Memed mein Falke

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Dieser Artikel behandelt den Roman „Memed mein Falke“, zur Verfilmung aus dem Jahr 1984 siehe Memed, mein Falke.
Denkmal der Romanfigur İnce Memed in Kemals Geburtsort Hemite (heute Gökçedam)

Memed mein Falke, im türkischen Original İnce Memed, später auch İnce Memed I genannt, ist ein Roman von Yaşar Kemal aus dem Jahr 1955. Er wurde in mehr als 30 Sprachen übersetzt und begründete den internationalen Erfolg seines Autors. Es ist die Geschichte eines Bauernjungen, der aus Wut über die diktatorische und ausbeuterische Herrschaft des Großgrundbesitzers Abdi Aga über fünf Dörfer in der Çukurova zum Räuber, Rebellen und Rächer seines Volkes wird.

Darüber hinaus ist Memed mein Falke der erste Teil eines Romanzyklus Ince Memed, den Kemal 1969 mit Die Disteln brennen und 1984 mit Das Reich der Vierzig Augen fortsetzte und 2003 mit Der letzte Flug des Falken vollendete.

Inhalt[Bearbeiten]

Abdi Aga, Großgrundbesitzer am Fuß des Tarsusgebirges, hat fünf Dörfer unter sich. Sämtliches Land hier gehört ihm. Nur ein Drittel ihres Ertrages bleibt den in sengender Hitze schuftenden Bauern aufgrund der Stellung des Agas, bis der in ängstlicher Armut aufgewachsene Halbwaise Memed als junger Mann an den Aga gerät, weil dieser die Frau, die Memed liebt, für seinen Neffen vorgesehen hat. Memed entführt seine Geliebte, doch Intrigen des Agas folgen und zunächst scheint Memed keine Handhabe gegen den Übermächtigen zu haben. Doch als Memed nach dem Bestehen zahlreicher Prüfungen schließlich freiheitliche Ideen unter sein Volk bringt und die Bauern zur Landverteilung anregt, trifft er den Aga hart. Bei den daraus resultierenden gewalttätigen Auseinandersetzungen wird Memeds Frau und (inzwischen) Mutter eines Kindes getötet. Als Memed daraufhin den Aga tötet und verschwindet, wird er zum Mythos der Gegend.

Bedeutung[Bearbeiten]

Das Werk erhielt zahlreiche Auslandspreise. An ihm wurden neben seiner scharfen Sozialkritik besonders auch die epische Qualität und sein Humor gelobt.

Wirkung[Bearbeiten]

Dem Buch wird nachgesagt, oppositionellen Strömungen, die 1960 einen Umsturz in der Türkei herbeiführten, Auftrieb gegeben zu haben. Der Roman fand auch dadurch enorme Verbreitung, dass er in türkischen Kaffeehäusern vorgelesen wurde und wandernde Sänger ihn nacherzählten. Auf Betreiben des internationalen PEN-Zentrums und der UNESCO wurde das Werk überdies in zahlreiche Sprachen übersetzt. In Deutschland erschien es erstmals 1965 und erfuhr zahlreiche weitere Auflagen. 1993 wurde es auch innerhalb der Bertelsmann-Jahrhundert-Edition aufgelegt, die die 100 „großen Werke des 20. Jahrhunderts“ würdigte. Das Buch der 1000 Bücher des Harenberg-Verlags zählt Memed I 2002 aufgrund seiner Wirkung zu den tausend kulturgeschichtlich bedeutsamsten Büchern der Weltliteratur überhaupt.

Verfilmungen[Bearbeiten]

Ausgaben[Bearbeiten]