Matthias Theodor Vogt

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Matthias Theodor Vogt 2012

Matthias Theodor Vogt (* 5. Mai 1959 in Rom) ist ein deutscher Kulturhistoriker und Autor. Er ist seit 1994 Direktor des Instituts für kulturelle Infrastruktur Sachsen und seit 1997 Professor für Kulturpolitik und Kulturgeschichte an der Hochschule Zittau/Görlitz. Die Universität Pécs ernannte ihn 2012 zum Professor honoris causa[1].

Leben[Bearbeiten]

Vogt ist in und bei Freiburg im Breisgau aufgewachsen. Er ist ein Enkel des Königsberger Anglisten Theodor Spira[2] (1885 – 1961) und Neffe des Mainzer Altphilologen Andreas Spira[3] (1929–2004). Vogt lernte Violoncello zunächst bei Nikolaus Uhlenhut am Konservatorium Basel, später bei Atis Teichmanis (Musikhochschule Freiburg), und studierte Theaterwissenschaften, Philosophie, Germanistik und Musikwissenschaften an den Universitäten München, Aix-en-Provence, Paris III und Berlin. 1983 schloss er mit dem Magister Artium an der Ludwig-Maximilians-Universität München bei Klaus Lazarowicz und Susanne Vill ab. 1988 erfolgte die Promotion zum Dr. phil. bei Carl Dahlhaus an der Technischen Universität Berlin und 2008 zum Dr. habil. an der Universität Pécs. Seit 1983 hält Vogt Vorträge auf deutsch, englisch, französisch und italienisch überwiegend in Europa, Japan und den Vereinigten Staaten.

Von 1986 bis 1989 leitete Vogt die Öffentlichkeitsarbeit der Bayreuther Festspiele und war dort insbesondere für die Programmhefte verantwortlich.[4][5] Er arbeitete bei den Salzburger Festspielen, der Wiener Staatsoper, dem Teatro alla Scala di Milano, der Biennale Venedig, dem Théâtre du Châtelet Paris, der Staatsoperette Moskau, dem Nationaltheater Russe und dem Aquario Romano in Rom. Er arbeitete mit Luigi Nono,[6] Luciano Berio und Karlheinz Stockhausen bei den Uraufführungen von „Prometeo“, „Un Re in Ascolto“ und „Samstag aus Licht“. Als Musiker und Musikwissenschaftler liegt sein Fokus auf der Zeitgenössischen Musik und der Rolle der Musik in Theaterproduktionen.

Matthias Theodor Vogt war von 1992 bis 1995 federführend am Konzept des Sächsischen Kulturraumgesetzes (SächsKRG) vom 20. Januar 1994 sowie an dessen Durchsetzung und Umsetzung beteiligt. Er gilt als „Vater des Kulturraumgesetzes“, das von der Enquete-Kommission Kultur in Deutschland des Deutschen Bundestages anderen Ländern als Vorbild nahegelegt wurde.[7]

1994 gründeten Staatsminister Hans Joachim Meyer und Matthias Theodor Vogt das Institut für kulturelle Infrastruktur Sachsen (IKS), dessen Direktor Vogt seither ist.[8] 1997 wurde Vogt als Professor für Kulturpolitik und Kulturgeschichte an die heutige Fakultät für Management- und Kulturwissenschaften der Hochschule Zittau/Görlitz berufen. 2008 wurde er Mitglied am Internationalen Hochschulinstitut Zittau. Er war 2001–2005 Gastprofessor an der Technischen Universität Dresden, 2002-2010 an der Karls-Universität Prag, 2003 an der Universität Breslau, 2009 an der Universität des Sannio Benevent und 2012 an der Jagiellonen-Universität Krakau.

1997 gründete Vogt in gemeinsamer Verantwortung des Instituts für kulturelle Infrastruktur Sachsen und der Hochschule Zittau/Görlitz den Studiengang „Kultur und Management Görlitz (B.A., M.A.)“ unter Schirmherrschaft des UNESCO Generaldirektors Federico Mayor und baute das European Network Culture and Management auf.[9]

Vogt ist verheiratet und hat drei Kinder.

Wissenschaft und Praxis der Kulturpolitik[Bearbeiten]

Seit 1990 widmet sich Vogt Forschungen auf dem Gebiet der Kulturpolitik und der kulturellen Transformationsprozesse Europas. Sein besonderes Interesse gilt methodologischen Aspekten der Kulturpolitikwissenschaften. Im Bereich Minderheitenpolitik hat er unter anderem die Lausitzer Sorben in Studien analysiert. Er ist Mitherausgeber des Europäischen Journals für Minderheitenfragen (Wien) und des dreisprachigen Journals „Culture Management - Kulturmanagement - Zarządzanie Kulturą“ (Krakau). In Studien in Erlangen, Landsberg am Lech, Altötting und anderen hat Vogt die Prinzipal-Agent-Potentiale für lokale Kulturpolitiken untersucht. Vogt verfasste rund 100 Bücher und Aufsätze als Autor, Herausgeber und Mitherausgeber. Er ist verantwortlich für die Reihen „Kulturelle Infrastruktur“ beim Leipziger Universitätsverlag bzw. Verlag Peter Lang sowie „Editionen des Collegium Pontes“ beim Verlag Peter Lang.

Bücher (Auswahl)[Bearbeiten]

  • Die Genese der Histoire du Soldat von Charles-Ferdinand Ramuz, Igor Strawinsky und René Auberjonois. Bamberg 1989 [Dissertation an der Technischen Universität Berlin][10]
  • Das Gustav-Mahler-Fest Hamburg 1989, Kassel, Basel, London, New York 1991. ISBN 3-7618-1015-6
  • Kulturräume in Sachsen, eine Dokumentation. Mit einer photographischen Annäherung von Bertram Kober und dem Rechtsgutachten von Fritz Ossenbühl. Kulturelle Infrastruktur Band I, Universitätsverlag Leipzig, 1. Aufl. 1994, 2. erw. Aufl. 1996, 3. Aufl. 1997. ISBN 3-931922-04-9
  • Kulturen in Begegnung. Bericht über das Collegium Pontes Görlitz-Zgorzelec-Zhořelec 2003, gemeinsam mit Jan Sokol, Eugeniusz Tomiczek. Oficyna Wydawnicza ATUT Wrocław und Görlitz 2005. ISBN 83-7432-018-4
  • Der Beitrag der Kirchen und Religionsgemeinschaften zum kulturellen Leben in Deutschland. In: Deutscher Bundestag (Hg.): Kultur in Deutschland. Schlußbericht der Enquete-Kommission des Deutschen Bundestages. Regensburg 2008 (auf CD). ISBN 978-3-932581-93-9
  • Bedingungen europäischer Solidarität. Schriften des Collegium Pontes I. Verlag Peter Lang, Frankfurt am Main etc. 2009, gemeinsam mit Jan Sokol, Beate Ociepka, Detlef Pollack, Beata Mikołajczyk. ISBN 978-3-631-58030-1
  • Peripherie in der Mitte Europas. Schriften des Collegium Pontes II. Verlag Peter Lang, Frankfurt am Main etc. 2009, gemeinsam mit Jan Sokol, Beate Ociepka, Detlef Pollack, Beata Mikołajczyk. 978-3-631-58031-8 k
  • Die Stärke der Schwäche. Schriften des Collegium Pontes III. Verlag Peter Lang, Frankfurt am Main etc. 2009, gemeinsam mit Jan Sokol, Beate Ociepka, Detlef Pollack, Beata Mikołajczyk. ISBN 978-3-631-58032-5
  • Europäisierung im Alltag. Schriften des Collegium Pontes IV. Verlag Peter Lang, Frankfurt am Main etc. 2009, gemeinsam mit Jan Sokol, Beate Ociepka, Detlef Pollack, Beata Mikołajczyk. ISBN 978-3-631-58033-2
  • Der Fremde als Bereicherung. Schriften des Collegium Pontes. Band V, gemeinsam mit Jan Sokol, Dieter Bingen, Jürgen Neyer, Albert Löhr. Verlag Peter Lang, Frankfurt etc. 2010 ISBN 978-3-631-60233-1
  • Minderheiten als Mehrwert. Schriften des Collegium Pontes, Band VI, gemeinsam mit Jan Sokol, Dieter Bingen, Jürgen Neyer, Albert Löhr. Verlag Peter Lang Frankfurt am Main etc. 2010 ISBN 978-3-631-60239-3

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. http://www.pecsiujsag.hu/pecs/hir/egyetem/nemet-professzor-eloadasa-a-feek-en-a-kulturalis-eszmekrol%7Caccessdate=2012-11-17
  2. Anglia – Zeitschrift für englische Philologie. Band 1961, Heft 79, Seiten 249–252. ISSN 1865-8938 (Online), ISSN 0340-5222 (Print), doi:10.1515/angl.1961.1961.79.249, November 2009.
  3. http://www.klassphil.uni-mainz.de/Dateien/In_memoriam_Prof__Dr__Andreas_Spira.pdf
  4. „Without question the most beautifully, lavishly and scrupously produced theatrical programmes in the world.” Bernard Levin, The Times, London 3. September 1988
  5. http://oq.oxfordjournals.org/content/11/2/141.full.pdf
  6. Róża Różańska: Interview with M. Th. Vogt: http://polskamuza.eu/wywiady_archiwum.php?id=563
  7. http://dip21.bundestag.de/dip21/btd/16/070/1607000.pdf
  8. http://kultur.org/15-jahre-iks
  9. http://kultur.org/studium/netzwerk
  10. http://kultur.org/vogt-histoire-du-soldat-einleitung