Mediterranean Shipping Company

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MSC Mediterranean Shipping Company Holding SA
Rechtsform Aktiengesellschaft
Gründung 1970
Sitz Genf, Schweiz
Leitung Diego Aponte
(CEO und VR-Präsident)
Mitarbeiter 30'000 (2007)
Umsatz wird nicht veröffentlicht
Branche Reedereien
Website www.mscgva.ch
MSC Marina am Container-Terminal Bremerhaven
Containerschiff MSC Flaminia (gechartert)
Containerschiff MSC La Spezia
Containerschiff MSC Marianna im Hafen von Beirut
MSC Loretta auf der Elbe
MSC Gaia auf der Elbe
MSC Armonia, Korfu

Die Mediterranean Shipping Company (MSC) ist eine Reederei mit Sitz in Genf. Sie ist gegenwärtig die zweitgrößte Containerreederei nach Mærsk Line und mit ihrer Tochter MSC Crociere (international MSC Cruises, Sitz in Neapel) und der SNAV auch im Kreuzfahrt- und Fährgeschäft aktiv. Diese Unternehmen sind sämtlich nicht börsennotiert.

Geschichte[Bearbeiten]

Die Geschichte der MSC lässt sich in den ersten vier Jahrzehnten jeweils grob bestimmten Entwicklungsschritten zuordnen. Das erste Jahrzehnt war von den Anfängen der Reederei in der Trampschifffahrt und dem Aufbau der ersten Liniendienste mit Stückgutschiffen, die meist gebraucht von Linienenreedereien übernommen wurden, geprägt. Während der 1980er Jahre stellte die Reederei ihre Flotte weitgehend auf gebrauchte Containerschiffe um und stieg zusätzlich ins Kreuzfahrtgeschäft ein. In den 1990er Jahren wurde MSC zur weltweit operierenden Containerlinienreederei, wobei ab 1996 erstmals Neubauten in Fahrt kamen. Seit 2000 entwickelte sich die MSC zur zweitgrößten Containerlinienreederei und daneben zu einem großen Kreuzfahrtanbieter.

1970 bis 1980[Bearbeiten]

Das Unternehmen wurde 1970 durch den italienischen Kapitän Gianluigi Aponte gegründet. Das erste Schiff der Reederei Aponte Shipping Company war die 1955 auf der Meyer-Werft gebaute Korbach der Hamburger Reederei Hans Krüger. Unter dem neuen Namen Patricia wurde das Schiff bis 1973 in der Trampfahrt im Mittelmeer eingesetzt. Im Jahr darauf erwarb Aponte die 1952 gebaute Magdeburg der Hamburg-Amerika-Linie, die bis 1977 als Rafaela in Fahrt blieb. Nach dem Erwerb der Rafaela benannte man das Unternehmen in Mediterranean Shipping Company um und führte die bis heute gültige Schornsteinmarke ein. In den folgenden Jahren kamen weitere gebraucht erworbene Schiffe hinzu. Nachdem das Fahrtgebiet in der Trampfahrt zunächst bis nach Nordeuropa erweitert worden war, baute MSC ab 1972 die ersten Liniendiensten über den Suezkanal zum Mittleren Osten und Ostafrika auf und erweiterte diese ab 1977 bis nach Nordeuropa. Währenddessen war der Sitz der Reederei im Jahr 1975 nach Genf verlegt worden. Mit der nächsten Erweiterung wurde Ende der 1970er Jahre Südafrika in das Liniennetz der MSC aufgenommen.

1980 bis 1990[Bearbeiten]

Zu Beginn der 1980er Jahre erwarb MSC mehrere Massengutfrachter und ließ diese zu Containerschiffen umbauen. Daneben kamen zunächst zahlreiche Semicontainerschiffe und später mehr und mehr Vollcontainerschiffe zur MSC-Flotte. Ab 1985 eröffnete MSC den ersten Transatlantikdienst und 1989 kam der erste Australiendienst (Wallaby-Service) hinzu.

1987 stieg MSC mit der Übernahme der Kreuzfahrtreederei Flotta Lauro in das Kreuzfahrtgeschäft ein und benannte die Reederei in StarLauro um.

