Max Meyer (Arzt)

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Max Meyer als Student im Couleur des Corps Suevia Straßburg (1910)

Max Meyer (* 6. Februar 1890 in Berlin; † 6. November 1954 in Würzburg) war ein deutscher HNO-Arzt und Hochschullehrer in Teheran und Würzburg.

Leben[Bearbeiten]

Als Sohn eines angesehenen Ohrenarztes und seiner früh verstorbenen Frau studierte Meyer Medizin an der Kaiser-Wilhelms-Universität Straßburg und zwischenzeitlich an der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg. Alle Examina machte er in Straßburg. Vom 9. August 1914 bis zum 8. Januar 1919 nahm er als Assistenzarzt und Oberarzt d. R. am Ersten Weltkrieg teil, davon drei Jahre als Bataillonsarzt eines Jägerbataillons, zuletzt als Führer einer Sanitätskompanie. Zweimal verwundet, erhielt er das Verwundetenabzeichen in Schwarz. Er wurde mit beiden Eisernen Kreuzen ausgezeichnet.

Die HNO-Ausbildung begann Meyer im Berliner Krankenhaus Charlottenburg-Westend. Am 1. Februar 1920 kam er als junger Assistent zu Paul Manasse, bei dem er schon in Straßburg gearbeitet hatte. Der Hörsaal der neuen Würzburger Klinik wurde am 14. Februar 1923 mit Meyers Antrittsvorlesung als habilitierter Privatdozent eröffnet. In Würzburg wurde er am 4. März 1927 Extraordinarius.

Da ihm als Juden von den Nationalsozialisten am 31. Dezember 1935 die Lehrbefugnis entzogen wurde, verließ er Deutschland und arbeitete vom 1. Oktober 1935 bis zum 30. September 1940 als Direktor der HNO-Klinik vom Staatlichen Musterkrankenhaus in Ankara. Dort hatte auch der jüdische Pädiater Albert Eckstein Zuflucht gefunden.

Siehe auch: Deutsche Exilanten in der Türkei

Zum 1. Juli 1941 wurde Meyer auf den HNO-Lehrstuhl der Universität Teheran berufen, wo er bis zum 30. September 1947 blieb.

Als er nach Deutschland zurückkehrte, wurden ihm vier Lehrstühle angeboten. Er entschied sich für das in Trümmern liegende Würzburg, wo er ausgebildet worden war und glückliche Ehejahre verbracht hatte. Am 20. Oktober 1947 trat er seinen Dienst an. Im Mittelpunkt der Medizinischen Fakultät stand das Luitpold-Krankenhaus, in dem Meyer die HNO-Klinik als Direktor wieder aufbaute. Schon 1948 wurde er Dekan. 1951/52 und 1952/53 war er Rektor, seitdem Prorektor der Universität.[1][2][3]

Nach eher harmlosen Verletzungen durch einen Verkehrsunfall starb Meyer an einer Thrombose mit Nierenversagen in der Würzburger Klinik.

Mit einem vom Corps Bavaria Würzburg ausgerichteten Staatsbegräbnis ehrten ihn die Universität, die Studentenschaft, das Land Bayern, die Stadt Würzburg, Kollegen, Wissenschaftler und seine beiden Corps in der Vorhalle der Universität. Es sprachen u. a. Staatsrat Hans Meinzolt für das Bayerische Staatsministerium, der Rektor und der Dekan der Medizinischen Fakultät, der Oberbürgermeister, die Vertreter des Allgemeinen Studentenausschusses und des Universitätsbundes sowie die Altherrenvorstände von Meyers beiden Corps (A. Krause und G. Schmitt). Beim Glockengeläut der Würzburger Kirchen flankierten Tausende den Trauerzug zum Friedhof.

Zu Meyers Ehren veranstaltete die Würzburger Studentenschaft am 18. November 1954 einen Trauerkommers in den Huttensälen.

Corpsstudent[Bearbeiten]

Auf Empfehlung von Rudolf von Bennigsen (Gouverneur) (Ehrenmitglied von Suevia Straßburg) schloss sich Meyer 1910 in Straßburg dem Corps Suevia Straßburg an.[4] In seinen Würzburger Jahren verkehrte er regelmäßig bei dem befreundeten Corps Bavaria Würzburg. Aus dem Exil zurückgekehrt, engagierte er sich in Marburg sofort und vehement für die Rekonstitution seiner Suevia, die den Aktivenbetrieb dann auch in Marburg wieder aufnahm.[5]

Als einer der ersten Nachkriegsrektoren stellte er sich aus innerster Überzeugung gegen die Diffamierung der studentischen Korporationen. In den Rektorenkonferenzen, die sich 1949 mit dem Tübinger Beschluss gegen das Verbindungswesen positioniert hatten, stellte er sich nicht nur vor die waffenstudentischen, sondern auch vor die weltanschaulichen und religiösen Verbindungen. Auf Einladung des damaligen Bundesinnenministers Robert Lehr trafen sich die Rektoren und die Verbändevertreter am 12. November 1952 in Düsseldorf. Meyer saß bei den Verbänden, nicht bei den Rektoren. Schon 1949 saß er im Würzburger Senatsausschuss für Korporationen.

Am 15. September 1951 kamen führende Vertreter[6] des Verbandes Alter Corpsstudenten in Meyers Wohnung überein, die Kösener Congresse in Würzburg abzuhalten. Meyers gutes Verhältnis zur Stadtverwaltung ermöglichte auch die Unterbringung der Teilnehmer in der zerstörten Stadt. Das Angebot, die Festrede auf dem Kösener Congress 1953 zu halten, lehnte er ab, weil er im Hintergrund wirken wollte: „Ich sehe meine Aufgabe darin, in täglicher Kleinarbeit und im täglichen Zusammenwirken mit den Studenten eine Situation zu schaffen, in der die Korporationen wieder frei atmen und ihre Eigenarten möglichst ungehindert entfalten können. Weiter hoffe ich, etwas dazu beitragen zu können, daß den Korporationen Wege gezeigt werden, auf denen sie, unbeschadet ihrer Überlieferung, an den Aufgaben der Hochschule direkt stärker mitwirken können als früher.“ Am 10. Mai 1954 hielt er die Festrede auf dem gemeinsamen Kommers aller Würzburger Korporationen.

Zum ersten Mal in seiner Geschichte verlieh das Corps Bavaria Würzburg Meyer am 29. Mai 1954 (einstimmig) das Band.[7]

„Sein Beispiel einer vorurteilsfreien Toleranz, eines achtungsvollen Respekts vor dem Andersdenkenden, ohne die Treue zur eigenen Art und Überzeugung zu leugnen, werden eine immerwährende Verpflichtung für die Corpsbrüder bleiben.“

Corps Bavaria Würzburg, 140. Stiftungsfest, 1955

Meyer hat „verhindert, daß im ersten Dezennium unserer jungen Bundesrepublik Deutschland Metternichscher Geist auf den Universitäten einzog. So hat er dem Frieden unter der Studentenschaft und dem sozialen Frieden unseres Staates einen bedeutsamen Dienst erwiesen.“ [8]

Ehrungen[Bearbeiten]

Nach Max Meyer wurde ein im Jahre 2013 erstmals verliehener und von Corpsstudenten gestifteter Preis zur Förderung von Nachwuchsforschung benannt, der Rektor-Max-Meyer-Preis.[9]

Literatur[Bearbeiten]

  • A. Krause: Max Meyer. Einst und Jetzt, Bd. 3 (1958), S. 150-153
  • Faruk Sen, Dirk Halm: Exil unter Halbmond und Stern - Herbert Scurlas Bericht über die Tätigkeit deutscher Hochschullehrer in der Türkei während der Zeit des Nationalsozialismus. 2007 ISBN 3898617688

Einzelnachweise und Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. Meyer: Immatrikulationsrede WS 1951/52 vom 29. November 1951
  2. Meyer: Die Schwerhörigkeit als menschliches und ärztliches Problem. Rektoratsrede vom 10. Mai 1952
  3. Meyer: Jahresbericht der der Julius-Maximilians-Universität Würzburg vom 10. Mai 1952
  4. Kösener Corpslisten 1930, 103, 154
  5. Nachruf, Straßburger Schwabenblatt, Nr. 154, April 1955
  6. Ballas (Saxonia Kiel), Bruns (Suevia Straßburg), H. R. Koch (Hassia, Rhenania Bonn) und später Meyers Freund Ranz (Normannia Berlin, Saxonia Kiel, Frankonia Prag)
  7. Kösener Corpslisten 1960, 138, 887
  8. Krause, S. 153
  9. Redaktion Süd: WÜRZBURG. Rektor-Max-Meyer-Preis für Nachwuchsforschung. In: mainpost.de vom 10. Dezember 2013

Weblinks[Bearbeiten]