Matlockit

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Matlockit
Matlockit mineralogisches museum bonn.jpg
Matlockitkristall aus Derbyshire, England. In den Sammlungen des Mineralogischen Museums, Bonn
Chemische Formel PbFCl
Mineralklasse Halogenide
3.DC.25 (8. Auflage: III/D.09) nach Strunz
09.02.11.01 nach Dana
Kristallsystem tetragonal
Kristallklasse; Symbol nach Hermann-Mauguin ditetragonal-dipyramidal 4/m 2/m 2/m[1]
Farbe Farblos, Hellgelb bis Bernsteingelb, Gelborange, Grünlich
Strichfarbe Weiß
Mohshärte 2,5 bis 3[2]
Dichte (g/cm3) gemessen: 7.12 ; berechnet: 7,16[2]
Glanz Diamantglanz, Perlglanz nach {001}[2]
Transparenz durchsichtig bis durchscheinend
Bruch uneben bis schwach muschelig
Spaltbarkeit vollkommen nach {001}
Habitus tafelige Kristalle, abgeflacht nach {001}; lamellare, rosettenförmige, radialstrahlige Aggregate
Häufige Kristallflächen {110}, {011}, {111}
Kristalloptik
Brechungsindex nω = 2,150 nε = 2,040[3]
Doppelbrechung
(optischer Charakter)
δ = 0,110[3]; einachsig negativ
Weitere Eigenschaften
Chemisches Verhalten löslich in Salpetersäure und konz. HCl

Matlockit ist ein selten vorkommendes Mineral aus der Mineralklasse der „Halogenide“. Es kristallisiert im tetragonalen Kristallsystem mit der chemischen Zusammensetzung PbFCl, besteht also zu gleichen Teilen aus Blei, Fluor und Chlor.

Matlockit entwickelt meist durchsichtige bis durchscheinende, tafelige Kristalle mit Diamantglanz auf den Kristallflächen und Perlglanz auf den Spaltflächen. Auch lamellare, rosettenförmige oder radialstrahlige Mineral-Aggregate sind bekannt. Reiner Matlockit ist farblos und durchsichtig. Er kann jedoch durch Fremdbeimengungen auch von hellgelber bis bernsteingelber, gelboranger oder grünlicher Farbe sein, wobei seine Transparenz abnimmt. Die Strichfarbe ist allerdings immer weiß.

Besondere Eigenschaften[Bearbeiten]

Matlockit lässt sich auf Holzkohle gut reduzieren, wobei Säuredämpfe abgegeben werden. Er löst sich zudem leicht in Salpetersäure [4]. In verdünnter Salzsäure ist er unlöslich, wogegen er in konzentrierter Salzsäure unter Bildung von Chloroplumbaten löslich ist[5].

Etymologie und Geschichte[Bearbeiten]

Erstmals entdeckt wurde Matlockit in der Gemeinde Cromford, nahe der Stadt Matlock in Derbyshire, England.

Die wahrscheinlich erste Erwähnung von Matlockit geht auf John Mawes Beschreibungen der Mineralogy of Derbyshire im Jahr 1802 zurück.[6]

Wissenschaftlich beschrieben wurde das Mineral allerdings erst 1851 durch Robert Philips Greg, der es nach der in der Nähe der Typlokalität liegenden Stadt Matlock benannte, da der Name Cromfordit (heute Phosgenit) bereits vergeben war.[4]

Klassifikation[Bearbeiten]

In der mittlerweile veralteten, aber noch gebräuchlichen 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz gehörte der Matlockit zur Mineralklasse der „Halogenide“ und dort zur Abteilung der „Oxihalogenide“, wo er zusammen mit Bismoclit, Daubréeit, Rorisit und Zavaritskit die unbenannte Gruppe III/D.09 bildete.

Die seit 2001 gültige und von der International Mineralogical Association (IMA) verwendete 9. Auflage der Strunz'schen Mineralsystematik ordnet den Matlockit ebenfalls in die Klasse der „Halogenide“, dort allerdings in die Abteilung der „Oxihalogenide, Hydroxyhalogenide und verwandte Doppel-Halogenide“ ein. Diese Abteilung ist zudem weiter unterteilt nach den in der Verbindung vorherrschenden Metallen, so dass das Mineral entsprechend seiner Zusammensetzung in der Unterabteilung „Mit Pb (As, Sb, Bi) ohne Cu“ zu finden ist, wo es als Namensgeber die „Matlockitgruppe“ mit der System-Nr. 3.DC.25 und den weiteren Mitgliedern Bismoclit, Daubréeit, Rorisit, Zavaritskit und Zhangpeishanit bildet.

