Mellensee (Am Mellensee)

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52.18555555555613.41916666666739Koordinaten: 52° 11′ 8″ N, 13° 25′ 9″ O

Mellensee
Gemeinde Am Mellensee
Höhe: 39 m
Fläche: 789 km²
Einwohner: 1162 (31. Dez. 2006)
Eingemeindung: 1. Januar 2002
Postleitzahl: 15838
Vorwahl: 03377
Mellensee (Brandenburg)
Mellensee

Lage von Mellensee in Brandenburg

Mellensee (damals Möllen genannt) auf der Schmettauschen Karte von 1767-87

Mellensee (bis 1930 nur Mellen, dann in Mellensee umbenannt) am gleichnamigen Mellensee gelegen, ist ein Ortsteil der amtsfreien Gemeinde Am Mellensee im Landkreis Teltow-Fläming (Brandenburg).[1] Bis zum im Jahre 2002 erfolgten Zusammenschluss mit anderen benachbarten Gemeinden zur (Groß-)Gemeinde Am Mellensee war Mellensee eine Gemeinde innerhalb des damaligen Amtes Am Mellensee. Der Ortsteil bezeichnet sich touristisch als „Dorf der Fischer“.

Lage[Bearbeiten]

Mellensee liegt im nordöstlichen Teil der Gemeinde Am Mellensee. Es grenzt im Norden, Osten und Südosten an das Gebiet der Stadt Zossen, im Westen an den Ortsteil Saalow und im Süden an die Ortsteile Rehagen und Klausdorf (alle drei Ortsteile der Gemeinde Am Mellensee).

Der Ort liegt am Nordende des Mellensees, von dem der Ort wahrscheinlich seinen Namen erhielt. Durch den Ort führt die L 791, die in Zossen von der B 96 abzweigt und westlich des Ortes auf die L 79 trifft, die von Saalow nach Klausdorf führt, beide Orte sind ebenfalls Ortsteile der Gemeinde Am Mellensee.

Geschichte[Bearbeiten]

In Mellensee, vor 1930 hieß der Ort lediglich Mellen (früher auch Möllen), wurde 1430 eine Mühle erstmals urkundlich genannt („uf der mül czu Mollen“). Es ist damit auch die Ersturkunde des Ortes selber. Schlimpert leitet den Namen von einer slawischen Grundform Mel'n = Sandbank, Untiefe. Der Name war ursprünglich der Name des Sees, an dem der Ort liegt, und der auf den Ort übertragen wurde.[2] Die Namensherkunft von Mühle, niederdeutsch Molle/Mölle, hält er für nicht wahrscheinlich. Der Ort gehört ursprünglich zur Herrschaft Zossen, die 1490 vom brandenburgischen Kurfürsten Johann Cicero gekauft worden war. Die Wassermühle mit zwei Gängen war 1576 vom Kurfürsten Johann Georg gekauft worden. Sie wurde im Dreißigjährigen Krieg teilweise stillgelegt, weil es an Kundschaft fehlte.[3] 1745 wurden in Mellensee erstmals ein Krug sowie das Forsthaus erwähnt. Außerdem wird erstmals die Hauptschleuse des Nottefließes erwähnt. 1753 wollte Hofrat Schönebeck vier Kolonistenhäuser auf der Miltze errichten lassen, worüber es zum Streit mit den Bauern kam, die bisher die Miltze als Weide genutzt hatten. 1755 waren ein Leineweber und ein Schneider im Dorf wohnhaft. 1764 waren vier Kolonistenhäuser auf der Miltze entstanden, „Kolonie“ genannt. 1801 wurde neben der Wassermühle auch eine Windmühle genannt. das Dorf hatte nun einschl. der „Kolonie“ 146 Einwohner. Am 21. August 1813 kam es am Mühlenfließ zu einem Gefecht zwischen preußischen Truppen, die sich östlich davon verschanzt hatten, und französischen Truppen, die auf Zossen vorrücken wollten. Der Angriff wurde auf der Brücke zurückgeschlagen. Die Verteidiger verloren zwei Offiziere und elf Soldaten. Vier Soldaten, die bei Mellensee gefallen waren, wurden auf einem kleinen Friedhof am Rande des damaligen Ortes beigesetzt.[4] Zur Erinnerung an dieses Gefecht wurde ein Denkmal errichtet, ein Obelisk und ein Findling mit Inschrift. Das Denkmal wurde 2008 in die Landesdenkmalliste aufgenommen und 2010 durch die Gemeinde und freiwillige Helfer renoviert.[5] 1911 wurde die Freiwillige Feuerwehr Mellensee gegründet. Bereits 1913 wurde ein neues Feuerwehrhaus errichtet.[6][7] Im Keller befand sich damals die dörfliche Arrestzelle. 1988/89 wurde durch den NAW (Nationales Aufbauwerk) ein Schulungs- und Versammlungsraum mit Sozialtrakt an das Feuerwehrhaus angebaut.

Bevölkerungsentwicklung von 1490 bis 2006 (bis 1971 aus Hist. Ortslexikon[8])
Jahr Einwohner
1583 60-80 (5 Bauern, 9 Kossäten, 1 Hirte)
1734 123
1772 164
1801 146
1817 160
1840 198
1858 264
1895 401
1925 811
1939 1267
1946 1398
1964 1379
1971 1356
2006 1162
Feuerwehrhaus

Wirtschaft[Bearbeiten]

Bahnhof Mellensee-Saalow (auf der Gemarkung von Mellensee)

Seit 1953 hatte Mellensee eine Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft Typ I. Die LPG Typ III hatte 1954 51 Mitglieder, die 135 ha Nutzfläche bewirtschafteten. 1960 wurden bereits 254 ha bewirtschaftet. 1961 hatte die LPG Typ I noch 10 Mitglieder , die lediglich 29 ha bewirtschafteten. Seit 1972 wurde die landwirtschaftliche Nutzfläche von der Kooperativen Abteilung Pflanzenproduktion in Nächst Neuendorf bewirtschaftet. 1961 existierte auch eine Produktionsgenossenschaft der Binnenfischer mit zehn Mitgliedern im Ort, die sich 1974 mit den Produktionsgenossenschaften aus Kolberg und Bestensee zur Produktionsgenossenschaft „Aurora“ zusammenschloss.[9] Diese zerfiel zunächst nach der Wende in einige kleine Einzelbetriebe. 1993 wurde die Fischerei Aurora GbR durch sechs Gesellschafter neu gegründet, jedoch ohne Beteiligung der Mellenseer Fischer. Derzeit gibt es noch drei Fischer in Mellensee, das sich touristisch auch als „Dorf der Fischer“ bezeichnet und alljährlich ein Fischerfest veranstaltet.

In den 1950er Jahren war der VEB (K) Holzchemie Mellensee auf dem Gelände am Bahnhof der größte Betrieb zur Herstellung von Holzkohle in der damaligen DDR. Hergestellt wurden außerdem Kienteer, Kienöl und Rohholzessig. 1955 hatte der Betrieb 55 Beschäftigte.[10]

Alter Gedenkstein für die Gefallenen des Gefechts bei Mellensee am 21. August 1813

Freizeit und Tourismus[Bearbeiten]

Bereits zu Zeiten der DDR entwickelten sich die drei Gemeinde Klausdorf, Sperenberg und Mellensee mit ihren Freibädern zu Naherholungszentren im Großraum Berlin. Auf den Gemarkungen dieser Orte entstanden Wochenendhäuschen und Bungalowsiedlungen.[11]

An den Tourismus konnte der Ort auch nach der Wende wieder anknüpfen. Die Gastronomie des Ortes mit ihren Fischspezialitäten ist beachtenswert. Im Sommer veranstaltet der Ort das Fischerfest mit Musik, Tanz, Geschichte, Angelwettbewerben und anderem mehr. Höhepunkt des Festes ist die Wahl und Krönung der Fischerkönigin. Mellensee besitzt ein Naturstrandbad am Ostufer des Mellensees. Auch Ruderboote können hier ausgeliehen werden.

Um 1600 wurde die Notte ausgebaut, um den Transport von Ziegelsteinen aus den Klausdorfer Ziegelgruben und Gips vom Sperenberger Gipsberg auf dem Wasserweg zu ermöglichen. Sie wurde um 1856–58 kanalisiert. Die kanalisierte Notte ermöglicht auch heute noch eine Wasserverbindung für Wassersportler vom Mellensee bis nach Berlin. Parallel zur kanalisierten Notte führt ein Teilabschnitt der über 40 km langen Draisinen-Erlebnisbahn von Zossen nach Jüterbog.

Das Pestalozzi-Fröbel-Haus unterhält am Mellensee eine Freizeiteinrichtung, die von ihren Kitas bzw. von ihrer Schulsozialarbeit genutzt werden kann.

Schulen[Bearbeiten]

Die Gemeinde Am Mellensee unterhält in Mellensee eine einzügige Grundschule.

Denkmale und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Baudenkmale

Bodendenkmale

Die Denkmalliste des Landes Brandenburg[12] verzeichnet für Mellensee zahlreiche Bodendenkmäler, davon weit über 10 Rast- und Werkplätze der Steinzeit und steinzeitliche Siedlungen, mehrere Siedlungen der Ur- und Frühgeschichte, zwei Siedlungen und ein Gräberfeld der Bronzezeit, eine Siedlung und ein Gräberfeld der Eisenzeit, zwei Siedlungen der römischen Kaiserzeit sowie den mittelalterlichen bis neuzeitlichen Ortskern.

Literatur[Bearbeiten]

  • Lieselott Enders, Margot Beck: Historisches Ortslexikon für Brandenburg. Teil IV: Teltow. Hermann Böhlaus Nachfolger, Weimar 1976.
  • Gerhard Schlimpert: Brandenburgisches Namenbuch. Teil 3: Die Ortsnamen des Teltow. Hermann Böhlaus Nachfolger, Weimar 1972.
  • Wilhelm Spatz: Der Teltow. Teil 3: Geschichte der Ortschaften des Kreises Teltow. Rohde, Berlin 1912.
  • W. Eichwede: Geschichtliches aus Mellensee. In: Heimatkalender des Kreises Zossen 1971. 1971, S. 76–78.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Hauptsatzung der Gemeinde Am Mellensee vom 21. Oktober 2009. (PDF; 45 kB)
  2. Gerhard Schlimpert: Brandenburgisches Namenbuch Teil 3 Die Ortsnamen des Teltow. Hermann Böhlaus Nachfolger, Weimar 1972, S. 133–134.
  3. K. Fiedler: Mellensee und seine Bevölkerung während und nach dem Dreißigjährigen Kriege. In: Heimatkalender des Kreises Zossen 1960. 1960, S. 150–159.
  4. Ilse Nitsche: Das Gefecht bei Mellen 1813. In: Heimatkalender für den Kreis Zossen 1981. Zossen 1981, S. 45–48.
  5. Friedhof zur Erinnerung an die Schlacht bei Mellen wird hergerichtet. In: Märkische Allgemeine. 13. Juli 2010.
  6. Geschichte der Feuerwehr Mellensee
  7. Die Freiwillige Feuerwehr Mellensee wird 100. In: Märkische Allgemeine. 15. März 2011.
  8. Lieselott Enders, Margot Beck: Historisches Ortslexikon für Brandenburg. Teil IV: Teltow. Hermann Böhlaus Nachfolger, Weimar 1976, S. 182–184.
  9. Fischerei Aurora GbR - Geschichte
  10. Bürger: Holzkohlen aus Mellensee. In: Heimatkalender für den Kreis Zossen 1957. Zossen 1957, S. 38–40.
  11. Leitkonzeption der mittel- und langfristigen Entwicklung der Gemeinde am Mellensee (PDF; 182 kB)
  12. Denkmalliste des Landes Brandenburg Landkreis Teltow-Fläming (PDF; 345 kB)

Weblinks[Bearbeiten]