Medien (Land)

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Ein adeliger Meder (links vorne) neben einem adeligen Perser (rechts vorne) (Illustration aus Zur Geschichte der Kostüme von Braun & Schneider, 1861-1880 München)

Medien (persischماد‎ - Mād, altpersisch Mād, babylonisch Umman-Mand, griechisch Μηδία, kurdisch Medi / Medya) bestand aus iranischen Teilprovinzen, die im Altertum mehrere wechselnde Konföderationen eingingen. Die Bewohner wurden unter dem Oberbegriff Meder (Mad-ai, Mād-y, Mand-a, Μῆδοι) zusammengefasst. Eine spezielle Volksbezeichnung lag nicht vor, da auch die Kimmerier und Skythen teilweise mit gleichem Namen belegt wurden.[1]

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Geografie

Medien (Land) (Iran)
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Urmia
Urmia
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Gutium
Gutium
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Medien
Medien
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Zagros
Zagros
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Damavand
Damavand
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Gizilbunda
Gizilbunda
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Ellipi
Ellipi
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Kavir-Wüste
Kavir-Wüste
Medien (ursprüngliche Lage) und spätere Ausdehnung (Nachbarländer, Karte von Iran)

In Medien gab es bedeutende Goldvorkommen, die schon früh ausgebeutet wurden.

[Bearbeiten] Historische Quellen

Die Meder hinterließen keine eigenen Schriftquellen. Wichtigste Quellen zu ihrer Geschichte sind archäologische Funde, die aber oft nur schwer einem bestimmten Stamm oder einer politischen Gruppierung zuzuweisen sind, assyrische und babylonische Quellen sowie die Berichte griechischer Schriftsteller.

[Bearbeiten] Herodot

Herodot (Historien I,74, 101-104) unterteilt die Meder in die Stämme der Busen, Paretakener, Struchaten, Arizanter, Budier und Mager. Er berichtet außerdem von zwei Schlachten, die während einer Sonnenfinsternis stattfanden. Den Zeitpunkt der ersten Sonnenfinsternis beschreibt Herodot ausführlich:

„Als Phraortes tot war....und Kyaxares gegen die Lyder stritt, dazumal, als mitten im Streit Nacht ward aus dem Tag....und dann ganz Asien oberhalb des Halys unterwarf...und dabei war Ninive zu belagern, da zog wider ihn ein großes Skythenheer mit Madyas, dem Sohn des Protothyas, das die Kimmerier verfolgte. Die Meder trafen auf diese Skythen, wurden überwunden und verloren ihre Herrschaft an die Skythen, die....danach gegen Psammetich I. zogen.“

Herodot[2]

Im fraglichen Zeitraum ergeben sich Übereinstimmungen mit einer totalen Sonnenfinsternis, die am 27. Juni 661 v. Chr. stattfand sowie dem Vermerk von Assurbanipal, der den Einfall der Iškuzaia meldete und dem Regierungsantritt von Psammetich I. im Jahr 664 v. Chr.

[Bearbeiten] Vorgeschichte

Anfang des 2. Jahrtausends v. Chr., zum Beginn der Eisenzeit besiedelten die iranischen Meder, die vielleicht aus dem Nordosten einwanderten, das Land. Sie führten das Pferd, das später in Medien eine besondere Bedeutung bekommen sollte, ein. Die Siedlungsgebiete grenzten später an die Nachbarregionen Mannäa am Urmia-See, Gizilbunda, Sargatien, Gutium, Parsua, Ekbatana, Ellipi, Zagros-Täler und über die Kavir-Wüste bis zum Damavand.

[Bearbeiten] Meder-Konföderation (715 v. Chr. bis 550 v. Chr.)

Darstellung eines Meders aus dem Palast des Xerxes in Persepolis

[Bearbeiten] Kyaxares I.

Kyaxares I. gilt als Gründer einer größeren Konföderation und residierte in Ekbatana. Archäologische Untersuchungen bestätigen die Berichte der Keilschriftfunde in den Nachbarländern, die verdeutlichen, dass es einen zusammenhängenden Staat bzw. ein Königreich Medien nicht gab. Vielmehr handelte es sich um Regionen und Kleinstfürstentümer, die aus mehr als 100 Stammesverbänden bestanden und sich unter Kyaxares I. zu einer militärischen Einheit verbündeten. Wechselnde Bündnispartner veränderten im Verlauf immer wieder die Gebietsstrukturen der medischen Konföderation.

[Bearbeiten] Skythenherrschaft

Die vorübergehende Herrschaft der Skythen, von denen die Meder angeblich die Reiterkriegsführung erlernten - die Meder wurden später berühmt für ihre Pferdezucht - dauerte gemäß Herodot 28 Jahre an.[3]

[Bearbeiten] Kyaxares II.

