Menton

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Menton
Wappen von Menton
Menton (Frankreich)
Menton
Region Provence-Alpes-Côte d’Azur
Département Alpes-Maritimes
Arrondissement Nice
Kanton Menton-Est
Menton-Ouest
Koordinaten 43° 46′ N, 7° 30′ O43.7747222222227.55Koordinaten: 43° 46′ N, 7° 30′ O
Höhe 0–774 m
Fläche 14,05 km²
Einwohner 28.926 (1. Jan. 2011)
Bevölkerungsdichte 2.059 Einw./km²
Postleitzahl 06500
INSEE-Code
Website www.menton.fr

Der Hafen und die Altstadt
Blick auf die Altstadt von Menton
Bastion (Musée Jean Cocteau)

Menton [mɑ̃ˈtõ] (auf okzitanisch [meⁿˈtaⁿ], was in der klassischen Norm Menton, in derjenigen von Frédéric Mistral Mentan geschrieben wird; auf italienisch Mentone) ist eine Stadt im französischen Département Alpes-Maritimes, an der Côte d’Azur in der Region Provence-Alpes-Côte d’Azur, mit 28.926 Einwohnern (Stand 1. Januar 2011). Die Stadt liegt mit ihrem Stadtteil Garavan direkt an der Grenze zu Italien. Menton ist der erste französische Ort nach der italienischen Grenze und damit auch der erste bzw. östlichste französische Ort an der Côte d’Azur.

Lage und Klima[Bearbeiten]

Geschützt durch die Ausläufer der Seealpen im Hinterland zeichnet sich Menton durch ein besonders mildes Klima aus.

Durch die geschützte Lage ist Menton auch im Winter der wärmste Ort an der französischen Côte d’Azur. Die angenehmsten Reisemonate sind der Mai und Mitte September bis Mitte Oktober. Die regenreichste Zeit sind die Monate Februar und März. Im Allgemeinen liegen die Temperaturen in Menton einige Grad über den Temperaturen in Deutschland. Die Monate Juni bis August können sehr heiß werden. Viele Veranstaltungen und Ausstellungen finden allerdings im August statt, dem Ferienmonat der Franzosen und Italiener. Die Winter sind mild, es gibt in Menton kaum Frost, Schnee fällt etwa alle zehn Jahre.

Geschichte[Bearbeiten]

Zur römischen Zeit trug die Bucht von Menton den Namen Pacis Sinus („friedliche Bucht“), über eine Besiedlung aus dieser Zeit ist allerdings nichts bekannt.

Bis 1146 war die Stadt im Besitz der Grafen von Ventimiglia. Danach stand Menton unter der Herrschaft der Kommune von Genua bzw. des genuesischen Geschlechts Vento, bis es 1346 zusammen mit Roquebrune an die Grimaldi von Monaco kam.

Die monegassische Herrschaft sollte bis 1848 dauern. 1848 erhoben sich die Stadt Menton und Roquebrune gegen die von Monaco verlangten Steuern und riefen eine unabhängige Republik aus. Daraufhin griff der französische Kaiser Napoléon III. ein und kaufte Menton dem monegassischen Fürstenhaus ab.

1861 stimmten die Bewohner von Menton für die Zugehörigkeit zu Frankreich. Ende des 19. Jahrhunderts setzte der Fremdenverkehr ein. Das Klima an der Côte d’Azur wurde damals von Ärzten als heilungfördernd bei Tuberkulose empfohlen. Deshalb war diese Stadt im 19. Jahrhundert ein beliebtes Winterquartier für Engländer und Russen. Unter anderem hielt sich hier die britische Königin Victoria in ihren Winterurlauben auf.[1] Noch heute kann man die großen Hotels und Gärten bewundern, die damals für die Engländer errichtet wurden, sowie eine orthodoxe Kirche.

1872 wurde die Stadt über die Bahnstrecke Marseille–Ventimiglia an das Eisenbahnnetz angebunden. Im Ersten Weltkrieg hielten sich in Menton auch zahlreiche verwundete Soldaten zur Genesung auf.

