Matthias Gallas

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Matthias Gallas

Matthias Gallas (ital. Matthias di Gallasso), ab 1632 Graf von Gallas zum Schloß Campo und Freyenthurn (auf Martarella) (* 17. Oktober 1588 [ältere Quellen nennen fälschlicherweise den 16. September 1584][1] in Trient, Italien; † 25. April 1647 in Wien) war ein kaiserlicher Generalleutnant und Feldzeugmeister im Dreißigjährigen Krieg.

Abstammung[Bearbeiten]

Er stammte aus einem Geschlecht des Tridentinischen Uradels, das mit Odalricus de Campo und seinem Sohn Fridericus am 22. Juli 1163 urkundlich zuerst erscheint und im 15. Jahrhundert den Vornamen Gallasio de Castel Campo in der Namensforn "di Gallasso" als Familiennamen übernahm.[2]

Im 15. Jahrhundert zählten die Gallasso di Castel de Campo zum niederen Lehnsadels Judikariens. Seine Familie hatte von den Fürstbischöfen von Trient das Schlösschen Campo zu Lehen. Matthias' Vater, Pancrazio di Gallasso zu Schloss Campo auf Martarella starb nach 35-jährigem Kriegsdienst am 22. Juli 1612, nach anderer Quelle 1611, im Rang eines kaiserlichen Generalfeldwachtmeisters in Tirol und war mit Annunziata Marcanti di Gandina, Tochter des Octavio Marcanti di Gandina und der Euphemia von Taxis[3] verehelicht.

Militärische Laufbahn[Bearbeiten]

Matthias Gallas, zeitgenössisches Portrait (Heeresgeschichtliches Museum Wien)

Über Matthias Gallas, geboren im Palazzo Galasso in Trient,[4] über dessen Jugend und den frühen militärischen Werdegang ist – wie bei fast allen militärischen Führern zweiten Ranges aus der Zeit des Dreißigjährigen Krieges – nur wenig Verlässliches bekannt. Seinen ersten Feldzug machte er mit dem spanischen Heer in Flandern mit, kämpfte dann 1616 und 1617 in Savoyen, trat aber bald darauf als Hauptmann in den Dienst der deutschen Katholischen Liga. Er wurde zu Anfang des Dreißigjährigen Krieges Oberst eines Fußregiments. Er zeichnete sich besonders bei Stadtlohn (1623) aus, kommandierte 1629 als von Wallenstein bestallter Generalfeldwachtmeister ein Truppenkorps in Italien und eroberte 1630 unter Collalto Mantua. Daraufhin wurde Gallas zum Reichsgrafen erhoben und übernahm 1631 als Feldzeugmeister das Kommando eines Teils des in der Schlacht bei Breitenfeld von den Schweden geschlagenen Heeres, deckte Böhmen und kämpfte dann gegen Gustav Adolf bei Nürnberg und Lützen, wo er den rechten Flügel befehligte. Gallas deckte dann Passau gegen Bernhard von Weimar und erhielt den Oberbefehl über alle Truppen an der österreichischen und böhmischen Grenze.

Gallas wurde vom Kaiser zum Generalleutnant der kaiserlichen Armee bestellt, nachdem dieser von den Geheimverhandlungen Wallensteins mit den Schweden erfahren hatte. In der Folge arbeitete Gallas sehr geschickt mit Piccolomini gegen Wallenstein, nach dessen Ermordung er reichen Lohn und auch den tatsächlichen Oberbefehl über das kaiserliche Heer erhielt, den nominell des Kaisers ältester Sohn, Erzherzog Ferdinand, führte. Am 6. September 1634 errang Gallas den Sieg bei Schlacht bei Nördlingen über Bernhard von Sachsen-Weimar, wodurch das südwestliche Deutschland wieder in die Gewalt des Kaisers kam. Nach dem Prager Frieden führte er 20.000 Mann nach Lothringen, die aber dort durch Seuchen und mangelnde Verpflegung untergingen. 1635 eroberte Gallas die westpfälzische Stadt Zweibrücken, die vom weimaranischen Obristen Reinhold von Rosen verteidigt wurde. 1637 kämpfte er erfolgreich gegen Banér und Wrangel in Pommern, besetzte Usedom und Wolgast, musste sich aber 1638 mit seinem fast aufgeriebenen Heer nach Böhmen zurückziehen. Das Kommando wurde ihm genommen, er wurde mit dem Beinamen "Heerverderber" bezeichnet.

1643 befehligte er wieder gegen Torstensson, musste sich aber nach großen Verlusten elbaufwärts zurückziehen und wurde südlich von Magdeburg bei Aschersleben eingeschlossen. Er rettete sich mit nur schwachen Kräften des Heers nach Böhmen, worauf er den Oberbefehl an Hatzfeldt übergeben musste. Noch einmal übernahm er 1645 den Oberbefehl über die bei Jankau geschlagenen kaiserlichen Truppen, übergab ihn jedoch wegen seiner Kränklichkeit Anfang 1647 in die Hände Holzapfels.

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Er war Gutsherr auf Friedland, Reichenberg, Smirschitz und Horzeniowes. Am 10. März 1632 wurde er in den Reichsgrafenstand erhoben. Im Jahr 1635 wurde er zum „Herzog von Lucera“ (Apulien) und „Grande von Spanien“ ernannt.

Familie[Bearbeiten]

Gallas war zweimal verheiratet. Er heiratete 1630 Isabella von Arco (1608–1632 die Tochter des Grafen Sigismund von Arco). Sie starb kinderlos. Ihre Schwester Livia war mit dem General Johann von Aldringen verheiratet.

Dann mit Dorothea Anna Gräfin von Lodron († 23. Mai 1666 in Mährisch Kromau), der Tochter des Philipp Jakob Graf von Lodron und der Victoria Gräfin von Collalto und San Salvatore. Das Paar hatte folgende Kinder:[5]

  • Franz Ferdinand (1635–1697), Herzog von Lucera, kaiserlicher Generalmajor ∞ Gräfin Johanna Emerentia Gaschin von Rosenberg(1646–1735)
  • Anton Pankraz (* 1638; † 1699), Kaiserlicher Oberst, Kommandeur des Dragoner-Regiments Gallas
  • Ignatz Felix (* 1643; † Jung)
  • Maria Viktoria (* 1640; † 30. April 1687)[6] ∞ Graf Johann Wilhelm Kolowrat-Krakovský (* 1638; † 7. Mai 1690), Kanzler[7]
  • Theresia Anunciata ∞ Graf N.N. von Nachodt

Die Witwe heiratet nach dem Tod ihres Mannes Ferdinand Johann von Liechtenstein (1622–1666) den Sohn von Gundaker von Liechtenstein.

Rezeption[Bearbeiten]

Durch die kaiserliche Entschließung von Franz Joseph I. vom 28. Februar 1863 wurde Matthias Gallas in die Liste der „berühmtesten, zur immer währenden Nacheiferung würdiger Kriegsfürsten und Feldherren Österreichs“ aufgenommen, zu deren Ehren und Andenken auch eine lebensgroße Statue in der Feldherrenhalle des damals neu errichteten k.k. Hofwaffenmuseums (heute: Heeresgeschichtliches Museum Wien) errichtet wurde. Die Statue wurde 1867 vom Bildhauer Thomas Seidan (1830–1890) aus Carrara-Marmor geschaffen, gewidmet wurde sie von Kaiser Franz Joseph selbst.[8]

Literatur[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Robert Rebitsch: Matthias Gallas und die Liquidierung Albrechts von Wallenstein. In: Innsbrucker Historische Studien. Ausgabe 23/24 (2004), S. 336.
  2. siehe: Roman von Prochazka: Genealogisches Handbuch erloschener böhmischer Herrenstandsfamilien. Neustadt an der Aisch 1973, ISBN 3-7686-5002-2, S. 94: Gallas (aus dem Hause Castel Campo)
  3. siehe bei: Thurn und Taxis
  4. siehe: Die Wappen des böhmischen Adels. (= J. Siebmachers großes Wappenbuch, Band 30). Neustadt an der Aisch 1979, ISBN 3-87947-030-8, S. 116 bei Clam-Gallas und Clam-Martinic
  5. Joseph Bergmann: Medaillen auf berühmte und ausgezeichnete Männer. Band 2, S. 313f, (Digitalisat)
  6. Maria Viktoria
  7. Jan Václav Kolovrat Stammbaum
  8. Johann Christoph Allmayer-Beck: Das Heeresgeschichtliche Museum Wien. Das Museum und seine Repräsentationsräume. Kiesel Verlag, Salzburg 1981, ISBN 3-7023-0113-5, S. 32.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Matthias Gallas – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien