Medizincontrolling

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Das Berufsbild des Medizin-Controlling wurde basierend auf den Ergebnissen der Krankenhausbefragung und praktischen Erfahrungen erstellt. Als Modell wurde das Berufsbild des Deutschen Verein für Krankenhaus-Controlling e.V. und das Controller-Leitbild des Controller Verein e.V. verwendet. Seit Ende 2007 arbeiten die Deutsche Gesellschaft für Medizincontrolling (DGfM) und die AG Medizincontrolling der GMDS an einem Curriculum für eine strukturierte Weiterbildung.

Anforderungsprofil[Bearbeiten]

Qualifikationen[Bearbeiten]

  • Medizinische Hochschulausbildung oder pflegerische Ausbildung in Verbindung mit
  • (Krankenhaus-) betriebswirtschaftlicher Zusatzausbildung (oder Vollzeit-Studium z.B. der Gesundheitsökonomie)
  • Gute Kenntnisse im Bereich des Krankenhausrechts
  • Mehrjährige berufliche Praxis im Krankenhausbereich
  • Qualifizierte Fort- und Weiterbildung

Fach- und Methodenkompetenz[Bearbeiten]

  • Umfassende und übergreifende Kenntnisse der Humanmedizin, die eine gute Orientierung in allen medizinischen Fachgebieten ermöglichen
  • Krankenhausrecht und Sozialgesetzgebung:
  • Sichere Beherrschung der wissenschaftlichen Arbeitsmethodik inklusive Statistik
  • Umfassende Kenntnisse der Informatik und der EDV-Technologie:
    • Anwendungen: Datenbanken, Verschlüsselungssysteme (ICD/OPS, FP/SE, DRG-Grouper), Prozessmanagement-Tools, Kommunikation, etc.
    • System: KIS, MIS, Netzwerk, Intranet und Internet
    • Knowledge Management Tools
  • Beherrschung der Methoden aus dem Bereich des Prozessmanagements
    • Prozess- und Organisationsanalyse
    • Prozessvisualisierung, -modellierung und -simulation
    • Implementierungstechniken
    • Beherrschung der Methoden aus dem Bereich des Qualitätsmanagement
    • Qualitätskonzepte (UQM, TQM, EFQM, KTQ, etc.)
  • Sichere Kenntnisse der Betriebswirtschaftslehre
    • Finanzbuchhaltung, Bilanz, Liquidität, Rentabilität
  • Kenntnisse der Kostenrechnungsverfahren
    • Kosten- und Leistungsrechnung
    • Kostenträgerrechnung und Prozesskostenrechnung
  • Wirtschaftlichkeitsrechnung und Investitionsplanung
    • Budgetierung, Deckungsbeitragsrechnung, Target Costing
    • (Nach-)Kalkulation der Leistungen (FP/SE, DRG)
    • Profitcenter-Methode
  • Betriebswirtschaftliches Controlling
    • Kosten- und Leistungsplanung
    • Erfassung und Aufbereitung der Informationen
    • Soll-Ist-Vergleich und Abweichungsanalysen
    • Kontrolle und Koordination, Kostenmanagement, Interne Budgetierung
  • Management-Techniken
  • Moderations- und Präsentationstechniken
  • Arbeitsrecht im Krankenhaus

Tätigkeitsprofil[Bearbeiten]

Allgemeine Aufgaben[Bearbeiten]

Medizin-Controlling überwacht die Struktur-, Prozess- und Ergebnisqualität der medizinischen Leistungserstellungsprozesse im Krankenhaus. Durch die konsequente Umsetzung der Prozessorientierung sorgt das Medizin-Controlling für Kostenoptimierung und trägt somit zu höherer Wirtschaftlichkeit bei.

Medizin-Controller sind interne betriebswirtschaftliche Berater im medizinischen Bereich und medizinische Berater im Verwaltungsbereich. Damit trägt das Medizin-Controlling als internes Consultingorgan zur Erhöhung der Transparenz und Beschleunigung der Schnittstellenprozesse bei.

Aufgaben im operativen Bereich[Bearbeiten]

  • Unterstützung des Patientenmanagements
    • Datenübermittlung (§301 SGB V; § 21 KHEntgG)
    • Implementierung neuer Klassifikationen und Kataloge (ICD-10, OPS-301)
    • Logistik der patientenbezogenen Verwaltungsprozesse
    • Abrechnungsmanagement (FP/SE, DRG)
    • Validierung der Daten (Diagnosen, Prozeduren)
  • Optimierung der internen Kommunikation zwischen dem medizinischen und administrativen Bereich
  • Optimierung der medizinischen Dokumentation
    • Qualität der Kodierung mit der ICD-10- und OPS-301-Klassifikationen
    • Verlaufsdokumentation
  • Einsatz der EDV-Technologie im medizinischen Bereich
    • Anpassung und Implementierung der medizinischen Software
    • Elektronische Datenerfassung und Bereitstellung
    • Verschlüsselungssoftware (ICD, OPS, FP/ES, DRG)
    • Medizinische Informations-Systeme
  • Funktion als interner Berater im ärztlichen Bereich
    • Interne Budgetierung - Interpretation der Daten
    • Medizinische Dokumentation - Optimierungsstrategien, Arbeitstechniken
    • Optimierung der Prozessorganisation
    • Auswahl der zutreffenden Form der Krankenhausbehandlung
    • Leistungsplanung und –erfassung im medizinischen Bereich
  • Analyse der Leistungsdaten und Bereitstellung der Auswertungen
  • Analyse der Leistungserstellungsprozesse im medizinischen Bereich
  • Standardisierung im medizinischen Bereich
    • Diagnostische und therapeutische Leitlinien
    • Evidence Based Medicine
  • Enge Zusammenarbeit mit Controlling, Qualitäts- und Prozessmanagement

Aufgaben im strategischen Bereich[Bearbeiten]

  • Internes Consulting
  • Optimierung der interdisziplinären Zusammenarbeit
  • Vorbereitungen und Einführung des DRG-Systems
  • Informationstechnologie im Krankenhaus
  • Management im Rahmen der integrierten Versorgung
  • Mitwirkung bei der Implementierung eines Prozessmanagement-Systems
  • Mitwirkung bei der Implementierung des Qualitätsmanagement-Systems und der Umsetzung der gesetzlich geförderten Maßnahmen zur Qualitätssicherung
  • Unterstützung der Krankenhausleitung bei der Umsetzung gesetzlichen Normen und (Neu-)Regelungen
  • Durchführung komplexer Analysen, wie z.B.:
    • Analyse und Optimierung des Leistungsspektrums
    • Analyse der Wettbewerbssituation
    • Analyse der medizinischen Entwicklung unter dem Kosten-Nutzen-Aspekt
    • Mitwirkung bei der Vorbereitung auf das Krankenhausvergleich
  • Ausbau der Kommunikation mit den externen Partnern
    • Krankenkassen und Medizinischer Dienst der Krankenversicherung
    • Niedergelassene Ärzte und andere Krankenhäuser

Literatur[Bearbeiten]

  • Andreas J. W. Goldschmidt, Manfred Kalbitzer, Jörg Eckardt (Hrsg.): Praxishandbuch Medizincontrolling. Economica – Verlagsgruppe Hüthig Jehle Rehm, Heidelberg u. a. 2005, ISBN 3-87081-330-X.

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]