Medizinische Hochschule Hannover

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Medizinische Hochschule Hannover
Logo
Gründung 1961
Trägerschaft staatlich
Ort Hannover
Bundesland Niedersachsen
Staat Deutschland
Präsident Christopher Baum[1]
Studenten 3.256 WS 2012/13[2]
Mitarbeiter ~ 9.000
Jahresetat 320,6 Mio. Kostenträger; 162,6 Mio. öffentliche Hand; 83,3 Mio. Forschungsmittel (2009)
Website www.mh-hannover.de

Die Medizinische Hochschule Hannover (MHH) ist eine Medizinische Universität in Hannover. Außer den klassischen Studienfächern wie Medizin, Zahnmedizin, Biochemie und Biomedizin können postgraduale Studiengänge wie Gesundheitswissenschaften belegt werden. Das Universitätsklinikum der MHH ist ein Krankenhaus mit einem überregionalen Einzugsbereich.

Geschichte[Bearbeiten]

Akademisches Logo der MHH
Moderne Variante des Logos
Kurt Lehmanns Nereide von 1978 zum Schutz der „Schiffbrüchigen“ im MHH-Park

Der Plan, in Niedersachsen neben der Universität Göttingen eine zweite Medizinische Fakultät zu errichten, geht auf das Jahr 1961 zurück. Gründungsrektor der Medizinische Hochschule Hannover war der Göttinger Internist Professor Dr. med. Rudolf Schoen (1961 bis 1967). Erster gewählter Rektor war der Internist Prof. Dr. med. Fritz Hartmann. Der Wissenschaftsrat hatte empfohlen, in Deutschland sieben neue Medizinische Lehreinrichtungen zu errichten.

Diese Neugründungen sollten allerdings nicht nur die bestehenden Einrichtungen entlasten, sondern auch dazu genutzt werden, Reformideen in der Ausbildung neuer Ärztinnen und Ärzte zu verwirklichen. Dieser Idee folgend, weicht schon die Organisationsstruktur der MHH von der einer klassischen Universität ab und orientiert sich vielmehr an der Department-Struktur amerikanischer Universitäten. Die einzelnen Abteilungen der MHH wurden Zentren zugeordnet, die wiederum in vier Sektionen (Vorklinische Fächer, Große Klinische Fächer, Kleine Klinische Fächer, Klinisch-Theoretische Fächer) zusammengefasst sind.

Als akademische und klinische Einrichtung wählte die MHH den Leitspruch In necessariis unitas, in dubiis libertas, in omnibus caritas, mit dem Ideale und Zielsetzung als Verpflichtung und Aufgabe umrissen werden sollten. Die Worte unitas libertas caritas finden sich daher auch im akademischen Logo der Hochschule, auf der Amtskette des Rektors und im Siegel wieder. Gestaltet wurde es, ebenso wie das Hochrelief, das sich im Klinischen Lehrgebäude befindet,von dem Bildhauer Kurt Lehmann (1905–2000).[3]

Knapp vier Jahre nach ihrer Gründung nahm die Medizinische Hochschule Hannover im Jahr 1965 den Lehrbetrieb mit 41 eingeschriebenen Studierenden auf. Mangels eigener räumlicher Möglichkeiten fand der Unterricht zunächst im städtischen Krankenhaus Oststadt in Hannover statt. Parallel dazu erfolgten die Grundsteinlegung und dann die Errichtung der neuen Hochschule auf einem rund 400.000 Quadratmeter großen Areal im Roderbruch. Bis zum Jahr 1978 entstanden hier alle wichtigen Einrichtungen, wie Zentralklinikum, Polikliniken, Kinderklinik, Klinik für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde, die Bibliothek, verschiedene Laborgebäude, Lehrgebäude und Hörsäle sowie Versorgungs- und Verwaltungsgebäude, Wohnheime und Wohnhäuser. Erst in den letzten Jahren wurde ein weiteres Gebäude ergänzt, das seit 2004 die Frauenklinik und das „Rudolf Pichlmayr“ Transplantations- und Forschungszentrum beherbergt. Die Abteilung für Plastische, Hand- und Wiederherstellungschirurgie zog zum Jahreswechsel 2006 aus dem Klinikum Oststadt-Heidehaus in das Klinikum der MHH.

Von 1973 bis 1997 betrieb die Medizinische Hochschule Hannover den Forschungsreaktor Hannover, einen Kernreaktor zur Herstellung von Radioaktivität für die Nuklearmedizin.

Die Medizinische Hochschule Hannover ist als Campus-Universität errichtet, mit der Orthopädie im Annastift befindet sich lediglich eine Abteilung in einem externen Krankenhaus.

Wiederholt zur Diskussion stand die Umwandlung der Medizinischen Hochschule Hannover in eine Stiftungsuniversität.[4][5]

Forschung und Lehre[Bearbeiten]

Eingangs-Pylon neben der Haupteinfahrt zur MHH

Schon seit der Gründung der Hochschule in den 1960er Jahren verfolgt die Medizinische Hochschule Hannover (MHH) ein Konzept der Zusammenarbeit von Lehrenden und Lernenden „in kleinen Gruppen am Krankenbett“. In diesem Ansatz, bestärkt durch die neue Approbationsordnung für Ärzte, hält die MHH mit ihrem neuen Studienmodell „HannibaL“ an dem erfolgreichen Lehrkonzept fest.

An der Medizinischen Hochschule Hannover sind etwa 3.000 Studenten eingeschrieben. Davon studieren etwa 2.500 Humanmedizin, etwa 430 Zahnmedizin.

Medizinstudenten müssen ihr letztes Studienjahr als Praktisches Jahr am Universitätskrankenhaus ihrer Universität oder einem akademischen Lehrkrankenhaus absolvieren. Die Studenten können ihr Praktisches Jahr an über 50 Lehrkrankenhäusern absolvieren.

Studiengänge[Bearbeiten]

Die beiden erstgenannten M.Sc. Programme sowie die PhD-Studiengänge befinden sich unter dem Dach der Abschlussschule Hannover Biomedical Research School, die seit 2006 im Rahmen der Exzellenzinitiative des Bundes gefördert wird.

Gemeinsam mit der Leibniz Universität Hannover und der Tierärztlichen Hochschule Hannover

  • Biologie (B.Sc.)
  • Biochemie (Dipl. und B.Sc.)
  • Biomedizintechnik (M.Sc.), der frühere Aufbaustudiengang „Biomedizinische Technik“ wurde zum Wintersemester 2005/06 eingestellt
  • Promotionsstudiengang „Systemische Neurowissenschaften“

Gemeinsam mit der GISMA Business School, Hannover, und der Purdue University, Indiana, USA

  • Aufbaustudiengang "Geschäftsführung im Gesundheitsmanagement"

Drittmittelprojekte[Bearbeiten]

Im Jahr 2005 hat die Medizinische Hochschule Hannover rund 43,7 Millionen Euro an Drittmitteln eingeworben. Außerdem sind in der Medizinischen Hochschule Hannover rund 650 Drittmittelbeschäftigte angestellt.[6]

Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG)[Bearbeiten]

Wissenschaftler der MHH sind derzeit an DFG Sonderforschungsbereichen beteiligt:

Die DFG fördert an der MHH die Graduiertenkollegs

  • Pseudomonas: Pathogenicity and Biotechnology
  • Charakterisierung pathophysiologischer Versuchstiermodelle – funktionale und genetische Analysen
  • Mukosale Erreger-Wirt-Interaktionen
  • Strategies of Human Pathogens to Establish Acute and Chronic Infections

Außerdem fördert die DFG die Forschergruppen

  • Stammzelltherapie und Immunmodulation – molekulare Therapieansätze in der Pädiatrie
  • Molekulare Grundlagen und konsekutive Therapieansätze beim hepatozellulären Karzinom
  • Xenotransplantation
  • Lungentransplantation
  • Polysialinsäure: Evaluation eines neuen Werkstoffs als Gerüstsubstanz für die Herstellung artifizieller Gewebe

Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF)[Bearbeiten]

  • Kompetenzzentrum Kardiovaskuläre Implantate
  • Kompetenznetz Rheuma
  • Kompetenznetz Hepatitis

Klinikum[Bearbeiten]

Bettenhaus der Klinik

Das Klinikum der MHH ist ein Krankenhaus mit überregionalem Einzugsbereich. Das Universitätsklinikum verfügt über 90 Stationen mit über 1.400 Betten. Weitere Betten der MHH befinden sich in anderen Krankenhäusern in Hannover. 2009 wurden etwa 54.000 Patienten stationär behandelt. Mehr als 300.000 Patienten wurden 2009 in den 35 Polikliniken ambulant versorgt. Die MHH ist Deutschlands größtes Transplantationszentrum. Im Jahr 2012 wurden hier 423 Transplantationen vorgenommen.[7]

Organisation[Bearbeiten]

Als Universitätsklinikum verfügt die MHH über eine Vielzahl von Fachbereichen, für fast jeden Fachbereich gibt es eine Intensivstation. Darunter befinden sich einige Spezialstationen, wie sie nur von großen Kliniken betrieben werden können.

Sämtliche Stationen der MHH sind aufgeteilt, so dass es insgesamt sechs Pflegebereiche gibt. Innerhalb des fünften Pflegebereiches sind fast alle Intensivstationen mit Ausnahme der Kinderklinik zusammengefasst.

Insgesamt zehn Fachbereiche betreiben jeweils eine Intensivstation für den Fachbereich / die Klinik:

  • Innere Medizin: Intensivstation 14 mit 14 Betten
  • Kardiologie: Intensivstation 24 mit 9 Betten
  • Neurochirurgie: Intensivstation 34 mit 12 Betten
  • Interdisziplinäre Anästhesiologie: Intensivstationen 44 mit 14 Betten und 34 mit 15 Betten
  • Pädiatrie: Intensivstation 67 mit 14 Betten
  • Neonatologie: Intensivstation 69 mit 7 Betten
  • Brandverletztenzentrum: Intensivstation 71 mit 6 Betten
  • Unfallchirurgie: Intensivstation 73 mit 8 Betten
  • Herz-, Thorax- und Gefäßchirurgie: Intensivstation 74 mit 21 Betten
  • Mund-Kiefer-Gesichts-Chirurgie: Intensivstation 77c mit 4 Betten
  • Visceral- und Transplantationschirurgie: Intensivstation 81 mit 22 Betten

Die anästhesiologischen Intensivstationen 44 und 34 sind als interdisziplinäre Stationen eingerichtet, auf denen insbesondere Patienten nach großen Operationen oder Polytraumen betreut werden. Ein Schwerpunkt liegt in der frühzeitigen Behandlung des akuten Lungenversagens. Auf der Intensivstation 73 werden hauptsächlich Patienten nach unfallchirurgischen Elektiveingriffen und polytraumatisierte Patienten betreut.

Die Station 81 betreut Patienten nach Visceral-OP und Transplantationen von Pankreas, Leber und Nieren. Sie ist nach Fertigstellung des neuen Transplantations- und Forschungszentrum (TPFZ) samt entsprechender Operationssäle aus dem Bettenhaus umgezogen.

Die Station 71 ist die Intensivstation des Brandverletztenzentrums der MHH mit insgesamt 6 Betten für Schwerbrandverletzte. Sie ist nach dem Umzug der Plastischen, Hand- und Wiederherstellungschirurgie aus dem Klinikum Oststadt-Heidehaus und dem Umbau des vorderen Bereichs der alten Intensivstationen 71-74 in die MHH gezogen und wird von Peter M. Vogt geleitet.

Am 1. April 2011 wurde die Hautklinik Linden vom Klinikum Region Hannover übernommen und als Klinik für Dermatologie, Allergologie und Venerologie in die MHH eingegliedert. Der Betrieb wird zunächst am alten Standort in Linden-Süd weitergeführt, bis die Klinik im Dezember 2013 auf den Campus der MHH umzieht.

Pastoralklinikum der Ev.-luth. Landeskirche Hannovers[Bearbeiten]

Die Evangelisch-lutherische Landeskirche Hannover betreibt an der MHH ihr Pastoralklinikum- Zentrum für Klinische Seelsorgeausbildung.[8] Das Klinikum bietet Aus-, Fort- und Weiterbildungen für Pastoren und Kirchliche Mitarbeiter an, die als Seelsorger in Gemeinden, Krankenhäusern, Gefängnissen oder Diakonischen und Sozialen Einrichtungen arbeiten. Das Pastoralklinikum kooperiert mit anderen Einrichtungen, z.B. dem Zentrum für Gesundheitsethik, Diakonischen Krankenhäusern oder der MHH.[9] Es ist in das Zentrum für Seelsorge der Landeskirche eingegliedert.

Beziehungen[Bearbeiten]

Die MHH hat folgende Partneruniversitäten:

Bilaterale Verträge im Rahmen des Sokrates/Erasmus-Programms bestehen mit Universitäten in Belgien, Estland, Finnland, Frankreich, Italien, Österreich, Polen, Portugal, Spanien und der Schweiz.

Professoren[Bearbeiten]

Siehe: Kategorie:Hochschullehrer (Medizinische Hochschule Hannover)

Literatur[Bearbeiten]

  • Medizinische Akademie Hannover (Hrsg.): Zentralklinik (Vorentwurf Juli 1963)
  • Medizinische Hochschule Hannover, Sonderdruck der Bauverwaltung, Hannover, 1972
  • 40 Jahre Medizinische Hochschule Hannover. Eine Ausstellung der Abteilung Geschichte, Ethik und Philosophie der Medizinischen Hochschule, in der Reihe MHH Info, Sonderausgabe September 2005
  • Rainer Kasties M.A.: Medizinische Hochschule Hannover, in: Stadtlexikon Hannover, S. 435f.

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Medizinische Hochschule Hannover – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. http://www.haz.de/Hannover/Aus-der-Stadt/Uebersicht/Sparprogramm-ist-lebenswichtig-fuer-die-MHH
  2. Statistisches Bundesamt: Studierendenzahlen Studierende und Studienanfänger/-innen nach Hochschularten, Ländern und Hochschulen, WS 2012/13, S. 66–113 (abgerufen am 3. November 2013)
  3. MHH Alumni e.V.: Die Geschichte der MHH.
  4. Im zweiten Anlauf zur Stiftung Infobroschüre der MHH (PDF; 891 KB)
  5. MHH als Stiftung – unabhängiger und flexibler Bericht von Christian Beneker in der Ärzte Zeitung vom 15. Juni 2011
  6. MHH Forschungsbericht 2005: Forschung aus Mitteln Dritter 2005 (PDF-Datei; 442 kB), abgerufen am 6. April 2013.
  7. Die MHH bleibt Deutschlands größtes Transplantationszentrum
  8. http://www.pastoralklinikum.de/goprofliste.asp
  9. http://www.evlka.de/media/texte/leben/Kapitel/mitarbei.pdf

52.3838888888899.8047222222222Koordinaten: 52° 23′ 2″ N, 9° 48′ 17″ O