Melioidose

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Klassifikation nach ICD-10
A24.1 Akute oder fulminante Melioidose
A24.2 Subakute oder chronische Melioidose
ICD-10 online (WHO-Version 2013)

Bei der Melioidose, auch als Pseudo-Rotz oder Whitmore’s Disease bezeichnet, handelt es sich um eine Infektionskrankheit, die durch den Erreger Burkholderia pseudomallei, ein gramnegatives Bodenbakterium, hervorgerufen wird. Die Infektion erfolgt durch erregerhaltigen Boden oder Wasser, die Erkrankung ist daher eine Geonose.

Verbreitung und Übertragung[Bearbeiten]

Der Erreger ist im Boden und Oberflächenwasser in den Endemiegebieten Südostasien und Nordaustralien weit verbreitet. Im australischen Bundesstaat Northern Territory erkrankte in der Regenzeit zu Beginn des Jahres 2010 eine ungewöhnlich hohe Zahl von 72 Menschen, von denen 10 starben.[1]

Obwohl durch den Reisetourismus immer wieder Erreger nach Mitteleuropa gelangen, konnte er sich bislang hier nicht dauerhaft etablieren, da er bei Temperaturen unter 11 °C inaktiviert wird. Allerdings werden in Norditalien regelmäßig positive Erregernachweise aus Trinkwasserbrunnen erbracht.[2]

Die Übertragung kann durch direkten Kontakt von kontaminierter Erde oder Wasser mit verletzter Haut erfolgen. Eine Aufnahme über Inhalation oder Verschlucken ist ebenfalls möglich.

Inkubationszeit und Erkrankung[Bearbeiten]

Die Inkubationszeit liegt meist bei 1–21 Tagen, es werden aber auch Fälle mit mehrjähriger Inkubationszeit beschrieben. Diabetes mellitus, Niereninsuffizienz und Erkrankungen des Immunsystems (nicht jedoch Aids) begünstigen eine Erkrankung.

Die Beschwerden und Symptome sind vielfältig und reichen von chronisch verlaufenden lokalisierten Formen bis hin zu schweren generalisierten Erkrankungen. Typisch sind Abszesse, bei akuten Erkrankungen vor allem Lungenabszesse, Lungenentzündungen und Pleuraergüsse, die Abgrenzung zur Tuberkulose kann schwierig sein. Die Erkrankung kann lebensbedrohlich sein, aus Thailand wird teilweise eine Letalität bis zu 50 % trotz Behandlung mit Antibiotika berichtet. Chronische Verläufe sind meist mit verschiedensten Abszessen z. B. in Milz, Leber, Muskulatur und Haut gekennzeichnet.

Erregerbestimmung[Bearbeiten]

Die Bestimmung von B. pseudomallei im Labor kann sehr schwierig sein, insbesondere in der westlichen Hemisphäre, wo B. pseudomallei sehr selten ist. Die großen runzligen Kolonien sehen aus wie Umweltkontaminanten und werden oft als nicht klinisch relevant abgetan. Sogar wenn die Kultur als relevant angesehen wird, führen die gängigen Identifizierungssysteme oft dazu, die Organismen als Chromobacterium violaceum oder andere nicht-fermentierende gramnegative Bazillen misszuinterpretieren.[3][4] Ebenso führt die Seltenheit der Krankheit häufig dazu, dass die positive Bestimmung von B. pseudomallei in Zellkulturen bei mit der Krankheit nicht vertrauten Ärzten nicht richtig gedeutet wird.[5]

Behandlung[Bearbeiten]

Zahlreiche Antibiotika wurden als wirksam gegen B. pseudomallei beschrieben, darunter Ceftazidim, Tetracyclin, Doxycyclin, Gentamycin und Sulfamethoxazol. Auch über Chloramphenicol-resistente Stämme wurde bereits berichtet.[6][7]

Bei schweren Verläufen erfolgt die Behandlung mit intravenösen Antibiotika (beispielsweise Carbapeneme oder Ceftazidim) über 14 Tage mit anschließender 5- bis 6-monatiger oraler Antibiotikaprophylaxe.

Zusammenhang mit Biowaffenproblematik[Bearbeiten]

Der Erreger der Melioidose kann auch als Biowaffe benutzt werden.[8]

Literatur[Bearbeiten]

  • K. Göbels, D. Teichmann, J. Richter, G. Zysk, D.Häussinger: Diagnose: Melioidose. In: Dtsch Arztebl. 2005, 102(31–32), A-2166 / B-1826 / C-1729

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bericht des Fernsehsenders ABC (englisch)
  2. Heinrich Neubauer: Zoonosen in Deutschland. In: Dt. TÄbl., 56, 2008, S. 1342–1346
  3. Inglis TJ, Chiang D, Lee GS, Chor-Kiang L: Potential misidentification of Burkholderia pseudomallei by API 20NE. In: Pathology. 30, Nr. 1, 1998, S. 62–4. PMID 9534210.
  4. Lowe P, Engler C, Norton R.: Comparison of automated and nonautomated systems for identification of Burkholderia pseudomallei. In: J Clin Microbiol. 40, Nr. 12, 2002, S. 4625–27.
  5. Kite-Powell A, Livengood JR, Suarez J, et al.: Imported Melioidosis – South Florida, 2005. 55, Nr. 32, 2006, S. 873–76.
  6. Fabrice V. Biot, Eric Valade et al.: Involvement of the Efflux Pumps in Chloramphenicol Selected Strains of Burkholderia thailandensis: Proteomic and Mechanistic Evidence. In: PLoS ONE, Vol. 6, Iss. 2, doi:10.1371/journal.pone.0016892
  7. F. M. Thibault, E. Hernandez et al.: Antibiotic susceptibility of 65 isolates of Burkholderia pseudomallei and Burkholderia mallei to 35 antimicrobial agents. In: Journal of Antimicrobial Chemotherapy. Dezember 2004, Vol. 54, Iss. 6, S. 1134–1138, doi:10.1093/jac/dkh471.
  8. 3sat.de
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