Max Hirsch (Sozialpolitiker)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Max Hirsch

Max Hirsch (* 30. Dezember 1832 in Halberstadt; † 26. Juni 1905 in Bad Homburg vor der Höhe) war ein deutscher Verlagsbuchhändler, Mitbegründer der Gewerkvereine, Sozialpolitiker und Publizist.

Leben[Bearbeiten]

Der Sohn eines Handschuhmachers in Halberstadt und Neffe des bekannten jüdischen Publizisten Ludwig Philippson hat nach dem Besuch des Magdeburger Domgymnasiums in Tübingen, Heidelberg und Berlin Volkswirtschaftslehre studiert und auf diesem Gebiet auch promoviert.

Aus gesundheitlichen Gründen bereiste er Frankreich und Nordafrika und publizierte einige Schriften zu seinen gesammelten Eindrücken. Nach der Rückkehr begründete er in Berlin das politische Wochenblatt Der Fortschritt. 1863 ließ sich Hirsch in Magdeburg als Kaufmann und Verlagsbuchhändler nieder. Hier kam er in Kontakt mit liberalen Sozialvorstellungen, wie sie vor allem Leberecht Uhlich vertrat, und mit der sich bildenden demokratischen Vereinsbewegung. Ab 1863 stand Hirsch mit Uhlich zusammen an der Spitze des Magdeburger Arbeiterbildungsvereins. Im gleichen Jahr war er Mitbegründer des Verbandes deutscher Arbeiterbildungsvereine und 1864 bereits Mitglied seines ständigen Ausschusses.

Er gehörte der liberalen Fortschrittspartei an, die in Magdeburg eine erhebliche Anhängerschaft besaß, und trat publizistisch für deren Ziele ein. 1867 übersiedelte Hirsch nach Berlin. Er hatte in England das dortige Genossenschaftswesen studiert und gründete nach dieser Anregung 1868 zusammen mit Franz Duncker und Hermann Schulze-Delitzsch Gewerkvereine (Hirsch-Dunckersche Gewerkvereine ab 1869). Die in Konkurrenz zu den sozialistischen Gewerkschaften stehenden liberalen Gewerkvereine hatten in Berlin und auch in Magdeburg und Umgebung bzw. in der Provinz Sachsen und in Anhalt teilweise beträchtlichen Einfluss. Die Grundidee der Gewerkvereine war nach dem liberalen Sozialkonzept die Hilfe zur Selbsthilfe und stand im Gegensatz zu sozialistischen Auffassungen wie auch zur staatlichen Sozialpolitik. Der rastlos tätige Hirsch war neben seiner Tätigkeit für die Gewerkvereine auch Mitbegründer und Vorstandsmitglied verschiedener Vereine, die sich mit Volksbildung und Sozialpolitik befassten.[1] Aus diesen Aktivitäten ragte seine organisatorische Geschäftigkeit wie auch seine Lehrtätigkeit an der von ihm maßgeblich mitbegründeten Volksuniversität, der Humboldt-Akademie, heraus. Von Bedeutung war auch sein Wirken in der deutschen Gruppe der Interparlamentarischen Friedenskonferenz und als Vorsitzender der Deutschen Friedensgesellschaft (1898–1900). Zwischen 1869 und 1893 war Max Hirsch wiederholt Mitglied des Reichstages des Norddeutschen Bundes bzw. des Deutschen Reichstages, zunächst für die Deutsche Fortschrittspartei, später für die Deutsche Freisinnige Partei. 1898 bis 1905 gehörte er als Abgeordneter der Freisinnigen Volkspartei dem Preußischen Abgeordnetenhaus an. Sein Grab befindet sich auf dem Jüdischen Friedhof Berlin-Weißensee in der Ehrenreihe, Feld A1.

Schriften[Bearbeiten]

  • Die hauptsächlichen Streitfragen der Arbeiterbewegung. 1886
  • Die Arbeiterfrage und die deutschen Gewerkvereine. Fs. zum 25-jährigen Jubiläum der Deutscher Gewerkvereine (Hirsch-Duncker). 1893
  • Volkshochschulen. Ihre Ziele, Organisation, Entwicklung, Propaganda. 1901.

Siehe auch: Arbeiterbildung

Literatur[Bearbeiten]

  • Carl August Schramm: Mein offener Brief an Dr. Max Hirsch nebst Antwort und Rückantwort. Berlin 1872
  • Hans-Georg Fleck: Sozialliberalismus und Gewerkschaftsbewegung. Die Hirsch-Dunckerschen Gewerkvereine 1868–1914. Köln 1994 ISBN 3-7663-2502-7.
  • Helga GrebingHirsch, Max. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 9, Duncker & Humblot, Berlin 1972, ISBN 3-428-00190-7, S. 205 f. (Digitalisat).
  • Wer ist’s? 1905 (mit Werkverzeichnis).
  • Salomon Wininger: Große jüdische National-Biographie. Band 3, 1928, S. 115f. (mit Werkverzeichnis).
  • Encyclopaedia Judaica, Das Judentum in Geschichte und Gegenwart. Band 8, 1931.
  • Biographisches Wörterbuch zur deutschen Geschichte. 2. Auflage, Band 1, 1995, Sp. 1173.
  • Mathias Tullner: Max Hirsch. In: Magdeburger Biographisches Lexikon. Magdeburg 2002, ISBN 3-933046-49-1
  • Dirk Hainbuch/ Florian Tennstedt (Bearb.): Biographisches Lexikon zur Geschichte der deutschen Sozialpolitik 1871 bis 1945. Band 1: Sozialpolitiker im Deutschen Kaiserreich 1871 bis 1918. Kassel University Press, Kassel, 2010, S. 74 f.; ISBN print 978-3-86219-038-6, ISBN online 978-3-86219-039-3 (Online, PDF; 2,2 MB)
  • Wolfgang Ayaß: Max Hirsch. Sozialliberaler Gewerkschaftsführer und Pionier der Volkshochschulen, Berlin 2013 (= Jüdische Miniaturen 141), ISBN 978-3-942271-96-7.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Hirsch war 1872/73 Mitbegründer des Vereins für Socialpolitik, vgl. Quellensammlung zur Geschichte der deutschen Sozialpolitik 1867 bis 1914, I. Abteilung: Von der Reichsgründungszeit bis zur kaiserlichen Sozialbotschaft (1867-1881), 8. Band: Grundfragen der Sozialpolitik in der öffentlichen Diskussion: Kirchen, Parteien, Vereine und Verbände, bearbeitet von Ralf Stremmel, Florian Tennstedt und Gisela Fleckenstein, Darmstadt 2006, S. 302 f., 307, 328, 343, 362 f., 369, 372, 374, 391 f., 399, 412, 416 f., 429-431, 451-457, 459, 463 f., 472, 483.

Weblinks[Bearbeiten]