Medienanthropologie

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Die Medienanthropologie (auch Anthropologie der Medien oder Anthropologie des Medialen) ist ein junges, interdisziplinäres Forschungsgebiet zwischen Medienwissenschaft und Anthropologie. In der Medienanthropologie werden die Produktion und Nutzung von Medien sowie deren Effekte zumeist mit kulturwissenschaftlichen und ethnografischen Methoden erforscht. Medienanthropologische Forschung wird zudem oft im Zusammenhang mit Medienpädagogik diskutiert. „Medienanthropologisch verstanden sind Menschen Wesen, die sich in Medienpraktiken und -techniken artikulieren, wahrnehmen und wahrnehmbar machen, weil sie etwas darstellen und sich ihnen etwas darstellt.“[1]

Die Medienanthropologie setzt sich zur Aufgabe, die Veränderungen des Menschen und des Menschenbilds in unserer in noch immer wachsendem Maße durch Massenmedien geprägten Gesellschaft zu reflektieren und mit kritischen Fragen zu begleiten. Dabei wird der Begriff Medium mit einer weiten historischen Perspektive verfolgt: von der Höhlenmalerei über Tafelbilder und Bücher bis zu den audiovisuellen Verbreitungs- und Speichergeräten in Form von Fernseher, Radio und Computer. Gegenstand der Medienanthropologie ist somit auch die gesellschaftliche Funktion von Medien und deren kulturelle Bedeutung: „Eine zeitgemäße ethnologische Erforschung sozialer und kultureller Lebenswelten muss der Bedeutung dieser Medialisierung Rechnung tragen.“[2]

Das Institut für Sozialanthropologie der Universität Bern beschreibt den Studienschwerpunkt Medienanthropologie wie folgt:

„Die Medienanthropologie als Subdisziplin der Anthropologie untersucht den gesellschaftlichen Umgang mit Medien, ihre (technische) Entwicklung, Funktionsweise und je eigene Aesthetik. Als Teilbereich der Medienanthropologie beschäftigt sich die Visuelle Anthropologie mit der kritischen Analyse visueller Repräsentationen sowie der Produktion audiovisueller Dokumente zu Lehr- und Forschungszwecken. [...] An der Schnittstelle zwischen Forschung, Lehre und Oeffentlichkeitsarbeit, ästhetischen und dokumentarischen Aspekten, Fremd- und Selbstrepräsentation, bildet die Medienanthropologie einen innovativen Bereich der Sozialanthropologie.“[3]

In der Berufsvereinigung European Association of Social Anthropologists existiert ein Media Anthropology Network, dessen erste Generalversammlung im September 2004 in Wien stattfand.

Literatur[Bearbeiten]

  • Lorenz Engell, Bernhard Siegert (Hrsg.): Schwerpunkt Medienanthropologie. In: Zeitschrift für Medien- und Kulturforschung. Meiner Verlag, Mai 2013, ISBN 978-3787324651 (Inhaltsverzeichnis (PDF))
  • Matthias Uhl: Medien, Gehirn, Evolution. Mensch und Medienkultur verstehen; eine transdisziplinäre Medienanthropologie. Transcript, Bielefeld 2009, ISBN 978-3-8376-1255-4 (zugl. Habilitationsschrift, Universität Siegen).
  • Karl Ludwig Pfeiffer, Ingo Berensmeyer (Hrsg.) K. Ludwig Pfeiffer – Von der Materialität der Kommunikation zur Medienanthropologie: Aufsätze zur Methodologie der Literatur- und Kulturwissenschaften 1977–2009. Universitätsverlag Winter, Heidelberg 2009, ISBN 978-3-8253-5546-3
  • Josef Fürnkäs (Hrsg.): Medienanthropologie und Medienavantgarde: Ortsbestimmungen und Grenzüberschreitungen. Transcript, Bielefeld 2005, ISBN 3-89942-380-1

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Forschungsportal Sachsen: Projekt Medienanthropologie. von Eva Schürmann, Professorin für philosophische Anthropologie, Kultur- und Technikphilosophie am Institut für Philosophie der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg, abgerufen am 17. Oktober 2014.
  2. Universität zu Köln: Medienanthropologie. Webseite des Instituts für Ethnologie, abgerufen am 17. Oktober 2014.
  3. Universität Bern: Schwerpunkt Medienanthropologie. Webseite des Instituts für Sozialanthropologie, abgerufen am 16. Oktober 2014.