Mathilde – Eine große Liebe

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Filmdaten
Deutscher Titel Mathilde – Eine große Liebe
Originaltitel Un long dimanche de fiançailles
Produktionsland Frankreich[1]
Originalsprache Französisch
Erscheinungsjahr 2004
Länge 128 Minuten
Altersfreigabe FSK 12
JMK 12[2]
Stab
Regie Jean-Pierre Jeunet
Drehbuch Jean-Pierre Jeunet,
Guillaume Laurant
Produktion Francis Boespflug,
Bill Gerber,
Jean-Louis Monthieux
Musik Angelo Badalamenti
Kamera Bruno Delbonnel
Schnitt Hervé Schneid
Besetzung

Mathilde – Eine große Liebe (Originaltitel Un long dimanche de fiançailles) ist ein französisches Filmdrama aus dem Jahr 2004 das in der Zeit des Ersten Weltkriegs spielt. Regie führte Jean-Pierre Jeunet der auch am Drehbuch beteiligt war. Die Hauptrolle wird von Audrey Tautou verkörpert. Der Film basiert auf dem Roman Die Mimosen von Hossegor aus dem Jahr 1991 von Sébastien Japrisot.

Handlung[Bearbeiten]

Kurz nach dem Ende des Ersten Weltkriegs erfährt Mathilde, die als Kind an Kinderlähmung erkrankt war und seitdem nur mit Fixierungsschienen gehen kann, dass ihr Verlobter Manech zu fünf Soldaten gehörte, die wegen angeblicher Selbstverstümmelung zum Tode verurteilt wurden. Anstatt die Verurteilten unmittelbar hinzurichten, verbannte man sie in das Niemandsland zwischen den im deutsch-französischen Stellungskrieg festgefahrenen Fronten, wo sie weder fliehen noch Unterschlupf und Nahrung finden können. Während der nun folgenden Nacht geschehen einige undurchsichtige Dinge, die Mathilde nachzuvollziehen versucht. Zwar findet sie später das vermeintliche Grab Manechs auf einem Soldatenfriedhof, doch niemand kann bezeugen, dass er wirklich in jener Nacht ums Leben kam. So schöpft Mathilde Hoffnung, ihren Verlobten wiederzufinden, und begibt sich auf eine Reise nach Paris.

Sie engagiert einen Detektiv und sucht Personen auf, die an demselben Frontabschnitt mit dem eigenartigen Namen Bingo Crépuscule (Bingo Dämmerung) gekämpft haben wie Manech. Trotz weiterer Geschichten und Hinweise auf den Tod der fünf Soldaten lässt sie sich nicht entmutigen. Darüber hinaus ereignet sich eine Mordserie, die offensichtlich in Zusammenhang mit der Verurteilung der Soldaten steht. Eine andere Frau führt einen Rachefeldzug gegen die Soldaten, die sie für den Tod ihres Liebsten verantwortlich macht. Die Rächerin wird schließlich gestellt, verurteilt und hingerichtet.

Vorerst überwiegen noch die Hinweise auf einen Tod Manechs. Mehrere Personen bezeugen, dass er von einem deutschen Flugzeug erschossen wurde. Doch sein Leichnam konnte nicht gefunden werden.

Als Mathilde einen Überlebenden der fünf Verbannten findet, wird die Hoffnung, dass ihr Geliebter doch überlebt hat, erneut entfacht. Dieser Überlebende hatte seine eigene und Manechs Erkennungsmarke mit denen von zwei Gefallenen vertauscht und den verwundeten Kameraden vom Schlachtfeld in ein Lazarett gebracht, das provisorisch in einem Hangar unter einem wasserstoffgefüllten Prallluftschiff eingerichtet worden war. Bei einem Bombenangriff explodiert das Luftschiff. Es scheint ausgeschlossen, dass die in der Halle Eingeschlossenen überleben konnten. Doch Manech befand sich bereits in einem Zug, der kurz vor der Explosion das Lazarett verlassen hatte.

Schließlich erfährt Mathilde, dass Manech tatsächlich noch lebt. Der zur Verurteilung ursächliche Granatschock und die folgenden Ereignisse haben bei ihm eine Amnesie ausgelöst. Er musste sogar Lesen und Schreiben wieder erlernen. Endlich findet Mathilde ihren Geliebten im Haus der inzwischen durch einen Verkehrsunfall ums Leben gekommenen Mutter des Gefallenen, von dem Manech die Erkennungsmarke bekam und die ihn aus dem Sanatorium holte und als ihren Sohn bei sich aufnahm.

