Menden (Sankt Augustin)

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50.7883333333337.1658333333333Koordinaten: 50° 47′ 18″ N, 7° 9′ 57″ O

Menden
Eingemeindung: 1. Juli 1969
Eingemeindet nach: Sankt Augustin
Postleitzahl: 53757
Vorwahl: 02241
Mendener Ortsschild

Mendener Ortsschild

Menden ist ein Stadtbezirk der Stadt Sankt Augustin im nordrhein-westfälischen Rhein-Sieg-Kreis. Bis 1969 gehörte es als Gemeinde Menden (Rheinland) zum Amt Menden. Ortsvorsteher des Bezirks ist Karl-Heinz Baumanns.

Entwicklung[Bearbeiten]

Katholische Kirche (Altstadt)
Die nachträglich aufgemauerten Grundmauern der abgerissenen alten Kirche
Niedermendener Burg (Wiederaufbau Ende 19. Jahrhundert)
Erste Schule Mendens (Altstadt, von 1725)
Altstadt

Geschichte[Bearbeiten]

Ständige, bis heute nicht mehr unterbrochene Besiedlung kann für Menden seit der fränkischen Zeit angenommen werden. Der Siedlungsvorstoß kam vom Rhein, nicht etwa aus dem unbesiedelten und wüsten Bergland im Osten oder Süden.

In der Siegburger Bucht und am Rande des Berglandes gab es eine Anzahl von Burgen, so auch die Burg Menden, von der aus die Sieg kontrolliert werden konnte.

Erst im 11. Jahrhundert lässt sich die Geschichte Mendens an folgender Situation nachzeichnen: Land und Leute in der Siegburger Bucht gehörten der Kirche und dem Adel. Unter diesem ragt das Haus des Rheinischen Pfalzgrafen hervor. Sicher gehörte der heutige Michaelsberg und das angrenzende Gebiet dazu. Die Kirche von Menden war ebenfalls in der Hand des Pfalzgrafen. Sie wurde Mitte des 12. Jahrhunderts erbaut, eine sogenannte einschiffige Saalkirche mit viergeschossigem Chorturm, in dem sich unten der Chor befand. Nach mehreren Erweiterungen und Anbauten wird die Kirche 1896 wegen Baufälligkeit abgerissen. Die neue katholische Pfarrkirche St. Augustinus wurde zwischen 1890 und 1892 erbaut.

Es bestanden aber auch Vermutungen über eine frühere Baugeschichte der Kirche, die durch Ausgrabungen in den Jahren 1986/87 bestätigt wurde: Durch Verfärbungen in der Erde wird ein Vorgängerbau, eine Holzkirche gefunden. Aufgrund der chemischen Untersuchung des ältesten Grabfundes, eines Skelettes, ist bewiesen, dass Menden bereits im 8. Jahrhundert, in der hiesigen Zeit der Christianisierung, eine Holzkirche besaß. Die Grundmauern der „alten Mendener Kirche“ sind aufgemauert worden. Anhand der Grundrisse kann man die verschiedenen Bauabschnitte nachvollziehen. Alte Grabkreuze, größtenteils aus dem 18. Jahrhundert, des Friedhofs, der an der alten Kirche lag, befinden sich auch heute noch in der Nähe der Anlage.

Menden bestand aus Nieder- und Obermenden, wahrscheinlich zwei Villikationsbezirke in verschiedenen Händen, die sich zu zwei Dörfern entwickelten. 1935 wurden sie zur Gemeinde Menden (Rheinland) zusammengefasst.

Die Einwohner lebten, kümmerlich wie alle Landbewohner im Mittelalter, als unfreie Arbeiter und Handwerker an den Herrenhöfen. Dies blieb bis ins 19. Jahrhundert so. Erst die Industrialisierung im Siegburg-Troisdorfer Raum veränderte das Leben des Dorfes grundlegend.

(Quellen: Dr. Hermann J. Roggendorf, Siegburg „Menden im Mittelalter“ in: Fanfaren und Tambourwettstreit 1. Mai 1975/Menden, Festbroschüre; Stadtarchiv Sankt Augustin)

Bei der kommunalen Neugliederung des Raumes Bonn (Bonn-Gesetz) wurde die Gemeinde Menden (Rheinland) mit allen Gemeinden des Amtes Menden außer Holzlar am 1. August 1969 zur Gemeinde Sankt Augustin zusammengefasst.[1] Friedrich-Wilhelms-Hütte, das bis dahin zur Gemeinde Menden gehörte, wurde dabei an Troisdorf abgetreten.

Zeitlinie[Bearbeiten]

50000 v. Chr. Aus dieser Zeit stammen die ältesten Grab- und Scherbenfunde, die in Menden gefunden wurden. Diese gehörten nomadisierenden Verwandten des Neandertalers.
600 v. Chr. Ungefähr zu diesem Zeitpunkt wurde Menden, damals als „Menedon“ gegründet und ist somit mit Niederpleis die älteste Siedlung von Sankt Augustin.
50 v. Chr. Die Römer gründeten das Lager „Castra Bonnensia“ auf dem heutigen Gebiet von Bonn. Anschließend herrschten sie über 400 Jahre lang über Bonn und die gesamte Region darum.
400 Die römischen Legionen zogen sich aus dem Gebiet um Bonn zurück. Anschließend besiedelten germanische und fränkische Volksstämme den Siegburger Raum.
700 Um diesen Zeitpunkt herum hatte Menden bereits eine kleine Holzkirche (nach Ausgrabungen von 1986 zu beurteilen).
1070 Die erste urkundliche Erwähnung von Menden: Anno II. übertrug der Abtei Siegburg die Rechte und den Besitz von „Menedon“.
1100 Bau der Niedermendener Burg. Diese war der Sitz des Rittergeschlechts von Menden. Das in silber und blau gestaltete Familienwappen ist noch heute in dem Stadtwappen von Sankt Augustin enthalten. Ebenfalls im 12. Jahrhundert wurde die alte Mendener Kirche erbaut.
1388 Heinrich von Menden verkauft dem Johann von Landsberg sein Haus zu Menden auf der Sieg mit seinem Zubehör (Ackerland, Wasser, Wiesen und Weiden) binnen dem Kirchspiel Menden gelegen, nämlich 7 Morgen Land und eine Hofstatt; sodann 14 Holzgewälde gelegen binnen dem Kirchspiel von Lomar für 2.000 rhein. Gulden.
1400 Ab diesem Zeitpunkt gehörte der gesamte heutige rechtsrheinische Teil des Rhein-Sieg-Kreises zum Großherzogtum Berg.
1725 Eröffnung der ersten Schule in Menden.
15. März 1806 Im Rahmen der napoleonischen Kriege wurde das gesamte Großherzogtum Berg an Frankreich abgetreten.
1813 Die Franzosen zogen sich aus dem Gebiet zurück und überließen ihren Verbündeten die Verwaltung. Diese richteten eine provisorische Regierung ein.
1815 Im Rahmen des Wiener Kongresses wurde das heutige Stadtgebiet von Sankt Augustin Preußen zugesprochen. Das Gebiet gehörte zum Kreis Siegburg in der Provinz „Jülich-Kleve-Berg“.
1820 Die Niedermendener Burg wurde von den Franzosen zerstört, jedoch noch im selben Jahrhundert wieder komplett aufgebaut.
1854 Der Beginn der Bauarbeiten der rechtsrheinischen Eisenbahnstrecke.
1871 Das letzte Teilstück der Rechten Rheinstrecke von Bonn-Oberkassel nach Troisdorf über Menden und Friedrich-Wilhelms-Hütte wurde eröffnet, jedoch ohne einen Haltepunkt im heutigen Menden. Die Mendener mussten über eine schmale Brücke bis nach Friedrich-Wilhelms-Hütte gehen.
1890 Die noch heute stehende katholische St.-Augustinus-Kirche wird erbaut.
1896 Die alte Mendener Kirche wird nach zahlreichen Erweiterungen wegen starker Baufälligkeit abgerissen.
1926 Die Bürgermeisterei Menden wurde zum Amt Menden (mit denselben Gebietsteilen)
10. November 19290 Die noch heute stehende Brücke zwischen Sankt Augustin-Menden und Troisdorf-Friedrich-Wilhelms-Hütte über die Sieg wird eingeweiht.
15. Juni 1935 Zusammenlegung der Gemeinden Niedermenden und Obermenden zur Gemeinde Menden (Rheinland).
1934–1936 Am Widerstand des preußischen Innenministers gescheiterter Versuch der Zusammenlegung aller Gemeinden des Amtes Menden.
1940 In den 40er Jahren wurde das Familienunternehmen Kuhne gegründet, welches weltweit für ihre Maschinenbauten bekannt sind. Firmensitz ist Menden.
1958 Auch der zweite Versuch, alle Gemeinden des Amtes Menden zusammenzulegen, ist gescheitert.
1969 Entstehung der Großgemeinde Sankt Augustin
1977 Die Großgemeinde Sankt Augustin bekommt die Stadtrechte verliehen.

