Mautner Markhof (Familie)

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Mautner Markhof ist eine österreichische Unternehmerfamilie.

Geschichte[Bearbeiten]

Die aus Böhmen stammende Familie wurde 1690 erstmals in einem Kaufvertrag einer Brauerei in Smirschitz erwähnt, wo Israel Mautner († 1838) noch Gutspächter war.[1] Sein Sohn Ignaz Mautner heiratete 1831 Julie Kadisch, die Tochter eines Lederhändlers aus Senftenberg[2], und übersiedelte 1840 nach Wien, wo er die Brauerei Sankt Marx pachtete, die er 1857 kaufte und 1861 durch weitere Grundankäufe erweiterte. Das Paar hatte zehn Kinder.

Adolf Ignaz Mautner, Ritter von Markhof (1801–1889), Lithographie von Franz Würbel

Bekannt in der Brauindustrie wurde Ignaz Mautner durch die Erfindung einer Kühlmaschine für Bier, die eine ganzjährige Produktion ermöglichte. Mit seinem Schwiegersohn Johann Peter von Reininghaus verbesserte er zudem die Produktion von Backhefe. Zusammen mit seiner Ehefrau förderte er das Gesundheitswesen durch den Aufbau des Bürgerspitals St. Marx (zu dem die Brauerei einst gehört hatte), durch Errichtung von Militärspitälern und vor allem durch Stiftung des Mautner Markhof’schen Kinderspitals 1872 in Wien-Landstraße.[3]

Vor der Dezemberverfassung 1867 (siehe Jüdische Emanzipation) hatten Juden noch nicht das volle Bürgerrecht. Wie zahlreiche andere Familien mosaischen Glaubens, die zur wirtschaftlichen Elite Wiens gehörten, ließen sich die Mautners taufen.[4] Im Mai 1872 wurde Adolf Ignaz Mautner auf Basis des ihm einen Monat zuvor verliehenen Ordens der eisernen Krone dritter Classe [5] als Ritter von Markhof nobiliert; später erhielt er auch das Wiener Ehrenbürgerrecht.[6] Der Familienname lautete vor 1919 „Mautner von Markhof“ und wurde nach Ende der österreichisch-ungarischen Monarchie und der Aufhebung des Adels in Österreich auf „Mautner Markhof“ festgelegt.[Anm. 1]

Die Tochter Coelestine (1841–1886) heiratete 1865 den Astronomen Theodor von Oppolzer. Die Söhne Karl Ferdinand (1834–1896) [Anm. 2] und Georg Heinrich (1840–1904) vergrößerten das Unternehmen. Unter Viktor Mautner Markhof (1865–1919), dem Sohn Karl Ferdinands, wurde die Brauerei mit jenen von Schwechat und Simmering fusioniert.[7]

Karl Ferdinands Ehefrau Editha Mautner Markhof (1846–1918) war als Präsidentin des Vereins für erweiterte Frauenbildung an der Gründung des ersten österreichischen Mädchengymnasiums 1892 in Wien beteiligt.[8] Ihre Tochter Dita (1883–1969) war mit dem Künstler Koloman Moser verheiratet und im Briefkontakt mit Hermann Bahr.[9] Friederike Mautner Markhof (1872–1954) war über ihre zweite Ehe mit dem Kunsthandwerker Valentin Zeileis ebenfalls mit der Wiener Werkstätte verbunden. Sie profilierte sich als Frauenrechtlerin im Verein Wiener Settlement.[10]

2001 zog sich die Familie aus der Mautner Markhof Feinkost GmbH zurück. Die Mautner Markhof AG bestand bis 2008.

Die bekanntesten Mitglieder der Familie im 20. Jahrhundert waren Manfred Mautner Markhof sen., Manfred Mautner Markhof jun., Georg Mautner Markhof, Michael Mautner Markhof und Marius Mautner Markhof.

Die Familie ist neben der karitativen Tätigkeit auch als Förderer der Künste und Wissenschaften hervorgetreten.

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Mautner Markhof – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Josef Mentschl: Mautner v. Markhof, Adolf Ignaz Ritter (österr. Adel 1872). In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 16, Duncker & Humblot, Berlin 1990, ISBN 3-428-00197-4, S. 453 f. (Digitalisat).
  2. Julia Kadisch auf Genealogie Online abgerufen am 23. Oktober 2012
  3. Adolf Ignaz Mautner von Markhof. In: Österreichisches Biographisches Lexikon 1815–1950 (ÖBL). Band 6. Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Wien 1975, ISBN 3-7001-0128-7, S. 165 f. (Direktlinks auf S. 165, S. 166).
  4. Anna L. Staudacher: Der Namenswechsel jüdischer Konvertiten in Wien von 1748 bis 1868, auf: http://www.judentum.net/geschichte/konvertiten.htm
  5. Amtlicher Teil. (…). In: Wiener Zeitung, Nr. 92/1872, 23. April 1872, S. 339, unten links. (Online bei ANNO)Vorlage:ANNO/Wartung/wrz.
  6. Chong One RHIE: Die Entstehung der zweiten Gesellschaft: Die Nobilitierungspolitik in der Habsburgermonarchie im 19. Jahrhundert, besonders an Juden in Österreich. (Diplom-?)Arbeit an der Kongju National University, Gongju (Republik Korea) 1996, S. 284. – Volltext online (PDF, 2,78 MB; S. 16),abgerufen am 19. November 2010.
  7. Eintrag zu Mautner Markhof (Familie) in: Austria-Forum, dem österreichischen Wissensnetz – online (in AEIOU Österreich-Lexikon) abgerufen am 25. Oktober 2012
  8. Editha Mautner Markhof. In: Österreichisches Biographisches Lexikon 1815–1950 (ÖBL). Band 6. Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Wien 1975, ISBN 3-7001-0128-7, S. 166.
  9. Hermann Bahr: Tagebücher, Skizzenbücher, Notizhefte. Hg. Moritz Csáky. Wien, Köln, Weimar: Böhlau 1994-2003, Bd. V, S. 292, 294–295, 341–342
  10. http://www.fraueninbewegung.onb.ac.at/Pages/OrganisationenDetail.aspx?p_iOrganisationID=8675539, abgerufen am 25. Oktober 2012

Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. Da im Nobilitierungsverfahren der Ritterstand mit dem Prädikat „Markhof“ verliehen wurde, wäre gemäß § 2 Z 2 StGBl 1919/237 die Nutzung des Namensteils Markhof allenfalls zu versagen gewesen. – Siehe: Amtlicher Teil. (…). In: Wiener Zeitung, Nr. 113/1872, 18. Mai 1872, S. 766, oben rechts (Online bei ANNO)Vorlage:ANNO/Wartung/wrz sowie StGBl 1919/237.
  2. 1868 Mitbegründer der k. k. priv. Wiener Handelsbank für den Producten- und Waarenverkehr. – Siehe: Amtlicher Teil. (…). In: Wiener Zeitung, Nr. 171/1868, 21. Juli 1868, S. 227, unten links. (Online bei ANNO)Vorlage:ANNO/Wartung/wrz.