Als Mathilde Manech wiedersieht, erkennt er sie nicht, empfängt sie aber freundlich und scheint glücklich zu sein, was auch Mathilde glücklich macht, sodass sie letztlich so nahe wie angesichts der Umstände möglich ans Ziel ihrer Bestrebungen gelangt ist.

Hintergründe[Bearbeiten]

  • Der Film wurde von einem französischen Gericht als amerikanischer Film kategorisiert, da er zum größten Teil amerikanisch finanziert wurde.[3] Bei vielen europäischen Preisverleihungen und Festivals (z. B. Cannes Film Festival) wurde er deshalb nicht zugelassen.
  • In einer Nebenrolle ist Jodie Foster zu sehen, die ihren Dialog in der Originalfassung selbst spricht (sie spricht fließend Französisch).

Kritiken[Bearbeiten]

„Die als postmoderne Collage erzählte Geschichte führt verschiedene Handlungsstränge bravourös neben- und ineinander, wobei Zeiten, Orte und Erzählperspektiven ständig wechseln. Ein fesselnder Film von überbordender visueller und narrativer Fantasie.“

Lexikons des Internationalen Films[1]

„Das Unbehaglichste daran ist gerade die Behaglichkeit, die sich beim Betrachten einstellt. Der Krieg dringt in eine solche Welt nicht als Schock, sondern als Spektakel, das die Erzählerstimme beruhigend ins Register des Schnurrigen überführt.“

taz.de[4]

„Nur dem Nimbus Audrey Tautous ist es zu verdanken, dass wir uns auch über die ganz dünnen Stellen des Drehbuchs tragen lassen. Nicht schön ist, dass es der Film genau darauf anlegt. Er muss sich durch seinen Star retten lassen. Man weint, aber es reut einen doch ein wenig.“

zeit.de[5]

Auszeichnungen[Bearbeiten]

  • American Society of Cinematographers Award 2004 für Bruno Delbonnel
  • César 2005 in den Kategorien Meilleure photographie, Meilleurs costumes, Meilleurs décors, Meilleur second rôle féminin und Meilleur jeune espoir masculin und Nominierungen in sieben anderen Kategorien
  • Nominierung für den Golden Globe 2005 als bester ausländischer Film
  • Nominierung für zwei Oscars 2005 (Best Achievement in Cinematography und Best Achievement in Art Direction)
  • Europäischer Filmpreis 2005 in der Kategorie Bestes Szenenbild, Nominierungen in vier weiteren Kategorien
  • Edgar Allan Poe Award 2005 für den Besten Spielfilm

Künstlerische Charakterisierung[Bearbeiten]

Dieser Artikel oder nachfolgende Abschnitt ist nicht hinreichend mit Belegen (beispielsweise Einzelnachweisen) ausgestattet. Die fraglichen Angaben werden daher möglicherweise demnächst entfernt. Bitte hilf der Wikipedia, indem du die Angaben recherchierst und gute Belege einfügst. Näheres ist eventuell auf der Diskussionsseite oder in der Versionsgeschichte angegeben. Bitte entferne zuletzt diese Warnmarkierung.

Wie schon Die fabelhafte Welt der Amélie, Jeunets vorheriger Film, wurde Mathilde – Eine große Liebe von der internationalen Filmkritik mit viel Lob rezipiert. Der Film gilt als eine der gelungensten Thematisierungen des Ersten Weltkrieges, insbesondere des deutsch-französischen Stellungskrieges. In Rezensionen wird allgemein die große visuelle Kraft und die Liebe zum Detail der filmischen Gestaltung hervorgehoben. Wie schon in anderen Filmen Jeunets werden teils grotesk wirkende Charaktere und ihre Geschichten zu einer Erzählung zusammengefügt, deren roter Faden in diesem Fall die Suche Mathildes nach ihrem Verlobten Manech ist. Zu den künstlerischen Mitteln gehören der ständige Wechsel der Perspektive auf das Schicksal jener fünf Soldaten, häufige Rückblenden und Sprünge in der Zeitachse, Bilder und Motive von hoher poetischer Kraft und ein immer wiederkehrender Humor bei der Darstellung der Charaktere und ihrer Eigenheiten.

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Mathilde – Eine große Liebe im Lexikon des Internationalen Films
  2. Kennzeichnung der Jugendmedienkommission.
  3. Frankreich kann so süß sein von Peter Körte auf faz.de vom 26. Januar 2005
  4. Ekkehard Knörer: Gute Stube Schützengraben. auf: taz.de, 26. Januar 2005.
  5. Renoirs Feldlazarett. In: Die Zeit. Nr. 5, 2005.