Im Zweiten Weltkrieg wurde Menton mit der Kapitulation Frankreichs rasch von Italienern besetzt, 1943 nach der Kapitulation Italiens von den Deutschen, denen es 1944 unter schweren Kämpfen abgenommen wurde. Menton lag in Trümmern und es dauerte bis Mitte der 1960er Jahre, als die Stadt wieder aufgebaut war. Seitdem entwickelt sich der Tourismus in Menton kräftig weiter. Mit der wachsenden Mobilität der wohlhabenden Bevölkerung Norditaliens gelangt Menton nach und nach wieder unter italienischen Einfluss. Seit dem Fortfall der Grenzkontrollen und der Einführung des Euro finden hier viele italienische Bürger eine neue Heimat.

Wappen[Bearbeiten]

Beschreibung: Das Wappen ist in Blau und Silber gespalten. Vorn alles in Gold, der Erzengel Michael steht mit dem rechten Bein auf einem bäuchlings liegenden, den Dreizack in der rechten Hand haltenden Teufel und hält mit in der rechten Hand ein zum Stechen bereites Schwert und in der linken eine Waage. Hinten ein grüner, aus einem grünen Berg wachsender, acht goldene Zitronen tragender Baum. Der blaue Schildfuß ist durch Wellenschnitt und das blaue Schildhaupt mit drei silbernen fünfzackigen balkenweis gestellten Sternen gerade abgetrennt.

Wirtschaft[Bearbeiten]

Die Wirtschaft Mentons ist von Tourismus- und Dienstleistungsangeboten geprägt. Viele Einwohner Mentons arbeiten im 12 km entfernten Monaco und im 25 km entfernten Nizza. Das Baugewerbe ist seit Fortfall der innereuropäischen Grenzen fest in italienischer Hand.

Die klimatisch begünstigte Lage ließ im 19. Jahrhundert den Zitronenanbau zum wichtigsten Erwerbszweig werden. Heute ist die wirtschaftliche Bedeutung des immer noch traditionell betriebenen Anbaus gering. Die Zitrone, der seit 1934 die Fête du Citron (Zitronenfest) gewidmet ist (Ende Februar – Anfang März), ist das Symbol der Stadt. Mehr als 1000 Tonnen Zitrusfrüchte werden für die Zubereitung der Umzugswagen und der Dekoration des Parc Biovès benötigt, die wegen der riesigen benötigten Menge allerdings heutzutage größtenteils aus Spanien kommen. Ein beliebtes touristisches Mitbringsel ist die Zitronenmarmelade aus Menton.

Am Strand von Menton
Kathedrale Saint-Michel

Kultur und Sport[Bearbeiten]

Traditionen[Bearbeiten]

Das jährliche Zitronenfest wird seit 1930 gefeiert.[2]

Im August wird ein internationales Kammermusikfestival veranstaltet.

Einheimische Sprache[Bearbeiten]

In Menton wird noch eine Art der provenzalischen Sprache gesprochen, die man Mentonasc nennt und die den Übergang zu der ligurischen Sprache darstellt.

Sport[Bearbeiten]

In Menton werden Segelsportwettbewerbe ausgetragen. Außerdem findet alljährlich im Juli oder August ein Kartrennen in der Nähe des neuen Hafens statt.

Menton ist der südliche Endpunkt des Fernwanderwegs GR 52, der auch als alternativer Abschluss des Europäischen Fernwanderwegs E2/GR 5 begangen wird.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Die Altstadt mit ihren pastellfarbenen Häuserfassaden vermittelt ein stark italienisches Flair. Die Stadt besitzt zahlreiche Gärten und Parks vor allem im Vorort Garavan mit zum Teil seltenen subtropischen Pflanzen, die im günstigen Mikroklima von Menton besonders gut gedeihen. Die Promenade du Soleil, die Uferpromenade in Menton, mit schönem Strand ist weniger touristisch als z. B. Nizza und Cannes.

Kirchen[Bearbeiten]

  • Die barocke Kathedrale Saint-Michel von 1675. Vor der Kirche befindet sich ein Mosaik mit dem Wappen der Grimaldis, die die Stadt jahrhundertelang beherrschten.
  • Das Kapuzinerkloster L’Annonciade aus dem 18. Jahrhundert mit Ausblick über Menton.