Gliederung[Bearbeiten]

140000Kirchspiel Menden (Meindorf, Niedermenden, Obermenden)

181500Bürgermeisterei Menden (Buisdorf, Hangelar, Holzlar, Meindorf, Mülldorf, Niederpleis, Niedermenden, Obermenden)

192600Amt Menden (Buisdorf, Hangelar, Holzlar, Meindorf, Mülldorf, Niederpleis, Niedermenden, Obermenden)

193500Amt Menden (Buisdorf, Hangelar, Holzlar, Meindorf, Mülldorf, Niederpleis, Menden)

196900Großgemeinde Sankt Augustin (Birlinghoven, Buisdorf, Hangelar, Meindorf, Menden, Mülldorf, Niederpleis, Sankt Augustin-Ort)

197700Stadt Sankt Augustin (Birlinghoven, Buisdorf, Hangelar, Meindorf, Menden, Mülldorf, Niederpleis, Sankt Augustin-Ort)

Einwohnerentwicklung von 1829 bis heute[Bearbeiten]

Die Teile von Nieder- und Obermenden links der Sieg entsprechen dem heutigen Gebiet von Menden. Die Teile rechts der Sieg (Friedrich-Wilhelms-Hütte) wurden 1969 an Troisdorf abgegen.

Zum Vergleich ist in der rechten Spalte die Einwohnerzahl des gesamten Gebietes der heutigen Stadt Sankt Augustin.

Jahr Obermenden Niedermenden Menden

(O- & N-Menden)

Amt Menden (bis 1969)

Sankt Augustin (ab 1969)

1829 496 260 746 2.767
1831 502 288 790 2.799
1835 569 339 908 3.126
1837 513 316 829 3.053
1840 553 337 890 3.248
1845 595 317 912 3.440
1849 592 305 897 3.512
1855 667 321 988 3.740
1858 910 379 1.289 4.140
1864 1.064 415 1.479 4.538
1870 1.176 643 1.819 5.309
1877 1.221 668 1.889 5.341
1880 1.221 670 1.891 5.635
1888 1.215 654 1.869 5.963
1890 1.159 639 1.798 6.018
1895 1.264 653 1.917 7.071
1900 1.480 734 2.114 8.119
1906 1.649 996 2.645 9.799
1910 1.463 1.033 2.499 8.932
1920 1.848 2.246 4.094 11.524
1923 2.146 2.596 4.742 11.782
1928 1.922 2.659 4.581 11.674
1948 4.958 14.469
1950 5.144 15.142
1961 6.355
1969 8.144 32.277
1975 9.317 42.733
1985 10.426 47.403
1990 10.426 56.678
1992 10.405 57.410
2001 10.598
2002 10.554 57.258
2003 57.500

Verkehr[Bearbeiten]

Bahnhof Menden (Rheinl)
Eisenbahnbrücke über die Sieg

ÖPNV[Bearbeiten]

Menden ist durch seine 16 Bushaltestellen, einen DB-Haltepunkt, 6 Buslinien (davon 2 Schulbuslinien) und 2 Zuglinien an die restlichen Stadtteile von Sankt Augustin und die Nachbarstädte Bonn, Siegburg, Hennef (Sieg), Troisdorf und Köln angebunden. Zusätzlich kann man durch die Zuglinien ohne Umsteigen u. a. Mönchengladbach, Königswinter, Linz, Neuwied und Koblenz erreichen. Die derzeitige Eisenbahnbrücke ersetzt seit Ende des Zweiten Weltkrieges die vorherige Brücke von Sankt Augustin-Menden nach Troisdorf-Friedrich-Wilhelms-Hütte.

Straße[Bearbeiten]

Hauptstraßen[Bearbeiten]

Es gibt zwei Hauptstraßen durch Menden. Die Siegstraße (L 143) zweigt im Zentrum von Sankt Augustin von der B 56 ab und führt am östlichen Rand durch Menden hindurch, bis nach Troisdorf. An der Hauptkreuzung trifft diese auf die zweite Hauptstraße von Menden. Die Meindorfer Straße (L 16) führt von der Siegstraße am südlichen Rand durch Menden hindurch und geht weiter durch St. Augustin-Meindorf bis nach Bonn.

Bundesautobahnen[Bearbeiten]

Am westlichen Rand führt die Autobahn A 59 entlang, am nördlichen Rand die Autobahn A 560. Die Letztere hat eine Autobahnausfahrt für Menden, welche in der Einsteinstraße endet, die Ende 2005 auf 4 Spuren ausgebaut wurde, um den andrängenden Verkehr an diesem Verkehrsknotenpunkt besser bewältigen zu können. An diesem Punkt treffen nämlich die A 560, die B 56 (die kurz unterbrochen ist, und dort weitergeführt wird) und das Gewerbezentrum von Menden aufeinander.

Aktuelle Bauprojekte[Bearbeiten]

Zurzeit sind zwei größere Bauprojekte in Menden in Planung bzw. in der Realisierung. Zum einen soll ab etwa 2016 die vorhandene Bahnstrecke, die zurzeit aus zwei Gleisen besteht, auf drei Gleise ausgebaut werden. Dies ist notwendig, da die ohnehin schon überlastete Strecke bald auch von der Bahnlinie S 13, welche zurzeit nur bis Troisdorf fährt, befahren werden soll. Aus diesem Grund muss nicht nur die Strecke um ein Gleis erweitert werden, sondern auch eine zusätzliche Siegbrücke neben der alten errichtet werden. Zudem wird der vorhandene Bahnsteig modernisiert und einer S-Bahn angepasst. Durch den zusätzlichen Halt der S 13 ist der Halt der Linien RB 27 und RE 8, und somit eine Verbindung ohne Umstieg nach Koblenz und Mönchengladbach, in Frage gestellt.

Ein weiteres Bauprojekt ist unweit neben dem DB-Haltepunkt. Ein freies Feld zwischen der Meindorfer Straße und dem Fasanenweg wird mit 130 Wohneinheiten bebaut und so über 300 Menschen eine Unterkunft bieten. Dies soll in im Jahr 2014 fertiggestellt werden.

Öffentliche Einrichtungen[Bearbeiten]

Augustinus-Hauptschule
Gesamtschule Menden

Bildungseinrichtungen[Bearbeiten]

  • Gemeinschaftsgrundschule Menden (Siegstraße/Mittelstraße)
  • Gesamtschule Menden (Siegstraße) ehem. Real- und Aufbauschule Menden und Augustinus Hauptschule Menden

Religiöse Einrichtungen[Bearbeiten]

Sportvereine[Bearbeiten]

  • SV Menden 1912 e.V.
  • TV Menden
  • FC Kosova Sankt Augustin
  • SV Turm Sankt Augustin e. V.
  • Sankt Sebastianus Schützenbruderschaft 1642 e.V.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Menden – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1.  Martin Bünermann: Die Gemeinden des ersten Neugliederungsprogramms in Nordrhein-Westfalen. Deutscher Gemeindeverlag, Köln 1970, S. 85.