrschaft Masyaf von Überfällen ausnahm. 1127 wurde die Herrschaft an die Banu Munqidh verkauft. Aus deren Händen gelangte sie an die Assassinen.

Die Assassinen, eine islamische Sekte, begannen ab 1102 in Syrien zu missionieren. Dem Emir von Aleppo, Ridwan, leisteten sie bei der Beseitigung seiner Rivalen Hilfe und erhielten im Gegenzug die Möglichkeit in Syrien Anhänger zu gewinnen. Sie begannen, sich im felsigen Gebirge des Dschebel Ansariye niederzulassen. 1132 konnten sie die erste Burg Qadmus kaufen. 1141 besetzten sie die Burg Masyaf. Im Laufe der Zeit konnten sie im unzugänglichen Gebirge ein autonomes Gebiet in unmittelbarer Nähe der Kreuzfahrerstaaten Antiochia und Tripolis bilden. Die Burg wurde im 12. und 13. Jahrhundert ausgebaut und diente der Sekte als Hauptsitz in Syrien. Seit 1164 residierte hier der „Alte vom Berge“, Sinan Raschid ad-Din. Als Antwort auf zwei von den Assassinen verübte Anschläge belagerte Saladin die Burg 1176 erfolglos. Der Legende nach beendete er die Belagerung, als er eines morgens ein Messer neben seinem Kopfkissen fand.

1270 konnte Sultan Baibars die Burg während eines langjährigen Feldzuges (seit ca. 1260 bis 1273) gegen die Assassinen in seinen Besitz bringen. Mit diesem Erfolg war die Macht der Assassinen in Syrien gebrochen.

Im weiteren Verlauf der Geschichte diente die Burg dem Schutz der Handelsroute vom Mittelmeer nach Hama. Während des Mittelalters bis ins 20. Jahrhundert kam es häufig zu bewaffneten Auseinandersetzungen zwischen verfeindeten ismailitischen Familien und zu Angriffen von Alawiten, die zu einer weiteren Verarmung der Bevölkerung in dem rückständigen Gebiet führten. 1808 eroberten und plünderten Alawiten das Dorf. Dabei wurden viele Einwohner getötet, die restlichen mussten fliehen. Sie konnten erst zwei Jahre später mit Hilfe von Kunj Yusuf Pasha zurückkehren, dem damaligen Regenten (wali) von Damaskus, der die Alawiten vertrieb.[2]

Die Burg wurde durch die Aga Khan-Stiftung restauriert.

Rezeption[Bearbeiten]

Masyaf ist mehrfach Handlungsort in der Videospielserie Assassin’s Creed von Ubisoft. Der Protagonist des ersten Spieles der Reihe ist der Assassine Altair Ibn la Ahad (übersetzt der Fliegende, niemandes Sohn) aus Masyaf und auch in Assassin’s Creed: Revelations spielen Teile der Handlung wieder hier.

Literatur[Bearbeiten]

  • Michael Braune: Untersuchungen zur mittelalterlichen Befestigung in Nordwest-Syrien: Die Assassinenburg Masyaf. Damaszener Mitteilungen Band 7, Deutsches Archäologisches Institut Damaskus, Verlag Philipp von Zabern, Mainz 1993
  • Jean Mesqui: Forteresses Médiévales au proche-orient. Quatre châteaux des Hospitaliers au nord du comté de Tripoli. 2003. (PDF; 262 KB).
  • Ross Burns: Monuments of Syria. I. B. Tauris Publishers, London/New York 1999. ISBN 1-86064-244-6
  • Baedeker Syrien. Verlag Karl Baedeker, 2000.
  • Walter Zöllner: Geschichte der Kreuzzüge. VEB Deutscher Verlag der Wissenschaften, Berlin 1983.
  • Thomas Biller: Burgen in den Kreuzfahrerstaaten- vom Adelssitz zur „Festung“. In: Burgen und Schlösser in Sachsen Anhalt. Heft 1, Halle/Saale 1992.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Masyaf Castle – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Seite nicht mehr abrufbar, Suche im Webarchiv:[1] [2] Vorlage:Toter Link/bevoelkerungsstatistik.de[3]
  2. Norman N. Lewis: Nomads and settlers in Syria and Jordan, 1800–1980. Cambridge University Press, Cambridge 1987, S. 59