Max Lenz

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Max Lenz, 1897

Max Lenz (* 13. Juni 1850 in Greifswald; † 6. April 1932 in Berlin; vollständiger Name: Max Albert Wilhelm Lenz) war ein deutscher Historiker.

Leben[Bearbeiten]

Max Lenz wurde als Sohn des Juristen Gustav Lenz (1818–1888) und dessen Ehefrau Johanna Adlich, einer von der Insel Wollin stammenden Bauerntochter, geboren und wuchs in streng lutherisch-orthodoxer Umgebung auf. Vater Gustav Lenz wurde zum Kreis der Junghegelianer gezählt und hatte nach den revolutionären Ereignissen von 1848/1849 seine Beamtenkarriere abbrechen müssen.

Den Schulbesuch absolvierte Lenz in seiner Heimatstadt und studierte anschließend in Bonn Geschichte und Klassische Philologie. Zu seinen Hochschullehrern zählte dort Heinrich von Sybel. 1870 nahm er als Freiwilliger mit einem pommerschen Jägerbataillon am Deutsch-Französischen Krieg teil. Nachdem eine im Dezember 1870 erlittene Verwundung überwunden war, setzte Lenz sein Studium in Greifswald und Berlin fort und schloss es 1874 mit einer Dissertation über das Bündnis von Canterbury und seine Bedeutung für den englisch-französischen Krieg und das Conzil von Constanz ab. In Greifswald wurde eine lang anhaltende und das jeweilige Werk beeinflussende Freundschaft mit dem nachmaligen Historikerkollegen Hans Delbrück begründet.

Dank der Vermittlung seines ehemaligen Hochschullehrers Heinrich von Sybel, der 1875 zum Direktor der preußischen Staatsarchive ernannt worden war, gelangte Lenz als 'Hilfsarbeiter' in das Geheime Staatsarchiv Marburg. Dort bearbeitete er den Briefwechsel Landgraf Philipps des Großmütigen mit Martin Bucer, dem Reformator Hessens. Die daraus resultierende Quellenedition erschien in drei Bänden 1880 bis 1891 im Druck.

Bereits 1876 hatte sich Lenz in Marburg mit einer Arbeit über Drei Tractate aus dem Schriftencyclus des Constanzer Concils für Mittlere und Neuere Geschichte habilitiert. Zunächst lehrte er als Privatdozent, ab 1881 als Extraordinarius, ab 1885 als Ordinarius an der Universität Marburg. 1887 wurde er Mitglied der Marburger Burschenschaft Rheinfranken.[1] Nachdem er ab 1888 vorübergehend den Lehrstuhl für Neuere Geschichte in Breslau innehatte, wurde Lenz 1890 Professor für neuere Geschichte in Berlin. 1911 war er Direktor des Historischen Seminars, 1911/1912 Rektor der Friedrich-Wilhelms-Universität Berlin.

1914 wechselte Lenz an das Hamburgische Kolonialinstitut, das mit seinem Mitwirken zur Universität ausgebaut wurde. Nach der 1922 erfolgten Emeritierung kehrte Lenz nach Berlin zurück, wo er 1932 verstarb.

Die Königlich-Preußische Akademie der Wissenschaften nahm 1896 Max Lenz als ordentliches Mitglied für das Arbeitsgebiet Geschichte auf. Von 1914 bis 1925 hatte er den Status eines Ehrenmitglieds dieser Akademie, 1925 wurde er wieder ordentliches Mitglied.

Aus der 1879 geschlossenen Ehe mit der Pianistin Emma Rohde (1859–1934), Tochter des Landwirtschaftsprofessors Ottomar Rohde, gingen vier Söhne und eine Tochter hervor, darunter der spätere Nationalökonom Friedrich Lenz (1885–1968).

Werk[Bearbeiten]

Max Lenz war führender Repräsentant einer Historikergeneration, die als Jung- beziehungsweise Neo-Rankeaner bezeichnet wurden und die später so genannte Ranke-Renaissance der Historiographie herbeiführten. In Abkehr von der bewusst tendenziellen, politischen Geschichtsschreibung der kleindeutschen, borussischen Schule deutscher Historiographie, deren extrovertiertester Vertreter Heinrich von Treitschke Lenzens Kollege während seiner Berliner Hochschullehrerzeit war, wollte man zu dem von Leopold von Ranke postulierten Objektivitätsideal zurückkehren. Die Geschichtsschreibung sollte von ethisch begründeten Parteinahmen frei sein, der Geschichtsschreiber solle unabhängig und überparteilich die in der Geschichte wirkenden Kräfte, vor allem die Ideen aufspüren und beobachten. Als Verkörperung dieser Ideen wurden Völker, Staaten und Religionen angesehen. Gegenüber Ranke, für den religiöse Überzeugungen fundamental für Ideen und Tendenzen einer Epoche waren, suchten die Neorankeaner die für sie maßgeblichen Ideen vorwiegend in quellenmäßig faßbaren Spuren der sogenannten Haupt- und Staatsaktionen. Zur quasi-religiösen Kraft wurde der Nationalstaat erhoben, der durch das als objektive Tatsache bezeichnete staatliche Streben nach Macht verwirklicht worden sei. Die zunehmende Übertragung solcher Geschichtsbetrachtungen auf die Außenpolitik machten die Neorankeaner, machten insbesondere Max Lenz zu einem der 'Chefideologen des Wilhelminismus', zum Legitimatoren wilhelminischer 'Weltpolitik'.

Noch vehementer als gegen die kleindeutsch-borussische Historiographie wendeten Lenz und seine Mitstreiter sich gegen die Rezeption von 'materialistischen', kultur-, sozial- und strukturgeschichtlichen Vorstellungen in der deutschsprachigen Historiographie. In einer alles andere als unabhängig und überparteilich, schon gar nicht sachlich, vielmehr oft persönlich und diffamierend ausgetragenen 'Abwehrschlacht' zur Bewahrung der Definitionshoheit eigener Ideen, die im sogenannten Lamprecht-Streit kulminierte, war Lenz wortführend beteiligt.

Historiographische Anerkennung gewann Lenz zunächst vor allem mit biographischen Forschungen zu Martin Luther, Wallenstein und Gustav Adolf. Seine 1883 erstmals veröffentlichte Luther-Biographie gewann weite Verbreitung und wurde dank bildhafter Sprachkunst geradezu volkstümlich. Bald darauf vollzog Lenz aber einen chronologischen Schwenk von Luther zu Bismarck (so auch der Titel einer Schrift). Gewissermaßen auf der Etappe publizierte er eine bemerkenswerte Napoleon-Biographie. Seinen für die Allgemeine Deutsche Biographie (Bd. 46, 1902, S. 571–775) verfassten Bismarck-Artikel erweiterte Lenz zu der ersten Bismarck-Biographie mit wissenschaftlichem Anspruch.

Zum Hauptwerk von Max Lenz wurde schließlich eine „Geschichte der Universität Berlin“. Diese wurde im Auftrag des Senats der Universität zur Jahrhundertfeier der Institution erstellt und erschien 1910 in zunächst vier Bänden, ein fünfter Band erschien nach durch den Ersten Weltkrieg verursachter Verzögerung erst 1918. Das Werk genießt den Status „einer politischen Geistes- und Kulturgeschichte des 19. Jh. bis 1860“ (Rüdiger vom Bruch). Gleichwohl findet sich in diesem Werk auch eine mit antisemitischen Tönen durchsetzte Beschreibung der Karriere und Person des Juristen und Historikers Eduard Gans.[2]

Zu den Schülern von Max Lenz gehörten bekannte Historiker wie Erich Brandenburg, Hermann Oncken oder Felix Rachfahl.

Werke[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Richard Salomon: Nachruf auf den verstorbenen em. o. Professor der neueren Geschichte Dr. phil. Max Lenz. In: Universität Hamburg. Reden gehalten bei der Feier des Rektorwechsels … Hamburgische Universität. Boysen, Hamburg 1932, S. 53–56.
  • Hermann Oncken: Gedächtnisrede auf Max Lenz. Verl. d. Aklademie d. Wissenschaften, Berlin 1933.
  • Max Lenz zum Gedächtnis. Verzeichnis seiner Schriften. Mit 2 Erinnerungsblättern v. Erich Marcks und Karl Alexander v. Müller und einem Vorwort von Arnold Reimann. Weidmannsche Buchhandlung, Berlin 1935 (Schriften der Historischen Gesellschaft zu Berlin 4).
  • Rüdiger vom BruchMax Lenz. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 14, Duncker & Humblot, Berlin 1985, ISBN 3-428-00195-8, S. 231–233 (Digitalisat).
  • Günther Franz: Lenz, Max. In: Biographisches Wörterbuch zur Deutschen Geschichte. Band 2. Begründet von Hellmuth Rössler und Günther Franz. 2. Auflage. Bearbeitet von Karl Bosl, Günther Franz und Hanns Hubert Hofmann. Weltbild, Augsburg 1995, ISBN 3-89350-708-6, Sp. 1615 f.
  • Hans Schleier: Grundlinien der bürgerlichen deutschen Historiographie vor 1945. In: Werner Berthold u. a.: Kritik der bürgerlichen Geschichtsschreibung. Handbuch. Gesamtleitung: Gerhard Lozek. 4. Auflage. Pahl-Rugenstein, Köln 1977, S. 81–99.
  • Georg G. Iggers: Deutsche Geschichtswissenschaft. Eine Kritik der traditionellen Geschichtsauffassung von Herder bis zur Gegenwart. DTV, München 1971, ISBN 3-423-04059-9.
  • Jakob Michelsen: Max Lenz – ein deutscher Historiker. In: Historix, 1989/90, WS, S. 16 f.
  • Rüdiger vom Bruch: Lenz, Max (1850–1932). In: Rüdiger vom Bruch, Rainer A. Müller (Hrsg.): Historikerlexikon. Von der Antike bis zum 20. Jahrhundert. Beck, München 1991, ISBN 3-406-33997-2, S. 181.

Weblinks[Bearbeiten]

 Wikisource: Max Lenz – Quellen und Volltexte

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Marburger Burschenschaft Rheinfranken
  2. Götz Aly: Warum die Deutschen? Warum die Juden? Gleichheit, Neid und Rassenhass 1800-1933. Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt/M. 2012, S. 180 f.