Mauspfad

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Der (Grengeler) Mauspfad in Köln-Wahnheide

Der Mauspfad zählt als früher Handelsweg heute zu den Altstraßen. Er verband den Rheingau über Limburg an der Lahn, Altenkirchen, Siegburg, Köln-Dünnwald, Opladen, Langenfeld und Hilden mit Duisburg, wo er den Hellweg erreichte. Südlich von Limburg ist der Weg unter dem Namen Hühnerweg, Hühnerstraße[1] oder auch Mainzer Straße bekannt, nördlich von Hilden trägt er den Namen Butenweg. Nur für das Stück zwischen der Sieg und Hilden hat sich der Name Mauspfad eingebürgert. Im rechtsrheinischen Köln verläuft der Mauspfad unmittelbar am ehemaligen Ufer des Urstromes des Rheines entlang und ist nach den jeweiligen Örtlichkeiten benannt (Beispiele: Dünnwalder Mauspfad, Dellbrücker Mauspfad).

Ein Charakteristikum dieses Weges ist, dass er auf der gesamten Länge zwischen Sieg und Ruhr von (keltischen) Siedlungs- und Grabfunden begleitet wird. Deren Datierung in die Hallstattzeit und La-Tène-Zeit gestattet es, ein vergleichbares Alter für den Mauspfad anzunehmen. Wegen der vielen Gräberfelder wurde zudem der Begriff einer bäuerlichen Totenstraße oder Gräberstraße geprägt. Da der Mauspfad keine Funde aus der Steinzeit aufweist, ausgenommen am Rosendahlsberg (Neuburger Hof) in Langenfeld, darf seine Existenz erst seit der Eisenzeit als gesichert gelten.[2]

Bedeutung und Entwicklung[Bearbeiten]

Den Mauspfad darf man sich nicht als eine Straße im heutigen Sinn vorstellen, vielmehr war er ein Weg, der durch vielfaches Begehen und teils durch Pflegemaßnahmen, etwa das Schneiden des Unterholzes, freigehalten wurde. Für solche Pflegemaßnahmen wurde an Zollhäusern Maut erhoben. Trotz seiner geringen Breite spielte der Weg mutmaßlich eine große Rolle in der früheisenzeitlichen Erschließung der rechtsrheinischen Heideterasse; er war möglicherweise sogar der Hauptweg, über den südländische Kultur in den Norden vordrang. Zur Hansezeit bildete der Mauspfad den rheinischen Teil des wichtigen Verkehrsweges zwischen Köln, Essen, Dortmund und Soest und weiter in Richtung Hamburg, Bremen und Lübeck. Auf einigen Abschnitten dieses Weges verlief in späterer Zeit auch der ebenfalls historische Fernhandelsweg von Genua über den Kleinen St. Bernhard, Basel, Mainz, Siegburg bis in die Niederlande. Diese Straßenverbindung, die einstige Via Publica, nachmals zwischen Köln und Arnheim Köln-Arnheimer Chaussee genannt, ist in etwa identisch mit der heutigen B 8. Ein Grund für den Aufschwung der neuen Handelsroute, verbunden mit dem gleichzeitigen Niedergang des Mauspfades, war die Schlacht von Worringen und der anschließende Aufstieg Düsseldorfs zur späteren Residenzstadt. Dadurch verlagerte sich der Verkehr auf die neue Verbindung über Düsseldorf.[2]

Name[Bearbeiten]

Der Name des Weges hat vermutlich nichts mit Mäusen zu tun, auch wenn im Mittelalter Waren zur Umgehung von Steuern, Zoll und Maut um Köln herum „wie von Mäusen“ geschmuggelt worden sein sollen. Die Vermutung, dass Maus sich vom Wort Maut = Wegezoll ableiten könnte, findet mehr Anhänger. In diesem Zusammenhang gerne ins Feld geführt wird der Binger Mäuseturm, der ein Mautturm im Rhein gewesen ist. Aus den Überlegungen zur Verbindung mit Maut wird zum Teil sogar die Auffassung abgeleitet, der Mauspfad sei eine alte Zollgrenzlinie. Mancher interpretierte deshalb schon in den Mautpfad einen Grenzweg des Römischen Reiches und es wurde darüber hinaus sogar die Fortsetzung des römischen Limes vermutet.

An Gewicht verlieren diese Deutungen jedoch, wenn sprachlich von einer Verwandtschaft von Maus = Moos = Moor ausgegangen wird. Philipp Wyrich hat ausgeführt, dass eine sprachliche Verbindung von Moos, Muus, Morast und Sumpf bestehe (benannte Beispiele aus Süddeutschland: Erdinger Moos, Dachauer Moos, Schwenninger Moos). Auch das Wort Miselohe, Name eines bergischen Amtes (Amt Miselohe) an der Niederwupper, dürfe in die Überlegungen mit einbezogen werden. Nach dem Grimm'schen Wörterbuch leitet sich mise vom althochdeutschen mios ab, welches im Mitteldeutschen zu mies = Moos und Moor wurde. In Verbindung mit Lohe = Wald ergebe sich die Bedeutung Sumpfwald. Und für eben den Mauspfad als einen Weg durch einen Sumpfwald spräche gleichfalls der Verlauf auf langer Strecke durch ehemalige Feuchtgebiete.[2]

Im Hochmittelalter gab der Mauspfad sogar dem gesamten Landstrich seinen Namen. So hieß es im Jahre 1289: „Musipad, dat is dat lant in dat velt...“.[3][2] Aus der Bezeichnung Dat lange Velt hat sich in späterer Zeit der Name Langenfeld entwickelt. In vielen Städten entlang des einstigen Mauspfades lassen sich noch heute Straßen- und Wegebezeichnungen mit den Namen Mauspfad oder Mautpfad finden.

Verlauf[Bearbeiten]

Der Weg kam aus dem Siegburger Land, ging über die Wahner Heide nach Brück, wo er die Brüderstraße kreuzte, und weiter nach Leverkusen-Opladen.[4]

Langenfeld (Rheinland)
Aus Opladen kommend, verlief der Mauspfad in Langenfeld über den vorerwähnten Rosendahlsberg am Neuburger Hof, durch Schnepprath hindurch sowie an Köttingen und Kämpe vorbei nach Hausingen.[3] Von dort aus führte er über die heutige Opladener Straße durch die Ortslagen Hagelkreuz und Galkhausen, dann über den Hucklenbruch, durch die Talstraße,[5] und weiter über den Ganspohl und die Richrather Straße nach Richrath, wo sich kurz vor der Stadtgrenze nach Hilden ein Zollhaus befand. Gräberfelder wurden bislang am Rosendahlsberg und am Hagelkreuz[2] sowie in der Nähe des Zollhauses gefunden.[3]
Hilden
Als Hildener Straße von Langenfeld kommend setzte sich der Weg auf dem Gemeindegebiet von Hilden als heutige Richrather Straße (Landesstraße 403) fort. Nahe dem Hildener Zentrum ging er bei der Hagelkreuzstraße, deren Name auf ein Hagelkreuz hindeutet, weiter über die Schulstraße. Mit der Gerresheimer Straße verlief der Mauspfad wieder auf einer heutigen Hauptstraße (Landesstraße 403). An der Anschlussstelle Erkrath der Bundesautobahn 46 verließ er das Stadtgebiet von Hilden.[4]
Entlang der Richrather und Gerresheimer Straße wurden in unmittelbarer Nähe des Mauspfades rund 15 jungsteinzeitliche Fundstellen ausgemacht. Man fand mehr als 20 hallstattzeitliche Gräber mit Tonurnen und Beigefäßen. Weiter entdeckte man zwei Begräbnisstätten aus der römischen Kaiserzeit.[4]
Erkrath
In Erkrath setzte sich der Mauspfad an der Rothenbergstraße in Erkrath-Unterfeldhaus als Landesstraße 404 fort und führte dann als Gerresheimer Landstraße am Haus Unterbach vorbei. Von dort verlief er mutmaßlich mit zwei Zügen nach Hochscheidt und Rathelbeck in Richtung Haus Morp durch ein heute landwirtschaftlich genutztes Gebiet mit einzelnen Waldparzellen. Nordwestlich des Hauses Morp sind am bewaldeten Hang zwischen der Bahnstrecke Düsseldorf-Derendorf–Dortmund Süd und dem Gerresheimer Friedhof noch mehrere parallel verlaufende Hohlwege vorhanden.[4]
Im Gebiet Unterbach/Erkrath fand man mehrere Geräte in der Nähe des Mauspfades, beispielsweise ein bronzezeitliches Lappenbeil und die hallstattzeitliche Bronzegussform eines Tüllenbeiles.[4]
Düsseldorf
Auf dem Stadtgebiet von Düsseldorf setzte sich der Verlauf über die Gerresheimer Höhen bei Düsseldorf-Gerresheim fort. In Gerresheim entdeckte man in der Nähe des Mauspfades sowohl jungsteinzeitliche Beile als auch Gräber der Hallstattzeit und der römischen Kaiserzeit.[4]
Weiter nach Norden führte der Mauspfad über Ratingen, Lintorf[4] und Angermund.
Duisburg
Im Duisburger Süden folgte der Mauspfad ungefähr der heutigen Bundesstraße 8, wich aber gelegentlich mehrere Kilometer von deren Trasse ab. Stationen waren Rahm, Großenbaum und Wedau.[6]
Im weiteren Verlauf führte er nach Duissern und erreichte hier den Hellweg.[4]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Stephan Nuding: „Auf den Straßen unserer Urahnen“, Band 2 der Reihe „Über historische Fernstraßen in Hessen, Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen“; M. Naumann Verlag; Nidderau; 2005.
  2. a b c d e Rolf Müller, „Stadtgeschichte Langenfeld Rheinland“, Verlag Stadtarchiv Langenfeld 1992
  3. a b c Friedhelm Görgens, Langenfeld, Droste, Düsseldorf 1984
  4. a b c d e f g h Hermann Bannitza, Urgeschichtliche Fundplätze in Haan (Rheinland), Haan 1986
  5. Heinz Müller, Orts- und Flurnamen im Heimatkalender des Rhein-Wupper-Kreises 1955, S. 41 ff.
  6. Herberg Nicke: „Vergessene Wege – Das historische Fernwegenetz zwischen Rhein, Weser, Hellweg und Westerwald, seine Schutzanlagen und Knotenpunkte“, Band 9 der Reihe „Land und Geschichte zwischen Berg, Wildenburg und Südwestfalen“; Martina Galunder Verlag; Nümbrecht; 2001