Museen[Bearbeiten]

Musée Jean Cocteau / Museum Jean Cocteau
  • Musée Jean Cocteau: Von Jean Cocteau selbst zu Lebzeiten entworfenes und mit eigenen Gemälden und Keramiken ausgestattetes Kunstmuseum in der ehemaligen Bastion direkt am Hafen.
  • Rathaus (Hôtel de Ville): von Jean Cocteau gestalteter Hochzeitssaal (Salle des Mariages).
  • Prähistorisches Museum (Musée de Préhistoire Régionale): enthält unter anderem den Schädel des sogenannten Grimaldi-Menschen, der in den Grotten östlich von Menton gefunden wurde.
  • Musée des Beaux-Arts Menton, Musée des Beaux-Arts du Palais Carnolès: Gemäldegalerie mit italienischen, französischen und flämischen Malern des 14.–17. Jahrhundert.
  • Musée Jean Cocteau Collection Severin Wunderman: Die Sammlung Séverin Wunderman mit vielen Werken von Jean Cocteau im neuen Museum am östlichen Ende der Strandpromenade vor der alten Markthalle - seit November 2011.

Gärten[Bearbeiten]

Garten Serre de la Madone
  • Jardin du Palais Carnolès: älteste Gartenanlage der Stadt mit zahlreichen Zitrusbäumen und Skulpturen.
  • Jardin de la Villa Marina Serena: der Garten der 1880 von Charles Garnier entworfenen Villa enthält zahlreiche seltene subtropische Pflanzen.
  • Jardin Fontana Rosa: Ehemals privater Garten des spanischen Schriftstellers Vicente Blasco Ibáñez mit illustrierten Keramiken zu Don Quijote von Miguel de Cervantes (1547–1616), in den 1990er Jahren in den Besitz der Stadt Menton übergegangen und seitdem ab und zu öffentlich zugänglich. Teile der Anlage Fontana Rosa sind vom Bahnhof Garavan sichtbar.
  • Jardin Botanique Val Rameh in Garavan. Botanischer Garten mit Sammlung subtropischer Pflanzen.
  • Serre de la Madone, der restaurierte Garten des englischen Gartenplaners Sir Lawrence Johnston (1871–1958).
  • Le Jardin des Colombières, restaurierter Privatgarten, Hauptwerk des Gartenkünstlers Ferdinand Bac (1859–1952).

Denkmäler[Bearbeiten]

Menton bei Nacht

Städtepartnerschaften[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  •  Jens Rosteck: Gebrauchsanweisung für Nizza und die Côte d’Azur. Piper-Verlag, München 2007, 2010, ISBN 978-3-492-27554-5 (Literarisch-kulturgeschichtliches Porträt der Region einschließlich Kapitel über Menton).
  •  Ralf Nestmeyer: Côte d’Azur. 7 Auflage. Michael-Müller-Verlag, Erlangen 2012, ISBN 978-3-89953-680-5.
  •  Ralf Nestmeyer: Provence und Côte d’Azur. Literarische Reisebilder aus dem Midi. Klett-Cotta-Verlag, Stuttgart 2005, ISBN 3-608-93654-8.
  •  Britta Sandberg: Côte d’Azur. DuMont-Reiseverlag, Köln 2002, ISBN 3-7701-5970-5.
  •  Der Grüne Reiseführer. Côte d’Azur Französische Riviera. Michelin Reise-Verlag, Karlsruhe 2002, ISBN 2-06-000246-X.
  •  Barbara F. Freed, Alan Halpern: Artists and their museums on the riviera. Abrams, New York 1998, ISBN 0-8109-2761-6 (englischsprachiger Führer zu allen Museen, Kirchen, Kapellen, Sammlungen, Kunstwerken und Wohnhäusern sowie Gärten der Künstler an der Côte d’Azur mit der Kunst des 20. Jahrhunderts von Cocteau, Picasso, Léger, Renoir, Chagall, Matisse, Jakovsky).
  •  Woldemar Kaden und Maler Hermann Nestel: Die Riviera - Wanderziele und Winterasyle der Ligurischen Küste von Nizza bis Spezia. W. Spemann, Berlin und Stuttgart 1884 (Ausführliche Beschreibung der Umgebung Mentons aus dem 19. Jahrhundert).

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. New York Times:In Menton, Quiet days and silent nights
  2. Internetseite zum Zitronenfest

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Menton – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien