Medizinisches Tauglichkeitszeugnis

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Dieser Artikel behandelt die Medizinische Tauglichkeit für Piloten, zu allgemeinen Informationen siehe Medizinische Tauglichkeit.
In Deutschland ausgestelltes fliegerärztliches Tauglichkeitszeugnis

Das medizinische Tauglichkeitszeugnis, unter Fliegern oft als Medical (englisch: „medical [certificate]“) bezeichnet, ist ein im Auftrag (Bestellung) des Luftfahrtbundesamtes durch einen Flugmedizinischen Sachverständigen (Fliegerarzt) ausgestelltes Dokument, das die medizinische Tauglichkeit eines Luftfahrers oder Bewerbers zur Ausübung der Rechte aus einer zugeordneten Lizenz für Luftfahrzeugführer bescheinigt. Voraussetzungen für die Ausstellung ist eine Fliegerärztliche Tauglichkeitsuntersuchung.

Rechtsgrundlage[Bearbeiten]

Seit dem 8. April 2013 ist die direkt anwendbare Verordnung (EU) Nr. 1178/2011[1] in der gesamten Europäischen Union und den weiteren der EASA zugehörigen Staaten die Rechtsgrundlage für die Ausstellung des medizinischen Tauglichkeitszeugnis. Anhang IV (Part-MED) dieser Verordnung befasst sich mit der medizinischen Tauglichkeit. Detaillierte Richtlinien, die aber nicht bindend sind, finden sich in den von der EASA herausgegebenen AMC (Acceptable Means of Compliance).[2] Artikel 5 der Verordnung legt fest, dass Tauglichkeitszeugnisse, die vor dem 8. April 2013 nach den alten JAR-FCL 3 ausgestellt wurden, weiterhin gültig bleiben. Da die JAR-Medicals nach spätestens 5 Jahre verfallen, wird das letzte JAR-Medical am 8. April 2018 seine Gültigkeit verlieren.

Klassen von Tauglichkeitszeugnissen[Bearbeiten]

MED.A.030 der EU-Verordnung ordnet die Klassen von Tauglichkeitszeugnissen den Pilotenlizenzen folgendermaßen zu:

Die EU-Verordnung erlaubt es den Mitgliedstaaten, die Einführung des Tauglichkeitszeugnis für LAPL bis zum 8. April 2015 zu verschieben. Die Nutzung dieser Möglichkeit ist von der Bundesrepublik mit den NfL I 218/12 bekannt gegeben worden.[3]

Gültigkeit[Bearbeiten]

MED.A.045 der EU-Verordnung spezifiziert die Gültigkeitsdauer der Tauglichkeitszeugnisse:

  • Klasse 1 in Luftfahrzeugen mit 2 Piloten:
bis 59 Jahre – 12 Monate,
ab 60 Jahre – 6 Monate
  • Klasse 1 in Luftfahrzeugen mit 1 Piloten:
bis 39 Jahre – 12 Monate,
ab 40 Jahre – 6 Monate
  • Klasse 2:
bis 40 Jahre – 60 Monate,
bis 50 Jahre – 24 Monate,
ab 50 Jahre – 12 Monate
  • Tauglichkeitszeugnis für LAPL:
bis 39 Jahre – 60 Monate,
ab 40 Jahre – 24 Monate

Kritik an den Tauglichkeitsanforderungen[Bearbeiten]

Die Notwendigkeit eines Medicals für Privatpiloten wird seitens der Piloten häufig in Frage gestellt. In Großbritannien wird das Medical für Segelflieger nicht vom Aeromedical Examiner (AME, Fliegerarzt), sondern vom Hausarzt ausgestellt. In den USA ist für Segelflieger kein Medical nötig.

Andererseits verweisen Fachleute darauf, dass die Tauglichkeitsuntersuchungen den Sicherheitsstandard mit bewirken, durch den es zu einem geringen Risiko des gesundheitsbedingten Ausfalls des Piloten im Fluge kommt. Für diese Sichtweise kann auch sprechen, dass das Schweizerische Bundesamt für Zivilluftfahrt (BAZL) im Jahre 2008 wegen zunehmender Unfallhäufigkeit die regelmäßige medizinische Tauglichkeitsuntersuchung für Segelflieger ab dem 60. Lebensjahr wieder vorgeschrieben hat.[4] Fachleute des Deutschen Fliegerarztverbandes verweisen darauf, dass über Deutschland einer der dichtest beflogenen Lufträume der Welt liegt und die Anzahl der Luftfahrzeuge pro Quadratkilometer Fläche einen Spitzenwert in der Welt aufweist.

Mit der Einführung der Verordnung (EU) Nr. 1178/2011 sind einige Kritikpunkte behoben. So sind für die Klasse 2 die Anforderungen an das Sehvermögen nicht mehr strenger als international von der ICAO gefordert. Auch dürfen die Mitgliedsstaaten das Tauglichkeitszeugnis für LAPL vom Hausarzt ausstellen lassen.

Quellen[Bearbeiten]

  1. Verordnung (EU) Nr. 1178/2011 (PDF; 2.7 MB)
  2. Acceptable Means of Compliance and Guidance Material to Part-MED1 (PDF; 268 kB)
  3. NfL I 218/12 zum Opt-Out der Bundesrepublik
  4. Schweizer Aktionsplan für mehr Sicherheit im Segelflug

Literatur[Bearbeiten]

Hinkelbein J, Glaser E (Hrsg.) Flugmedizin. UniMed-Verlag, Bremen, 1. Auflage, 2007

Weblinks[Bearbeiten]

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