Single (Musik)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
(Weitergeleitet von Maxi-CD)
Wechseln zu: Navigation, Suche

Der Begriff Single bezeichnet einen Tonträger, der im Gegensatz zu einem Album meistens nur zwei Titel eines Künstlers enthält. Die Variante zwischen Album und Single heißt EP.

Die Single dient der Musikindustrie heute in erster Linie als Marketinginstrument zur Verkaufsförderung von Musikalben. Die erste Single-Auskopplung eines Albumtitels wird dabei im Allgemeinen vor dem Verkaufsstart des eigentlichen Albums veröffentlicht. Ist das Album erfolgreich, folgen meist noch weitere Auskopplungen. Neben der Single-Auskopplung des Albums enthalten die Tonträger in der Regel weiterhin Remixe des Titelstücks oder unveröffentlichtes Songmaterial, das nicht für das Album verwendet wurde. Singles gibt es als Vinylschallplatte oder als Compact Disc, wobei sich auf dem Massenmarkt im Zuge der Markteinführung der CD die Single-CD als alleiniges Single-Medium durchsetzte.

Vinyl-Singles[Bearbeiten]

7″-Single[Bearbeiten]

Chords – Sh-Boom

Singles haben in ihrer ursprünglichen Form als Schallplatten, abweichend von der Langspielplatte, einen Durchmesser von 7" Zoll (etwa 17,9 cm), und werden im Gegensatz zur Langspielplatte statt mit 33 1/3 mit 45 Umdrehungen pro Minute abgespielt (erst seit Februar 1949). Vorher war die 10″-Single mit einer Geschwindigkeit von 78 Umdrehungen marktüblich. Das Mittelloch einer herkömmlichen Vinyl-Single ist größer als das einer LP, so dass zum Abspielen ein zusätzliches Adapterstück, der sogenannte Puck, notwendig ist (gilt nicht für in Großbritannien gepresste Singles; diese haben ein kleines Mittelloch wie LPs). Der Ursprung des Formats liegt im Battle of the Speeds genannten Formatkrieg zwischen Columbia Records und RCA Victor 1948/49; erst nach dessen Beilegung wurden Plattenspieler mit beiden Geschwindigkeiten und Mittelloch-Adaptern üblich, womit die Kompatibilitätslücke überbrückbar wurde. Diese Singles wurden später auch in Jukeboxen eingesetzt. Alternativ kann in das große Mittelloch der einzelnen Single ein sogenannter Stern eingeklemmt werden. Dies ermöglicht den Einsatz der Singles auf Plattenspielern mit Wechselfunktion. Heutige Singles, die vor allem noch im (Underground-) Metal-, Punk- und Grindcore-Bereich sowie im Funk und Soul gepresst werden, verzichten oftmals auf das größere Mittelloch, oft auch aufgrund der Herstellungsweisen der Presswerke.

Der Übergang von der Single mit einer Geschwindigkeit von 78 Umdrehungen auf die Single mit 45 Umdrehungen vollzog sich in den USA abrupt. Am 1. Mai 1954 berichtete die RIAA, dass die 78er Single lediglich noch einen Umsatzanteil von 52 % aller verkauften Singles aufweise.[1] Ab Juli 1954 wurde dann die 45er Single von den großen sechs Plattenkonzernen flächendeckend angeboten. Eine der ersten war der Doo-Wop-Hit Sh-Boom von den Chords, veröffentlicht im Juni 1954 (allerdings von einem so genannten Independent-Label).

Eine Vinyl-Single hat wie andere Schallplatten in der Regel auch zwei bespielte Seiten, die A- und die B-Seite. Auf der A-Seite befindet sich der Haupttitel, auf der Rückseite wie oben beschrieben ein zusätzliches Stück, ein Remix des Haupttitels oder ein Teil 2 des Haupttitels. In seltenen Fällen war die B-Seite populärer als die A-Seite. Befinden sich auf einer Vinyl-Single zwei Musikstücke auf Vorder- und Rückseite, die beide in deren Titel genannt werden, dann spricht man auch von einer Doppel-A-Seite (Beispiel: Strawberry Fields Forever/Penny Lane von den Beatles).

Ab 1988 wurden so genannte A-Singles angeboten, die auf der Rückseite statt eines weiteren Titels ein Interview oder gesprochene Information zu Song bzw. Künstler enthielten, dafür aber weniger Geld kosteten als herkömmliche Singles,[2] von denen Bobby McFerrins Don’t Worry, Be Happy im August 1988 eine der ersten war. Diese Singles wurden damals zum halben Preis von etwa 3,00 DM angeboten.

Sonderformate[Bearbeiten]

Die Gruppe Westworld veröffentlichte 1987 eine Single im 5,5″-Format (etwa 13 cm). Diese sogenannte Mini-Single besaß auf Grund ihrer Größe nur ein kleines Mittelloch und war mit jedem Schallplattenspieler mit 45 Umdrehungen pro Minute abspielbar.

