Maximilian von Sachsen (1870–1951)

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Portraitstich aus der Stadt Gottes (Zeitschrift), Jahrgang 1901

Max von Sachsen (auch: Maximilian Wilhelm August Albert Prinz von Sachsen) (* 17. November 1870 in Dresden; † 12. Januar 1951 in Freiburg im Üechtland) war ein sächsischer Prinz, katholischer Geistlicher und Gelehrter (Ostkirchenforscher).

Leben[Bearbeiten]

Am 17. November 1870 wurde Max von Sachsen in Dresden als Kind des Prinzen Georg, Herzog zu Sachsen (seit 1902 König von Sachsen), und Maria Anna, geborene Infantin von Portugal (1843–1884), der ältesten Tochter der regierenden Königin von Portugal, Maria da Gloria, geboren. Nach dem Abitur (1888) absolvierte er den Militärdienst und studierte Rechtswissenschaften, Geschichte und Nationalökonomie in Freiburg im Breisgau. 1892 wurde er an der Universität Leipzig summa cum laude zum Doktor beider Rechte promoviert. Anschließend trat er in das 1. Sächsische Ulanenregiment ein, verließ es aber bald wieder, um von 1893 bis 1896 Philosophie und Theologie am damaligen Bischöflichen Lyzeum (heute Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt) in Eichstätt/Bayern zu studieren. Während dieses Studiums wohnte er im Bischöflichen Priesterseminar. Am 26. Juli 1896 wurde er hier in der Schutzengelkirche zum Priester geweiht und verzichtete am Tag der Primiz auf seinen Anspruch auf den sächsischen Königsthron.

Nach kurzen seelsorgerlichen Tätigkeiten in Whitechapel/England und in Eichstätt (Kaplan an St. Walburg) wurde er 1898 nach mehrmonatigem Aufenthalt an der Universität Würzburg zum Doktor der Theologie promoviert. 1898 bis 1900 war er Kaplan an der Frauenkirche in Nürnberg, und zwar an der Filiale St. Joseph und am Institut der Englischen Fräulein. Bereits hier zeigte sich ein herausragender Wesenszug: Er lebte bescheiden mitten im Arbeitermilieu; Zuwendungen des sächsischen Königshauses ließ er Armen zukommen. Trotz seines Einsatzes für das einfache Volk wurde er von der Linken wiederholt angegriffen.

1900 wurde er an die theologische Fakultät der katholischen Staatsuniversität Fribourg/Schweiz als außerordentlicher, ab 1908 als ordentlicher Professor des neuen Lehrstuhls für Kirchenrecht und Liturgik berufen, den er bis 1910 innehatte. Er beschäftigte sich intensiv mit den Riten der Ostkirche und den entsprechenden Kirchensprachen (Kirchenslawisch), unternahm diesbezüglich ausgedehnte Forschungsreisen und trat schließlich – nicht unangefochten – für die Einheit von Ost- und Westkirche ein. Aufgrund der Anfeindungen, die Ende 1910 im Zuge des „Modernismusstreites“ in einer päpstlichen Rückweisung seiner „Irrtümer“ gipfelten, verließ er 1912 Fribourg, nachdem ihm die Lehrbefugnis für Kirchenrecht entzogen und diejenige für Liturgik als „ruhend“ erklärt worden war.

1912 bis 1914 wirkte er als Professor für Liturgik am Priesterseminar von Köln. Im Ersten Weltkrieg war er Feld- und Lazarettgeistlicher. Im Juni 1916 schied er aus dem Militärdienst aus und blieb zur Seelsorge und zu Studien in Sachsen. In der Folgezeit setzte er sich unter anderem mit dem Tierschutz und mit der Friedensthematik geistig auseinander; er selbst war Vegetarier, Abstinent und Tabakgegner.

Nach Kriegsende und dem Untergang des Königtums hielt er sich in Sibyllenort (Schlesien) auf und ging dann als Seelsorger nach Bayern (St. Bonifaz in München, Schleedorf und Wasserburg am Inn). Ab 1921 lehrte er wieder in Fribourg, und zwar an der philosophischen Fakultät, wo er einen Lehrauftrag für „Orientalische Kulturen und Literaturen“ innehatte. 1923/24 war er Dekan. Durch die – von ihm abgelehnte – Ehrung mit dem Titel eines Päpstlichen Hausprälaten erfolgte in der Modernismus-Zurechtweisung die kirchliche Rehabilitation. 1941 emeritiert, weiterhin aber Honorarprofessor, starb er, der zeitlebens insbesondere wegen seiner Lebensweise als „Original“ galt, am 12. Januar 1951 in Fribourg und wurde auf dem Friedhof der Kanisiusschwestern in Bürglen, deren Hausgeistlicher er war, bestattet.