1990 bis 2000[Bearbeiten]

Anfang der 1990er Jahre wurde das Benennungsschema der Schiffe auf Namen mit dem vorangestellten Kürzel MSC umgestellt. 1994 nahm MSC den ersten Südamerikadienst auf, 1996 folgte der Silk-Service nach Fernost und 1999 der Pazifikdienst. Im Laufe des Jahrzehnts hatte MSC somit die letzten noch nötigen Lücken im Fahrtgebiet geschlossen, um als weltweite Linienreederei gelten zu können.

Bis 1995 wurden durch MSC ausschließlich gebrauchte Containerschiffe erworben. Die Flotte bestand aus einer immer größer werdenden Anzahl von second-hand Containerschiffstypen der ersten bis dritten Generation von namhaften Linienreedereien, wie z.B. von NYK, Mitsui-OSK, Hapag-Lloyd, Mærsk u.a. Erst ab 1996 wurden von MSC Containerschiffsneubauten bestellt bzw. gechartert.

Nachdem das StarLauro-Schiff Achille Lauro Ende 1994 nach einem Brand vor der somalischen Küste sank, benannte MSC seine Kreuzfahrttochterreederei in Mediterranean Shipping Cruises um.

2000 bis heute[Bearbeiten]

Ab 2002 wurde ein zweiter Fernostdienst eröffnet, der Dragon-Service. Im selben Jahr wurden Dienste nach Kanada und ein Indien-Pakistan-Dienst aufgenommen. Im Jahr darauf wurde mit der MSC Lirica der erste Kreuzfahrtschiffsneubau in Fahrt gesetzt.

MSC stellte im Oktober 2012 mit der MSC Anastasia einen Post-Panamax-Massengutfrachter in Dienst. Das rund 230 Meter lange Schiff wurde auf der STX-Werft in Dalian gebaut.[1]

Mit der französischen Reederei CMA CGM und der dänischen Reederei Maersk wollte MSC für 2014 eine P3 genannte Allianz bilden und hatte dazu Ende 2013 in London ein Gemeinschaftsunternehmen gegründet, das die Gesamtflotte steuern sollte.[2] Die Wettbewerbsbehörde der USA erteilte dazu die Genehmigung, China verweigerte sie allerdings, so dass die Allianz als gescheitert gilt.[3]

MSC heute[Bearbeiten]

Unter MSC-Flagge laufen derzeit (Mai 2011) 448 Containerschiffe mit einer Stellplatzkapazität von 1.960.000 TEU (zum Vergleich: Mærsk Line 2.035.164 TEU). Die Namen der Schiffe geben Auskunft darüber, welches eingechartert wurde und welches der Reederei gehört. Die Charterschiffe tragen Namen nach Städten, Ländern und Erdteilen (z.B. MSC Busan) während die eigenen Schiffe überwiegend mit weiblichen Vornamen benannt sind (z.B. MSC Denisse). Die derzeit größten MSC-Containerschiffe mit einer Kapazität von jeweils 13.000 TEU sind die Schiffe des MSC-Daniela-Typs. Sie wurden ab 2009 bei Samsung Heavy Industries in Südkorea gebaut. Wichtigster zentraler Containerterminal der MSC ist Antwerpen, dort wird von PSA-HNN ein 167 Hektar großer MSC Home Terminal betrieben.[4] MSC bedient weltweit 270 Häfen mit 170 Routen.

MSC ist in Deutschland über die Linienagentur MSC Germany GmbH (ehemals F.H. Bertling Linienagentur) mit Büros in Bremen, Hamburg, Düsseldorf, Lübeck, Stuttgart, Frankfurt/Main, Berlin und München präsent und betreibt in Zusammenarbeit mit Eurogate ein dedicated Terminal in Bremerhaven (MSC Gate).

MSC ist Eigner der Kreuzfahrtreederei MSC Crociere in Genf und der Fährreederei Società Navigazione Alta Velocità (SNAV) in Neapel. Weltweit arbeiten über 30.000 Mitarbeiter in 390 Niederlassungen in 146 Ländern für MSC.

Unglücke und Vorfälle[Bearbeiten]

  • 2005 verursachte die MSC Al Amine im Golf von Tunis eine Öleinleitung von 100 bis 150 Tonnen Schweröl.[5]
  • 2006 musste MSC 10 Millionen US-Dollar Buße bezahlen, weil 2004 während fünf Monaten von der MSC Elena absichtlich mehr als 40 Tonnen Ölschlamm ins Meer geleitet worden waren.[6]
  • Die Reederei wurde einer breiten Öffentlichkeit bekannt, als das von ihr gecharterte Containerschiff MSC Napoli am 18. Januar 2007 im Ärmelkanal infolge des Orkans Kyrill in Seenot geriet und, um ein Auseinanderbrechen auf offener See zu vermeiden, gezielt bei Branscombe auf Grund gesetzt wurde.
  • Das Containerschiff MSC Chitra kollidierte am 8. August 2010 im Jawaharlal Nehru Port mit einem anderen Schiff, worauf circa 300 Container in die Hafengewässer fielen. Infolge der Kollision verlor das Schiff rund 800 Tonnen Öl. Jawaharlal Nehru Port und der benachbarte Mumbai Port waren darauf drei Tage lang geschlossen.[7] Die MSC Chitra, die zum Totalverlust erklärt worden war und zunächst verschrottet werden sollte, wurde im April 2011 in internationalen Gewässern mitsamt noch an Bord befindlicher Ladung, darunter auch gefährliche Güter, versenkt.[5]
  • Die von MSC gecharterte Rena lief am 5. Oktober 2011 auf das vor der Küste der neuseeländischen Nordinsel liegende Astrolabe Reef auf und zerbrach am 8. Januar 2012 während eines Sturmes in zwei Teile, wobei mehrere hundert Container über Bord gingen.
  • Am 10. Oktober 2011 wurde MSC von einem israelischen Gericht zu einer Buße von 280.000 Dollar verurteilt, weil die MSC Perle im Dezember 2010 mit Öl verseuchtes Ballastwasser in den Hafen von Haifa gepumpt hatte.[5]
  • Am 14. Juli 2012 brach an Bord der MSC Flaminia, die sich auf dem Weg von den Vereinigten Staaten nach Europa befand, ein Feuer aus. Bei den Löscharbeiten kam es zu einer Explosion. Das Schiff wurde anschließend nach Europa geschleppt, konnte aber erst Anfang September den JadeWeserPort in Wilhelmshaven als Nothafen anlaufen.

Flottenliste[Bearbeiten]

Die Liste enthält ausschliesslich die Neubauten von MSC (keine Charterschiffe oder Second Hand-Tonnage) und erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

Jahr Name Vermessung Container Werft Status/Schicksal
1996 MSC Alexa 42307 BRZ 3300 TEU Fincantieri, Monfalcone in Dienst
1996 MSC Rafaela 42307 BRZ 3300 TEU Fincantieri, Monfalcone in Dienst
1999 MSC Diego 40631 BRZ 4056 TEU Hanjin Heavy Industries, Busan in Dienst
1999 MSC Regina 40631 BRZ 4056 TEU Hanjin Heavy Industries, Busan in Dienst
1999 MSC Gina 40631 BRZ 4056 TEU Hanjin Heavy Industries, Busan in Dienst
2000 MSC Aniello 40631 BRZ 4056 TEU Hanjin Heavy Industries, Busan in Dienst
2000 MSC Sandra 43575 BRZ 4340 TEU Hanjin Heavy Industries, Busan in Dienst
2001 MSC Alyssa 43575 BRZ 4340 TEU Hanjin Heavy Industries, Busan in Dienst
2002 MSC Laura 75590 BRZ 6750 TEU Daewoo Shipbuilding, Okpo in Dienst
2002 MSC Luisa 75590 BRZ 6750 TEU Daewoo Shipbuilding, Okpo in Dienst
2003 MSC Vanessa 75590 BRZ 6750 TEU Daewoo Shipbuilding, Okpo in Dienst
2003 MSC Ludovica 75590 BRZ 6750 TEU Daewoo Shipbuilding, Okpo in Dienst
2003 MSC Florentina 75590 BRZ 6750 TEU Daewoo Shipbuilding, Okpo in Dienst
2003 MSC Maureen 75590 BRZ 6750 TEU Daewoo Shipbuilding, Okpo in Dienst
2002 MSC Barbara 73819 BRZ 6408 TEU Hyundai Heavy Industries Co. Ltd., Ulsan in Dienst
2002 MSC Michaela 73819 BRZ 6408 TEU Hyundai Heavy Industries, Ulsan in Dienst
2002 MSC Melissa 73819 BRZ 6408 TEU Hyundai Heavy Industries, Ulsan in Dienst
2002 MSC Loretta 73819 BRZ 6408 TEU Hyundai Heavy Industries, Ulsan in Dienst
2003 MSC Marina 73819 BRZ 6408 TEU Hyundai Heavy Industries, Ulsan in Dienst
2004 MSC Stella 73819 BRZ 6724 TEU Hyundai Samho, Ulsan in Dienst
2005 MSC Pamela 107849 BRZ 9178 TEU Samsung Shipbuilding, Goeje in Dienst
2005 MSC Susanna 107849 BRZ 9178 TEU Samsung Shipbuilding, Goeje in Dienst
2006 MSC Deborah 55150 BRZ 5100 TEU Hanjin Heavy Industries, Busan in Dienst
2006 MSC Benedetta 55150 BRZ 5100 TEU Hanjin Heavy Industries, Busan in Dienst
2006 MSC Mara 55150 BRZ 5100 TEU Hanjin Heavy Industries, Busan in Dienst
2006 MSC Olga 55150 BRZ 5100 TEU Hanjin Heavy Industries, Busan in Dienst
2006 MSC Silvana 94489 BRZ 8400 TEU Daewoo Shipbuilding, Okpo in Dienst
2006 MSC Tomoko 94489 BRZ 8400 TEU Daewoo Shipbuilding, Okpo in Dienst
2006 MSC Heidi 94489 BRZ 8400 TEU Daewoo Shipbuilding, Okpo in Dienst
2006 MSC Rania 94489 BRZ 8400 TEU Daewoo Shipbuilding, Okpo in Dienst
2007 MSC Sylvana 107200 BRZ 9580 TEU Samsung Shipbuilding, Goeje in Dienst
2007 MSC Candice 107200 BRZ 9580 TEU Samsung Shipbuilding, Goeje in Dienst
2007 MSC Pina 107200 BRZ 9580 TEU Samsung Shipbuilding, Goeje in Dienst
2007 MSC Asya 107200 BRZ 9580 TEU Samsung Shipbuilding, Goeje in Dienst
2008 MSC Emanuela 107849 BRZ 9580 TEU Samsung Shipbuilding, Goeje in Dienst
2008 MSC Kalina 107849 BRZ 9580 TEU Samsung Shipbuilding, Goeje in Dienst
2008 MSC Gaia 107849 BRZ 9580 TEU Samsung Shipbuilding, Goeje in Dienst
2008 MSC Eva 107849 BRZ 9580 TEU Samsung Shipbuilding, Goeje in Dienst
2008 MSC Soraya 59054 BRZ 5762 TEU Samsung Shipbuilding, Goeje in Dienst
2008 MSC Oriane 59054 BRZ 5762 TEU Samsung Shipbuilding, Goeje in Dienst
2008 MSC Krystal 59054 BRZ 5762 TEU Samsung Shipbuilding, Goeje in Dienst
2009 MSC Daniela 107849 BRZ 13000 TEU Samsung Shipbuilding, Goeje in Dienst
2009 MSC Beatrice 107849 BRZ 13000 TEU Samsung Shipbuilding, Goeje in Dienst
2009 MSC Bettina 107849 BRZ 13798 TEU Samsung Shipbuilding, Goeje in Dienst
2009 MSC Irene 107849 BRZ 14000 TEU Samsung Shipbuilding, Goeje in Dienst

Literatur[Bearbeiten]

  • A. M. de Schipper and J. M. Janse: MSC: Mediterranean Shipping Company SA - Over 30 years of success, Jaap Janse, Kapelle, 2003

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Mediterranean Shipping Company – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bulker-Neubau für MSC. In: Täglicher Hafenbericht vom 23. Oktober 2012
  2. Christian Müssgens, Johannes Ritter: Bedrohlicher Pakt der Giganten. faz.net, 4. Dezember 2013, abgerufen am 25. April 2014
  3. Eckhard-Herbert Arndt: P3-Aus: „JadeWeserPort hat Chancen“. In: Täglicher Hafenbericht vom 19. Juni 2014, S. 15
  4. PSA Antwerp
  5. a b c Res Gehriger: Cedre-Eintrag zur MSC Al Amine (englisch)
  6. Magic pipe incident draws huge fine, AllBusiness, 1. Januar 2006 (via Internet Archive)
  7. Siddharth Philip: Mumbai Port Partially Re-Opens as Work Clearing Shed Containers Continues, Bloomberg, 12. August 2010