Meknès

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Meknès
مكناس
ⵎⴽⵏⴰⵙ
Wappen von Meknès
Meknès (Marokko)
Meknès
Meknès
Basisdaten
Staat: Marokko
Region: Meknès-Tafilalet
Provinz: Meknès (Provinz)
Koordinaten 33° 53′ N, 5° 33′ W33.883333333333-5.55552Koordinaten: 33° 53′ N, 5° 33′ W
Einwohner: 596.108 (2010)
Höhe: 552 m

Meknès (arabisch ‏مكناس‎, DMG Miknās, Tamazight: ⵎⴽⵏⴰⵙ) ist eine Stadt im nördlichen Marokko mit rund 600.000 Einwohnern. Die Hauptstadt der Region Meknès-Tafilalet liegt am Fuße des Mittleren Atlasgebirges. Ihr Name leitet sich vom Berberstamm der Miknasa ab, der den Ort ursprünglich besiedelte. Die gesamte Altstadt von Meknès wurde von der UNESCO im Jahr 1996 in ihre Liste des Weltkulturerbe aufgenommen.[1]

Lage[Bearbeiten]

Die Stadt liegt etwa 550 Meter über dem Meeresspiegel in einer fruchtbaren Ebene zwischen dem Zerhoun-Massiv im Norden und dem Mittleren Atlas im Süden. Die Stadt Fès ist etwa 60 km (Fahrtstrecke) in nordöstlicher Richtung entfernt, die marokkanische Hauptstadt Rabat befindet sich etwa 152 km westlich. Mitten durch die Stadt verläuft das Wadi Bou Sekrane.

Bevölkerung[Bearbeiten]

Ursprünglich lebte in der Gegend der Berberstamm der Meknassa, der im 9. oder 10. Jahrhundert aus dem heutigen Tunesien einwanderte. Doch durch die Aktivitäten Moulay Ismails und später der Franzosen kamen auch viele arabisch-stämmige Bewohner hinzu. Seit den 1970er Jahren haben sich erneut viele Berberfamilien aus allen Teilen Marokkos hier angesiedelt. Man spricht heute generell Marokkanisch-Arabisch.

Wirtschaft[Bearbeiten]

Die Lage der Stadt in einem der landwirtschaftlich ertragreichsten Gebiete Marokkos macht die Stadt zu einem wichtigen Umschlagplatz für landwirtschaftliche Produkte (Getreide, Obst und Gemüse) und zu einem regionalen Zentrum für Handel und Handwerk. Die Nationale Landwirtschaftsschule Marokkos hat hier ihren Sitz. In den vergangenen Jahrzehnten sind auch mittelständische Industrieunternehmen (Zementherstellung, Metallverarbeitung etc.) entstanden.

Geschichte[Bearbeiten]

Bab el Khemis

Die Almoraviden errichteten im 11. Jahrhundert eine Festung, die sich lange Zeit gegen die Einnahmeversuche der Almohaden wehrte, am Ende (1145) jedoch zerstört wurde. Eine neue Festungsanlage und mehrere Moscheen wurden in der Folge errichtet bis schließlich die Meriniden die Stadt einnahmen und mit neuen Bauten ausstatteten. Danach verfiel Meknès bis es schließlich der Alawidensultan Moulay Ismail (reg. 1672–1727) zur Hauptstadt erhob und in großem Umfang umgestaltete. Nach seinem Tod wurde die Hauptstadt des Landes allerdings wieder nach Fès verlegt. Neben Fès, Marrakesch und Rabat ist Meknès eine der vier Königsstädte Marokkos.

Meknès ist durch mehrere volksislamische Bruderschaften (Tariqas) bekannt geworden, zu denen die Isawiya (ʿĪsawīya) gehört, die auf den Schutzpatron der Stadt, den Heiligen Sīdi Muḥammad ibn ʿĪsā (1465–1523) zurückgeht. Weitere Sufi-Sekten mit ausgefallenen Ritualen sind die Hamadscha (Ḥamadša), in deren Glaubensvorstellungen das Geistwesen Aisha Qandisha eine zentrale Rolle spielt, die Dschilala (Jilala, Ǧilāla), Milyāna und die Gnawa. Zu den überregionalen Sufiorden gehören die Tiǧānīya und die Darqāwīya von ad-Darqāwī.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

  • Die Stadt teilt sich in zwei Hälften, die Medina im Westen und die unter französischer Herrschaft entstandene Ville nouvelle im Osten. Die natürliche Grenze zwischen beiden Stadtteilen bildet der Oued Bou Sekrane.
  • An der Place el Hedim, dem weiten Platz vor dem berühmten Stadttor Bab Mansour, befindet sich ein überdachter Markt für Lebensmittel. Die Souks von Meknès gehören zu den schönsten und ursprünglichsten des Landes.
  • Auch die anderen Stadttore aus der Zeit Moulay Ismails (Bab Berdayyin, Bab Khemis u. a.) gehören zu den imposantesten Anlagen ihrer Art in Marokko.
  • Der bedeutendste Bau der mittelalterlichen Medina (Altstadt) ist die Medersa Bou Inania aus der Zeit der Meriniden (14. Jahrhundert).
  • Prachtvoll ist auch das Mausoleum von Moulay Ismail mit angeschlossener Moschee, das von Mohammed V. restauriert wurde. Den weißen Sarkophag flankieren überraschenderweise zwei barocke Standuhren, die in dem orientalischen Dekor fremdartig anmuten. Sie waren ein Geschenk des französischen „Sonnenkönigs“ Ludwig XIV. an Moulay Ismail.
  • In der Nähe befindet sich das unterirdische ‚Christengefängnis‘.
  • Die riesigen Speicherbauten und Stallungen des Heri es-Souani sind ebenfalls sehenswert.
  • Im Februar 2010 stürzten nach tagelangen Regenfällen das Minarett und Teile des Daches der unter Sultan Moulay Ismail errichteten Bab-Berdieyenne-Moschee ein. Der vom König versprochene Wiederaufbau lässt noch auf sich warten.[2]
  • Im Westen außerhalb der Altstadt liegt am Eingang eines großen Friedhofs das verehrte Mausoleum (Qubba) des Sidi Mohammed ben Aïssâ, des Gründers der volksislamischen Aissaoua-Bruderschaft.
Umgebung

Ausflüge zu den Ruinen der etwa 25 km nördlich gelegenen römischen Stadt Volubilis und zum unmittelbar daneben liegenden Pilgerort Moulay Idris sind empfehlenswert.

Literatur[Bearbeiten]

  • Michael Dumper: Meknes. In: Michael R. T. Dumper, Bruce E. Stanley: Cities of the Middle East and North Africa: A Historical Encyclopedia. Santa Barbara 2007, ISBN 1-57607-919-8.
  • Arnold Betten: Marokko. Antike, Berbertraditionen und Islam – Geschichte, Kunst und Kultur im Maghreb. DuMont, Ostfildern 2012, S. 159ff, ISBN 978-3-7701-3935-4.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Meknes – Sammlung von Bildern, Videos und AudiodateienVorlage:Commonscat/Wartung/P 2 fehlt, P 1 ungleich Lemma

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Eintrag in der Welterbeliste der UNESCO auf Englisch und auf Französisch
  2. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatVorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatEinstürzendes Minarett begräbt Dutzende Menschen. In: Spiegel Online. 20. Februar 2010, abgerufen am 2. Dezember 2014.