Mehmed Ali Pascha

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Dieser Artikel handelt von dem türkischen Feldherren deutscher Herkunft, Angaben zum ägyptischen Herrscher (frühere Namensbezeichnung: Mehemed Ali) siehe Muhammad Ali Pascha.
Mehmed Ali Pascha
Berliner Kongress, gemalt von Anton von Werner (ganz rechts Mehmed Ali Pascha)

Mehmed (Mehemed) Ali Pascha, geb. als Ludwig Karl Friedrich Detroit, gelegentl. Carl Detroy (* 18. November 1827 in Magdeburg; † 7. September 1878 in Gjakova) war ein osmanischer Feldmarschall deutscher Abstammung.

Mehmed Ali Pascha war hugenottischer Abstammung und der Sohn des preußischen Hofmusikers Carl Friedrich Detroit und dessen Ehefrau Henriette Jeanette Severin. Nach dem Besuch der Grundschule wechselte Ludwig Karl Friedrich Detroit auf das Domgymnasium Magdeburg. In der Tertia (vor der „mittleren Reife“) brach er die Schule ab und versuchte sich in einer kaufmännischen Ausbildung. Mit zwölf Jahren heuerte Karl Detroit auf einer mecklenburgischen Brigg als Schiffsjunge an.[1]

Als das Schiff im Hafen von Istanbul lag, flüchtete er mit einem Sprung ins Wasser.[2] Zufällig wurde er durch Mehmed Emin Ali Pascha, den späteren Großwesir, gerettet, und der damals 16-jährige Karl sagte ihm, dass er nicht wieder auf das Schiff zurückgehen wolle.[3] Bis zum Tod des Paschas 1871 blieb dieser Karls Gönner. Karl Detroit konvertierte danach zum Islam, nahm den Namen Mehmed Ali an und wurde auf Vermittlung des Paschas 1846 mit 19 Jahren an einer osmanischen Kadettenschule angenommen; ein Umstand, der beinahe zu einem Politikum geriet, da die preußische Gesandtschaft für den Deutschen Bund offiziell bei der osmanischen Regierung protestierte.

Er konnte diese Ausbildung 1853 abschließen und wurde noch im selben Jahr im Rang eines "Seconde-Lieutenants" von der osmanischen Armee übernommen. Während des Krimkrieges fiel Mehmed Ali dem Oberkommandierenden der Donauarmee Ömer Pascha positiv auf und er wurde deshalb zu seinem Ordonnanzoffizier ernannt. Bei Kriegsende hatte Mehmed Ali den Rang eines Majors inne.

Im Stab von Ömer Pascha nahm Mehmed Ali an verschiedenen Kriegen teil: Montenegro (1861), Kreta (1867) u.v.m. 1865 avancierte er zum Brigadegeneral und wurde 1871, nach Ali Paschas Tod, ins Rhodopen-Gebirge versetzt, um Unruhen zu unterdrücken. Zwischen 1875 und 1876 war Mehmed Ali in Bosnien stationiert, war aber dort militärisch nicht sehr erfolgreich. Als Nachfolger von Abdülkerim Nadir Pascha wurde Mehmed Ali am 18. Juli 1877 zum Muschir (Marschall) ernannt. Als solcher hatte er den Oberbefehl der osmanischen Armee in Bulgarien inne.

Trotz seiner militärischen Erfolge hatte er keine politische Rückendeckung und wurde am 2. Oktober 1877 von seinem Posten abberufen. Nach dem Fall von Plewen wurde Mehmed Ali mit Wirkung vom 9. Januar 1878 Oberbefehlshaber einer Heimatarmee, die er selbt zum Schutz Istanbuls aufgestellt hatte.

Im Juni 1878 wurde er Mitglied der osmanischen Delegation, welche unter Leitung von Alexander Carathéodori am Berliner Kongress teilnahm. Die Hohe Pforte wählte ihn seiner Herkunft wegen aus, was aber in Berlin nicht gewürdigt wurde. Otto von Bismarck sprach von einer "Taktlosigkeit", und der gesamte deutsche Generalstab lehnte die Anwesenheit Mehmed Alis ab.

Sofort im Anschluss an den Berliner Kongress wurde Mehmed Ali ins Grenzgebiet Montenegro - Albanien geschickt, um einen Aufstand niederzuschlagen. Im Alter von 50 Jahren wurde Mehmed Ali Pascha in Gjakova (Kosovo) am 7. September 1878 von den albanischen Aufständischen unter der Führung von Sulejman Vokshi erschlagen.

Der deutsche Maler Anton von Werner hat Mehmet Ali auf seinem berühmten Gemälde „Der Berliner Kongress“ porträtiert. Theodor Heuss, der erste deutsche Bundespräsident, hat 1948 ein Essay über ihn veröffentlicht. Unter seinen Enkeln und Nachkommen waren bekannte Persönlichkeiten wie Nazım Hikmet (Dichter), Ali Fuat Cebesoy (General und Minister) und Oktay Rifat (Schriftsteller).

Literatur[Bearbeiten]

  • Joseph Risse: Mehemed Ali Pascha. In: Historische Kommission für die Provinz Sachsen und für Anhalt (Hrsg.): Mitteldeutsche Lebensbilder, 3. Band: Lebensbilder des 18. und 19. Jahrhunderts. Selbstverlag, Magdeburg 1928, S. 469–480.
  • Theodor Heuss: Mehemed Ali. In: ders.: Schattenbeschwörung. Randfiguren der deutschen Geschichte. Wunderlich, Stuttgart/Tübingen 1947, Neuausgabe: Klöpfer & Meyer, Tübingen 1999, ISBN 3-931402-52-5
  • Johann Albrecht Freiherr von Reiswitz: Detroit, Ludwig Carl Friedrich. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 3, Duncker & Humblot, Berlin 1957, ISBN 3-428-00184-2, S. 620 (Digitalisat).

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Mehmed Ali Pasha – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. http://www.angelfire.com/wy/yaw/Meshurlar/Ran/ran.html (türkisch)
  2. http://en.wikisource.org/wiki/The_New_International_Encyclop%C3%A6dia/Mehemet_Ali_Pasha (englisch)
  3. http://www.angelfire.com/wy/yaw/Meshurlar/Ran/ran.html (türkisch)