Melchior de Polignac

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Dieser Artikel behandelt den Kardinal und Diplomaten; für den gleichnamigen Inhaber der Sektkellerei Pommery & Greno siehe Melchior de Polignac (Unternehmer)
Melchior de Polignac, Portrait von Rosalba Carriera, 1732

Melchior de Polignac (* 11. Oktober 1661 in Lavoûte-sur-Loire neben Le Puy-en-Velay, Velay (Haute-Loire); † 20. November 1741 in Paris) war ein französischer Kardinal, Diplomat und Dichter.

Leben[Bearbeiten]

Als jüngerer Sohn von Armand XVI., Marquis von Polignac in Le Puy-en-Velay geboren, entdeckte man bei ihm schon in früher Jugend die Neigung zur Diplomatie. Bei den Jesuiten erfolgte seine Ausbildung in Paris. An der Sorbonne promovierte er zum Doktor der Theologie.

1695 entsandte man ihn als Botschafter nach Polen, wo er die Pläne verfolgte François Louis de Bourbon, prince de Conti, als Nachfolger Jan Sobieskis 1697 zum polnischen König durch den Sejm wählen zu lassen. Am 27. Juni 1697 wurde Conti zum König von Polen gewählt, konnte sich aber gegen August den Starken nicht durchsetzen und kehrte nach Frankreich zurück. Der aus der Intrige resultierende Fehlschlag führte dazu, dass de Polignac vorübergehend bei Ludwig XIV. in Ungnade fiel, da eigentlich damit der Große Conti vom Versailler Hof entfernt werden sollte. Ludwig verbannte ihn daher als Kommendatarabt in die Abtei Bonport in der Normandie. Doch bereits 1702 empfing man Melchior de Polignac wieder in Gnaden in Versailles. Zehn Jahre später entsandte man ihn als Bevollmächtigten Ludwigs zum Kongress von Utrecht. Am 18. Mai 1712 erhob Clemens XI. Polignac zum Kardinal. 1724 übertrug man ihm die Titeldiakonie Santa Maria in Portico.

Während des Regentschaft des Herzogs Philippe II. Charles de Bourbon, duc d’Orléans über den noch unmündigen Urenkel des Sonnenkönigs, des späteren Ludwig XV., war de Polignac in die so genannte Verschwörung von Cellamare um den gleichnamigen spanischen Botschafter, Antonio Cellamare, und den Herzog von Maine gegen den Herzog von Orléans involviert, bei der es um die nach dem Testament einzufordernde gemeinsame Regentschaft beider Herzöge ging. Nach der Aufdeckung der Verschwörung durch Kardinal Dubois verbannte man de Polignac für drei Jahre nach Flandern.

1704 wählte man ihn in die Académie française, wo er einer der herausragenden Akteure war, die den Ausschluss des Abbé de Saint-Pierre betrieben. In der Folge wählte man ihn in die Akademie der Wissenschaften (1711) und die Akademie der Inschriften und der schönen Künste (1717).

Von 1725 bis 1732 amtierte er als Botschafter Frankreichs am Heiligen Stuhl in Rom, wo er als eifriger Mäzen der französischen Maler und Bildhauer wirkte. So förderte er unter anderem Lambert-Sigisbert Adam und dessen jüngeren Bruder. Für den Botschafter kopierten die Brüder einige antike Statuen und restaurierten weitere Exemplare. De Polignac weihte am 4. März 1731 die Kirche Santi Claudio e Andrea dei Borgognoni.

1726 erhielt de Polignac das Erzbistum Auch in der Gascogne.

Auch als Autor von mehr als 2000 Versen in lateinischer Sprache trat de Polignac in Erscheinung. Melchior de Polignac starb am 20. November 1741 in Paris.

Er hinterließ eine Widerlegung des Lukrez in metrischen Versen, die der Abbé de Rothelin drei Jahre nach seinem Tod als „Anti-Lucretius sive De Deo et Natura“ (Anti-Lukrez oder Über Gott und die Natur), publizierte. Bei den Zeitgenossen sehr populär wurden Polignacs Fähigkeiten selbst von Voltaire in typisch ambivalenter Weise gerühmt: „aussi bon poète latin qu’on peut l’être dans une langue morte; très éloquent dans la sienne; l’un de ceux qui ont prouvé qu’il est plus aisé de faire des vers latins que des vers français. Malheureusement pour lui, en combattant Lucrèce il combat Newton.“[1] Auch Goethe soll den Anti-Lukrez geschätzt haben.

1742 kaufte Friedrich II. die Antikensammlung des verstorbenen Kardinals auf, die mit ihren bedeutenden Stücken, unter anderem der Knöchelspielerin, einen der Grundstöcke der heutigen Antikensammlung Berlin bildete.

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Catalogue de la plupart des écrivains français qui ont paru dans le Siècle de Louis XIV, pour servir à l’histoire littéraire de ce temps, 1751