Maulwurfsgrillen

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Maulwurfsgrillen
Maulwurfsgrille (Gryllotalpa gryllotalpa)

Maulwurfsgrille (Gryllotalpa gryllotalpa)

Systematik
Stamm: Gliederfüßer (Arthropoda)
Überklasse: Sechsfüßer (Hexapoda)
Klasse: Insekten (Insecta)
Unterklasse: Fluginsekten (Pterygota)
Ordnung: Langfühlerschrecken (Ensifera)
Familie: Maulwurfsgrillen
Wissenschaftlicher Name
Gryllotalpidae
Leach, 1815

Die Maulwurfsgrillen (Gryllotalpidae) bilden eine Familie der Klasse der Insekten (Insecta), der mehrere Gattungen untergeordnet sind. In Deutschland ist lediglich die Europäische Maulwurfsgrille (Gryllotalpa gryllotalpa) heimisch.

Etymologie des Namens „Maulwurfsgrille“[Bearbeiten]

Der Name „Maulwurfsgrille“ rührt von ihrem charakteristischen Aussehen her: Einerseits besitzen sie große Grabschaufeln und leben unterirdisch wie Maulwürfe, auf der anderen Seite haben sie (in etwa) die Körperform von großen Grillen und erzeugen ähnliche Laute. So setzt sich auch der wissenschaftliche Name „Gryllotalpa“ zusammen; Namensgeber sind die Gryllidae, Grillen, und der Maulwurf Talpa europea. Damit korrespondiert auch der englische Name „mole cricket“.

Die erste Einordnung der Gryllotalpidae fand 1758 durch Carl von Linné statt, der die heute als „Saarländische Maulwurfsgrille“ bekannte Unterart beschrieb (Gryllotalpa gryllotalpa Linnaeus, siehe auch Weblinks). Der Name wurde auch als Begriff für die Familie der Gryllotalpidae eingeführt.

Aussehen der Gryllotalpidae[Bearbeiten]

Gryllotalpa gryllotalpa aus „Brehms Tierleben“, links ausgewachsen, rechts ein junges Tier

Das markanteste Merkmal der Maulwurfsgrillen sind ihre kräftigen Vorderbeine, die zu Schaufeln ausgebildet sind. Auch ihr gut geschützter, großer Kopf, der mit einem Chitin-Panzer geschützt ist und ihr allgemein „wuchtiges“ Auftreten sind charakteristisch. Maulwurfsgrillen besitzen einen hell- bis dunkelbraunen, mattglänzenden Körper; ihre Unterseite ist meist heller gefärbt. Der ganze Körper ist von einem wasserabweisenden, ganz dichten und kurzen Toment aus feinsten Härchen bedeckt.

Die Körperform erinnert kaum an die einer Grille, eher an die eines Flusskrebses. Ihre Hinterbeine sind nicht als Sprungbeine ausgebildet, sie unterscheiden sich farblich nur gering vom restlichen Körper. Ihre Flügel sind braun, zum Teil durchscheinend. Die Vorderflügel sind sehr kurz und „lederartig“; bei ihnen kann - anders als bei den echten Grillen - sowohl mal der linke wie der rechte Vorderflügel zuoberst liegen. Die Hinterflügel sind länger und überragen den Hinterleib. Erstaunlicherweise kann unsere so sehr plump wirkende heimische Maulwurfsgrille (in Süddeutschland: „Werre“) meist durchaus fliegen. Eine an schwülen Sommerabenden mit lautem Gebrumm und schräger Körperhaltung fliegende Werre zu erleben, ist ein vergleichbares Erlebnis wie das eines fliegenden Hirschkäfer-Männchens. Die meisten anderen Arten können nicht fliegen, in der Regel nicht einmal mehr springen. Die Flügel einiger Scapteriscus-Arten sind länger als die anderer Gryllotalpidae. Die Geschlechter lassen sich meist nur sehr schwer unterscheiden.

Innerer und äußerer Bau[Bearbeiten]

Das innere Organsystem der Maulwurfsgrillen ist mit dem anderer Insekten identisch. Sie besitzen ein zentrales Nervensystem, ihr Atmungssystem besteht aus Tracheen. Weibliche Tiere besitzen im Gegensatz zu vielen anderen weiblichen Insekten keine Legeröhre.

Maulwurfsgrillen sind optimal an das Leben in der Erde angepasst: Sie besitzen im Gegensatz zu den meisten anderen Langfühlerschrecken (Ensifera) nur rudimentäre Komplexaugen. Sie haben nur kurze Vorderflügel. Nur wenige Arten können die Hinterflügel zum Fliegen verwenden und von diesen oft nur die Weibchen; viele Arten benutzen ihre Flügel zur Stridulation. Den Gesang von Maulwurfsgrillen ist in warmen Sommernächten auch ziemlich weit außerhalb von deren Erdbauten noch zu hören. Die Hörorgane der Werren liegen im vordersten Beinpaar: Scapteriscus-Arten besitzen von diesen nur zwei, Neocurtilla und Gryllotalpa jeweils vier an jedem Vorderbein.

Detailaufnahme der Bauchseite einer Gryllotalpa gryllotalpa, an dem hintersten Bein sind die Daktylen zu erkennen

Die Grabbeine sind mit kleinen Chitin-Zähnen besetzt, die ihnen das Graben erleichtern. Der Körper ist samtartig behaart und besteht aus einem sehr festen Chitin-Skelett, das ihnen ebenfalls das Leben unter der Erde ermöglicht. Die Thoraxgröße beider Geschlechter beträgt zwischen 1 und 2 cm, die gesamte Körperlänge zwischen 4 und 6 cm, es wurden jedoch auch schon 10 cm große Exemplare gesichtet, was zeigt, dass sie unter Idealbedingungen weit größer werden können. Charakteristisch sind ihre viergliedrigen Vorderfüße, die sich im Laufe der Evolution zu Grabschaufeln veränderten. Auch der Chitin-Schild am Hals, der mit feinen Haaren bestückt ist, ist ein auffälliges Merkmal dieser Familie. Der harte und große Kopfpanzer dient dazu, die Wände der gegrabenen Tunnel zu verdichten.

Lebensraum[Bearbeiten]

schematische Darstellung eines typischen Gryllotalpidae-Baus

Maulwurfsgrillen leben bevorzugt unterirdisch in feuchten, lockeren und kultivierten (Acker-) oder Lehmböden. In Amerika lebende Arten leben auch in torfhaltigen Böden. Oft halten sie sich in der Nähe von Gewässern auf. Seltener leben sie im Boden lichter Wälder. Maulwurfsgrillen können sich unter der Erde wegen ihrer Schaufeln sehr geschickt vor- und rückwärts bewegen. Durch den Menschen boten sich den Maulwurfsgrillen neue Habitate, wie zum Beispiel Mist- und Komposthaufen oder (Gemüse-)Gärten. Mit dieser Lebensweise gelingt ihnen darüber hinaus eine größere Verbreitung, da sie beim Düngen auf großen Feldern verteilt werden.

Zur Verstärkung der Kammern verwenden Maulwurfsgrillen Teile von toten Pflanzen, die sie mit ihrem Panzer an die feuchten Erdwände drücken. Die Vorkammern (siehe Schema) werden von vielen Arten auch als eigentliche Nester gebraucht. Ihre Tunnelsysteme sind mehrere Meter lang. Sie bestehen aus horizontal verlaufenden Kanälen dicht unter der Oberfläche und – von diesen ausgehend – vertikalen Tunneln, die bis zu 4 m tief sein können. Maulwurfsgrillen graben sich täglich unterirdisch bis zu 40 m weit. Sie legen sogar einzelne Kammern an, um unter anderem den Nachwuchs zu ernähren. Diese Brut- und Vorratskammern sind etwa so groß wie ein Tennisball, es gab allerdings auch schon Funde von der Größe eines Fußballs. Die Gänge sind jedoch nicht breiter als etwa 6 cm und bestehen zudem oft nur aus lockerem Boden, durch den sich die Tiere leichter graben können. Manche Arten bauen zudem separate Futterkammern.

Ihren natürlichen Lebensraum verlassen Maulwurfsgrillen nur zur Paarungszeit, meistens in den Abendstunden. Sie sind nachtaktiv.

Evolution und Auftreten[Bearbeiten]

Maulwurfsgrille (Gryllotalpa gryllotalpa)

Maulwurfsgrillen existieren bereits seit über 35 Millionen Jahren, was Fossilfunde belegen. Die ersten Maulwurfsgrillen sind somit gegen Ende des Eozän entstanden. Etwa zu dieser Zeit spaltete sich die Entwicklungslinie der Gryllotalpidae von der der Gryllidae ab. Die Unterschiede des Körperbaus zu dem anderer Grillenfamilien und die gleichzeitige Analogie zum Phänotyp evolutionär entfernter Tierfamilien (wie zum Beispiel die Grabschaufeln der Maulwürfe oder die Flügel der Libellen) zeugen von der sehr frühen Trennung der Evolutionslinien.

Heute sind Maulwurfsgrillen in ganz Europa (große Bestände in Ungarn), in Asien (bis nach Japan), im Osten von Australien und in Nordafrika verbreitet. Auch in Nord- und Südamerika siedelten sich einige Arten an. Auffällig ist ihre besonders hohe Verbreitung im Mittelmeergebiet; sie erstreckt sich im Westen von Marokko und Spanien bis nach Israel im Osten.

Verhaltensweisen und Leben der Maulwurfsgrillen[Bearbeiten]

Nahrung und Feinde[Bearbeiten]

Maulwurfsgrillen gehören zu den Carnivoren und ernähren sich von Insekten, deren Larven und anderen wirbellosen Tieren (zum Beispiel Würmern oder Engerlingen). Da insbesondere junge Maulwurfsgrillen gut schwimmen können, ernähren sich diese auch von Wasserinsekten.

Unter der Erde haben Maulwurfsgrillen außer Maulwürfen kaum Feinde. Wenn sie zur Paarungszeit den Bau verlassen, werden sie aber darüber hinaus zur Beute von Vögeln (im europäischen Raum vor allem von Krähen, Steinkäuzen und Wiedehopfen). Beobachtet wurden Nachstellungen und Tötungen durch Hauskatzen. Weitere Feinde sind größere oder giftige Insekten, wie sie in Australien und Amerika vorkommen.

Bei Maulwurfsgrillen, die Nester in der Nähe von Seen und Flüssen bauen, das betrifft vor allem die Siedlungsräume in Nord- und Osteuropa, wird der Flusswels (Silurus glanis) unter den Fischen ihr Hauptfeind.

Findet die Maulwurfsgrille zu wenig tierische Nahrung, nimmt sie (selten) auch pflanzliche Nahrung zu sich. Maulwurfsgrillen gelten aber als sehr gefräßig, so dass bei einigen Arten – besonders bei Futtermangel – Fälle von Kannibalismus beobachtet werden konnten. Dies ist wohl nicht alltäglich, wurde aber schon 1887 in Brehms Tierleben in einer Anekdote erwähnt:

„Eine in einem Garten betroffene Werre sollte mit dem Grabscheite getötet werden, wobei man sie zufällig so traf, daß sie in eine vordere und hintere Hälfte gespalten wurde. Nach einer Viertelstunde fiel der Blick des Vertilgers auf das vermeintlich todte Thier; wie groß war aber sein Entsetzen, als er die vordere mit dem Auffressen der weicheren hinteren Hälfte beschäftigt fand.“

Fortpflanzung und Lebenszyklus[Bearbeiten]

Die Paarungszeit der Maulwurfsgrillen dauert von Anfang Mai bis Mitte Juni an. In dieser Zeit verlassen die Maulwurfsgrillen vermehrt zur Partnerfindung ihren unterirdischen Bau. Weibliche Tiere begeben sich dann auf den Paarungsflug (in etwa vier bis sechs Meter Höhe), um dem Lockruf des Männchens zu folgen. Der Paarungsruf des Männchens klingt wie ein tiefes Surren (Stridulation). Mit y-förmigen Trichtern, die die Männchen an der Bodenoberfläche graben, wird das Zirpen, das aber nicht wie ein solches klingt, verstärkt; die Geräusche sind so für das Weibchen bis zu etwa 200 m weit hörbar, für den Menschen (unter guten Bedingungen) bis zu 100 m.

Die Paarung findet auf dem Boden oder unterirdisch statt. Das Weibchen legt danach unterirdisch in einer separaten Brutkammer zwischen 100 und 1000 Eier und klebt diese an die Wände. Die Eier besitzen eine gelbliche Farbe, sind oval und jedes Einzelne ist ungefähr so groß wie ein Pfefferkorn. Bei manchen Arten (zum Beispiel Gryllotalpa gryllotalpa) bewacht das Weibchen diese zusätzlich; auch werden die Eier vor Pilzbefall durch Ablecken, das einer „Desinfektion“ gleicht, geschützt. Je nach Art nach sieben bis zwölf Tagen schlüpfen die Larven, die eine weiße Farbe haben. Das Weibchen umsorgt auch die Larven. Sie durchlaufen je nach Art sechs bis zehn verschiedene Stadien, bis sie ausgewachsen sind. Maulwurfsgrillen sind wie auch alle übrigen Langfühlerschrecken hemimetabol, zeigen also eine unvollständige Verwandlung ohne Puppenstadium.

Gemeine Maulwurfsgrille von der Seite

Die jungen Larven verbringen die ersten drei bis vier Wochen nach dem Schlüpfen im Bau und ernähren sich von abgestorbenen Pflanzenteilen. Dann folgt die erste Häutung und die Jungtiere verlassen das Nest. Nach weiteren vier Wochen, gegen Mitte bis Ende August, häuten sie sich abermals und gegen Ende September ein drittes Mal. Sie besitzen zu diesem Zeitpunkt ihrer Entwicklung eine Größe von ungefähr 20 bis 40 mm. Die jungen Tiere halten im Boden Winterschlaf und häuten sich im Frühjahr zum vierten Mal; ihre Flügel sind dann vorausgebildet. In diesem Stadium können sich die Tiere weiter und schneller fortbewegen als ausgewachsene Tiere, da sie ihre Sprungfähigkeit noch nicht eingebüßt haben. Ende Juli sind die Tiere voll entwickelt, bis dahin häuten sie sich je nach Art noch zwei- bis sechsmal. Sie werden jedoch erst ein Jahr später (nach insgesamt 2 Jahren) geschlechtsreif. Die Lebensdauer einer geschlechtsreifen Maulwurfsgrille beträgt etwa ein Jahr.

Angriff und Verteidigung[Bearbeiten]

Auch Kämpfe zwischen männlichen Maulwurfsgrillen werden (vermehrt zur Paarungszeit) ausgetragen: Ihre Schaufeln sind kräftig gebaut und gut zum Angriff geeignet. Zur Verteidigung verwenden die Gryllotalpidae ein klebriges Sekret, das sie von ihrem Hinterleib absondern. Wird zum Beispiel eine Maulwurfsgrille von hinten attackiert, so erhält sie durch ihre Sinneshärchen an ihrem Schwanz einen Impuls, der sie die Abwehrflüssigkeit – bemerkenswert schnell – absondern lässt.

Gegenüber Menschen verhält sich das Tier scheu; bei einer Erschütterung des Bodens zieht sich das Tier unter die Erde zurück.

Systematik der Gryllotalpidae[Bearbeiten]

Es sind etwa 60 verschiedene Arten dieser Insektenfamilie bekannt. Diese sind wiederum in drei Gattungen aufgeteilt: Gryllotalpa, Scapteriscus und Neocurtilla. Außer im Bau des äußeren Chitinpanzers unterscheiden sich die Gattungen nur wenig, zum Beispiel in den Hörorganen.

Der folgende Baum stellt diese Gattungen und eine Auswahl an Arten mit den größeren Populationen dar:

Verbreitungskarte der verschiedenen Gattungen

Anmerkung: Die so genannten „Pygmäen-Maulwurfsgrillen“ (englisch: „pygmy mole crickets“), die nur eine Körpergröße von etwa 10 mm erreichen, gehören trotz ihres Namens nicht in die Familie der Gryllotalpidae, sondern zu den Kurzfühlerschrecken (Caelifera). Die Ähnlichkeiten der beiden Spezies ist mehr auf eine konvergente Entwicklung zurückzuführen als auf einen gemeinsamen Vorfahren. (siehe auch Evolution und Auftreten)

Ausgewählte Arten und ihr Lebensraum[Bearbeiten]

Australien[Bearbeiten]

In Australien sind lediglich folgende vier Arten beheimatet, die alle im Osten des Kontinents zu finden sind: Gryllotalpa australis (auch „Gewöhnliche Maulwurfsgrille“ genannt, englisch: „common mole cricket“), Gryllotalpa howensis, Gryllotalpa monanka und Gryllotalpa nitidula. Die drei letzten Arten treten nur in sehr geringer Zahl auf – die Population der „Gewöhnlichen Maulwurfsgrille“ ist am größten.

Gryllotalpa australis[Bearbeiten]

Die „Australische Maulwurfsgrille“ ist in den frühen Sommermonaten zahlreich in der Umgebung um Brisbane anzutreffen. Sie ist eine der wenigen Arten, die nicht unter Artenschutz stehen, da diese Art noch weit verbreitet ist.

Europa[Bearbeiten]

Gryllotalpa gryllotalpa von Vorne

Nordafrika[Bearbeiten]

Im nördlichen Afrika (vor allem in Marokko) ist hauptsächlich die Art Gryllotalpa africana verbreitet. Diese Art wird auch als „chinesische Maulwurfsgrille“ bezeichnet; weil sie auch in der Volksrepublik China verbreitet ist.

Amerika[Bearbeiten]

Selbst in Nordamerika kann man einige Arten antreffen, darunter die seltenen Scapteriscus vicinus (englisch: „tawny mole cricket“) und die Scapteriscus borellii („Südliche Maulwurfsgrille“). Die „nördliche Maulwurfsgrille“ (Neocurtilla hexadactyla) ist die Art, die am verbreitetsten ist, dennoch ist ihre Population gering. In Puerto Rico ist in besonderem Maße die Art Scapteriscus didactylus, die „Westindische Maulwurfsgrille“, verbreitet. Eine weitere seltene Art, die im Westen der USA lebt, ist die Gryllotalpa major (deutsch: „Präriemaulwurfsgrille“, englisch: „prairie mole cricket“).

Neocurtilla hexadactyla[Bearbeiten]

Schemazeichnung einer Maulwurfsgrille (Neocurtilla hexadactyla)

Name: Der Artname leitet sich von ihrem Bau („hexa“ = sechs, bezieht sich auf die Anzahl der Dakytlen) ab. Sie ist auch als „Nördliche“ oder „Nordamerikanische Maulwurfsgrille“ (englisch: „northern mole cricket“) bekannt.

Verbreitung: Diese Maulwurfsgrillenart lebt vor allem im Osten und im Zentrum der Vereinigten Staaten. Nachgewiesen werden konnte sie in Nebraska bis Texas und Florida, auch in Ontario in Kanada. Sie hat sich den dortigen Verhältnissen angepasst und lebt zum Teil in Torfböden. Auch in der Karibik wurde sie bereits nachgewiesen. Die Art wird in Amerika als „selten“ angesehen.

Beschreibung: Diese Art der Neocurtilla unterscheidet sich von anderen Gryllotalpidae vor allem in der Anzahl der „Hörorgane“ an ihren Beinen; die üblicherweise in Amerika lebenden Scapteriscus-Arten besitzen insgesamt vier (an jedem Hinterbein zwei), Neocurtilla jedoch insgesamt sechs der Daktylen. Die Körperfarbe dieser Art ist dunkler als die anderer in Amerika lebender Arten. Nordamerikanische Exemplare haben ihre Flugfähigkeit eingebüßt, Tiere der gleichen Art, die ihren Ursprung in Mittelamerika und der Karibik hatten, sind jedoch flugfähig. Durch ihre Flugunfähigkeit haben die Hexadactyla viele Feinde, darunter einige Wespenarten.

Die Paarungszeit dieser Spezies liegt zwischen Mai und Juni. Zwischen Ende Mai und Anfang Juli schlüpfen die ersten Larven.

Scapteriscus didactylus[Bearbeiten]

Name: Scapteriscus didactylus wird auch „Westindische Maulwurfsgrille“ (englisch: „west indian mole cricket“) genannt. Sie ist eine der wenigen in Mittelamerika lebenden Arten. In Mittelamerika wird sie auch „changa“ genannt, spanisch für „kleiner Affe“.

Verbreitung: Ihr Lebensraum liegt in Mittelamerika, der Karibik und den südlichen USA. Ihr Ursprung wird in Südamerika vermutet.

Beschreibung: Der Körper dieser Art ist dunkel- und hellbraun gefleckt. Die Flügel überragen das Abdomen, was ihr das Fliegen ermöglicht. Ein besonderes Merkmal dieser Art ist, dass sie sich in Gefangenschaft oft stundenlang „tot stellt“. Diese Eigenschaft teilt sie sich nur mit den Südlichen Maulwurfsgrillen. Sie ernährt sich hauptsächlich von Ameisen und Pflanzenschädlingen und ist daher selbst keiner.

Scapteriscus imitatus[Bearbeiten]

Verbreitung: Sie stammt ursprünglich aus Südamerika, wurde aber in den 1930er Jahren auch nach Puerto Rico importiert, wo sie sich rasch vermehrte.

Beschreibung: Den Namen „Imitatormaulwurfsgrille“ bekam diese Art wegen ihres charakteristisch gefleckten Panzers. Mit diesem imitiert sie andere Insektenarten in ihren Heimatländern. Die Flügel sind nicht länger als der Körper.

Asien[Bearbeiten]

In Westasien existieren nur wenige Arten, die seltene Gryllotalpa major ist eine von ihnen. Dies ist zugleich die größte bekannte Maulwurfsgrillenart. Sie wurde auch auf Hawaii gefunden, stammt jedoch ursprünglich aus Osteuropa, besiedelte später, vermutlich ganz, Ostasien.

Maulwurfsgrillen und der Mensch[Bearbeiten]

Bedrohung und Artenschutz[Bearbeiten]

Da lange Zeit geglaubt wurde, Maulwurfsgrillen ernährten sich von Wurzeln, wurden sie als Schädlinge bekämpft: Maulwurfsgrillen zerstören die Wurzeln der Pflanzen nur durch ihr Graben und Reißen; da sie sich ausschließlich von Fleisch ernähren, fressen sie die Wurzeln aber nicht auf. Seit einiger Zeit wird diese Meinung von den meisten Forschern geteilt, obwohl von manchen Gryllotalpidae-Arten vermutet wird, dass auch Wurzeln auf ihrem Speiseplan stehen, besonders wenn nicht genügend tierische Nahrung vorhanden ist.

So kommt es, dass heute fast alle Arten in Westeuropa und Amerika gefährdet sind, manche sind auch vom Aussterben bedroht. In Deutschland ist die Art Gryllotalpa gryllotalpa in die Vorwarnliste der Roten Liste aufgenommen worden: Dies ist nicht nur auf den Menschen, der diese Art lange als Schädling bekämpft hat, sondern auch auf ihre kurze Lebensdauer und ihre (relativ lange) Larvenzeit zurückzuführen. Auch legt sie nur sehr wenige Eier (zwischen 100 und 300 pro Jahr), was auch einen Grund für ihre geringe Anzahl darstellt. In der 2002 erschienenen „Gefährdungsanalyse der Heuschrecken Deutschlands“ wurde die Art in die Rote Liste-Kategorie 2 (stark gefährdet) hochgestuft [1]. Die Maulwurfsgrille ist in Deutschland nicht geschützt.

In der Medizin[Bearbeiten]

Das Sekret, das die Maulwurfsgrillen zu ihrer Verteidigung benutzen, wird in Asien bereits seit langer Zeit als Heilsalbe verwendet. Zurzeit wird diese Flüssigkeit auch in der westlichen Welt in der Naturheilkunde auf ihre heilende Wirkung erforscht.

Geschätzte Populationen[Bearbeiten]

Es ist auf Grund ihrer Lebensweise sehr schwer, genaue Populationszahlen zu bestimmen. Man vermutet, dass die größten Populationen die Arten der „Westindische Maulwurfsgrille“ und der „Gewöhnlichen Maulwurfsgrille“ bilden. Die Art Gryllotalpa gryllotalpa ist vor allem in Westasien und Osteuropa großzahlig vertreten, in Ungarn sind sie ein alltägliches Phänomen. Weltweit ist die Anzahl aller Gryllotalpidae für Insektenpopulationen als gering anzusehen. Die meisten anderen Gryllotalpidae-Arten sind ebenso nur noch wenig vertreten; zum Beispiel wird die Anzahl aller Gryllotalpa major weltweit auf etwa 5.000 bis 10.000 Exemplare geschätzt.

Quellenangaben[Bearbeiten]

  1. S. Maas, P. Detzel, A. Staudt: Gefährdungsanalyse der Heuschrecken Deutschlands - Verbreitungsatlas, Gefährdungseinstufung und Schutzkonzepte. Landwirtschaftsverlag, Münster 2002, ISBN 3-7843-3828-3.

Literatur[Bearbeiten]

  • A revision of the Afrotropical mole-crickets. Infoblatt. British Museum of Natural History, London 1983.
  • Doyen und Purcell Daly: Introduction to Insect Biology and Diversity. University Press, Oxford / New York 1998 (2.Aufl.). ISBN 0-19-510033-6
  • Gale Group: Grzimek’s Animal Life Encyclopedia. Bd 3. Insekten. Gale, Detroit 2004 (2. Aufl.). ISBN 0-7876-5779-4
  • Brehms Tierleben. Leipzig 1887. Bd 9, S. 560ff. („Digitale Bibliothek“ Bd 76: „Brehms Tierleben, Kolorierte Originalausgabe“)
  • M. Zimmer: Die chinesische Maulwurfsgrille "Gryllotalpa africana" Beauvois und die saarländische Maulwurfsgrille "Gryllotalpa gryllotalpa" Linné in der Wundheilkunde. Dissertation, Universität des Saarlandes, 1997
  • Pungur: A magyarországi tücsökfélék természetrajza. Budapest 1891 (ungar.)

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Maulwurfsgrillen – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien
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Dieser Artikel wurde am 7. Mai 2005 in dieser Version in die Liste der exzellenten Artikel aufgenommen.