Medzev

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Medzev
Wappen Karte
Wappen von Medzev
Medzev (Slowakei)
Medzev
Medzev
Basisdaten
Staat: Slowakei
Kraj: Košický kraj
Okres: Košice-okolie
Region: Košice (Region)
Fläche: 31,861 km²
Einwohner: 4.337 (31. Dez. 2013)
Bevölkerungsdichte: 136,12 Einwohner je km²
Höhe: 313 m n.m.
Postleitzahl: 044 25
Telefonvorwahl: 0 55
Geographische Lage: 48° 42′ N, 20° 54′ O48.70027777777820.892777777778313Koordinaten: 48° 42′ 1″ N, 20° 53′ 34″ O
Kfz-Kennzeichen: KS
Kód obce: 521671
Struktur
Gemeindeart: Stadt
Verwaltung (Stand: November 2014)
Bürgermeisterin: Valéria Flachbartová
Adresse: Mestský úrad Medzev
Štóska 6
04425 Medzev
Webpräsenz: www.medzev.sk
Statistikinformation auf statistics.sk

Medzev (deutsch Metzenseifen, ungarisch Meczenzéf – bis 1902 Mecenzéf) ist eine Stadt im Osten der Slowakei mit 4337 Einwohnern (Stand 31. Dezember 2013).

Geographie[Bearbeiten]

Die Stadt liegt 36 Kilometer westlich von Košice, im südöstlichen Teil des Slowakischen Erzgebirges zwischen den Gebirgsteilen Volovské vrchy und Slowakischer Karst. Durch den Ort fließt die obere Bodva. Die Bäche Šugovský potok und Zlatná speisen kleinere Teiche, die früher der Wasserversorgung der ehemaligen Hammerschmieden dienten. Die Gegend ist teilweise entwaldet, teilweise durch Buchenwald bedeckt. Das Stadtzentrum liegt auf einer Höhe von 313 m n.m.

Nachbargemeinden von Medzev sind Mníšek nad Hnilcom im Norden, Jasov im Osten, Turňa nad Bodvou im Süden, Hačava im Südwesten sowie Štós im Westen.

Geschichte[Bearbeiten]

Der Ort entstand 1960 durch die Zusammenlegung der Orte Nižný Medzev (deutsch Untermetzenseifen; ungarisch Alsómeczenzéf) und Vyšný Medzev (Obermetzenseifen; letzterer ist seit 1999 wieder selbständig). Diese Orte wurden im 13. Jahrhundert gegründet (1359 Mechenseuph), wahrscheinlich gab es aber schon vorher deutsche und slowakische Bergleute. Nach den Mongoleneinfällen kam es zu einem starken Zuzug deutschstämmiger Familien, wobei die Besitzverhältnisse stark durch das Kloster Jasov bestimmt waren.

Ab dem 14. Jahrhundert wurde neben dem Bergbau auch das Handwerk immer bestimmender. Ab dem 15. Jahrhundert wurden die Orte Nižný und Vyšný Medzev unterschieden. Während der Reformation wurde das Kloster geschlossen, so dass der Ort nicht mehr in dessen Herrschaft fiel. Der Streit um die Herrschaft flammte aber im Zuge der Gegenreformation und der Wiedereinrichtung des Klosters wieder auf; erst unter Maria Theresia endete dieser Streit.

Im Zuge der Industrialisierung wurde der Ort ein wirtschaftliches Zentrum (Standort zahlreicher Hammerschmieden [ca. 100], die vor allem landwirtschaftliche Geräte herstellten). Dies führte in den 1930er Jahren zu Spannungen zwischen der deutsch- und slowakischsprachigen Arbeiterschaft. Bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs bildeten die Deutschen die größte Bevölkerungsgruppe; noch heute sind über 20 % der Bevölkerung deutschsprachig. In den 2000er Jahren stieg die Anzahl der Deutschen um ca. 0,75 %.

Mantakisch[Bearbeiten]

Noch heute wird von der älteren Bevölkerung das auf diesen Ort beschränkte Mantakische gesprochen, eine Mundart der deutschen Sprache, die sich aus den Dialekten der in der Zeit von 14. bis zum 18.Jahrhundert zugewanderten Deutschen, den sog. Saxones, gebildet hat. Der Wortschatz der Mantaken, wie die Nutzer dieser vom Aussterben bedrohten Mundart genannt werden, ist im mantakischen Wörterbuch in Schrift und Ton festgehalten.[1]

In der Grundschule von Metzenseifen (offiziell mit zweisprachiger Bezeichnung Základná škola – Grundschule Medzev)[2] wird seit den 1990er Jahren wieder ab der 1. Klasse das Fach Deutsch unterrichtet, in einigen Klassen im Umfang von 6 Stunden pro Woche. Der lokale Stadtchronist Walter Bistika beklagt jedoch, dass die steigenden Kenntnisse des Standarddeutschen zu Lasten der mantakischen Mundart gingen. Nach Angaben der stellvertretenden Schulleiterin Gertrúda Schürgerová (2013) verstehen nur noch 2 bis 3 Kinder pro Klasse Mantakisch, während 1993 noch die Hälfte der Schüler die Mundart gesprochen habe. Obwohl die Hälfte der Grundschullehrer Mantakisch sprechen soll, wird der Dialekt im Gegensatz zum Standarddeutschen nicht gelehrt. Eine Ausnahme bildet ein 2013 teilweise auf Mantakisch (außerdem Deutsch und Slowakisch) durchgeführtes Theaterprojekt einer siebten Klasse. Da bei den heutigen Schulkindern nur selten beide Eltern den Dialekt sprechen, wird er meist nicht an die Kinder weitergegeben. Vereinzelt gibt es allerdings noch Kinder, die bei der Einschulung kaum Slowakisch sprechen. Durch die Schulumgebung mit Slowakisch und – zum geringeren Teil – Standarddeutsch gehen die kindlichen Mundartkenntnisse wieder verloren.[3]

Bevölkerung[Bearbeiten]

Ergebnisse nach der Volkszählung 2001 (3.667 Einwohner):

Nach Ethnie:

  • 75,43 % Slowaken
  • 13,55 % Deutsche
  • 6,65 % Roma
  • 1,55 % Ungarn

Nach Konfession:

  • 77,58 % römisch-katholisch
  • 12,95 % konfessionslos
  • 4,36 % keine Angabe
  • 2,18 % griechisch-katholisch

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

  • katholische Kirche: ursprünglich gotischer Bau aus dem frühen 15. Jahrhundert, 1732–1735 vollständig umgebaut und 1891 restauriert
Liebfrauenkirche in Medzev
Siehe auch: Liste der denkmalgeschützten Objekte in Medzev

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Medzev – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Gabriela Schleusener und Dr. sc. Heinz Schleusener: Wörterbuch der deutschen Mundart in Metzenseifen. Shaker Verlag, Herzogenrath 2013.
  2. Medzev.sk – oficiálna webová stránka: Viacúčelové ihrisko v areáli Základnej školy – Grundschule Medzev, offizielle Stadt-Website 2009 und Základná škola – Grundschule Medzev, offizielle Schul-Website (slowakisch, mit zweisprachigem offiziellen Namen, abgerufen 2. Dezember 2014).
  3. Kristina Forbat: Sagenumwobenes Metzenseifen. Kaschauer Stadtschreiberin 2013, 7. Juni 2013.