Melita Norwood

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Melita Norwood, geborene Sirnis (* 25. März 1912 in Pokesdown, Dorset; † 2. Juni 2005) war eine britische Sekretärin, die bei der British Non-Ferrous Metals Research Association tätig war. Sie hat mehr als 40 Jahre für das NKWD, die GPU, das MGB (sowjetisches Ministerium für Staatssicherheit) und das KGB spioniert.

Norwood wurde als Tochter eines lettischen Vaters und einer britischen Mutter geboren. Der Vater druckte Artikel von Lenin und Trotzki in der von ihm herausgegebenen Zeitung The Southern Worker and Labour and Socialist Journal nach und verteilte sie an lokale Mitglieder der Kommunistischen Partei, so dass sein Haus bald als russische Kolonie bekannt war. Nach der Itchen Secondary School studierte sie in Southampton ein Jahr Latein und Logik, bevor sie nach London ging, um eine Arbeit anzunehmen.

In den 1930er Jahren trat sie der Independent Labour Party bei. Als diese sich 1936 teilte, trat sie der britischen Kommunistischen Partei bei, ohne dass dies je bekannt wurde. 1935 wurde sie von Andrew Rothstein, einem der Gründer der Kommunistischen Partei, dem NKWD, der Vorläuferorganisation des KGB empfohlen. Zu diesem Zeitpunkt arbeitete sie bereits 5 Jahre bei der Forschungsvereinigung als Sekretärin. Im gleichen Jahr, 1935 heiratete sie ihren Ehemann Hilary, einem Mathematiklehrer und Funktionär der Lehrergewerkschaft. 1937 kaufte sie mit ihm die schlichte Doppelhaushälfte in Bexleyheath, einem südlichen Vorort von London, wo sie ein völlig unspektakuläres Leben führte.

Anfangs gehörte sie einem Spionagering im Woolwich Arsenal an, von dem drei Mitglieder jedoch im Januar 1938 festgenommen und zu drei Monaten Gefängnis verurteilt wurden. MI5 hatte jedoch versäumt, ein Ringbuch des Leiters des Spionagerings Percy Glading auszuwerten. Als durch die Säuberungswellen in Moskau das NKWD sie zeitweilig nicht mehr führen konnte, übernahm sie der GRU, der militärische Geheimdienst der Sowjetunion. Auf vielen verschwiegenen Wegen übermittelte sie Akten äußerster Geheimhaltungsstufe zur britischen Atombombenforschung, damals als Tube Alloys bezeichnet, die über ihren Schreibtisch als Sekretärin des Institutsdirektors gingen. Die Dokumente ermöglichten der Sowjetunion, eine Kopie der britischen Bombe innerhalb eines Jahres nachzubauen und ihren technologischen Rückstand binnen zwei Jahren aufzuholen. Sie wurde im Laufe ihrer langen Agententätigkeit unter verschiedenen Decknamen geführt, zuletzt „Hola“. 1965 identifizierte sie der British Security Service, verzichtete jedoch darauf, sie zu verhören, um seine Ermittlungsmethoden nicht aufzudecken. 1972 ging sie in Rente. 1979 war sie zum letzten Mal in der Sowjetunion. 1986 starb ihr Ehemann, der ihren Verrat missbilligte, aber zeitlebens darüber geschwiegen hatte. Niemand hatte sonst je davon erfahren, nicht einmal ihre Tochter.

1992 wechselte der frühere Chefarchivar des KGB Wassili Mitrochin die Seiten und brachte eine lange Liste sowjetischer Agenten mit in den Westen. Auf ihr war auch Melita Norwood, die jedoch nie vom MI5 oder einem Staatsanwalt belangt wurde, weil man sich nach längerer Diskussion entschied, den Fall nicht noch einmal aufzurühren. Norwood betrachtete sich nicht als Spionin, besaß kein Schuldbewusstsein, da sie den Standpunkt vertrat, die Sowjetunion sei ein junges Experiment, die für ihre Bürger Ernährung, Bildung und Gesundheitsvorsorge betreibe und von den USA und Großbritannien durch die Atom- und Wasserstoffbombe bedroht sei. Sie habe nur helfen wollen, deren Ebenbürtigkeit herzustellen. Ihre Motive, ihre politischen Überzeugungen und ihr Lebensstil unterschieden sich stark von den Cambridge Five. Sie weigerte sich bis zuletzt, Agentenlohn anzunehmen. Ausgezeichnet mit dem Rotbannerorden, dem höchsten Militärorden der Sowjetunion, war sie eine der wertvollsten Agenten des KGB während des Kalten Krieges.

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