Max Burckhard

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Max Burckhard
Max Burckhard

Max Eugen Burckhard (* 14. Juli 1854 in Korneuburg (Niederösterreich); † 16. März 1912 in Wien[1]) war ein österreichischer Theaterdirektor, Theaterkritiker, Schriftsteller und Rechtswissenschaftler. Von 1890 bis 1898 war er Direktor des k.k. Hofburgtheaters (Wiener Burgtheater).

Leben[Bearbeiten]

Max Burckhard besuchte das Gymnasium in Kremsmünster. In Folge studierte er Rechtswissenschaft in Wien und war ab 1872 Mitglied der Burschenschaft »Silesia«. Er wurde Richter in St. Pölten, verfasste das dreibändige Werk "System des österreichischen Privatrechts" und wurde 1887 Ministerialvizesekretär im Ministerium für Kultus und Unterricht. Ab August 1889 war er ein halbes Jahr lang Herausgeber der Österreichischen Zeitschrift für Verwaltung.

Ohne spezielle Erfahrung in der Führung eines Theaters folgte Max Burckhard 1890 Adolf von Sonnenthal als Direktor des Wiener Burgtheaters.

Frei von alten Verpflichtungen gegenüber dem Ensemble entstaubte er den Spielplan und brachte Sozialdramen von Henrik Ibsen, Gerhart Hauptmann, Hugo von Hofmannsthal und Arthur Schnitzler, dessen "Liebelei" 1895 bei ihm uraufgeführt wurde. Sogar Ferdinand Raimund und die Volksstücke von Ludwig Anzengruber machte er durch Aufführungen am Hofburgtheater hoffähig. Durch preisgünstige Sonntagnachmittags-Vorstellungen betrieb Burckhard auch eine Öffnung des Burgtheaters für breitere Schichten.

Viel Geschick bewies er bei der Erweiterung des Ensembles um Schauspieler wie Adele Sandrock, Lotte Medelsky, Otto Tressler, Hedwig Bleibtreu, Friedrich Mitterwurzer und Josef Kainz.

Burckhard konnte mit seinen innovativen Aktivitäten ein neues, fortschrittliches Publikum für das Burgtheater interessieren und durch sein charismatisches Wesen verwandelte er viele seiner Kritiker in Freunde wie etwa den Schriftsteller und Theaterkritiker Hermann Bahr, den er intensiv in die Programmierung einband. Auch die liberale Presse stand auf seiner Seite, jedoch war er Vertretern des traditionellen Theaterverstämdnises immer ein Dorn im Auge und so scheiterte er letztendlich doch an den konservativen Kreisen des Landes und reichte 1898 seine Demissionierung ein.

Burckhard wurde 1898 zum Hofrat am Verwaltungsgerichtshof ernannt, wo er bis 1900 tätig war. Er publizierte viel, trat auch als Dramatiker zeitkritischer Volksstücke und Komödien hervor, wie etwa "Die Bürgermeisterwahl" (1897), "s'Katherl" (1898), "Rat Schimpf" (1905) und "Die Insel der Seligen" (1908) und arbeitete in der Folge auch als Nachfolger seines Freundes Hermann Bahr, als dieser die Herausgabe des Kulturteils der Zeit 1899 abgab.

Burckhard zog sich im Alter nach St. Gilgen am Wolfgangsee zurück, wo er sich im Dorf Franzosenschanze[2] ab 1903 ein Haus errichtet hatte. Zuletzt dürfte er "halb geistesgestört" gewesen sein.[3] Erben waren seine Schwester Lotte, verh. Hlawacek, und ihr Sohn Friedrich Hlawacek (* 5. August 1877), Rechtsanwalt in Salzburg.[4]

Alma Mahler-Werfel[Bearbeiten]

In Joshua Sobols Polydrama "Alma - A Show Biz ans Ende" ist Max Burckhard als einer der Jugendfreunde von Alma Mahler-Werfel porträtiert. Er war ihr Mentor und förderte erwachendes Interesse an klassischer und neuerer Literatur, als Antisemit schulte er aber auch ihre Judenfeindlichkeit. Besonders die Philosophie Friedrich Nietzsches verband die beiden, Nietzsches Satz «Wer fällt, den soll man auch noch stoßen!» wurde zu Almas Lebensmotto.

Literatur[Bearbeiten]

  • Burckhardt Max Eugen. In: Österreichisches Biographisches Lexikon 1815–1950 (ÖBL). Band 1, Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Wien 1957, S. 127.
  • Gerda Doublier: Burckhard, Max. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 3, Duncker & Humblot, Berlin 1957, ISBN 3-428-00184-2, S. 35 (Digitalisat).
  • Hermann Bahr: Erinnerung an Burckhard. Fischer, Berlin 1913. – Internet Archive.
  • Johann Hans Brunow: Das Burgtheater unter der Leitung Max Burckhard’s (1890–1898). Dissertation. Universität Wien, Wien 1923, OBV.
  • Hermann Bahr: Tagebuch. 14. Juli. In: Neues Wiener Journal, 20. Juli 1924, Nr. 11016/1924 (XXVII. Jahrgang), S. 8 f. (Buchausgabe: Hermann Bahr: Der Zauberstab. Tagebücher 1924/26. Franz Borgmeyer, Hildesheim 1927, OBV, S. 108–111).
  • Rudolf Holzer: Begegnungen mit Max Burckhard. In: Neues Wiener Journal, 19. Juli 1925, Nr. 11371/1925 (XXXIII. Jahrgang), S. 6 f.
  • Doris Dey: Die Wiener Moderne und Max Burckhard. Dissertation. Universität Wien, Wien 1989, OBV.
  • Ulrike Dembski (Hrsg.): Aus Burg und Oper. Die Häuser am Ring von ihrer Eröffnung bis 1955. Ausstellung, 1. Juni 2005 bis 6. November 2005, Österreichisches Theatermuseum. Brandstätter, Wien 2005, ISBN 3-85498-394-8.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Statt jeder besonderen Anzeige † (…) Dr. Max Eugen Burckhard. In: Neue Freie Presse, Nachmittagblatt, Nr. 17087/1912, 18. März 1912, S. 11 oben. (Online bei ANNO)Vorlage:ANNO/Wartung/nfp.
  2. Heutige Adresse: Franzosenschanze 4. – Aufnahme des Hauses aus dem Jahr 2005.
  3. Fritz Fellner (Hrsg.): Dichter und Gelehrter. Hermann Bahr und Josef Redlich in ihren Briefen 1896–1934. Neugebauer, Salzburg 1980, ISBN 3-85376-031-7, S. 85.
  4. Briefe im Nachlass Hermann Bahrs