Prinz Max von Sachsen gehörte dem studentischen Unitas-Verband (UV) und als Ehrenmitglied den Katholischen Studentenverbindungen K.St.V. Walhalla Würzburg und KStV Carolingia-Fribourg im KV an. 1906 rief er in Fribourg den studentischen Verein Markomannia ins Leben, der 1912 Aufnahme in den UV fand, aber nach dem Weggang seines Stifters bald suspendieren musste.

2006 widmete ihm die Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt eine Ausstellung.

Publikationen[Bearbeiten]

  • Verteidigung der Moraltheologie des Hl. Alphonsus von Liguori gegen die Angriffe Robert Grassmanns, 1899 und weitere Auflagen
  • Praelectiones de liturgiis orientalibus, 2 Bände, 1903/04
  • Übersetzungen orientalischer (syrischmaronitisch, chaldäisch, griechisch, armenisch und syrisch-antiochenisch) Messriten ins Lateinische, 1907/08; Übersetzung des griechischen Offiziums vom Karsamstag (Epitaphia) ins Französische, 1907
  • Vorlesungen über die orientalische Kirchenfrage, 1907
  • Die orientalische Kirchenfrage (1906), Die russische Kirche (1907), Das christliche Konstantinopel (1908)
  • Pensées sur l’union des Eglises, in: Roma e l’Oriente, November 1910
  • Des Heiligen Johannes Chrysostomus Homilien über das Evangelium des Hl. Matthäus, 2 Bände, 1910
  • Des Heiligen Johannes Chrysostomus Homilien über das erste Buch Mosis, 2 Bände, 1913/14
  • Erklärung der Psalmen und Cantica in ihrer liturgischen Verwendung, 1914
  • Das christliche Hellas, 1918; Nerses von Lampron, Erklärung der Sprichwörter Salomos, 3 Bände, 1919-26; Nerses von Lampron, Erklärung des Versammlers, 1929; Der heilige Theodor, Achimandrit von Studion, 1929
  • Ratschläge und Mahnungen zum Volks- und Menschheitswohle, 1921
  • Officium de Pace, 1938
  • Curriculum vitae, 1942 (autobiographisches Manuskript)

Vorfahren[Bearbeiten]

Ahnentafel Maximilian von Sachsen
Ururgroßeltern

Kurfürst
Friedrich Christian von Sachsen (1722–1763)
∞ 1747
Maria Antonia von Bayern (1724–1780)

Herzog
Ferdinand von Bourbon (1751–1802)
∞ 1769
Maria Amalia von Österreich (1746–1804)

Friedrich Michael von Pfalz-Birkenfeld (1724–1767)
∞ 1746
Maria Franziska von Pfalz-Sulzbach (1724–1794)

Karl Ludwig von Baden (1755–1801)
∞ 1774
Amalie von Hessen-Darmstadt (1754–1832)

Herzog
Franz von Sachsen-Coburg-Saalfeld (1750–1806)
∞ 1777
Auguste Reuß zu Ebersdorf (1757–1831)

Ferenc József Kohàry (1760–1826)

Antonia von Waldstein zu Wartenberg (1771–1854)

König
Johann VI. (1767–1826)
∞ 1785
Charlotte Joachime von Spanien (1775–1830)

Kaiser
Franz II. (1768–1835)
∞ 1790
Maria Theresia von Neapel-Sizilien (1772–1807)

Urgroßeltern

Maximilian von Sachsen (1759–1838)
∞ 1792
Caroline von Bourbon-Parma (1770–1804)

König Maximilian I. Joseph (1756–1825)
∞ 1797
Karoline von Baden (1776–1841)

Ferdinand von Sachsen-Coburg-Saalfeld (1785–1851)
∞ 1815
Maria von Koháry (1797–1862)

König Peter IV. von Portugal (1798–1834)
∞ 1817
Maria Leopoldine von Österreich (1797–1826)

Großeltern

König Johann von Sachsen(1801–1873)
∞ 1822
Amalie Auguste von Bayern (1801–1877)

König Ferdinand II. von Portugal (1816–1885)
∞ 1836
Maria II. von Portugal (1819–1853)

Eltern

König Georg von Sachsen (1832–1904)
∞ 1859
Maria Anna von Portugal (1843–1884)

Maximilian von Sachsen

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]