Mein Schiff 1

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Mein Schiff 1
Die Mein Schiff verlässt Hamburg

Die Mein Schiff verlässt Hamburg

p1
Schiffsdaten
Flagge MaltaMalta (Handels- und Dienstflagge zur See) Malta
andere Schiffsnamen
  • Galaxy (1996–2008)
  • Celebrity Galaxy (2008–2009)
  • Mein Schiff (2009–Nov. 2010)
Schiffstyp Passagierschiff
Klasse Century-Klasse (2009 umgebaut)
Rufzeichen 9HJH9
Heimathafen Monrovia, LiberiaLiberia Liberia (1996–2002)
Nassau, BahamasBahamas Bahamas (2002–2008)
Valletta, MaltaMalta Malta
(seit 2008)
Eigner Celebrity Cruises Inc. (1996–2009)
Mein Schiff Ltd. (seit 2009)[1]
Reederei Celebrity Cruises Inc. (1996–2009)
TUI Cruises GmbH (seit 2009)[1]
Bauwerft Meyer Werft GmbH, Papenburg
Baukosten ca. 320 Mio. US-$
Kiellegung 25. Mai 1995
Übernahme 10. Oktober 1996
Indienststellung 21. Dezember 1996
Schiffsmaße und Besatzung
Länge
263,90 m (Lüa)
Breite 32,20 m
Tiefgang max. 7,70 m
Vermessung 76.998 BRZ
 
Besatzung 780
Maschine
Maschine dieselmechanisch
2 × Dieselmotor (MAN B&W 9L48/60B), je 10.800 kW[2]
Dieselmotor (MAN B&W 6L48/60B), je 7.200 kW[2]
Maschinen-
leistungVorlage:Infobox Schiff/Wartung/Leistungsformat
36.000 kW (48.946 PS)
Geschwindigkeit max. 21,5 kn (40 km/h)
Propeller 2 × 4-Blatt-Verstellpropeller
Wohneinrichtungen
Decks:

13, davon 10 Passagierdecks

Passagiere:

1.924

Raumverhältnis:

40,0 BRZ/Passagier

Sonstiges
Klassifizierungen

Lloyd’s Register of Shipping

Registrier-
nummern

IMO-Nr. 9106297

Die Mein Schiff 1 ist das erste Kreuzfahrtschiff der Reederei TUI Cruises. Übernommen wurde es von der Celebrity Cruises, die es 2009 außer Dienst gestellt hatte. TUI Cruises ließ das Schiff bei der Lloyd Werft Bremerhaven renovieren und umlackieren. Es entspricht dem Panamax-Formfaktor und wurde mit 76.998 BRZ vermessen.

Geschichte[Bearbeiten]

Bau und Indienststellung[Bearbeiten]

Die Galaxy am Ausrüstungskai der Meyer Werft in Papenburg (1996)

Mein Schiff 1 wurde am 25. Mai 1995 mit der Baunummer 638 als Galaxy bei der Meyer Werft in Papenburg als zweites Schiff der Century-Klasse auf Kiel gelegt. Im Vergleich zum Typschiff Century wurde der Rumpf jedoch um etwa 15 Meter verlängert. Nach der Fertigstellung wurde das Schiff am 10. Oktober 1996 an Celebrity Cruises übergeben, die zu jener Zeit eine Tochtergesellschaft der traditionsreichen griechischen Reederei Chandris war. Unter dem Namen Galaxy begann das Schiff seinen Dienst am 21. Dezember 1996 mit Kreuzfahrten von Florida in die Karibik. Es hatte zu diesem Zeitpunkt 13 Decks, 974 Passagierkabinen, vier Restaurants und sechs Bistros. Den Passagieren standen zehn Bars, zwei Lounges und 11.991 m² Sonnendeck zur Verfügung. Zur Führung und Wartung des Schiffes und zur Betreuung der Gäste befanden sich insgesamt 780 Besatzungsmitglieder an Bord.

Verkauf an TUI Cruises und Renovierung[Bearbeiten]

Im April 2008 gab die Royal Caribbean Cruises Ltd., Muttergesellschaft der Celebrity Cruises, bekannt, dass das inzwischen in Celebrity Galaxy umbenannte Schiff im März 2009 seinen Dienst für die Reederei beenden und anschließend an TUI Cruises, ein 50:50-Joint-Venture von TUI AG und Royal Caribbean Cruise Line verkauft wird. Die eigentliche Übergabe erfolgte am 18. März 2009 in San Juan (Puerto Rico). Über den Kaufpreis war Stillschweigen vereinbart worden.[3]

An der Pier in Puerto Del Rosario, Fuerteventura (2010), der nachträglich angebrachte „Ducktail“ mit dem Schriftzug des Namens ist gut erkennbar

Das Schiff wurde unter der Flagge Maltas nach Bremerhaven überführt und in nur 38 Tagen im Trockendock der Lloyd Werft Bremerhaven für 50 Millionen Euro umgebaut.[4] Das Interieur, einst auf den amerikanischen Geschmack abgestimmt, wurde weitgehend ausgetauscht und an den europäischen Markt angepasst. Um den engen Zeitplan zu bewerkstelligen, wurden bereits bei der Überführung nach Deutschland überflüssige Wände und Einbauten entfernt. In Bremerhaven wurden dann unter anderem 200 Balkone angebaut und 202 verlängert und in Veranden umgewandelt. Wegen des zusätzlichen Gewichts musste die Struktur teilweise angepasst und zum Ausgleich ein ca. 380 Tonnen schwerer Stahlunterbau – ein sogenannter Ducktail – im Heckbereich eingezogen werden. Die Fläche des Spa-Bereichs wurde verdoppelt; Restaurants und Bar-Bereiche wurden erweitert und erneuert.

Nach dem Umbau wurde die Galaxy in Mein Schiff umbenannt. Der Name ging als Sieger aus einem Wettbewerb hervor, den TUI Cruises in Kooperation mit der Illustrierten Bunte durchgeführt hatte. Das Schiff wurde unter maltesischer Flagge in Fahrt gebracht. Bordsprache ist Deutsch. Die erneute Taufe fand -auf plattdeutsch- durch Ina Müller am 15. Mai 2009 im Hamburger Hafen vor der Fischauktionshalle statt.[5]

Nach dem Umbau nahm die Mein Schiff 1 mit einer Ostsee-Kreuzfahrt am 23. Mai 2009 den Fahrtbetrieb wieder auf. Am 11. September 2009 brach sie zur ersten regulären Kreuzfahrt von Hamburg entlang der westeuropäischen Küste in das Mittelmeer auf.

Mein Schiff in St. George’s auf Grenada am Cruise Terminal vor der Stadt (29. November 2009)

Einsatz[Bearbeiten]

In den Sommermonaten 2009 und 2010 fuhr die Mein Schiff 1 von Kiel aus in Richtung Nordeuropa, wobei Häfen in der Ostsee und in Norwegen angelaufen wurden. Den Herbst verbrachte das Schiff im Mittelmeer, und zum Jahreswechsel 2009/2010 befuhr sie die Karibik, zwischen 2010 und 2011 die Kanaren. Zwischen Frühjahr und Herbst 2011 und 2012 fuhr sie ab Valletta ins westliche und östliche Mittelmeer, zwischen Dezember 2012 und März 2013 wird wieder die Karibik befahren. Im Sommer 2013 ist Kiel der Basishafen für Kreuzfahrten nach Norwegen und ins Baltikum, ab Hamburg werden die britischen Inseln befahren. Nach der Mittelmeersaison im Herbst geht es wieder zu den Kanaren.

Zwischenfälle[Bearbeiten]

Zwischenfall 2014[Bearbeiten]

Am 12. Oktober 2014 um 21:00 Uhr kam es in der Müllverbrennungsanlage auf Deck 3 zum Ausbruch eines Brandes, als sich das Schiff zwischen Barcelona und Palma de Mallorca befand. Das Schiff befand sich auf der Rückreise einer 11-tägigen Mittelmeerkreuzfahrt. Der Brand konnte jedoch sehr schnell gelöscht werden. Es wurde niemand verletzt.[6][7]

Maschinenanlage und Antrieb[Bearbeiten]

Die Mein Schiff 1 ist mit einer konventionell aufgebauten dieselmechanischen Antriebsanlage ausgerüstet. Diese besteht aus zwei Motorengruppen, die aus jeweils einem Sechszylinder- und einem Neunzylinder-Viertakt-Dieselmotor des Typs MAN 48/60B bestehen. Diese drehen mit 500/min und sind paarweise über Kupplungen der Bauart „Vulkan-Rato“ mit einem von Renk hergestellten Stirnradgetriebe verbunden. Jede Antriebsgruppe wirkt über eine Propellerwelle (Durchmesser: 614 mm) auf einen Vier-Blatt-Verstellpropeller mit einem Durchmesser von 5,80 m. Um Vibrationen und Geräusche zu minimieren, sind Motoren und Getriebe schwimmend gelagert. Abhängig von den jeweiligen Anforderungen (Geschwindigkeit, Wetterbedingungen) kann das Schiff in verschiedenen Antriebskonfigurationen betrieben werden.

Die Steuerung des Schiffes erfolgt über zwei Aktivruder. Als Manövrierhilfe sind im Bug drei und im Heck zwei Querstrahlanlagen installiert. Jede Anlage hat eine Leistung von 1.400 kW (ca. 1.900 PS). Zusammen mit den über Joysticks ansteuerbaren Aktivrudern kann die Mein Schiff 1 auch ohne Schlepperunterstützung bequem manövriert werden. Um Rollbewegungen zu dämpfen, verfügt das Schiff über ein Paar Blohm & Voss-Stabilisatoren. Jede Flosse ist rund 6 m lang und hat eine wirksame Fläche von 15 m².

Der durchschnittliche Treibstoffverbrauch bei normaler Fahrt (15 kn) beträgt ca. 60 t/d, bei Höchstgeschwindigkeit ca. 140 t/d. Die Betankung erfolgt im Hafen über kleinere längsseits anlegende Tankschiffe. Das Schiff hat eine Masse von 9.900 Tonnen, 7.700 Tonnen davon liegen unter der Wasserlinie.

Die Stromversorgung der Mein Schiff 1 erfolgt im Normalbetrieb über vier separate Generatoren, die von 6-Zylinder-Dieselmotoren des Typs MAN 40/54 mit einer Leistung von je 4.320 kW (ca. 5875 PS) angetrieben werden. Bei Nichtverfügbarkeit der Dieselaggregate kann über zwei Wellengeneratoren, die an den Hauptgetrieben angeflanscht sind, eine elektrische Leistung von je ca. 5.200 kVA bereitgestellt werden.

Der Strombedarf des Schiffs beträgt bei Temperaturen um die 20 °C ca. 6.000 kVA. Bei höheren Außentemperaturen kann der Bedarf aufgrund der höheren Auslastung der Klimaanlage auf bis zu ca. 12.000 kVA ansteigen.

Kabinen und Bordeinrichtungen[Bearbeiten]

Blick auf Pool- und Sonnendeck (2010)

Die Mein Schiff 1 verfügt auf sechs Decks über 307 Innen- und 655 Außenkabinen, von denen 430 einen Balkon haben. Die Bandbreite reicht hier von 16 m² großen Innenkabinen bis zu Suiten mit 49 m² mit zusätzlicher Veranda von 24 m².

Das Schiff hat 13 Decks, von denen die oberen zehn den Passagieren zugänglich sind. Es verfügt unter anderem über vier Restaurants, sechs Bistros sowie 13 Bars und Lounges verschiedener Ausrichtung mit einer Gesamtfläche von 4.743 m². Das Sonnendeck hat eine Grundfläche von rund 12.000 m², das Pooldeck 2200 m².

Verschiedene Sport-, Sonnen- und Entspannungsbereiche, sowie Spa- und Wellnessbereich mit finnischer Sauna für 54 Personen und Hamam von 1.700 m² sollen das Angebot vervollkommnen, welches Indoor-Cycling und Kardiotraining anbietet. Im Außenbereich finden sich ein Golfsimulator, ein Basketballfeld und ein Joggingpfad.[8] Außer den Unterhaltungs-, Spiel- und einer Reihe von Informationsangeboten verfügt das Schiff über alle üblichen Einrichtungen wie einem Hospital oder Einkaufsmöglichkeiten. Dazu gehören auch Bibliothek, Theater, Internetterminals, Kolleg und Konferenzraum.[9]

Trivia[Bearbeiten]

Mein Schiff 1 im Hamburger Hafen
  • Im Rahmen der Kochsendung Die Küchenschlacht drehte das ZDF vom 20. bis 30. September 2009 insgesamt zehn Folgen der Sendung auf dem Schiff.
  • Der Musiker Udo Lindenberg nutzt die Mein Schiff 1 an unterschiedlichen Terminen als Veranstaltungsort für Rockkonzerte im Rahmen einer Kreuzfahrt. Für die Idee des Rock-Liners wurde Lindenberg mit dem Sonderpreis des Kreuzfahrt-Guide-Award ausgezeichnet.[10]
  • Das Team des Wacken Open Airs veranstaltet an Bord die Heavy Metal-Festivalreihe Full Metal Cruise. Die erste Veranstaltung dieser Art fand 2013 auf der Nordsee statt.[11]
  • Im Jahr 2010 war die Mein Schiff 1 Drehort einer Folge der ZDF-Serie Der Landarzt.[12]
  • Eine Pilotfolge der als Serie konzipierten ARD-Show Das Hochzeitsschiff wurde im April 2010 auf der Mein Schiff 1 gedreht (Produktion: hr); weitere Sendungen wurden jedoch nicht produziert.[13][14]
  • Da das Schiff unter maltesischer Flagge fährt, ist der Kapitän befugt, rechtsgültige Trauungen zu schließen. Bis zum Dezember 2010 fanden an Bord fast 50 Zeremonien statt.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Oliver P. Mueller: Erfolgreich in 38 Tagen – Lloyd Werft baut im Joint Venture die »Mein Schiff«. In: Hansa, Heft 6/2009, ISSN 0017-7504, S. 28–30.
  • Douglas Ward: Complete Guide to Cruising & Cruise Ships 2006. Berlitz Publishing, London 2006, ISBN 3-493-60252-9.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: IMO 9106297 – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Technische und administrative Details zur Galaxy, abgerufen 10. Januar 2010
  2. a b Horst W. Koehler: The New MAN B&W 48/60B Engine – The Allure of Power. MAN B&W-Dokumentation, MAN B&W Diesel
  3. Bericht über die Übergabe der Celebrity Galaxy an TUI Cruises, abgerufen 16. April 2010
  4. Klar Schiff. Lifting eines Luxusliners. In: SPIEGEL Online, abgerufen 3. Juli 2009
  5. „Mein Schiff“ – Taufparty auf der Elbe: Mit Madeleine Wehle, Susanne Stichler und Ludger Abeln. NDR Fernsehen (abgerufen 3. Juli 2009)
  6. Die Müllverbrennungsanlage brannte auf der Mein Schiff 1. 13. Oktober 2014, abgerufen am 19. Oktober 2014.
  7. Feuer an Bord löst Einsatz auf Kreuzfahrt nach Mallorca aus. 13. Oktober 2014, abgerufen am 19. Oktober 2014.
  8. Deckgrundrisse
  9. Pressemappe TUI Cruises. (PDF) abgerufen 3. März 2010
  10. Kreuzfahrtpreis: Sechs ‚Schiffe des Jahres‘ geehrt auf udo-lindenberg.de
  11. Full Metal Cruise - Heavy Metal auf hoher See
  12. „Landarzt“ macht eine Seereise. In: Kieler Nachrichten, 30. Mai 2010.
  13. Das Debakel mit dem ARD-Hochzeitsschiff. In: Der Westen (WAZ), 4. Februar 2011.
  14. Heiraten an Bord – Komparsen gesucht! In: Stuttgarter Zeitung, 8. März 2010.