Menschlicher Schutzschild

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Ein menschlicher Schutzschild ist das Platzieren von Zivilisten in der Nähe oder vor einem militärischen Ziel.[1] Dabei werden die Zivilisten wissentlich oder unwissentlich so platziert, dass sie im Falle eines Angriffs verletzt oder getötet werden. Es ist vorgekommen, dass die Menschen dazu angekettet wurden. Die Gegenpartei kann den menschlichen Schutzschild entweder selbst sehen oder wird darüber informiert.

Mit einem menschlichen Schutzschild können entweder einsatzbereite Waffen oder Nachschub „gesichert“ werden.[2] Menschliche Schutzschilde gelten als besonders grausame Art der Kriegführung, da Zivilisten einem sehr hohen Risiko ausgesetzt werden. Die Angreifer stehen dabei vor der Wahl, entweder Zivilisten umzubringen oder von einem Angriff auf das militärische Ziel abzusehen - mit den möglichen Folgen.[3]

Die Zivilisten können dabei nicht nur von der anderen Kriegspartei sein, sondern sogar von der eigenen Partei. Da ihr Tod billigend in Kauf genommen wird, wird aus dem Einsatz menschlicher Schutzschilde häufig der Schluss gezogen, dass in deren Kultur ein Menschenleben einen geringen Stellenwert besitzt.[4] Die Debatte um menschliche Schutzschilde ist daher ein Mittel der psychologischen Kriegführung.

Anwendung[Bearbeiten]

Im Gazastreifen forderte die Hamas und PIJ, sowie der Fernsehsender al-Aqsa TV die Zivilbevölkerung mehrmals zur Formierung eines menschlichen Schutzschildes auf, um bestimmte Gebäude vor der Zerstörung durch die Israelischen Streitkräfte zu schützen, woraufhin einige diesen Aufrufen folgten. [5]

Literatur[Bearbeiten]

  • Glenda Lockwood, Christopher Mowbray: Mein Kind, ein menschlicher Schutzschild. Luebbe, Bergisch Gladbach 1991, ISBN 3-404-61227-2.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. vgl. für den Rückzug der deutschen Truppe in der Sowjetunion während des 2. Weltkriegs: Kathrin Janka, Stiftung „Erinnerung, Verantwortung und Zukunft“: Geraubte Leben. Zwangsarbeiter berichten. Böhlau Verlag, Köln / Weimar 2008, ISBN 978-3-412-20092-3, S. 247
  2. Gregoria Palomo Suárez: Kindersoldaten und Völkerstrafrecht. Die Strafbarkeit der Rekrutierung und Verwendung von Kindersoldaten nach Völkerrecht. BWV Verlag, Berlin 2009, ISBN 978-3-830-51651-4, S. 221.
  3. Deutsche Gesellschaft für Auswärtige Politik (Hrsg.:) Internationale Politik. ISSN 0014-2476, Band 61, 2006, Ausgaben 5-8, S. 30.
  4. Elisabeth Strüwer: Zum Zusammenspiel von humanitärem Völkerrecht und den Menschenrechten am Beispiel des Targeted Killing. Peter Lang, Frankfurt, M. / Berlin / Bern / Bruxelles / New York, NY / Oxford / Wien 2010, ISBN 978-3-63160-507-3, S. 111.
  5. Bericht über Aufruf zum menschlichen Schutzschild auf al-Aqsa TV