Kyaxares II. beendete schließlich die Skythenherrschaft. Danach erreichte die medische Konföderation durch weitere militärische Expansionen ihre größte Ausdehnung. Im Jahr 614 v. Chr. zerschlugen die Meder in einem Bündnis mit Babylon das Reich Assyrien und zerstörten die Stadt Assur, der 612 v. Chr. dann auch die alte assyrische Hauptstadt Ninive folgte.

[Bearbeiten] Astyages

[Bearbeiten] Herodot und die Erwähnung der 2. Sonnenfinsternis

Ein Krieg gegen die Lyder wurde durch die von Thales von Milet angeblich vorhergesagte Sonnenfinsternis am 28. Mai 585 v. Chr. beendet. Beide Seiten wurden von dem Naturereignis derart erschreckt, dass sie Frieden schlossen. Herodot erwähnte in diesem Zusammenhang, dass Alyattes II. dem medischen König Astyages seine Tochter Aryenis zur Frau gab[4]

[Bearbeiten] Das Ende der Meder-Konföderation

553 v. Chr. verbündete sich der medische Adel mit den Persern, was schließlich 550 v. Chr. zum Ende der Mederherrschaft führte. Die Meder-Konföderation wurde schließlich von Kyros II. erobert, der damit den Grundstein für das Perserreich legte. Die medische Aristokratie genoss später im Perserreich der Achämeniden viele Privilegien und wurde an der Verwaltung beteiligt.

Medien wurde unter den Achämeniden zur Satrapie des Perserreichs. Herodot zufolge musste Medien dem Großkönig jährlich einen Tribut von 450 Silbertalenten, Tierhäuten, Bekleidung, Edelsteinen, Gefäßen und Waffen zahlen. Berühmt und begehrt wurden die nisäischen Pferde, die in Zentralasien später als "himmlische Pferde" bezeichnet wurden..

[Bearbeiten] Nachfolge-Generationen

Unter den Seleukiden teilte sich das Land in das um Ekbatana zentrierte Medien und das nördlich davon gelegene Media Atropatene. Dabei war Media Atropatene ein Teil Mediens, der unter dem ehemaligen achämenidischen und später alexandrischen Satrap Atropates unabhängig wurde, während das südliche Medien zunächst unter seleukidischer Herrschaft blieb.

Unter den Parthern behielt Medien eine bedeutende Stellung und wurde von einem Mitglied der Königsfamilie verwaltet.

Unter den Sasaniden entstand in Adarbaigan (Aserbaidschan), einem Teil Mediens, das jetzt "Mad" genannt wurde, das bedeutendste Heiligtum der zoroastrischen Religion, der Feuertempel von Adur Guschnasp, das heutige Takht-i Suleiman. Noch während der Sasanidenzeit hörte Medien als politische und geographische Einheit auf zu existieren.

[Bearbeiten] Nachleben

Die allgemein vertretene Ansicht einer medischen Abstammung der Kurden beruhte auf Publikationen von Wladimir Minorski, der seine Behauptungen auf sprachliche Verwandtschaft gründete. Diese Hypothese wird jedoch von manchen Wissenschaftlern abgelehnt[5]

[Bearbeiten] Medische Herrscher

[Bearbeiten] Chronologie nach Herodot

Die Chronologie des Herodot weist mehrere Probleme auf. Die ursprüngliche Ansetzung des Jahres 700 v. Chr. für die Regierung von Deiokes ist zu spät, da bereits 716 v. Chr. die Verbannung durch Sargon II. erfolgte. Deiokes wird als Dynastiegründer der Meder mit einer 53-jährigen Regierungsdauer bezeichnet, was aber zwischenzeitlich widerlegt wurde. Phraortes wird mit der Regierungsdauer des Assurbanipal in Verbindung gebracht, was zwar mit der Ansetzung von 647-625 v. Chr. im Einklang steht, aber Herodot kennt nur einen Kyaxares. Bei Übernahme dieser Regierungsdaten in die tatsächliche Abfolge ergibt sich eine zeitliche Lücke, die durch Herodots Angabe einer 28-jährigen Skythenherrschaft gefüllt werden kann. Kyaxares I. erhält von den 53 Jahren des Deiokes die verbleibenden 40 Jahre.

[Bearbeiten] Die 1. Meder Konföderation

  • Kyaxares I.: 715 bis 675 v. Chr. (Regierungslänge nach Herodot)
  • Phraortes: 675 bis 653 v. Chr. (Regierungslänge nach Herodot)

[Bearbeiten] Die Skythen

  • Skythenkönige Arbaka, Arphaxad, Arbakes: 653 bis 625 v. Chr. (Regierungslänge nach Herodot)

[Bearbeiten] Die 2. Meder Konföderation

  • Kyaxares II.: 625 bis 585 v. Chr. (Regierungslänge nach Herodot)
  • Astyages: 585 bis 550 v. Chr. (Regierungslänge nach Herodot)

[Bearbeiten] Chronologie nach Ktesias

Die Chronologie des Ktesias von Knidos ist ein historisches Konstrukt, das noch weniger der historischen Wirklichkeit entspricht. Ninive wurde 612 v. Chr. eingenommen; eine Korrektur der Daten würde Astyages auf etwa 350 v. Chr. ansetzen.

  • Arbakes (833-805 v. Chr.) (Einnahme Ninive und Sieg über Assurbanipal)
  • Mandakes (805-755 v. Chr.)
  • Sosarmos (755-725 v. Chr.)
  • Artykas (725-675 v. Chr.)
  • Arbianes (675-653 v. Chr.)
  • Artaios (653-613 v. Chr.)
  • Artynes (613-591 v. Chr.)
  • Artibaras (591-551 v. Chr.)
  • Aspadas (Astyages) (551-550 v. Chr.)

[Bearbeiten] Sprache

Es liegen keine medischen Texte vor[6], womit sich die Identifikation der Sprache weitgehend auf Eigennamen stützen muß. Gewöhnlich wird sie als eine iranische Sprache angesehen [7]. Karen Radner[8] hat diese Zuordnung jedoch angezweifelt.

[Bearbeiten] Siehe auch

[Bearbeiten] Literatur

  • S .C. Brown, Media and secondary state formation in the Neo-Assyrian Zagros: an anthropological approach to an Assyriological problem. Journal of Cuneiform Studies 38, 1986, 107-119.
  • Jahanshah Derakhshani: Die Arier in den nahöstlichen Quellen des 3. und 2. Jahrtausends v. Chr. 2. Aufl., Teheran 1999.
  • Roman Ghirshman: Iran. From The Earliest Times To The Islamic Conquest. Paris 1951.
  • Mischa Meier, Josef Wiesehöfer u.a.: Deiokes, König der Meder. Eine Herodot-Episode in ihren Kontexten. Stuttgart 2004.
  • M. Liverani, 1992. Studies on the Annals of Ashurnasirpal II. 2: Topographical Analysis, Quaderni di Geografia Storica 4, Rome.
  • M. Liverani, The Medes at Esarhaddon's court. Journal of Cuneiform Studies 47, 1995, 57-62.
  • Karin Radner, An Assyrian View on the Medes. In: G. B. Lanfranchi, M. Roaf, R. Rollinger (Hrsg.), Continuity of Empire (?): Assyria, Media, Persia. History of the Ancient Near East Monographs 5, 2003, 37-64.
  • Robert Rollinger: The Median Empire, the End of Urartu and Cyrus the Great Campaigne 547 v. Chr. in Nabonaid Chronicle II 16. In: Proceedings of the 1st International Conference on Ancient Cultural Relations between Iran and West-Asia. Teheran 2004.
  • Robert Rollinger: Das Phantom des Medischen "Großreichs" und die Behistun-Inschrift. In: Edward Dabrowa (Hg.): Ancient Iran and its Neigbours, Krakau 2005.
  • Robert Rollinger: Die Meder. In: Hubert Cancik (Hg.): DNP, Supplementband 1, Herrscherlisten, Stuttgart 2005.
  • Josef Wiesehöfer: Das antike Persien. Aktual. Aufl., Düsseldorf 2005.

[Bearbeiten] Weblinks

[Bearbeiten] Einzelnachweise

  1. Carola Metzner-Nebelsick: Kimmerier in Reallexikon der Germanischen Altertumskunde, Band. 16 (2000), S. 505–507.
  2. Herodot 1, 103-104.
  3. Herodot 1, 104-105
  4. Herodot 1, 74-75.
  5. Vgl. dazu Harald Haarmann: Kurden in Kleines Lexikon der Völker, S. 202: „Im Rahmen der Verwandtschaftsverhältnisse der iran. Sprachen lassen sich solche Assoziationen aber nicht nachweisen.“
  6. Ran Zadok, The ethno-linguistic character of Northwestern Iran and Kurdistan in the Neo-Assyrian period. Iran 40, 2002, 91
  7. R. Schmitt, "Medisch", RIA 7, 617-618
  8. K. Radner, Ein neuassyrisches Privatarchiv der Goldschmiede von Assur, Saarbrücken 1999, 198
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