Matai (Samoanischer Titel)

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Drei Matai aus Samoa.

Matai ist der traditionelle Titel des Oberhaupts (Häuptlings) einer samoanischen Großfamilie bzw. eines Familienclans (ʻaiga) innerhalb des Matai-Systems (Faʻamatai). Zum Matai können Männer und Frauen aus dem Familienverband gewählt werden. 'Matai' bedeutet auf Samoanisch ungefähr 'Chef'.

Als Familienoberhaupt ist der Matai für alle Belange seiner Familie zuständig. Er schlichtet Streitfälle innerhalb der Familie und vertritt sie in auswärtigen Belangen. Bei Vergehen seiner Familie ist er jedoch auch haftbar.

Da jedes samoanische Dorf aus mehreren Großfamilien besteht, vertreten die Matai ihre Familien bei den Dorfsitzungen. Bei diesen Sitzungen werden u. a. auch sogenannte Dorfgesetze beschlossen, die das Leben im Dorfverband regeln. Aus den Reihen der Matai wird auch der Dorfchef, meist auf Lebenszeit, gewählt.

Ein Matai kann seines Amtes enthoben werden, wenn er aus Gesundheits- oder Altersgründen nicht mehr in der Lage ist, dieses auszuüben. Dabei behält er jedoch seinen Matai-Titel. Dieser wird lediglich bei schwerwiegenden Verfehlungen wie Mord oder Vergewaltigung aberkannt, was für die Person und deren Familie eine große Schande bedeutet.

Literatur[Bearbeiten]

  • Gerda Kroeber: Das Matai-System in Samoa. Rekonstruktion seiner traditionellen Ausprägung und Analyse seiner Resistenz gegenüber dem Akkulturationsdruck. Berlin, 1976. Freie Univ., Fachbereich 11 - Philosophie u. Sozialwiss., Diss., 1975.
  • Werner Hennings: Status und Macht in Samoa. Das Matai-System und die Dialektik des Nehmens und Gebens. Universität Bielefeld, Bielefeld 1993.
  • Sabine Bruno, Anette Schade: Fiji, Samoa, Tonga. Beck, München 1993, ISBN 3-406-35175-1.

Weblinks[Bearbeiten]