Medizinische Hochschule Hannover
| Medizinische Hochschule Hannover | |
|---|---|
| Gründung | 1961 |
| Trägerschaft | staatlich |
| Ort | Hannover |
| Bundesland | Niedersachsen |
| Staat | Deutschland |
| Präsident | Christopher Baum [1] |
| Studenten | 3.057 (2010/11) |
| Mitarbeiter | ~ 9.000 |
| Jahresetat | 320,6 Mio. Kostenträger; 162,6 Mio. öffentliche Hand; 83,3 Mio. Forschungsmittel (2009) |
| Website | www.mh-hannover.de |
Die Medizinische Hochschule Hannover (MHH) ist eine Medizinische Universität in Hannover. Außer den klassischen Studienfächern wie Medizin, Zahnmedizin, Biochemie und Biomedizin können postgraduale Studiengänge wie Gesundheitswissenschaften belegt werden. Das Universitätsklinikum der MHH ist ein Krankenhaus mit einem überregionalen Einzugsbereich.
Inhaltsverzeichnis |
[Bearbeiten] Geschichte
Der Plan, in Niedersachsen neben der Universität Göttingen eine zweite Medizinische Fakultät zu errichten, geht auf das Jahr 1961 zurück. Gründungsrektor der Medizinische Hochschule Hannover war der Göttinger Internist Professor Dr. med. Rudolf Schoen (1961 bis 1967). Erster gewählter Rektor war der Internist Prof. Dr. med. Fritz Hartmann. Der Wissenschaftsrat hatte empfohlen, in Deutschland sieben neue Medizinische Lehreinrichtungen zu errichten.
Diese Neugründungen sollten allerdings nicht nur die bestehenden Einrichtungen entlasten, sondern auch dazu genutzt werden, Reformideen in der Ausbildung neuer Ärztinnen und Ärzte zu verwirklichen. Dieser Idee folgend, weicht schon die Organisationsstruktur der MHH von der einer klassischen Universität ab und orientiert sich vielmehr an der Department-Struktur amerikanischer Universitäten. Die einzelnen Abteilungen der MHH wurden Zentren zugeordnet, die wiederum in vier Sektionen (Vorklinische Fächer, Große Klinische Fächer, Kleine Klinische Fächer, Klinisch-Theoretische Fächer) zusammengefasst sind.
Als akademische und klinische Einrichtung wählte die MHH den Leitspruch In necessariis unitas, in dubiis libertas, in omnibus caritas, mit dem Ideale und Zielsetzung als Verpflichtung und Aufgabe umrissen werden sollten. Die Worte unitas libertas caritas finden sich daher auch im akademischen Logo der Hochschule, auf der Amtskette des Rektors und im Siegel wieder. Gestaltet wurde es, ebenso wie das Hochrelief, das sich im Klinischen Lehrgebäude befindet,von dem Bildhauer Kurt Lehmann (1905–2000).[2]
Knapp vier Jahre nach ihrer Gründung nahm die Medizinische Hochschule Hannover im Jahr 1965 den Lehrbetrieb mit 41 eingeschriebenen Studierenden auf. Mangels eigener räumlicher Möglichkeiten fand der Unterricht zunächst im städtischen Krankenhaus Oststadt in Hannover statt. Parallel dazu erfolgten die Grundsteinlegung und dann die Errichtung der neuen Hochschule auf einem rund 400.000 Quadratmeter großen Areal im Roderbruch. Bis zum Jahr 1978 entstanden hier alle wichtigen Einrichtungen, wie Zentralklinikum, Polikliniken, Kinderklinik, Klinik für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde, die Bibliothek, verschiedene Laborgebäude, Lehrgebäude und Hörsäle sowie Versorgungs- und Verwaltungsgebäude, Wohnheime und Wohnhäuser. Erst in den letzten Jahren wurde ein weiteres Gebäude ergänzt, das seit 2004 die Frauenklinik und das „Rudolf Pichlmayr“ Transplantations- und Forschungszentrum beherbergt. Die Abteilung für Plastische, Hand- und Wiederherstellungschirurgie zog zum Jahreswechsel 2006 aus dem Klinikum Oststadt-Heidehaus in das Klinikum der MHH.
Von 1973 bis 1997 betrieb die Medizinische Hochschule Hannover den Forschungsreaktor Hannover, einen Kernreaktor zur Herstellung von Radioaktivität für die Nuklearmedizin.
Die Medizinische Hochschule Hannover ist als Campus-Universität errichtet. Einige Abteilungen der MHH sind in externen Krankenhäusern untergebracht, zum Beispiel die Dermatologie in der Hautklinik Linden und die Orthopädie im Annastift.
Zur Zeit befindet sich die Umwandlung der Medizinischen Hochschule Hannover in eine Stiftungsuniversität in der Diskussion.
[Bearbeiten] Forschung und Lehre
Schon seit der Gründung der Hochschule in den sechziger Jahren verfolgt die Medizinische Hochschule Hannover (MHH) ein Konzept der Zusammenarbeit von Lehrenden und Lernenden „in kleinen Gruppen am Krankenbett“. In diesem Ansatz, bestärkt durch die neue Approbationsordnung für Ärzte, hält die MHH mit ihrem neuen Studienmodell „HannibaL“ an dem erfolgreichen Lehrkonzept fest.
An der Medizinischen Hochschule Hannover sind etwa 3.000 Studenten eingeschrieben. Davon studieren etwa 2.500 Humanmedizin, etwa 430 Zahnmedizin.
Medizinstudenten müssen ihr letztes Studienjahr als Praktisches Jahr am Universitätskrankenhaus ihrer Universität oder einem akademischen Lehrkrankenhaus absolvieren. Die Studenten können ihr Praktisches Jahr an über 50 Lehrkrankenhäusern absolvieren.
[Bearbeiten] Studiengänge
- Humanmedizin (Staatsexamen)
- Zahnmedizin (Staatsexamen)
- Biomedizin (M.Sc.)
- Biochemie (M.Sc.)
- Weiterbildungsstudiengang Lingual Orthodontics (M.Sc.)
- Ergänzungsstudiengang „Bevölkerungsmedizin und Gesundheitswesen“ (Public Health)
- MD/PhD Aufbaustudiengang „Molekulare Medizin“
- PhD Aufbaustudiengang „Infektionsbiologie“
- PhD Aufbaustudiengang „Regenerative Wissenschaften“
Die beiden M.Sc. Programme sowie die PhD Studiengänge befinden sich unter dem Dach der Abschlussschule "Hannover Biomedical Research School", die seit 2006 im Rahmen der Exzellenzinitiative des Bundes gefördert wird.
Gemeinsam mit der Leibniz Universität Hannover und der Tierärztlichen Hochschule Hannover
- Biologie (B.Sc.)
- Biochemie (Dipl. und B.Sc.)
- Biomedizintechnik (M.Sc.), der frühere Aufbaustudiengang „Biomedizinische Technik” wurde zum Wintersemester 2005/06 eingestellt
- Promotionsstudiengang „Systemische Neurowissenschaften“
Gemeinsam mit der GISMA Business School, Hannover, und der Purdue University, Indiana, USA
- Aufbaustudiengang "Geschäftsführung im Gesundheitsmanagement"
[Bearbeiten] Drittmittelprojekte
Im Jahr 2005 hat die Medizinische Hochschule Hannover rund 43,7 Millionen Euro an Drittmitteln eingeworben. Außerdem sind in der Medizinischen Hochschule Hannover rund 650 Drittmittelbeschäftigte angestellt.[3]
[Bearbeiten] Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG)
Wissenschaftler der MHH sind derzeit an DFG Sonderforschungsbereichen beteiligt:
- SFB 900: Chronische Infektionen: Mikrobielle Persistenz und ihre Kontrolle
- SFB 587: Immunreaktion der Lunge bei Infektion und Allergie
- SFB 621: Pathobiologie der intestinalen Mukosa
- SFB 566: Zytokin-Rezeptoren und Zytokin-abhängige Signalwege als therapeutische Zielstrukturen
- SFB 599: Zukunftsfähige bioresorbierbare und permanente Implantate aus metallischen und keramischen Werkstoffen
- SFB Transregio 37: Mikro- und Nanosysteme in der Medizin – Rekonstruktion biologischer Funktionen
Die DFG fördert an der MHH die Graduiertenkollegs
- Pseudomonas: Pathogenicity and Biotechnology
- Charakterisierung pathophysiologischer Versuchstiermodelle – funktionale und genetische Analysen
- Mukosale Erreger-Wirt-Interaktionen
- Strategies of Human Pathogens to Achieve Acute and Chronic Infections
Außerdem fördert die DFG die Forschergruppen
- Stammzelltherapie und Immunmodulation – molekulare Therapieansätze in der Pädiatrie
- Molekulare Grundlagen und konsekutive Therapieansätze beim hepatozellulären Karzinom
- Xenotransplantation
- Lungentransplantation
- Polysialinsäure: Evaluation eines neuen Werkstoffs als Gerüstsubstanz für die Herstellung artifizieller Gewebe
[Bearbeiten] Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF)
- Kompetenzzentrum Kardiovaskuläre Implantate
- Kompetenznetz Rheuma
- Kompetenznetz Hepatitis
[Bearbeiten] Klinikum
Das Klinikum der MHH ist ein Krankenhaus mit überregionalem Einzugsbereich. Das Universitätsklinikum verfügt über 90 Stationen mit über 1.400 Betten. Weitere Betten der MHH befinden sich in anderen Krankenhäusern in Hannover. 2009 wurden etwa 54.000 Patienten stationär behandelt. Mehr als 300.000 Patienten wurden 2009 in den 35 Polikliniken ambulant versorgt. Die MHH ist Deutschlands größtes Transplantationszentrum. Im Jahr 2012 wurden hier 423 Transplantationen vorgenommen.[4]
[Bearbeiten] Organisation
Als Universitätsklinikum verfügt die MHH über eine Vielzahl von Fachbereichen, für fast jeden Fachbereich gibt es eine Intensivstation. Darunter befinden sich einige Spezialstationen, wie sie nur von großen Kliniken betrieben werden können.
Sämtliche Stationen der MHH sind aufgeteilt, so dass es insgesamt sechs Pflegebereiche gibt. Innerhalb des fünften Pflegebereiches sind fast alle Intensivstationen mit Ausnahme der Kinderklinik zusammengefasst.
Insgesamt zehn Fachbereiche betreiben jeweils eine Intensivstation für den Fachbereich / die Klinik:
- Innere Medizin: Intensivstation 14 mit 14 Betten
- Kardiologie: Intensivstation 24 mit 9 Betten
- Neurochirurgie: Intensivstation 34 mit 12 Betten
- Interdisziplinäre Anästhesiologie: Intensivstationen 44 mit 14 Betten und 34 mit 3 Betten
- Pädiatrie: Intensivstation 67 mit 14 Betten
- Neonatologie: Intensivstation 69 mit 7 Betten
- Brandverletztenzentrum: Intensivstation 71 mit 6 Betten
- Unfallchirurgie: Intensivstation 73 mit 8 Betten
- Herz-, Thorax- und Gefäßchirurgie: Intensivstation 74 mit 21 Betten
- Mund-Kiefer-Gesichts-Chirurgie: Intensivstation 77c mit 4 Betten
- Visceral- und Transplantationschirurgie: Intensivstation 81 mit 22 Betten
Die anästhesiologische Intensivstation 44 ist als interdisziplinäre Station aufgebaut, auf der insbesondere Patienten nach großen Operationen oder Polytraumen betreut werden. Ein Schwerpunkt liegt in der frühzeitigen Behandlung des akuten Lungenversagens. In der Intensivstation 73 werden hauptsächlich Patienten nach unfallchirurgischen Elektiveingriffen und polytraumatisierte Patienten betreut.
Die Station 81 betreut Patienten nach Visceral-OP und Transplantationen von Pankreas, Leber und Nieren. Sie ist nach Fertigstellung des neuen Transplantations- und Forschungszentrum (TPFZ) samt entsprechender Operationssäle aus dem Bettenhaus umgezogen.
Die Station 71 ist die Intensivstation des Brandverletztenzentrums der MHH mit insgesamt 6 Betten für Schwerbrandverletzte. Sie ist nach dem Umzug der Plastischen, Hand- und Wiederherstellungschirurgie aus dem Klinikum Oststadt-Heidehaus und dem Umbau des vorderen Bereichs der alten Intensivstationen 71-74 in die MHH gezogen und wird von Peter M. Vogt geleitet.
Am 1. April 2011 wurde die Hautklinik Linden vom Klinikum Region Hannover übernommen und als Klinik für Dermatologie, Allergologie und Venerologie in die MHH eingegliedert. Der Betrieb wird zunächst am alten Standort in Linden-Süd weiter geführt bis die Klinik Anfang 2013 auf den Campus der MHH umzieht.
[Bearbeiten] Reanimationsteam
Als Besonderheit verfügen zwei Intensivstationen über jeweils ein Reanimationsteam (Rea-Team) für das gesamte Haus. Diese Teams sind für sämtliche Notfälle innerhalb des Klinikbetriebes (Bettenhaus, Polikliniken, Psychiatrie, Kinderklinik, Zahnklinik, UBF-Gebäude und TPFZ) zuständig, ausgenommen sind hier die Krankenpflegeschule, die Verwaltungs- und Wohnhochhäuser und der Lehrbereich (Studentenbereich).
Das Team setzt sich aus den jeweiligen diensthabenden Ärzten und Pflegepersonal der Intensivstationen zusammen. Dabei arbeiten ein Arzt und zwei Pflegekräfte im Team, welches zusätzlich zu dem Team auf der Station eingeteilt ist.
Neben dem Notfallkoffer des Arztes verfügt jedes Rea-Team zudem über einen Rea-Wagen, der mit zusätzlicher notfallmedizinischer Ausrüstung bepackt ist, so dass sämtliche Notfälle, von Synkopen über zerebrale Krampfanfälle bis zur kardiopulmonalen Reanimationen, bewältigt werden können. Die Rea-Teams sind mit dem normalen Rettungsdienst (zuzüglich Notarzt) vergleichbar.
Alarmiert werden kann das Rea-Team sowohl über Pieper als auch per Telefon (Stations- und Patientenapparate). In jedem Patientenzimmer befindet sich außerdem ein Bedientableau, über das eine Alarmierung per Knopfdruck abgesetzt werden kann. Das Team trifft in der Regel wenige Minuten nach der Alarmierung vor Ort, d. h. am Notfallort (Station), ein. Ein Rea-Team ist für das Bettenhaus, die Polikliniken und Psychiatrie sowie das UBF-Gebäude, das andere Team für die Kinderklinik, Zahnklinik und das neue Gebäude TPFZ zuständig.
[Bearbeiten] Pastoralklinikum der Ev.-luth. Landeskirche Hannovers
Die Evangelisch-lutherische Landeskirche Hannover betreibt an der MHH ihr Pastoralklinikum- Zentrum für Klinische Seelsorgeausbildung.[5] Das Klinikum bietet Aus-, Fort- und Weiterbildungen für Pastoren und Kirchliche Mitarbeiter an, die als Seelsorger in Gemeinden, Krankenhäusern, Gefängnissen oder Diakonischen und Sozialen Einrichtungen arbeiten. Das Pastoralklinikum kooperiert mit anderen Einrichtungen, z.B. dem Zentrum für Gesundheitsethik, Diakonischen Krankenhäusern oder der MHH. [6] Es ist dem Zentrum für Seelsorge der Landeskirche zugeordnet.
[Bearbeiten] Beziehungen
Die MHH hat folgende Partneruniversitäten:
- Hiroshima University School of Medicine, Hiroshima, (Japan)
- Staatliche Medizinische Akademie, Kirow, (Russland)
- Université d´Haute Normandie, Rouen, (Frankreich).
- Universität Vechta, Niedersachsen
Bilaterale Verträge im Rahmen des Sokrates/Erasmus-Programms bestehen mit Universitäten in Belgien, Estland, Finnland, Frankreich, Italien, Österreich, Polen, Portugal, Spanien und der Schweiz.
[Bearbeiten] Siehe auch
[Bearbeiten] Professoren
Siehe: Kategorie:Hochschullehrer (MHH Hannover)
[Bearbeiten] Weblinks
[Bearbeiten] Einzelnachweise
- ↑ http://www.haz.de/Hannover/Aus-der-Stadt/Uebersicht/Sparprogramm-ist-lebenswichtig-fuer-die-MHH
- ↑ MHH Alumni e.V.: Die Geschichte der MHH.
- ↑ MHH Forschungsbericht 2005: Forschung aus Mitteln Dritter 2005 (PDF-Datei; 442 kB), abgerufen am 6. April 2013.
- ↑ Die MHH bleibt Deutschlands größtes Transplantationszentrum
- ↑ http://www.pastoralklinikum.de/goprofliste.asp
- ↑ http://www.evlka.de/media/texte/leben/Kapitel/mitarbei.pdf
52.3838888888899.8047222222222Koordinaten: 52° 23′ 2″ N, 9° 48′ 17″ O
