Max Fürbringer

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Max Carl Anton Fürbringer (* 30. Januar 1846 in Wittenberg; † 6. März 1920 in Heidelberg) war ein deutscher Anatom und Ornithologe. Er war der Bruder des Mediziners Paul Fürbringer (1849–1930).

Inhaltsverzeichnis

Leben[Bearbeiten]

Max Carl Anton Fürbringer wurde als Sohn des einstigen Kreisgerichtsdirektors Karl und Hermine Fürbringer (geb. Gumprecht) am 30. Januar 1846 in Wittenberg geboren. In Jena nahm Fürbringer ein Studium der Naturwissenschaften auf, was er in Berlin fortsetzte und promovierte daselbst 1869 mit einer zoologischen Arbeit. Durch eine Assistenzstelle bei Carl Gegenbaur in Jena wurde er noch zum Studium der Medizin animiert. Ihm folgte er auch 1873, als dieser einen Ruf nach Heidelberg wahrnahm und habilitierte 1877 für Anatomie, wurde 1879 zum Extraordinarius ernannt. Ebenfalls 1879 erhielt er eine Berufung als Ordinarius nach Amsterdam, erhielt 1888 den Lehrstuhl für Anatomie an der Universität in Jena und wurde 1901 Direktor des anatomischen Institutes der Universität Heidelberg[1]. 1912 trat er in den Ruhestand und verstarb am 6. März 1920 in Heidelberg. Im Jahr 1881 wurde er zum Mitglied der Leopoldina gewählt.

Unter dem Einfluss von Carl Gegenbaur beschäftigte sich Fürbringer mit entwicklungsgeschichtlichen Arbeiten (Bildung der Nieren). Als er an seine Aufgabe heranging, war er aufs gründlichste ausgerüstet mit allen Kenntnissen, die zur Beurteilung der bisherigen Versuche einer Klassifikation der Vögel erforderlich waren. Er war ein vergleichender Anatom, der sein Urteil an reichen Erfahrungen geschärft und in mühseliger Kleinarbeit eine Menge von Untersuchungen durchgeführt hatte, vor allem auch solcher, die zur Klärung genealogischer Fragen noch erforderlich schienen.

Keiner vor ihm, und man darf wohl sagen keiner nach ihm, hat die zur Klassifikation verwendbaren Merkmale so vollständig zusammengestellt und ihre phylogenetische Wertigkeit so sorgfältig abgewogen wie er, der sich der Zusammenhänge zwischen Form und Funktion allezeit bewusst blieb. Den Fallstricken, die die „Isomorphien”, das heißt, die durch gleiche funktionelle Einwirkung sekundär entstandenen morphologischen Übereinstimmungen, die sich dem Systematiker stellen, ist er daher behutsam ausgewichen. Er war ebenfalls mit der Erscheinung vertraut, die heute als „allometrisches Wachstum” bezeichnet wird.

Sein monumentales Hauptwerk „Untersuchungen zur Morphologie und Systematik der Vögel” fußt auf gründlichen vergleichenden Studien der Brust, Schulter und Flügelregion der ganzen Vogelklasse und führte unter Berücksichtigung von paläontologischen und tiergeographischen Tatsachen zu neuen Erkenntnissen über die Stammesgeschichte der Vögel und zur Aufstellung einer, in den Grundzügen auch heute noch gültigen Systematik der Vögel. Unter anderem gelang Fürbringer der Nachweis, dass die „Flachbrustvögel” (Ratiten, z. B. Strauße) in einen durchaus heterogenen Komplex sekundär flugunfähig geworden sind.

Sein System ist, durch Einführung von vier höheren Kategorien (Ordo, Subordo, Gens, Familia), feiner gegliedert als das seiner Vorgänger, wobei die Kategorie der „Gentes” den Ordnungen anderer Autoren entspricht. Von zunehmend hypothetischem Charakter sind seine Bündelungen der Gentes zu 24 Unterordnungen und dieser zu 7 Ordnungen. Von Fürbringers zahlreichen sonstigen Arbeiten, sei hier nur noch seine Monographie über die spino-occipitalen Nerven hervorgehoben. Fürbringer gilt als Hauptvertreter der Schule Gegenbaurs, dem er eine ausführliche Biographie widmete (1903).

Werke[Bearbeiten]

  • “Die Knochen und Muskeln der Extremitäten bei den schlangenähnlichen Sauriern“ 1870
  • „Untersuchungen zur Morphologie und Systematik der Vögel” (2 Bände) 1888
  • „Zur Entwicklung der Amphibienniere“ 1877
  • „Über die occipitalen Nerven d. Selachier und Holocephalen und ihre vergleichende Morphologie“ in der Festschrift für Carl Gegenbaur III, 1897, S. 351-768
  • „Zur Systematik und Genealogie der Reptilien“ Beitrag 1900
  • „Zur Frage der Abstammung der Säugetiere“ 1904
  • „Die spino-occipitalen Nerven“
  • „Zur vergleichenden Anatomie der Schultermuskeln und des Brustschulterapparates” (fünf Bände)
  • „Morphologische Streitfragen”

Literatur[Bearbeiten]

  • Manfred Stürzbecher: Fürbringer, Max. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 5, Duncker & Humblot, Berlin 1961, ISBN 3-428-00186-9, S. 690 (Digitalisat).
  • „Berühmte Persönlichkeiten und ihre Verbindung zu Wittenberg“ von Heinrich Kühne und Heinz Motel erschienen beim Druckhaus Göttinger Tageblatt GmbH & Co 1990 ISBN 3-924781-17-6
  • „Die Entwicklung der Ornithologie“ von Erwin Stresemann erschienen bei F.W. Peters / Berlin W15 1951 Seite 239
  • „Was wir Ernst Haeckel verdanken“ von H. Schmidt 1914 Seite 335-350
  • „Deutsche Medizinische Wochenschrift“ 46 von H. Braus 1920, S.470;
  • „Anatomischer Anzeiger“ 55 von H. Bluntschli 1922, Seite 244-255 (W-Verzeichnis P);
  • Geschichte der medizinischen Fakultät der Friedrich-Schiller-Universität Jena, von E. Giese u. B. von Hagen 1958, Seite 468-471;
  • „DBJ“ II (Ti. 1920, L) von Fischer
  • „Neue Deutsche Bibliographie“ Band 2, Seite 562
  • „Lexikon der Naturwissenschaftler“
  1. Nyhart L. K.: The importance of the “Gegenbaur school” for German morphology. In: Theory in Biosciences. 122, 2003, S. 162–173. doi:10.1007/s12064-003-0051-x.

Weblinks[Bearbeiten]