Menteroda

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Wappen Deutschlandkarte
Die Gemeinde Menteroda führt kein Wappen
Menteroda
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Menteroda hervorgehoben
51.30555555555610.562777777778431Koordinaten: 51° 18′ N, 10° 34′ O
Basisdaten
Bundesland: Thüringen
Landkreis: Unstrut-Hainich-Kreis
Höhe: 431 m ü. NHN
Fläche: 27,31 km²
Einwohner: 2087 (31. Dez. 2013)[1]
Bevölkerungsdichte: 76 Einwohner je km²
Postleitzahlen: 99996,
99976 (Kleinkeula, Sollstedt)Vorlage:Infobox Gemeinde in Deutschland/Wartung/PLZ enthält Text
Vorwahl: 036029
Kfz-Kennzeichen: UH, LSZ, MHL
Gemeindeschlüssel: 16 0 64 072
Gemeindegliederung: 4 Ortsteile
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Holzthalebener Str. 38
99996 Menteroda
Webpräsenz: www.menteroda.de
Bürgermeister: Martin Wacker
Lage der Gemeinde Menteroda im Unstrut-Hainich-Kreis
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Über dieses Bild
Die Kirche von Menteroda

Menteroda ist eine Gemeinde im Unstrut-Hainich-Kreis in Thüringen.

Geographie[Bearbeiten]

Menteroda befindet sich südlich vom Dorf Keula an der Landesstraße 2093 und an der Nordabdachung des Waldgebietes Mühlhäuser Hardt.

Gemeindegliederung[Bearbeiten]

Die vier Ortsteile der Gemeinde sind:

Geschichte[Bearbeiten]

Menteroda war 1654 von Hexenverfolgung betroffen. Martha Engel, Frau des Amtmannes Hans Engel, 67 Jahre alt, geriet in einen Hexenprozess und wurde enthauptet.[2] Der Ort gehörte ab 1545 zum sächsischen Amt Volkenroda, welches als Exklave seit 1645 zum Herzogtum Sachsen-Gotha, ab 1672 zum Herzogtum Sachsen-Gotha-Altenburg und seit 1826 zum Herzogtum Sachsen-Coburg und Gotha gehörte. 1920 kam der Ort zum Land Thüringen.

Zum 1. August 1996 bilden die zuvor selbstständigen Gemeinden Kleinkeula, Menteroda, Sollstedt und Urbach die neue Einheitsgemeinde Menteroda.[3]

Kirche[Bearbeiten]

Bergbaugeschichte[Bearbeiten]

Bergmann im VEB Kaliwerk Volkenroda (1952)
Menteroda, Tagebau, Abraumhalden (1990)

Menteroda war von 1906 bis 1991 Sitz eines Bergbaubetriebes der Bergbauregion Südharz zur Gewinnung von Kalisalzen. Der Beginn des eigentlichen Kalibergbaus in der gothaischen Exklave Volkenroda fällt in die Zeit um 1900. Am 16. August 1905 genehmigte das Bergamt Ohrdruf die Erkundungsbohrungen der in Gründung befindlichen Gewerkschaft Volkenroda. Die als Aktiengesellschaft geplante Unternehmung sollte nur bei erfolgreicher Prospektion gebildet werden. Der aus Hannover stammende Bergrat Gustav Kost hatte gemeinsam mit dem Hamburger Industriellen Kommerzienrat Gustav Stähr und dem in Beienrode (Königslutter) lebenden Industriellen Gustav Starke auf der Grundlage der geologischen Gutachten einen Plan zur Gründung von Kalibergwerken entwickelt und mit dem Gothaer Bankier Albert Linz einen einflussreichen Befürworter und Finanzgeber gefunden. Am 19. Oktober 1905 wurde in der Flur Menteroda „Am Triftgraben“ mit Erkundungsbohrungen (Deutsche Tiefbohr AG Nordhausen) begonnen, ein weiterer Bohrturm stand an der Straße nach Holzthaleben. Am 4. Juli 1906 war eine Tiefe von etwa 1040 m erreicht und die sofort ausgewerteten Bohrkerne veranlassten Linz einen Bergbaubeamten aus Ohrdruf anzufordern, um in dessen Beisein gewonnene Proben für die amtliche Erlaubnis vorzulegen.

Schon am 28. August 1906 begann der Aufbau des Schachtes „Karl Eduard“ der Kaligewerkschaft Volkenroda, etwa 500 m vom Ortsrand Menteroda entfernt, der erste Schacht hatte einen Durchmesser von 5,5 m. Um die erforderlichen Arbeitskräfte und Grundstücke in kürzester Zeit zu erhalten, wurden den Bauern anstatt Bargeld Kleinaktien angeboten. Der Wert dieser Aktien sollte sich in kurzer Zeit vervielfachen.

Der Bau des ersten Schachtes verlief unter großen technischen Schwierigkeiten: Noch 1906 wurde die Schachttiefe 110 m erreicht, dann stoppte ein starker Wassereinbruch (350 l/min) die Arbeiten. 1907 wurde 423 m Tiefe erreicht. Ständig mussten neue wasserführende Schichten (bis 450 l/min) registriert und abgedichtet werden. Zum Abpumpen mussten Hochleistungspumpen (Duplexpumpen) beschafft werden. Ende 1908 war man (erst) in 808 m Tiefe angekommen. Das Kalisalz wurde Mitte Mai 1909 in einer Tiefe von 977,5 m angefahren, am 22. Mai 1909 war man auf die unterhalb des Kalisalzes folgende Gesteinsschicht in 1001 m Tiefe angekommen.

Bis zur Fertigstellung der Bergwerkseigenen Grubenbahn 1908 musste der Transport des Bergbaugeräts und der erforderlichen Baumaterialien mit Pferdewagen vom Güterverladegleis Holzthaleben bewältigt werden. Das 2,4 km lange Anschlussgleis an die Greußen-Keulaer Kleinbahnstrecke wurde im Sommer 1908 fertiggestellt. Für viele Arbeiten wurden Schachtbauspezialisten aus dem Ruhrgebiet angeworben, die in einer Barackensiedlung am Ortsrand untergebracht waren. Während der Kriegsjahre 1917 und 1918 wurden Kriegsgefangene in den Salzbergwerken der Gewerkschaft eingesetzt. Nach dem Ersten Weltkrieg hatte der Kalibergbau seine erste Blüte, 1919 wurde das Menterodaer Abbaufeld mit dem zur Gewerkschaft gehörenden Schacht Pöthen I verbunden, später wurde auch Schacht Pöthen II angebunden, diese beiden Pöthener Schächte waren 1910 und 1913 fertiggestellt worden, erreichten aber nie den vollen Abbaubetrieb.

Die Schachtanlagen wurden nach Betriebsstilllegung zum Teil abgerissen, die Schächte mit Bauschutt, Erden und Industrieabfällen verfüllt und die Abraumhalde weitgehend renaturiert. Am ehemaligen Schacht befindet sich nun ein Bergbaumuseum mit Schauanlage. Der Standort wurde zum Gewerbegebiet Menterodas entwickelt.

Politik[Bearbeiten]

Gemeinderat[Bearbeiten]

Der Rat der Gemeinde Menteroda besteht aus 14 Ratsfrauen und Ratsherren.

(Stand: Kommunalwahl am 7. Juni 2009)[4]

Bürgermeister[Bearbeiten]

Der hauptamtliche Bürgermeister Martin Wacker wurde am 14. Januar 2007 gewählt.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

  • Hans Grodotzki (* 4. April 1936), Leichtathlet und Olympiamedaillengewinner

Sonstiges[Bearbeiten]

  • Als Zeugnisse eines oft derben Volkshumors bildeten sich bereits vor Jahrhunderten Besonderheiten des jeweiligen Dorfes charakterisierende Neck- und Spitznamen heraus. Demnach lebten hier im Ort Menterodaer Kricken – von Krücke auch Besenbinder – Grund: Im Ort war das Stockmacher- und Besenbinderhandwerk verbreitet.[6]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Thüringer Landesamt für Statistik – Bevölkerung der Gemeinden, erfüllenden Gemeinden und Verwaltungsgemeinschaften nach Geschlecht in Thüringen (Hilfe dazu)
  2. Ronald Füssel: Die Hexenverfolgungen im Thüringer Raum, Veröffentlichungen des Arbeitskreises für historische Hexen- und Kriminalitätsforschung in Norddeutschland, Band 2, Hamburg 2003, S. 247.
  3. StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 1996
  4. Ergebnisse der Gemeinderatswahlen 2009
  5. Thüringer Verband der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten und Studienkreis deutscher Widerstand 1933–1945 (Hg.): Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der Verfolgung 1933–1945, Reihe: Heimatgeschichtliche Wegweiser Band 8 Thüringen, Erfurt 2003, S. 307. ISBN 3-88864-343-0
  6. Rolf Aulepp: Spitznamen der Orte und ihrer Bewohner im Kreise Mühlhausen. In: Eichsfelder Heimathefte, Heft 1, Heiligenstadt 1987, S. 78–83.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Menteroda – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien