Melchsee-Frutt

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46.7755555555568.2694444444444Koordinaten: 46° 47′ N, 8° 16′ O; CH1903: 663452 / 180822

Melchsee-Frutt, Melchsee und Damm mit Überlauf
Der Melchsee ist ein Anglertreffpunkt
Melchsee-Frutt mit den Berggipfeln Murmelchopf, Chli Haupt und Brünig-Haupt im Hintergrund
Der gefrorene Melchsee mit Kapelle

Melchsee-Frutt (auch nur die Frutt oder nur Melchsee genannt) ist ein Sommer- und Wintersportort im schweizerischen Kanton Obwalden auf dem Gemeindegebiet von Kerns in der Zentralschweiz.

Lage[Bearbeiten]

Der Weiler Frutt liegt auf einer Höhe von 1'920 m ü. M. auf einer Hochalp am Melchsee. Das Hochplateau mit den beiden Seen Melchsee und Tannensee ist von Gebirgszügen umgeben, welche die Hochalp fast vollständig umrunden.

Melchsee-Frutt kann von dem Talort Stöckalp aus ganzjährig durch eine Gondelbahn und im Sommer über eine einspurige Strasse mit wechselweisem Verkehr erreicht werden. Eine Luftseilbahn führt weiter auf den 2'160 m hohen Bonistock.

Geologie[Bearbeiten]

Melchsee-Frutt liegt in einem 15 km² grossen Karstgebiet. Es gibt zahlreiche Höhlen, die grössten davon sind die Bettenhöhle mit einer Länge von 28'534 Metern, die Schrattenhöhle mit einer Länge von 19'645 Metern und das Stäubiloch.

Tourismus[Bearbeiten]

Melchsee-Frutt wird auch als generelle Bezeichnung für die ganze Tourismusregion verwendet, darin eingeschlossen sind die Stöckalp, der Bonistock, die Erzegg, das Balmeregghorn und die drei Seen Melchsee, Tannensee und Blausee. Im Sommer beliebt sind Wandern, Angeln, Biken, Paragliding und Klettern.

Mehrere Hotels, Berggasthöfe und Ferienwohnungen bieten Übernachtungsmöglichkeiten an. Die meisten Besucher sind Tagestouristen.

Skigebiet[Bearbeiten]

Das Skigebiet Melchsee-Frutt liegt auf einer Höhe von 1080 bis 2'255 m ü. M. und besteht aus insgesamt 32 km Pisten in den Schwierigkeiten blau, rot und schwarz. Insgesamt sind im Winter elf Bahnen und ein Fahrstuhl in Betrieb. Von der Talstation Stöckalp führt während der Wintersaison zusätzlich zu der Gondelbahn ein 2er-Sessellift bis nach Cheselen, ein weiterer 2er-Sessellift von dort bis zur Bettenalp. Von da aus bis zum Bonistock hinauf gibt es einen 4er-Sessellift. Vom Frutt-Dorf aus führt ein Seillift über den zugefrorenen See zum anderen Ufer. Dort gibt es einen Sessellift zum Erzegg und einen Schlepplift zum Balmeregg. Beim Erzegg ist ein Fun-Park eingerichtet und Nahe beim Dorf das Fruttli-Land Vogelbüel für Kinder. Zudem gibt es zwei Langlaufpisten von zwei bzw. dreizehn Kilometer, Winterwanderwege und Schneeschuhtrails. Ein acht Kilometer langer Schlittelweg führt über 800 Meter Höhendifferenz von der Frutt bis zur Talstation Stöckalp. Es ist damit einer der längsten Schlittelweg der Zentralschweiz.[1] Es kann auch nur der untere, vier Kilometer lange Teil ab Cheselen gewählt werden.

Auf dem zugefrorenen Melchsee wird Eisfischen angeboten.

Geschichte[Bearbeiten]

Gondelbahn nach Melchsee Frutt

Erschliessung mittels Seilbahn[Bearbeiten]

Im Jahr 1935 wurde das touristische Potential der Landschaft auf dem Hochplateau beim Weiler Frutt und um den Melchsee erkannt. Eine erste Seilbahn mit zwei vierplätzigen Kabinen liess Otto Reinhard, Besitzer des Hotels Reinhard, von der Stöckalp auf die Frutt erbauen. Davon profitierten neben Landwirtschaft und Alpbewirtschaftung auch die die Kurhäuser und Restaurants. Der Tourismus nahm zu, so dass bereits 1945 die zwei 4er-Kabinen durch zwei 8er-Kabinen ersetzt wurden. Diese Kapazitätssteigerung reichte gerade zehn Jahre. Die Korporation Kerns als Besitzerin der Seilbahn beauftragte die Firma Habegger AG 1956/1957 mit dem Bau einer neuen Luftseilbahn mit 2 Kabinen, welche je 33 Personen fassten und 156 Personen pro Stunde befördern konnten.

Durch die bessere Erschliessung wurden weitere Kreise angelockt und die Luftseilbahn stiess an ihre Kapazitätsgrenze. Bereits 1976 musste sie deshalb wieder ersetzt werden. Eine 4er-Gondelbahn konnte 750 Personen pro Stunde befördern. Dies entsprach einer Kapazitätssteigerung von rund 380 Prozent und ermöglichte den Tagestourismus im grossen Stil, vor allem im Winter. Im Jahr 2011 wurde ein 32 Meter hoher Vertikallift gebaut, der vom See auf die Höhe der Bergstation führt. Die 4er-Gondelbahn wurde 2012 durch eine Seilbahn mit 30 runden 15er-Kabinen (neun Sitz- und sechs Stehplätze) und einer Kapazität von 1325 Personen pro Stunde ersetzt. Die Fahrzeit wurde von ca. 20 Minuten auf 10.14 Minuten verkürzt.[2] Der Neubau hatte im August 2011 begonnen, am 15. Dezember 2012 wurde die Bahn eröffnet. Gleichzeitig wurde ein Parksystem eingeführt, mit dem die zuvor kostenlosen Parkplätze und die Plätze im neuen Parkhaus bewirtschaftet werden.

Hotellerie[Bearbeiten]

Das Bettenangebot von Kurhaus und Hotels erreichte um 1990 einen Höhepunkt von rund 500 Betten. Nach der Schliessung des Hotels Reinhard 1986 und dem Brand des Kurhauses Frutt im Januar 2004 sank die Zahl der Hotelbetten auf 278.

Informationstafel am Stäubiloch

Bereits 1888 wurde das Kurhaus Reinhard erbaut. In den darauffolgenden Jahren wurde das Hotel mit einer Aussichtsterrasse und einer Kegelbahn ergänzt. Der Hotelier Albert Reinhard-Bucher installierte 1904 in dem neben dem Hotel gelegenen Stäubiloch eine Turbinenanlage um die Wasserkraft zu nutzen. Das Stäubiloch war der natürliche Ablauf des Melchsees. Die Turbine war mit einem 200V-Gleichstromgenerator gekoppelt, der das Hotel Reinhard bis 1954 mit elektrischer Energie versorgte.[3] 1947 wurde das Hotel umgebaut und in den 1960er Jahren mit einem Eisfeld ergänzt, auf dem ab 1967 Curling angeboten wurde. Das Erstklasshotel mit 130 Betten schloss 1986, das Gebäude war seitdem ungenutzt.[4] Im Juli 2012 wurde der Bau abgebrochen. Auf dem Areal soll bis Ende 2014 ein Familienhotel mit 43 Ferienwohnungen und 35 Zimmern entstehen.[5]

Im Januar 2004 zerstörte ein Brand das Sporthotel Kurhaus Frutt vollständig. Da die Brandmeldeanlage nicht richtig funktionierte, wurde der Brand spät bemerkt. Zwei Hotelangestellte kamen ums Leben, vier weitere Personen wurden verletzt. Als Brandursache gilt Brandstiftung. Ein verdächtigter portugiesischer Küchengehilfe wurde 2007 mangels Beweisen vollumfänglich freigesprochen.[6] Der ehemalige Hoteldirektor und der ehemalige Geschäftsführer wurden jedoch wegen fahrlässiger einfacher Körperverletzung verurteilt[7], da sie für das fehlerhafte Funktionieren der Brandmeldeanlage verantwortlich waren. Im Mai 2008 wurde mit dem Wiederaufbau des Hotels mit dem neuen Namen «Frutt Lodge & Spa» nach Plänen des Büros Lussi+Halter begonnen.[8] Im Dezember 2011 wurde das Vier-Sterne-Hotel mit Spa-Bereich, zwei Restaurants und insgesamt 120 Betten in 58 Zimmern und 3 Suiten eröffnet.[9] Zusätzlich befinden sich 15 Eigentumswohnungen in dem Neubau.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Melchsee-Frutt – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Schlittelbahnen in der Schweiz – Sledge runs in Switzerland, abgerufen am 6. Januar 2014
  2. Die Pionierzeit geht weiter! (PDF; 1,69 MB), Broschüre zum Ersatzbau der Gondelbahn Stöckalp–Melchsee-Frutt, Kooperation Kerns, 2010, abgerufen am 16. Dezember 2012.
  3. Informationstafel am Stäubiloch, von Volker Lohmann und Martin Trüssel, siehe Foto „Informationstafel am Stäubiloch“
  4. Vorzeigehotel endet unschön, Artikel und Bilderserie der Neuen Obwaldner Zeitung vom 30. Juni 2012
  5. Auf der Frutt entsteht ein Familienhotel, Artikel der Neuen Obwaldner Zeitung vom 14. Juli 2012.
  6. Kein Schuldspruch wegen Brandstiftung Artikel der Neuen Obwaldner Zeitung vom 26. Februar 2008
  7. Bundesgericht bestätigt «Kurhaus»-Urteil Artikel der Neuen Obwaldner Zeitung vom 6. Oktober 2011
  8. Auf den Wettersegen von Petrus angewiesen Artikel der Neuen Obwaldner Zeitung vom 29. Juli 2008
  9. Angabe auf der Homepage des Hotels «Frutt Lodge & Spa», abgerufen am 23. Dezember 2011