Mentale Buchführung

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Mentale Buchführung (engl. Mental accounting) ist eine Theorie über ein systematisches Kognitionsproblem und Gegenstand der Verhaltensökonomik (engl. Behavioral Economics). Gemäß dieser Theorie teilen Menschen finanzielle Transaktionen in mentale Konten ein und behandeln diese je nach Konto unterschiedlich. Hieraus ergeben sich falsche Entscheidungen. Die Theorie geht auf Arbeiten des Chicagoer Professors Richard Thaler zurück[1].

Kontenbildung[Bearbeiten]

Die (fiktiven) Konten, die die Menschen unbewusst bilden, können nach unterschiedlichsten Kategorien gebildet werden. Beispiele wären z.B. "Geschenke", "Ausgaben, die mit dem Sommerurlaub in Verbindung stehen", "Aktienkursgewinn". Diese Kontenbildung hilft, den Überblick über Einnahmen und Ausgaben zu behalten.

Probleme[Bearbeiten]

Entscheidungsirrelevante Kosten[Bearbeiten]

Entscheidungsirrelevante Kosten wie Sunk costs dürfen nicht in die rationale Entscheidungsfindung eingehen. Die mentale Kontenbildung verhindert jedoch unter Umständen das Erkennen, dass es sich um solche handelt.

Thaler beschreibt ein empirisches Experiment, in dem die Testpersonen ins Theater gehen möchten und die Karte 10 Dollar kostet. Im Experiment bekommen die Probanden nun gesagt, sie stünden an der Theaterkasse und hätten die Karte verloren und müssten diese neu kaufen. 56 % sind nicht dazu bereit. Mental werden diese 10 Dollar dem Konto "Kauf Theaterkarte" zugeschlagen. Damit kosten die Karte 20 Dollar und damit mehr, als den Probanden der Theaterbesuch wert ist. Eine andere Teilgruppe der Experimentteilnehmer sollte an der Abendkasse für 10 Dollar die Karte kaufen. Sie bekamen dann gesagt, sie hätten die 10 Dollar Bargeld verloren und müssen nun die Karte aus anderem Geld zahlen. Hier entschieden sich 88 % zum Kauf der Karte. Mental werden diese 10 Dollar dem Konto "Verlust Bargeld" zugeschlagen. Der mentale Preis der Eintrittskarte blieb somit bei 10 Dollar.[2]

Verlustaversion[Bearbeiten]

Menschen bewerten gemäß der Prospect Theory den möglichen Verlust von Geld deutlich höher als die Chance auf Gewinn. Diese Verlustaversion führt zur Tendenz zum Status quo.

Gewinne und Verluste werden auf unterschiedlichen mentalen Konten verbucht. Nur dadurch kann dieser Bias überhaupt auftreten.

Fehlende "Verrechnung" dieser Konten[Bearbeiten]

Rationale Entscheidungen bei voneinander abhängigen Sachverhalten bedürfen der gemeinsamen Betrachtung. Diese kann durch die Aufteilung in mentale Konten verhindert werden.

Literatur[Bearbeiten]

  • Richard Thaler: "Towards a positive theory of consumer choice" (1980) Journal of Economic Behavior and Organization, 1, Seite 39-60
  • Richard Thaler: "Mental accounting and consumer choice" (1985) Marketing Science, 4 , Seite 199-214.
  • Richard Thaler: "Saving, fungibility and mental accounts" (1990) Journal of Economic Perspectives, 4 , Seite 193-205.
  • Richard Thaler: "Mental accounting matters" (1999) Journal of Behavioral Decision Making, 12(3) , Seite 183-206.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Richard Thaler: "Towards a positive theory of consumer choice" (1980) Journal of Economic Behavior and Organization, 1, Seite 39-60
  2. Richard Thaler: "Mental accounting matters" (1999) Journal of Behavioral Decision Making, 12(3) , Seite 193 ff.