Medium Power Radar

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
MPR mit Radom Stabs- und Unterstützungskompanie 22 in Erndtebrück
MPR der Niederländisch-Königlichen Luftwaffe

Das Medium Power Radar (MPR) ist ein ortsfestes 3D-Radargerät der Luftverteidigung in der Stacked-beam-Bauform. Operationeller Nutzer ist seit ca. 1970 der Einsatzführungsdienst der Deutschen Luftwaffe. Weitere Radargeräte der Luftwaffe sind RRP 117, HADR (Radar), RAT 31DL und GM 406F.

Systembeschreibung[Bearbeiten]

Die einzelnen Sensor-Komponenten sind in einem mehrstöckigen Gebäude untergebracht. Um die erforderliche Hochfrequenzausgangsleistung zu erreichen, wird ein Klystron TV2030 verwendet, das mit der außergewöhnlich hohen Spannung von 265 kV arbeitet. Die Antenne wird durch ein wetterschützendes Radom bedeckt. Es wurde aus dem französischen Radargerät TRS 2201 (THD 1955) speziell für Deutschland weiterentwickelt. Die sechs in Deutschland stationierten Geräte wurden durch den französischen Hersteller Thomson CSF (jetzt Thales Group) unter Verwendung von Baugruppen von AEG-Telefunken und Siemens in den 1970er Jahren aufgebaut.

Im Sendeteil wird die Leistung durch die Verteilung auf eine Reihe von vertikal angeordneten Hornstrahlern in mehrere vertikal gestaffelte Sende-Keulen aufgeteilt, womit ein Cosecans²-Diagramm erreicht wird. Im Empfangsfall werden die zwölf verschiedenen Empfangssignale, die jeweils einem Elevationswinkelbereich entsprechen, verglichen und hieraus der Elevationswinkel berechnet.

Der Radarantennenreflektor hat eine Breite von über 16 Metern und eine Höhe von rund sechs Metern, bei einer Fläche von rund 96 Quadratmetern und einem Gewicht von über 3,8 Tonnen.[1]

Namensgebung[Bearbeiten]

Dem Namen Medium Power Radar (also ein Radar mittlerer Leistung) widersprechend ist dieses Radar mit einer Impulsleistung von 20 Megawatt das mit Abstand leistungsstärkste Luftverteidigungsradar Deutschlands.

Dislozierung in Deutschland[Bearbeiten]

In Deutschland waren ursprünglich sechs Radargeräte vom Typ MPR in Betrieb. Aktuell ist nur noch das MPR in Freising in Betrieb (Stand: Juni 2014). Die MPRs unterstanden zuletzt dem Einsatzführungsdienst der Luftwaffe (EinsFüDstLw):

Bezeichnung Standort Unterstellung Nutzung
Stabs- und
Unterstützungskompanie 22
Erndtebrück[2] Einsatzführungsbereich 2
(EinsFüBer 2)
bis 06. Januar 2014
Abgesetzter Technischer Zug 431
(AbgTZug 431)
Brekendorf[3] EinsFüBer 2 seit 1972 bis 12. Mai 2014[4]
AbgTZug 433 Visselhövede EinsFüBer 2 seit 1971 bis 5. Juli 2013[5]
AbgTZug 442 Auenhausen[6] EinsFüBer 2 bis 10. Oktober 2011[5]
AbgTZug 134 Lauda EinsFüBer 1 18.9.1972[7] bis 11.2.2013[8]
AbgTZug 135 Freising [9] EinsFüBer 1 seit 1972

Bis Ende 2015 werden die MPRS durch Sensoren vom Typ Ground Master 406F[10] des Herstellers ThalesRaytheonSystems[11] ersetzt. Die noch anstehenden Umstellungen betreffen Brekendorf (2014) und Freising (2015).

Technische Daten[Bearbeiten]

Technische Daten MPR[12]
Frequenzbereich   E -Band
Pulswiederholzeit   4 ms
Pulswiederholfrequenz   250 Hz
Sendezeit (PW)   4 µs
Empfangszeit   3200 µs
Totzeit   ...
Pulsleistung   20 MW
Durchschnittsleistung   ca. 20 kW
angezeigte Entfernung   bis 480 km ca. 250 NM
Entfernungsauflösung   600 m
Öffnungswinkel   0,45°
Trefferzahl   2,85
Antennenumlaufzeit   10 s

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Ende einer Ära und „Schritt nach vorn“
  2. Luftwaffe - Einsatzführungsbereich 2
  3. Radarleitung im Wandel der Zeit
  4. Helma Piper: Abschalten für den Neustart. Schleswig Holsteinische Landeszeitung, 11. Juni 2014, abgerufen am 8. Juli 2014.
  5. a b Neues Radarrundsuchgerät für den Einsatzführungsdienst
  6. *www.luftwaffe.de - MPR am Standort Auenhausen
  7. [1]
  8. [2] (PDF; 633 kB) Einweihung der Radaranlage in Lauda
  9. Abgesetzter Technischer Zug 135
  10. Bundeswehr investiert 100 Millionen Euro in neue Radartechnik Ground Master 406 F http://soldatenglueck.de/2012/01/26/67595/bundeswehr-investiert-100-millionen-euro-in-neue-radartechnik-ground-master-406-f/
  11. ThalesRaytheonSystems awarded €100 million for German Ground Master air defense radar contract http://www.thalesraytheon.com/press-and-media/news-and-press-releases/news-single/back/32/article/thalesraytheonsystems-awarded-100-million-for-german-ground-master-air-defense-radar-contract.html
  12. Radartutorial