Mephisto-Walzer

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Die Mephisto-Walzer sind vier virtuose Stücke für Klavier solo von Franz Liszt. Von den vieren erlangte der erste besondere Berühmtheit und wird regelmäßig im Konzert gespielt. Er wurde in den Jahren 1856–1861 geschrieben, und Liszt fertigte später noch eine Orchesterversion des Stückes an. Er widmete den Walzer Carl Tausig, seinem besten und Lieblingsklavierschüler (welcher frühzeitig, im Alter von 29 im Jahr 1870 verstarb). Dieser erste der Reihe wird gemeinhin einfach der „Mephisto-Walzer“ genannt.

  1. Der Mephisto-Walzer Nr. 1, „Der Tanz in der Dorfschenke“, soll die Geschehnisse der Legenden um Faust darstellen, so wie sie in der Version von Nikolaus Lenau beschrieben sind (im Gegensatz dazu orientiert sich Liszt in seinen anderen Faust-Stücken an Goethes Faust). Faust und Mephisto betreten eine Dorfschenke, wo gerade eine Hochzeitsfeier stattfindet. Mephisto nimmt sich eine Geige von einem der Bauern, stimmt sie (was am Anfang durch die sich aufbauenden Quinten dargestellt wird) und spielt alsdann einen wilden Tanz. Nach einmaliger Wiederholung folgt ein langsamer Zwischenteil mit einem neuen Thema: Faust versucht, eine Frau zu verführen, nach einigem Werben flieht er mit ihr in den Wald. Der Gesang einer Nachtigall erklingt, und die Musik baut sich zu einem mitreißenden Höhepunkt auf – Faust verbringt eine leidenschaftliche Nacht mit der Frau. Dies gilt als erste Darstellung eines Orgasmus in klassischer Musik.
  2. Der Mephisto-Walzer Nr. 2 folgte dem ersten nach 20 Jahren (komponiert zwischen 1878 und 1881). Wiederum orchestrierte Liszt das Stück, nachdem er die Soloversion vollendet hatte. Das Stück ist Camille Saint-Saëns gewidmet und benutzt eine sehr fortgeschrittene Tonsprache - in ähnlicher Weise wie der erste Walzer.
  3. Mephisto-Walzer Nr. 3 treibt die harmonischen Experimente noch weiter. Komponiert im Jahre 1883 finden sich hier auf Quarten aufgebaute Akkorde und mehrere ominöse Passagen aus absteigenden Moll-Dreiklängen, deren Grundtöne einen Halbton auseinanderliegen. Damit gehört das Stück eindeutig zu Liszts spätem, experimentellen Stil (während Nr. 2 noch dazwischen lag). Diesmal gab es keine Orchesterversion, obwohl es den Anschein hat, als habe Liszt derartiges geplant. Möglicherweise aus gesundheitlichen Gründen konnten diese Pläne dann nicht durchgeführt werden. Dieser Walzer ist der Pianistin und Komponistin Marie Jaell gewidmet [1].
  4. Der Mephisto-Walzer Nr. 4 blieb unvollendet. Liszt arbeitete 1885 an dem Stück. Es ist zwar eine vervollständigte Version im Umlauf (Passagen in den Eckteilen wurden hinzugefügt und die unvollständige langsame Mittelsektion ausgelassen), dennoch kann es durchaus auch so bestehen. Leslie Howard - berühmt für seine Gesamtaufnahme des Liszt'schen Solowerks für Klavier (ein schier endloses Werk von mehr als 95 CDs) - nahm diesen Walzer mit Mittelsektion auf, welche er jedoch auf Grundlage von Liszts Manuskripten mit einem Minimum an eigenen Noten vervollständigte.

Es existiert folglich auch keine von Liszt beendete Orchesterversion des Walzers.

Die Mephisto-Walzer sind berüchtigt für ihre sofort erkennbare, diabolische Atmosphäre.

Hörbeispiel „Mephisto-Walzer Nr. 1“[Bearbeiten]

Speaker Icon.svg Mephisto-Walzer Nr. 1   

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. http://perso.orange.fr/jc.ingelaere/jaell/oeuvresp.htm

Weblinks[Bearbeiten]