Single-Formate mit erweiterter Spielzeit[Bearbeiten]

10″-Single[Bearbeiten]

Ab Juli 1910 war in den USA die 10″-Schellack-Single mit 78 Umdrehungen das übliche Format. Ihre Spieldauer erreichte 3 Minuten pro Seite. Neben der herkömmlichen 7″-Single bestehen mit der 10″-Single und der 12″-Single weitere Vinyl-Single-Formate. Aufgrund der begrenzten Spielzeit pro Seite und steigenden Titellängen wurde die 10″-Single (25 cm Durchmesser) mit erweiterter Laufzeit eingeführt. Dieses Format blieb neben der kompakteren, populären 7″-Single jedoch eher eine Rarität.

Maxi-Single[Bearbeiten]

Mit der Maxi- oder 12″-Single wurde ab Mitte der 1970er Jahre ein weiteres Single-Format auf den Markt gebracht. Sie bietet mit dem Durchmesser einer herkömmlichen Langspielplatte (30 cm) eine nochmals erhöhte Spielzeit. Dabei existieren die beiden Abspielgeschwindigkeiten von 45 und 33 min−1.

Anfangs wurden 12″-Singles nur als Promotionkopien an DJs vertrieben. Die erste kommerzielle 12″-Single wurde 1976 mit Ten Percent von Double Exposure auf dem New Yorker Discolabel Salsoul Records veröffentlicht.

Durch die im Vergleich zu herkömmlichen Singles und LPs wesentlich breitere Rille, die eine höhere Wiedergabequalität ermöglicht, wird eine höhere Grundlautstärke sowie ein deutlich besserer Dynamikumfang (ausgeprägtere Bässe und Höhen) erreicht. Diese 12″-Single, die im Ursprung die identische Aufnahme wie auf der 7″-Single enthielt, wurde als Super Sound Single angeboten. Die Entwicklung der 12″-Single ist im Wesentlichen auf den Bedarf von langen, tanzbaren sogenannten Diskoversionen bekannter Hits für Diskotheken (heute nur noch Remix genannt) zurückzuführen. Außerdem bewirkt die höhere Grundlautstärke ein besseres Signal-Rausch-Verhältnis, so dass bei – in Diskotheken benötigter – höherer Abspiellautstärke die Klangqualität verbessert wurde.

Heutige Bedeutung von Vinyl-Singles[Bearbeiten]

Herkömmliche Vinyl-Singles im 7″-Format sind auch heute noch zu finden. Besonders bei Punkrock-, Reggae- und Dub-Veröffentlichungen erfreuen sie sich ungebrochener Beliebtheit. Auch 10″-Singles begegnet man hin und wieder bei Independent-Veröffentlichungen. Sie haben innerhalb der Sammlerszene und DJ-Kultur einen eher ideellen als materiellen Wert. Die klassische 12″-Maxi-Single wird im Hip-Hop und in der elektronischen Musik bis heute zahlreich verwendet und zählt in diesen Musikrichtungen zur Grundausstattung des DJs. Vinyl-Singles haben trotz ihrer eigentlich technischen Veraltung bis heute überlebt und verzeichnen in den oben genannten Bereichen wieder Wachstumsraten. Grund dafür ist unter anderem der Vinylbedarf von DJs.

CD-Single[Bearbeiten]

Die Einführung der CD hat auch auf dem Single-Markt zu Veränderungen geführt. Als Nachfolgerin der Vinyl-Singles wurden ab Oktober 1985 die CD-Single und ein Jahr später die CD-Maxi-Single eingeführt, anfangs in kleinen Auflagen und je nach Plattenfirma im 8-cm- (sogenannte Mini-CD) oder 12-cm-Format. Als erste CD-Single überhaupt gilt Brothers in Arms von den Dire Straits, die im Oktober 1985 erschien. Die allererste CD-Single in Deutschland war die Single Keine Sterne in Athen (3-4-5 x in 1 Monat) von Stephan Remmler, die im November 1986 veröffentlicht wurde. Im Oktober 1986 erschien von Erasure die CD-Maxi-Single Sometimes als eine der ersten dieses Formats.

Das ursprünglich auch für Musik-Singles vorgesehene Mini-CD-Format (8-cm-Format), das weniger als ein Drittel des Speicherplatzes einer herkömmlichen CD aufweist, setzte sich nicht durch. Wesentliche Argumente dafür: Das Einsparpotenzial in den Kalkulationen der Plattenfirmen war aufgrund der vergleichbaren Produktionskosten verschwindend gering. Zumal bietet die Mini-CD im Gegensatz zur normalen CD noch weniger Präsentationsfläche für das für den Verkauf wichtige Cover. Auch für Presswerke war die Produktion von 8-cm-Singles nicht interessant, da 12-cm-Single und CD-Album technisch völlig identisch sind. Die Massenproduktion eines zweiten CD-Formates hätte sich negativ auf die Flexibilität der Fertigung (insbesondere durch die nötig werdenden Umrüstungen) und damit auf die Wirtschaftlichkeit einer Produktionsstrecke ausgewirkt. Ein weiterer Punkt war, dass anfangs nicht alle erhältlichen CD-Spieler das kleinere Format unterstützten und wie bei 7″-Vinyl-Singles Adapter nötig wurden.

Ab Beginn der 1990er Jahre führte die Musikindustrie auf dem damals als besonders finanzstark geltenden deutschen Markt die 12-cm-CD-Maxi im Slimcase (preislich entsprechend der 12″-Vinyl-Maxi) ein, die bis heute das Standardformat auf dem deutschen Single-Markt darstellt. Sie enthält im Gegensatz zur normalen Single (mit allgemein zwei Titeln) häufig drei oder vier Titel. Im europäischen Ausland hingegen setzte sich von Anfang an die ebenfalls 12 cm große CD-Single (preislich entsprechend der 7″-Vinylsingle) im Pappcover durch.

Sogenannte Slot-In-Laufwerke, die nicht über eine Schublade verfügen, können die kleineren CDs nur mit Adapter abspielen. Slot-In-Laufwerke ziehen die Datenträger durch eine spezielle Mechanik automatisch ein und werfen sie ebenso aus, wodurch man die Datenträger nur ein Stück weit durch einen Schlitz schieben muss. Derartige Geräte fanden immer mehr Verbreitung, nachdem es immer weniger CDs auf dem Markt gab, die von den normalen kreisrunden 12-Zentimeter-Scheiben abwichen. Insbesondere bei einbaubaren CD-Spielern für Automobile dominiert diese Technik.

Die Entscheidung für das Maxi-Single-Format in Deutschland hatte Auswirkungen auf das Konsumverhalten: Wie schon zu Vinylzeiten waren Maxis insbesondere im Disco-Bereich interessant, so dass diese Musikrichtung in Deutschland überdurchschnittlich hohe Verkaufszahlen verbuchen konnte, während der Umsatz im Rock-Pop-Bereich stark zurückging. Die Rock- und Pop-Konsumenten hatten nur wenig Interesse an meist unattraktiven oder gar qualitativ minderwertigen Remixen und B-Seiten. Das von der Musikindustrie gesetzte, kaum begründbare hohe Preisgefüge (mit damals bis zu zwölf DM etwa das Doppelte einer früheren Vinyl-Single) führte dazu, dass viele Kunden auf den Kauf von Maxi-Singles verzichteten und stattdessen gleich zum Album griffen. Seit Anfang der 1990er werden in den Single-Charts auch Airplay-Einsätze berücksichtigt, sodass weiterhin Rock- und Popmusik in den Charts vertreten sind. Diese Kompensation des eigentlichen Käuferverhaltens wird insbesondere deswegen vorgenommen, weil die Single-Charts nach wie vor eine wesentlich höhere Bedeutung für die Musikvermarktung als die Album-Charts besitzen. Jedoch ist zu beobachten, dass Singles auf dem deutschen Markt schon lange nicht mehr ihre eigentliche Funktion erfüllen. Single-Erfolge und Albumverkäufe klaffen oft weit auseinander. Musiker, deren Alben sich sehr gut verkaufen, finden sich immer seltener auf vorderen Plätzen in den Single-Charts wieder.

Erst Anfang der 2000er Jahre reagierte die Musikindustrie auf den vermehrten Kundenwunsch, wieder CD-Singles zu günstigeren Preisen anzubieten. Gründe hierfür sind insbesondere der durch das MP3-Format ausgelöste erhöhte Preisdruck und die damit verbundenen stetig zurückgehenden CD-Verkäufe, die deutliche höhere Gewinnspannen versprechen. Die auf dem deutschen Markt als limitierte „2-Track-CD“ im Slimcase erscheinenden Tonträger sind von der Titelauswahl meist mit den im Ausland erhältlichen CD-Singles identisch. Die limitierte Stückzahl hat jedoch zur Folge, dass von einigen Titeln der aus Radio oder Fernsehen bekannte Single-Mix nur kurze Zeit erhältlich ist. Beispiele hierfür waren unter anderem Produktionen von Pet Shop Boys („Miracles“, „Flamboyant“) oder Depeche Mode (Enjoy the Silence ’04“, „Precious“).

Dieser Schritt konnte den Einbruch des CD-Single-Marktes jedoch kaum verhindern. In einer Zeit, in der der Musikkonsument jeden Titel eines Albums einzeln als Audiodatei im Internet erwerben kann, besitzt die Single als Tonträger im Massenmarkt, abgesehen von der Bedeutung für Sammler, keine nennenswerte Attraktivität mehr. Heute reichen meist 5000 wöchentliche Verkäufe in Deutschland, um obere Ränge der Top 10 der Single-Charts zu erreichen. Für die Top 100 reichen nach Angaben von Manfred Gillig-Degrave, Chefredakteur des Branchenmagazins Musikwoche „dreistellige Zahlen“.[3]

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Jim Dawson/Steve Propes, 45 rpm: The History, Heroes and Villains of a Pop Music Revolution, 2003, S. 41
  2. hitparade.ch über Bobby McFerrins Don’t worry be happy, abgerufen am 24. Februar 2010
  3. Spiegel Online: Einfalltor für Chart-Manipulationen?