Auch die vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchliche Systematik der Minerale nach Dana ordnet den Matlockit in die Klasse der „Halogenide“ und dort in die Abteilung der „Halogenide“ ein. Hier ist er ebenfalls Namensgeber der „Matlockitgruppe“ mit der System-Nr. 09.02.11 und den weiteren Mitgliedern Rorisit und Zhangpeishanit innerhalb der Unterabteilung der „Wasserfreien und wasserhaltigen Halogenide mit der Formel AX2“ zu finden.

Bildung und Fundorte[Bearbeiten]

Matlockitkristall in einer Matrix aus Galenit aus der Typlokalität Cromford

Matlockit bildet sich als Sekundärmineral in der Oxidationszone von bleihaltigen Lagerstätten aus Galenit (Bleiglanz, PbS). Begleitminerale ist entsprechend meist Galenit, aber auch Anglesit, Baryt, Boleit, Caledonit, Cerussit, Diaboleit, Fluorit, Leadhillit, Phosgenit und Sphalerit.[2]

Insgesamt wurde Matlockit bisher (Stand: 2011) an rund 30 Fundorten nachgewiesen. Neben seiner Typlokalität Cromford bei Matlock trat das Mineral in England noch in der nahe gelegenen „Bage Mine“ bei Bolehill in Derbyshire; bei Crantock in Cornwall und in der „Waterbank Mine“ bei Ecton in Staffordshire auf.

In Deutschland ist Matlockit bisher nur aus der Zeche Christian Levin bei Essen in Nordrhein-Westfalen bekannt und der einzige bisher bekannte Fundort in Österreich ist Waitschach in Kärnten.

Ein mit zehn Zentimetern sehr großer Kristall aus Derbyshire befindet sich in den Sammlungen des American Museum of Natural History.[7] Die Derby Museum and Art Gallery besitzt eine Probe mit einer Größe von sieben Zentimetern.[8]

Weitere Fundorte sind Tasmanien in Australien, Antofagasta und Tarapacá in Chile, Mengyin in China, Marvejols in Frankreich, Lavrio in Griechenland, die italienische Provinz Livorno, Kadoma in Simbabwe, Argent in der südafrikanischen Provinz Gauteng sowie Spruce im Elko County in Nevada, Spearfish im Lawrence County in South Dakota sowie mehrere Orte in Arizona in den Vereinigten Staaten (USA).

Kristallstruktur[Bearbeiten]

Matlockit kristallisiert tetragonal in der Raumgruppe P4/nmm (Raumgruppen-Nr. 129) mit den Gitterparametern a = 4,11 Å und c = 7,25 Å sowie 2 Formeleinheiten pro Elementarzelle.[9]

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Webmineral - Matlockite (englisch)
  2. a b c d Handbook of Mineralogy - Matlockite (englisch, PDF 60,4 kB)
  3. a b Mindat - Matlockite (englisch)
  4. a b Robert Philips Greg, William Garrow Lettsom: Matlockit, in: Manual of the mineralogy of Great Britain & Ireland in der Google-Buchsuche
  5. Jander, Blasius, Strähle: Einführung in das anorganisch-chemische Praktikum; S. Hirzel Verlag
  6. John Mawe: The Mineralogy of Derbyshire with a Description of the most Interesting Mines. 1802, London
  7. Frondell, Clifford. American Mineralogist, Vol 20, 469-473, 1935
  8. Moyes, N. Working with Wikipedia - a museum's perspective Zeitpunkt 14:30
  9.  Hugo Strunz, Ernest H. Nickel: Strunz Mineralogical Tables. 9. Auflage. E. Schweizerbart'sche Verlagsbuchhandlung (Nägele u. Obermiller), Stuttgart 2001, ISBN 3-510-65188-X, S. 176.

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Matlockite – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien