Mullah

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Dieser Artikel beschreibt den Titel; für Namensträger siehe Mullah (Begriffsklärung).
Mullah betend in der Imāmzādeh-Moschee in Täbris

Mullah, seltener Mollah (türkisch molla, persisch ‏ملا‎ molā, arabisch ‏مولى‎: al-mawlā), ist ein Ehrentitel eines islamischen Rechts- und Religionsgelehrten.[1] Der Mullah hat den Status eines Gelehrten ohne staatliches Diplom und ist an die Anerkennung anderer Gelehrter gebunden. Abgeleitet wird die Bezeichnung aus dem Arabischenمولىmaulā: „Herr“ oder „Meister“.[2]

Oberbegriff[Bearbeiten]

Früher war der Mullah in ländlichen Gebieten der Einzige, der lesen und schreiben konnte, und damit ein wichtiges soziales Bindeglied.[3] Bis zum 20. Jahrhundert wurde der Begriff für rangniedrige Geistliche verwendet, deren Kompetenz eher im Erzählen der Passionsgeschichten um Aschura lag und nicht etwa in der Lehre oder im Erlassen von islamischen Rechtsgutachten. Heute werden mit der Bezeichnung „Mullah“ alle schiitischen Geistlichen, ebenso wie Vorbeter, Freitagsprediger oder Studenten (Talib) umfasst. Bedeutende religiöse Rechtsgelehrte mit abgeschlossener theologischer Ausbildung bezeichnet man auch als Mudjtahid. Deren religiöse Titel werden gegliedert in:

  • Saghat-ol-islam, auch Saghatoleslam (Vertrauter des Islam),
  • Hodjat-ol-islam, auch Hodschatoleslam (Beweis des Islam),
  • Hodjat-ol-islam val moslemin, auch Hodschatoleslam val moslemin (Beweis des Islam und der Muslime),
  • Ajatollah (Zeichen Gottes),
  • Ajatollah al-Ozma oder Großajatollah (größtes Zeichen Gottes) und
  • Marja-e taqlid (absolute Instanz/Quelle der Nachahmung), der höchste Titel der schiitischen Geistlichkeit. Er fand zuletzt in der Person Ajatollah al-Ozma Borujerdi († 1961) allgemeine Anerkennung.

Anzahl (Iran)[Bearbeiten]

Buchta bezifferte 2004 die Zahl der Geistlichen (Mullah) im heutigen Iran mit:

  • 14 Großajatollah
  • 5.000 Ajatollah
  • 28.000 Hodschatoleslam
  • 180.000 einfache Geistliche (Sänger, Vorbeter, Prediger, Freitagsprediger)

Im Jahre 1977 zählte man im Iran, nach Angaben des Staatsministers für Religiöse Stiftungen, nur 85.000 Mullahs. Die Bevölkerung des Landes ist in diesem Zeitraum in ähnlichem Maße gewachsen.

Negative Konnotation[Bearbeiten]

Bereits um 1900 wurde Mohammed Abdullah Hassan als „Mad-Mullah“ bezeichnet. 1979, mit der islamischen Revolution und dem Umsturz in Iran, neuerdings verstärkt durch das Iranische Atomprogramm, wird in den westlichen Medien der Begriff „verrückte Mullahs“ oder „Mullah-Regime“ für das politische System des Iran genannt.[4] Die Anzahl der Mullahs jedoch, die im Regierungssystem des Iran tätig sind, ist relativ gering.[5] Auch in Iran wird das Wort Mullah von säkular eingestellten Iranern als eine Abwertung Geistlicher verwendet.[6]

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Wilfried Buchta: Schiiten. Hugendubel, München u. a. 2004, ISBN 3-7205-2491-4, (Diederichs Kompakt).
  • Reza Hajatpour: Der brennende Geschmack der Freiheit. Mein Leben als junger Mullah im Iran. Suhrkamp, Frankfurt am Main 2005, ISBN 3-518-12409-9, (Edition Suhrkamp 2409).
  • Heinz Halm: Die Schia. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 1988, ISBN 3-534-03136-9.
  • Moojan Momen: An Introduction to Shi'i Islam. The History and Doctrines of twelver Shi'ism. Yale University Press, New Haven CT u. a. 1985, ISBN 0-300-03499-7, S. 203.
  • Roy Mottadeh: Der Mantel des Propheten oder Das Leben eines persischen Mullah zwischen Religion und Politik. 2. Auflage. Beck, München 1988, ISBN 3-406-32289-1.

Weblinks[Bearbeiten]

 Wiktionary: Mullah – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. vergl. Duden, siehe duden.de abgerufen am 19. Dezember 2012.
  2. Gudrun Krämer: Geschichte des Islam. dtv-Verlag 2008, ISBN 978-3-423-34467-8, S. 242.
  3. Moojan Momen: Intruduction to Shi'i Islam. Yale University Press, 1987, S. 234.
  4. vergl. Spiegel, Das Handelsblatt, Zeit.de abgerufen am 19. Dezember 2012.
  5. vergl. Buchta beschreibt 5000 Träger des Titels Ajatollah in Iran, davon nur 80 in offiziellen Staatsämtern.
  6. Momen, Moojan, An Introduction to Shi'i Islam, Yale University Press, 1985, S. 203.