Meister der Karlsruher Passion

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Meister der Karlsruher Passion (Hans Hirtz?): Entkleidung Christi (aus der Karlsruher Passion), um 1440

Als Meister der Karlsruher Passion wird ein spätgotischer Maler am Oberrhein bezeichnet, der um 1450 einen Passionsaltar malte. Das wahrscheinlich für die Straßburger Thomaskirche bestimmte Werk und sein Meister hatten maßgeblichen Einfluss auf die Entwicklung der Malerei der Region. Eventuell ist er identisch mit dem Straßburger Maler Hans Hirtz.

Namensgebung[Bearbeiten]

Der Passionsaltar des Meisters der Karlsruher Passion wurde nach der Reformation aufgeteilt und zerstreut. Der Notname des namentlich nicht sicher bekannten Künstlers weist auf den heutigen Aufbewahrungsort von sechs wiedergefundenen Tafeln hin, die sich in der Staatlichen Kunsthalle in Karlsruhe befinden. Das nun als Bilderzyklus ausgestellte Werk gilt als ein Hauptwerk der gotischen Tafelmalerei seiner Zeit.

Seit 1858 wurden nach und nach die meisten verstreuten Teile wieder in Karlsruhe zusammengeführt, zuletzt wurde eine Tafel 1999 erworben. Eine Ausnahme ist eine Szene der Geißelung, die sich im Kölner Wallraf-Richartz-Museum befindet.

Hans Hirtz?[Bearbeiten]

Es wird vermutet, dass der in Straßburg vor 1460 nachweisbare Maler Hans Hirtz der Meister der heute auch als Karlsruher Passion bekannten Bilderfolge ist.

Die Karlsruher Passion[Bearbeiten]

Die erhaltenen sieben Tafeln der Karlsruher Passion stellen die folgenden Szenen des Leidens Christi dar.

  • Gebet am Ölberg
  • Gefangennahme
  • Geißelung
  • Dornenkrönung
  • Kreuztragung
  • Entkleidung
  • Kreuzigung

Über die ursprüngliche Zusammenstellung der jeweils um 46 Zentimeter breiten und um 67 Zentimeter hohen Bilder kann heute nur noch spekuliert werden.

Die Erzählsprache des Meisters[Bearbeiten]

Seine Bilder zeigen die besondere Bild- und Symbolsprache des Meisters der Karlsruher Passion. Er bezieht auch Personen niedrigerer sozialer Stellung in das Hauptgeschehen mit ein und will das Geschehen bewegend erzählend darstellen[1]. So will der Meister beispielsweise durch detaillierte und lebensnahe Darstellung des Leidens Christi und der Marterwerkzeuge auch den Betrachter in das Bild ziehen. Andächtige Auslegung der Passionstexte im Bildwerk des Meisters erinnert an Ziele der Devotio moderna, eine religiöse christliche Bewegung des späten Mittelalters, die neben Hinweis auf selbständiges Textstudium auch eine persönliche Beziehung zu Gott herstellen wollte[2].

Kunsthistorische Bedeutung[Bearbeiten]

Die erzählerischen Qualitäten der Karlsruher Passion sind neu in der Kunst am Oberrhein. Die Arbeitsweise des Meisters der Karlsruher Passion scheint sich in einigen Werken der ihm nachfolgenden Malergeneration wiederzufinden. Dies unterstreicht die Bedeutung der Karlsruher Passion für die kunsthistorische Betrachtung der Kunst am Oberrhein. Dem Meister kommt so eine wichtige Rolle in der Entwicklung der Malerei der Region zu. Stilistisch kann eine Ähnlichkeit des Faltenwurfs der beim Meister der Karlsruher Passion dargestellten Kleidung mit den typischen Bildern des Meisters der Gewandstudien gesehen werden. Der Einfluss auf diesen von ca. 1485 bis ca. 1500 am Oberrhein und auch in Straßburg tätigen Maler könnte ein Beispiel des Einflusses des Passionsaltars sein[3].

Weitere Werke[Bearbeiten]

Eventuell war der Meister der Karlsruher Passion auch der Schöpfer von Wandgemälden in der ehemaligen Dominikanerkirche in Straßburg, von denen nur noch eine kolorierte Zeichnung und eine Radierung aus dem 17. Jahrhundert überliefert sind.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. vgl. dazu insb. R. Suckale: Süddeutsche szenische Tafelbilder um 1420 – 1450, Erzählung im Spannungsfeld zwischen Kult- und Andachtsbild. In: W. Harms (Hrsg.): Text und Bild, Bild und Text. DFG-Symposion 1988. Stuttgart 1990
  2. vgl. S. Tammen: Gewalt in der Kunst des Mittelalters: Ikonographien, Wahrnehmungen, Ästhetisierungen. In: C. Herberichs, M. Braun: Gewalt im Mittelalte. München 2005, S. 309
  3. vgl. z. B. auch M. Roth: Strassburger Zeichnungen in der Nachfolge der Karlsruher Passion. In: D. Lüdke et. al.: Die Karlsruher Passion: ein Hauptwerk Straßburger Malerei der Spätgotik. Ostfildern 1996

Literatur[Bearbeiten]

  • L. Fischel: Die Karlsruher Passion und ihr Meister. Karlsruhe 1952
  • F. Blasius: Bildprogramm und Realität. Untersuchungen zur oberrheinischen Malerei um die Mitte des 15. Jahrhunderts am Beispiel der Karlsruher Passion. Frankfurt 1986 (Dissertation)
  • D. Lüdke, Staatliche Kunsthalle Karlsruhe (Hrsg.): Die Karlsruher Passion: ein Hauptwerk Straßburger Malerei der Spätgotik', (Katalog zur Ausstellung Die Karlsruher Passion, Staatliche Kunsthalle Karlsruhe 1996). Ostfildern 1996
  • W. Franzen: Die Karlsruher Passion und das „Erzählen in Bildern“. Studien zur süddeutschen Tafelmalerei des 15. Jahrhunderts. Berlin 2002 (Dissertation)

Weblinks[Bearbeiten]