Matthias Heinrich Göring

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Matthias Heinrich Göring (* 5. April 1879 in Düsseldorf; † 24. oder 25. Juli 1945 in Posen) war ein deutscher Arzt, Psychotherapeut und nationalsozialistischer Funktionär. Matthias Heinrich Göring, ein Vetter Hermann Görings, war Vorsitzender der "Deutschen Allgemeinen Ärztlichen Gesellschaft für Psychotherapie" und Leiter des 1936 gegründeten Deutschen Instituts für psychologische Forschung und Psychotherapie.

Leben[Bearbeiten]

Göring wurde 1900 in Rechtswissenschaften promoviert, sattelte aber auf das Studium psychischer Krankheiten um und schloss 1907 eine Promotion als Dr. med. an.[1] Verschiedene Reisen führten ihn nach Palästina, Ceylon und Indien. Nach einem Praktikum in Bonn bei Prof. Westphal nahm er zwischen 1909 und 1910 eine Volontärstelle bei Kraepelin an. In dieser Zeit lag der Schwerpunkt seiner Arbeit in der forensischen Psychiatrie. Zum 'Facharzt für Nerven- und Gemütsleiden' wurde er 1922. In dieser Zeit begann er, sich auch für Psychotherapie zu interessieren. 1923 eröffnete Göring eine neurologische Praxis in Wuppertal-Elberfeld. 1927 nahm er zum ersten Mal an einem Kongress der Allgemeinen Ärztlichen Gesellschaft für Psychotherapie teil und wurde im folgenden Jahr Mitglied der Gesellschaft. Nach einer adlerianisch ausgerichteten Lehranalyse bei Leonhard Seif in München gründete Göring 1929 die erste Erziehungsberatungsstelle in Wuppertal. Gleichzeitig rief er eine Wuppertaler Studiengruppe für Psychotherapie ins Leben.

Nach der „Machtergreifung“ der Nationalsozialisten wurde er im März 1933 Mitglied der NSDAP und trat auch der SA sowie dem NS-Ärztebund bei.[1] In Verbindung mit der Macht seines Familiennamens wurde er, dem Vorschlag Hattenbergs folgend, zum Vorsitzenden der neu gegründeten allgemeinen ärztlichen Gesellschaft für Psychotherapie (Gründung der neuen Gesellschaft 15. September 1933). Er gehörte seit 1933 dem Amt für Volksgesundheit der NSDAP an.[1] 1936 siedelte Göring nach Berlin über, um das Deutsche Institut für psychologische Forschung und Psychotherapie zu gründen, als integrative Figur den verschiedenen psychotherapeutischen Richtungen gegenüber zu leiten und als 'Vertrauensmann' der Regierung auftreten zu können."[2] Ab 1936 war er zusammen mit C. G. Jung Mitherausgeber des Zentralblattes für Psychotherapie und ihre Grenzgebiete.[1]

„Kraft seines Namens bekam Göring nun eine bedeutende Position, der er weder von seiner Persönlichkeit her noch seinen wissenschaftlichen Leistungen entsprechend gewachsen war.“[3]

Göring repräsentierte das Institut, gab Interviews (z.B. dem Völkischen Beobachter), war als Gutachter z.B. in Verfahren beim Erbgesundheitsgericht in Gera, in denen über Zwangssterilisierungen entschieden wurde, tätig, pflegte die Verbindung zu seinem Vetter bei den jährlichen stattfindenden Familienbanketts, war zugleich Funktionär im Reichsluftfahrtministerium[4] und vertrat die Allgemeine Ärztliche Gesellschaft für Psychotherapie bei von den Nationalsozialisten sorgfältig geplanten[5] internationalen Kongressen.

1939 wurde das Institut von der Deutschen Arbeitsfront übernommen. "Die wichtigsten Mitarbeiter des Instituts hatten Spitzengehälter. Göring bekam 1500,- RM (zum Vergleich: ein Reichsleiter bekam 1200,- RM, ein Gauleiter 1500,- RM)."[6]

Göring starb kurz nach Ende des Zweiten Weltkrieges an einer Ruhrerkrankung in einem sowjetischen Lagerlazarett in Posen.[7]

Sekundärliteratur[Bearbeiten]

  • Cocks, G. (1985), Psychotherapy in the Third Reich: The Göring Institute, New York: Oxford University Press. Überarbeitete Neuauflage, New Brunswick: Transaction Publishers 1997.
  • Regine Lockot, Erinnern und Durcharbeiten : zur Geschichte der Psychoanalyse und Psychotherapie im Nationalsozialismus, Frankfurt am Main : Fischer-Taschenbuch-Verlag, 1985

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c d Ernst Klee: Das Personenlexikon zum Dritten Reich. Wer war was vor und nach 1945. Fischer Taschenbuch Verlag, Zweite aktualisierte Auflage, Frankfurt am Main 2005, S. 190.
  2. Lockot 1985: 79-80
  3. Lockot 1985: 83.
  4. vgl. Lockot 1985: 85
  5. vgl. Lockot 1985: 286-294
  6. Lockot 1985: 194
  7. Ernst Klee: Personenlexikon zum Dritten Reich. Wer war was vor und nach 1945. Fischer Taschenbuch, Frankfurt am Main 2005, ISBN 3-596-16048-0, S. 190.