Mattersburg

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Mattersburg
Wappen von Mattersburg
Mattersburg (Österreich)
Mattersburg
Basisdaten
Staat: Österreich
Bundesland: Burgenland
Politischer Bezirk: Mattersburg
Kfz-Kennzeichen: MA
Fläche: 28,17 km²
Koordinaten: 47° 44′ N, 16° 24′ O47.73805555555616.396944444444256Koordinaten: 47° 44′ 17″ N, 16° 23′ 49″ O
Höhe: 256 m ü. A.
Einwohner: 7.100 (1. Jän. 2013)
Postleitzahl: 7210
Vorwahl: 02626
Gemeindekennziffer: 1 06 06
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Stadtgemeinde Mattersburg
Brunnenplatz 4
7210 Mattersburg
Website: www.mattersburgonline.at
Politik
Bürgermeisterin: Ingrid Salamon (SPÖ)
Gemeinderat: (2012)
(25 Mitglieder)
14
7
2
2
14 
Von 25 Sitzen entfallen auf:
Lage der Stadt Mattersburg im Bezirk Mattersburg
Antau Bad Sauerbrunn Baumgarten Draßburg Forchtenstein Hirm Krensdorf Loipersbach Marz Mattersburg Neudörfl Pöttelsdorf Pöttsching Rohrbach bei Mattersburg Schattendorf Sieggraben Sigleß Wiesen Zemendorf-Stöttera BurgenlandLage der Gemeinde Mattersburg im Bezirk Mattersburg (anklickbare Karte)
Über dieses Bild
Vorlage:Infobox Gemeinde in Österreich/Wartung/Lageplan Imagemap
(Quelle: Gemeindedaten bei Statistik Austria)
Mattersburg, im Hintergrund der Neusiedler See

Mattersburg (ungarisch: Nagymarton (Groß-Martin), kroatisch: Matrštof) ist eine Stadt und Bezirksvorort (Burgenländische Bezeichnung für Bezirkshauptstadt) des gleichnamigen Bezirkes im Burgenland in Österreich.

Besondere Bekanntheit erlangte die Stadt in den letzten Jahren in erster Linie durch den Fußballverein SV Mattersburg, der von 2003 bis 2013 in der höchsten österreichischen Spielklasse, der Bundesliga vertreten war.

Geografie[Bearbeiten]

Mattersburg liegt im nördlichen Teil Burgenlands östlich von Wiener Neustadt im Wulkatal.

Gemeindegliederung[Bearbeiten]

Das Gemeindegebiet umfasst folgende zwei Ortschaften (in Klammern Einwohnerzahl Stand 31. Oktober 2011[1]):

Die Gemeinde besteht aus den Katastralgemeinden Mattersburg und Walbersdorf.

Eingemeindungen[Bearbeiten]

Durch das Gemeindestrukturverbesserungsgesetz wurden Mattersburg und Walbersdorf mit Wirkung vom 1. Jänner 1971 zu einem Gemeinwesen vereinigt.

Geschichte[Bearbeiten]

Vor Christi Geburt war das Gebiet Teil des keltischen Königreiches Noricum und gehörte zur Umgebung der keltischen Höhensiedlung Burg auf dem Schwarzenbacher Burgberg.

Später unter den Römern lag das heutige Mattersburg dann in der Provinz Pannonia. Archäologische Ausgrabungen dokumentierten urgeschichtliche, römerzeitliche und frühmittelalterliche Funde.[2]

Mattersburg wurde 1202 das erste Mal als Villa Martini urkundlich erwähnt. Es dürfte sich dabei um den Hl. Martinus gehandelt haben. Eine ursprünglich hier stehende Burg, die Stammburg der Herren von Mattersdorf-Forchtenstein war, wurde bereits vor 1294 geschleift. An Stelle dieser wurde die Burg Forchtenstein gebaut.

Bereits 1354 erhielt Mattersburg das Marktrecht.

Einen Aufschwung nahm der Markt, als die Eisenbahn von Wiener Neustadt nach Mattersburg 1847 in Betrieb genommen wurde.

Der Ort gehörte wie das gesamte Burgenland bis 1920/21 zu Ungarn (Deutsch-Westungarn). Seit 1898 musste aufgrund der Magyarisierungspolitik der Regierung in Budapest der ungarische Ortsname Nagymarton verwendet werden.

20. Jahrhundert[Bearbeiten]

Nach Ende des Ersten Weltkrieges wurde am 22. Dezember 1918 in Mattersburg durch den einheimischen Sozialdemokraten Hans Suchard die kurzlebige Republik Heinzenland ausgerufen. Nach zähen Verhandlungen wurde Deutsch-Westungarn in den Verträgen von St. Germain und Trianon 1919 Österreich zugesprochen. Der Ort gehört seit der Volksabstimmung 1921 im Burgenland zum neu gegründeten Bundesland Burgenland (siehe auch Geschichte des Burgenlandes). Bis zum 14. Juni 1924 hieß die Gemeinde offiziell „Mattersdorf“. Am 2. Juli 1926 erfolgte die Stadterhebung.

Gleich nach dem Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich im März 1938 wurde die jüdische Bevölkerung vertrieben und enteignet, so dass es bereits im Herbst 1938 keine Juden mehr in Mattersburg gab. Etwa 100 jüdische Einwohner dürften zum größten Teil in den Vernichtungslagern ermordet worden sein. Im Zuge der Kriegshandlungen des Zweiten Weltkrieges waren über 200 tote und vermisste Soldaten zu beklagen.

Noch als Mattersdorf/Nagy Márton (links oben), um 1880 (Aufnahmeblatt der Landesaufnahme)

Nach dem Krieg kamen viele rückwandernde so genannte Ostarbeiter in die Stadt. Dabei wurde der Typhus in die Stadt eingeschleppt.

In den ersten Nachkriegsjahren wurden Aufbauleistungen gesetzt, die sich sehen lassen können. Es entstanden neue Wohnsiedlungen, die Sportanlage wurde ausgebaut und die Jubiläumshauptschule errichtet, ebenso wurde das Projekt für die Erbauung des Schwimmbadgeländes in Angriff genommen. Die Burgenländische Deutsche Mittelschule, die bereits im Jahr 1924 ins Leben gerufen worden war, wurde 1948 von der Republik Österreich als Bundesrealgymnasium und Bundesgymnasium übernommen und wird sei 1964 als Bundesgymnasium und Bundesrealgymnasium Mattersburg geführt.

Das schwedische Unternehmen Felix Austria wurde 1959 als Tochterfirma der großen schwedischen Konservenfabrik Felix in Mattersburg gegründet - eines der wichtigsten wirtschaftlichen Vorhaben in der Nachkriegszeit.

Ein größerer Umbau des Gebäudes der Bezirkshauptmannschaft erfolgte 1962; das Kerngebäude wurde vermutlich bereits im Jahr 1912 als Amtssitz bezogen. 2004 wurde ein moderner Neubau errichtet.

Durch das Gemeindestrukturverbesserungsgesetz wurden Mattersburg und Walbersdorf mit Wirkung vom 1. Jänner 1971 zu einem Gemeinwesen vereinigt. Die Stadtverwaltung ist seit 1972 in einem neu erbauten Rathaus untergebracht. Bis dahin hatte das alte, 1855/57 errichtete Schulhaus, als erstes Rathaus gedient.

Mit der Errichtung des Kulturzentrums 1973-76 wurde ein Kommunikationszentrum für alle Bevölkerungsschichten geschaffen. Da sich die Jubiläumshauptschule als zu klein erwies, wurde sie im Jahr 1975 durch die Zentralhauptschule mit der Sporthalle abgelöst. Das Sonderpädagogische Zentrum, die Polytechnische Schule sowie die Handelsschule und Handelsakademie bezogen die freigewordenen Räumlichkeiten in der Jubiläumshauptschule.

1985 wurde der Zunftbaum auf dem Platz vor dem Florianihof aufgestellt. Er zeigt 16 Vertreter verschiedener Handwerke, die einst Zünften angehörten. 2004 bekam der Baum vor der alten Bezirkshauptmannschaft einen neuen Standplatz.

1996 wurde in Mattersburg die größte gemeindeeigene Bauschuttdeponie des Burgenlandes eröffnet - der Schutt wird aufbereitet und weitgehend wieder verwendet. Die Altstoffsammelstelle wurde mit dem „Goldenen Mistkäfer“ ausgezeichnet - eine Auszeichnung, welche die Stadtgemeinde für ihre Verdienste um die Abfallwirtschaft erhielt.

Ebenso wurden in den letzten Jahren viele Bauplätze in den Siedlungsgebieten geschaffen, Wohnungen und Familienhäuser fertiggestellt.

Die Neugestaltung des Stadtzentrums, die Sanierung der Parkanlagen sowie die Einrichtung des Einkaufszentrums MEZ verbesserten die Infrastruktur zusehends. Um als Stadt mit hoher Lebensqualität zu bestehen, bemüht sich die Stadt besonders um das Wohl der Jugend. Der Neubau eines Städtischen Kindergartens mit einem Kinderspielplatz und einer eigenen Kinderkrippe hat Mattersburg als Wohnort für Jungfamilien interessant gemacht.

21. Jahrhundert[Bearbeiten]

In den letzten Jahren wurden zahlreiche Investitionen getätigt: Bad und Eislaufplatz sowie die Volksschule- und Hauptschule wurden saniert. Außerdem wurden eine Freisportanlage, eine Mountainbike- und eine Nordic-Walking Strecke errichtet. Der SVM Mattersburg errichtete ein neues Fußballstadion.

Im Jahre 2005 wurden ein „Funcourt“ und ein „Bewegungspark“ errichtet – damit wurde dem Gesundheits- und Wellness-Gedanken Rechnung getragen. 2006 wurde das Sozialzentrum „Villa Martini“ eröffnet. Im Jahre 2007 erfolgte die Eröffnung der ARENA 2000, ein modernes Einkaufszentrum am Stadtrand. 2008 wurde mit dem Bau der ersten burgenländischen Fußballakademie begonnen.

Jüdische Geschichte[Bearbeiten]

Interessant ist die Geschichte in Verbindung mit dem Judentum. So siedelten sich im 16. Jhdt. die aus Ödenburg vertriebenen Juden hier an und die Stadt wuchs stark. Im Jahr 1671 mussten die Juden auf Befehl von Leopold I. Mattersdorf, wie die Stadt damals hieß, verlassen, kehrten jedoch bereits 1678 auf Einladung von Paul I. Fürst Esterházy wieder zurück, wobei sie aber ihre Besitzungen wieder kaufen mussten. Seither gehörte Mattersdorf zu den jüdischen Siebengemeinden im Burgenland. Die eigenständige Judengemeinde wurde erst im März 1902 mit der Marktgemeinde zusammengelegt.

Nach dem Anschluss Österreichs 1938 an das Deutsche Reich wurden die Juden vertrieben und enteignet. Viele Grabsteine des jüdischen Friedhofs wurden zum Straßenbau verwendet. Bereits am 30. September 1938 vermeldeten die lokalen Nazis, dass alle Juden verschwunden seien. Viele schafften die Emigration nach Brooklyn, New York. Darunter auch der Arzt und spätere Mitarbeiter des New Yorkers, Richard Berczeller, sowie der Oberrabbiner Samuel Ehrenfeld. Nach der Gründung Israels gründete Ehrenfeld im Norden Jerusalems den Stadtteil Kirjat Mattersdorf, in Erinnerung an die burgenländische Herkunft. Die vor 1938 überregional angesehene Jeschiwa, die Thora-Schule von Mattersdorf, wird dort bis heute fortgesetzt, da Ehrenfelds Sohn und danach auch dessen Sohn ihrem Vaters als Rabbiner und Träger der „Mattersdorfer Gelehrsamkeit“ nachfolgten.[3]

Bevölkerung[Bearbeiten]

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten]


Politik[Bearbeiten]

Gemeinderatswahlen
 %
60
50
40
30
20
10
0
54,14 %
(-1,04 %p)
27,68 %
(-4,96 %p)
7,47 %
(+1,88 %p)
10,71 %
(+5,21 %p)
n. k.
(-1,08 %p)
2007

2012


Die Mandatsverteilung (25 Sitze) in der Gemeindevertretung ist SPÖ 14, ÖVP 7, FPÖ 2 und Grüne 2 Mandate.

Bürgermeisterin ist seit 1999 Ingrid Salamon von der SPÖ, 1. Vizebürgermeister Helmut Marban von der SPÖ, 2. Vizebürgermeister Michael Ulrich von der ÖVP. Ortsvorsteher des Ortsteiles Walbersdorf ist Stadtrat Hubert Lang von der SPÖ. Amtsleiter ist OAR Karl Aufner.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Siehe auch: Liste der denkmalgeschützten Objekte in Mattersburg

Bauwerke[Bearbeiten]

  • Bahnviadukt: Auffallend im Stadtbild ist das mächtige Bahnviadukt, welches auch ein Wahrzeichen der Stadt ist, das Viadukt ist 20 m hoch und überspannt das Wulkatal auf ca. 150 m Länge
  • Stadtpfarrkirche zum Hl. Martin: Wehrkirche (14. Jh).
  • Verschiedene Wegkreuze in und um Mattersburg
  • Sender Mattersburg: 89 Meter hoher Sendeturm des ORF für UKW und TV
  • Literaturhaus Mattersburg: dort finden Kultur- und Literaturveranstaltungen statt
  • Alberthütte

Sport[Bearbeiten]

Pappelstadion des SV Mattersburg

Im Jahr 2009 wurde eine Fußball-Akademie um rund 10 Millionen Euro mit mehreren Rasenplätzen und einem Internat errichtet, um den Nachwuchsfußball im Burgenland zu fördern.

  • Basketball: Der BK Mattersburg Rocks spielt seit der Saison 2007/08 in der 2. Bundesliga Division Süd.
  • Hockey: Der ASKÖ-Hockeysportverein spielt seit der 2006 in den Ligen des Österreichischen Hockeyverbands.

Wirtschaft[Bearbeiten]

Mattersburg ist das Wirtschaftszentrum der Region mit mehr als 300 Betrieben und über 3.400 Arbeitsplätzen. Einer der größten Betriebe ist der Lebensmittelhersteller Felix Austria. Daneben gibt es noch viele andere Betriebe im Gewerbe und Dienstleistungsbereich. Mattersburg verfügt über drei Einkaufszentren.

Verkehr[Bearbeiten]

Straße[Bearbeiten]

Mattersburg ist über die Straße von Eisenstadt und Oberpullendorf über die Burgenland Schnellstraße S 31 und von Wiener Neustadt über die Mattersburger Schnellstraße S 4 erreichbar.

Eisenbahn[Bearbeiten]

Mattersburg ist durch die Mattersburger Bahn über den Schienenweg mit Wiener Neustadt und Sopron verbunden.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Söhne und Töchter[Bearbeiten]

Personen mit Beziehung zur Stadt[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Statistik Austria, Registerzählung vom 31. Oktober 2011
  2. Dorothea Talaa, Ingomar Herrmann: Fundbericht. In: Fundberichte aus Österreich. Band 48, Jahrgang 2009. Wien 2010. Seiten 453–455.
  3. Wolfgang Weisgram: Unterm Pflaster liegt die Erinnerung. Der Standard, 20. Jänner 2009, S. 17
  4. Gertraud Tometich: Als im Burgenland noch das Schofahorn ertönte. Edition Marlit, 2013, S. 180

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Mattersburg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien