Meir Kahane

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Meir Kahane (hebräisch ‏מאיר כהנא‎; * 1. August 1932 in Brooklyn als Martin David Kahane; † 5. November 1990 in Manhattan) war ein orthodoxer Rabbiner, israelischer Politiker und Gründer der Jewish Defense League, sowie der Kach-Bewegung. Dabei vertrat er eine eigene Richtung des radikalen Zionismus, die als Kahanismus bezeichnet wird. Seine erklärten Ziele waren die Beseitigung der liberalen Demokratie in Israel zugunsten einer jüdischen Theokratie, die Vertreibung der Nichtjuden aus Israel und den besetzten Gebieten und die Errichtung von Großisrael.[1][2] In den Augen demokratischer Israelis war er der Vorkämpfer eines jüdischen Rassismus.

Früher Werdegang[Bearbeiten]

Schon der Vater von Meir Kahane, Charles Kahane, war Rabbiner und ein radikaler Zionist gewesen. Er galt als amerikanischer Unterstützer der Irgun, einer Untergrundorganisation, die im Palästina vor der israelischen Staatsgründung Terroranschläge gegen die britische Besatzung, sowie gegen die arabische Zivilbevölkerung verübte.[3] Den Sohn schickte der Vater in die von Wladimir Zeev Jabotinsky gegründete Betar-Jugend. Sein dortiger Jugendführer war der spätere israelische Verteidigungsminister Mosche Arens. Da die Betar-Jugend dem jungen Kahane jedoch noch nicht radikal genug war, trat er 1952 den Bne Akiwa bei.[4] Laut seiner Frau Libby soll Kahane in seiner Jugendzeit ein guter Schüler und Sportler gewesen sein.[3] Ein großes Hobby von ihm war Baseball.[5] Laut Kahanes Angaben gab es in seiner Nachbarschaft nur wenige Juden und er musste oft mit nichtjüdischen Jungs kämpfen.[5] Dadurch habe er sich mit diesen angefreundet und fing an, mit ihnen gemeinsam Bier zu trinken.[5]

Als Erwachsener ließ sich Kahane zum Rabbiner ordinieren und nahm den Vornamen Meir (hebr.: „Der Erleuchtete“) an. 1956 heiratete er Libby, mit der er vier Kinder hatte.[3] 1958 wurde er der Rabbiner des Howard Beach Jewish Centers in Queens. Die Gemeinde galt als weniger strikt orthodox. Anfänglich gelang es ihm dort viele der jungen Gemeinde-Mitglieder davon zu überzeugen, eine orthodoxere Lebensweise zu führen. Als er die Mechiza - die Trennung von Männern und Frauen in der Synagoge - einführen wollte, stieß er jedoch auf Widerstand. Sein Vertrag wurde nicht erneuert und so veröffentlichte er den Artikel „End of The Miracle of Howard Beach“ in der Jewish Press. Dies war sein erster Artikel in dieser Zeitung und er schrieb für sie bis zu seinem Tod 1990.[6]

Von Ende der 50er bis Anfang der 60er Jahre war Kahane als FBI-Informant tätig. Als dieser unterwanderte er zeitweise die John Birch Society.[3] Er operierte zu dieser Zeit unter dem Decknamen Michael King und gab sich als Christ aus.[4]

Jewish Defense League[Bearbeiten]

Hauptartikel: Jewish Defense League

In den USA gründete Kahane 1968 die Jewish Defense League. Die JDL war eine paramilitärische Organisation, die sich primär gegen schwarzamerikanische Gangs richtete, die laut Kahanes damaliger Begründung die Juden bedrängten und antisemitisch seien. Angriffsziel der JDL waren auch Repräsentanten der Sowjetunion, um für die Auswanderungsfreiheit der russischen Juden zu protestieren.[4] 1971 ging Kahane nach Israel.[7]

Kach und Kahane Chai[Bearbeiten]

Hauptartikel: Kach und Kahane Chai

In Israel gründete Kahane 1971 die Kach-Partei. Zu den politischen Inhalten gehörten unter anderem die Forderung nach Errichtung von Großisrael und eine 5-jährige Gefängnisstrafe für Juden und Palästinenser, falls diese in einem Liebesverhältnis zueinander stehen. 1980 wurde Kahane zu sechs Monaten Haft in Israel verurteilt, weil er in einen Plan verwickelt war, der einen provokativen Sabotageakt auf dem Tempelberg in Ostjerusalem beinhaltete.[2]

1984 erreichte die Kach-Partei einen Sitz im israelischen Parlament (Knesset). Beliebt war Kach vor allem unter jungen israelischen Wählern. Kahane veranstaltete damals eine in Israel aufsehenerregende Siegesfeier in Jerusalem, bei der ein arabischer Markt und Passanten überfallen wurden.[2] Kahane wurde Mitglied der Knesset und erklärte, keine Regierung zu unterstützen, welche nicht befürworte, die Araber zu vertreiben. 1988 wurde seine Wahlliste wegen Verstößen gegen das neu erlassene Wahlgesetz ("Aufstacheln zum Rassismus") nicht mehr zugelassen.[8]

Siehe auch: Kahanismus

Ansichten über den Islam[Bearbeiten]

Kahanes Anhänger sind heute, aufgrund des Nahostkonflikts, häufig islamfeindlich eingestellt. Kahane selbst behauptete allerdings, dass der Islam und Ruhollah Chomeini der jüdischen Religion in bestimmten Hinsichten viel ähnlicher sind, als Philosophen oder Politiker der Aufklärung, wie Jean-Jacques Rousseau, John Locke oder Thomas Jefferson.[5] Liberalismus und westliche Werte lehnte Kahane als nichtjüdisch ab.[5]

Tod[Bearbeiten]

Kahane kam 1990 bei einem Attentat in Manhattan ums Leben.[9][10][11] Der Hauptverdächtige, El Sayyid Nosair, wurde nach einem Schusswechsel mit der Polizei festgenommen, später aber vom Vorwurf des Mordes freigesprochen.[12] Nosair war auch in den Bombenanschlag auf das World Trade Center 1993 involviert.[13]

Kahanes Sohn Binyamin Ze'ev Kahane wurde 2000 ebenfalls bei einem Attentat ermordet.

Zitate[Bearbeiten]

„In erster Linie sind es nicht Anstand und Güte, die den Nahen Osten beeindrucken, sondern Stärke.“[14]
„Every Jew a Twenty-Two[15]
„Es ist besser ein Israel zu haben, das von der ganzen Welt gehasst wird, als ein Auschwitz, das von ihr geliebt wird.“[16]
„Eines der Probleme der Juden ist, dass sie ein jüdisches Konzept nicht kennen würden, wenn sie nicht darüber stolperten. Ich berief mich wirklich auf den Talmud. Die meisten Juden denken, dass Judentum 'Thomas Jefferson' ist. Das ist nicht so!“[17]

Schriften[Bearbeiten]

  • The Jewish Stake in Vietnam (1968)
  • The Story of the Jewish Defense League (1975)
  • They Must Go (1981)
  • Uncomfortable Questions for Comfortable Jews (1987)
  • Israel: Referendum or Revolution (1990)

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Meir Kahane: Uncomfortable Questions for Comfortable Jews, Lyle Stuart 1987, Part II: A Jewish State Versus Western Democracy; Part IV: Judaism Versus Western Democracy.
  2. a b c Kach and Meir Kahane: The Emergence of Jewish Quasi-Fascism by Ehud Sprinzak, published by The American Jewish Committee.
  3. a b c d [1] Haaretz. Carrying a torch
  4. a b c Uri Avnery: Meir Kahane – ein jüdischer Nazi. auf: Spiegel online.
  5. a b c d e Philippe Simonnot, Raphael Mergui: Israel's Ayatollahs: Meir Kahane and and the Far Right in Israel. Saqi Books, London 1987, ISBN 0-86356-142-X, S. 40-78.
  6. [2] Jewish Action Online
  7. Victor und Victoria Trimondi: Krieg der Religionen. 2006, S. 270.
  8. Angaben zu Katach vom israelischen Außenministerium, 1994
  9. Mark Juergensmeyer: Terror in the Mind of God. University of California Press, 2003., S 59.
  10. Samuel M. Katz: Relentless Pursuit: The DSS and the manhunt for the al-Qaeda terrorists. 2002.
  11. Mark S. Hamm: Terrorism as Crime: From Oklahoma City to Al-Qaeda and Beyond. NYU Press, 2007, S. 29.
  12. Jury Selection Seen As Crucial to Verdict
  13. Brian Jenkins: Sheik, others convicted in New York. auf: cnn.com, 1. Oktober 1995.
  14. [3] Meir Kahane Quotes
  15. [4] Rabbi Meir Kahane
  16. [5] Rabbi Meir Kahane Confronts Protesters At Speech in Minnesota
  17. [6] Kahane chats with Mike Wallace

Literatur[Bearbeiten]

  • Karen Armstrong: Im Kampf für Gott. Fundamentalismus im Christentum, Judentum und Islam. München 2000, ISBN 3-88680-769-X, S. 485ff.
  • Rafael Mergui, Philippe Simmonnot: Israel´s Ajatollahs. Meir Kahane and the Far Right in Israel. Saqi Books, London 1978, S. 45. (1987, ISBN 0-86356-142-X)

Weblinks[Bearbeiten]