Mercedes-Benz A-Klasse
(1997–2004)
(2004–2012)
(seit 2012)
Die Mercedes-Benz A-Klasse ist die kompakteste Modellreihe der Automobilmarke Mercedes-Benz. Sie ist die erste Mercedes-Modellreihe mit Frontantrieb in der Kompaktklasse und wurde aus der Studie A entwickelt.[1] Von den beiden ersten 1991 entwickelten Prototypen der Studie A war dabei eines mit Elektroantrieb, das Andere mit Verbrennungsmotor ausgestattet. Bis 1997 wurde auch die Version mit Elektroantrieb und beachtlichen Leistungswerten entwickelt.[2]
Im Oktober 1997 führte Mercedes die A-Klasse mit Verbrennungsmotoren in den Markt ein. Auf eine Serienfertigung der elektrischen A-Klasse wurde aus wirtschaftlichen Gründen verzichtet. Die Elektroversion wurde ab 1998 zur Dauererprobung eingesetzt.[3] Sie schuf mit den Versuchsfahrzeugen NECAR die Basis für die heutigen Entwicklungen E-Cell und F-Cell mit alternativen Antriebssystemen. Mercedes war mit der A-Klasse Vorreiter bei den Minivans. Neu waren bei Einführung der A-Klasse die Position des Motors und die Sandwichbauweise der Bodengruppe.
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Motoranordnung [Bearbeiten]
Um viel Platz für Passagiere und Nutzraum zu schaffen, ist der Vorbau (Motorhaube) bei der kompakten A-Klasse sehr kurz. Daraus resultiert die Notwendigkeit, bei einer hohen Crashsicherheit mit den Aspekten
- des Abbaus der Bewegungsenergie auf einem verträglichen Verzögerungsniveau ohne auf verformbare Konsolen (sogenannte Crashboxen) zurückgreifen zu können, da diese zu lang bauen und
- trotzdem bei einem Crash zu verhindern, dass der Überlebensraum in der Fahrgastzelle durch die Verformung verkleinert wird,
auf ein anderes Konzept zurückgreifen zu müssen.
Der Motor ist nicht, wie bei Frontantrieb üblich, vor den beiden Antriebswellen angeordnet, sondern ist nach vorn über sie geneigt. Dabei bildet der Motor eine von der Seite betrachtet dreieckförmige Anordnung der Antriebseinheit vor der Fahrgastzelle, welche bei einem Crash unter das Auto gleitet.[4]
Damit kann trotz des kurzen Vorbaus eine lange Knautschzone zum Energieabbau bei einem Frontalaufprall zur Verfügung gestellt werden, woraus eine hohe Crashsicherheit resultiert.[5] Besonderer Wert wurde auch auf die Kompatibilität, z. B. den Frontalcrash mit einem schwereren Fahrzeug gelegt.
Die beschriebenen Innovationen wurden patentiert als
- „Kraftwagen mit einem in einem spitzen Winkel gegen die Horizontale geneigten Antriebsmotor“ (Patent DE 43 26 396 C 2),
- „Stirnwandaufbau für einen Kraftwagen mit vorn angeordneter Antriebseinheit“ (Patent DE 44 00 132 C1)
und gelten im Automobilbau als revolutionär. Nachteilig ist die notwendige besondere Konstruktion von Motor und Getriebe, die einen plattformübergreifenden Einsatz erschwert und damit die Kosten erhöht.
Sandwichförmige Bodengruppe [Bearbeiten]
Eine weitere Innovation ist der Sandwichboden. Er bietet bei kompakten Aussenabmessungen hohe Insassensicherheit, Raumökonomie und Variabilität.[6] Das System aus Längs- und Querträgern erfüllt Anforderungen bei Frontal- und Seitencrash, die sonst nur bei größeren Fahrzeugen möglich sind. Im Sandwichboden sind die Bordbatterie, die Auspuffanlage und der Kraftstofftank untergebracht. Bei TIREFIT entfällt das Reserverad. Der Platz kann dann für Gepäck genutzt werden.
Der Sandwichboden eignet sich auch zur Realisierung alternativer Antriebskonzepte, ohne dass der nutzbare Raum eingeschränkt wird. In diesen Zwischenboden wurde schon bei der Version mit Elektroantrieb von 1997 die Zebra-Batterie von unten montiert.[2] Im neuen E-Cell nimmt der Sandwichboden den Lithium-Ionenakku auf, bei F-Cell zusätzlich die Brennstoffzellentechnik.
Vorteil zur Aufnahme alternativer Antriebseinheiten [Bearbeiten]
Die Bodengruppe in sogenannter Sandwichbauweise[7] bietet Raum für alternative Antriebselemente wie
- Batterien[8] oder
- Brennstoffzellen und großvolumige Tankeinheiten[9] für die Versorgung der Brennstoffzelle.
Der Einbau kann dabei gut zugänglich von unten erfolgen und schränkt das Platzangebot im Fahrzeug nur in geringem Ausmaß ein.
Sicherheitsvorteil bei alternativen Antrieben [Bearbeiten]
Der Schutz der Insassen vor den schweren Batterien oder Drucktanks, beispielsweise bei einem Überschlag, ist das entscheidende zu lösende Sicherheitsproblem bei allen Fahrzeugen mit alternativen Antrieben. Mercedes löste mit dem Sandwichboden das Problem, brachte es dann aber nicht zur Anwendung.[2]
Durch die Abkapselung der alternativen Antriebselemente in einem eigenen Raum unter der Fahrgastzelle werden die alternativen Antriebselemente bei einem Unfall, einschließlich eines Überschlags, sicher von den Insassen ferngehalten.
Nachteile [Bearbeiten]
Beim Einsatz eines Sandwichboden verlagert sich der Fahrzeugschwerpunkt durch die höhere Position aller über dem Sandwich gelegenen Elemente (Sitze, Personen, Dachgruppe) nach oben. Dies erfordert eine andere Fahrwerksabstimmung. Bei alternativen Antrieben ist dagegen das erhöhte Gewicht bei der Fahrwerksabstimmung zu berücksichtigen.
Mercedes behob die beim Elchtest[10] publik gewordenen Stabilitätsprobleme der A-Klasse konsequent durch einen Produktionsstopp und umfangreiche Nachrüstungen mit steiferen Stabilisatoren und dem ersten serienmäßigen ESP in der Kompaktklasse.[11]
Geschichte der A-Klasse [Bearbeiten]
1997 [Bearbeiten]
Im Oktober 1997 wurde die erste Generation der A-Klasse eingeführt.
2001 [Bearbeiten]
Ab März 2001 wurde das Programm um eine Version mit verlängertem Radstand ergänzt. Dem Ursprungsmodell mit kurzem Radstand wurde ein Facelift zuteil.
2004 [Bearbeiten]
Im Oktober 2004 kam die zweite Modellgeneration mit größerer Spurweite auf den Markt. Sie war nicht mehr nur als Fünftürer, sondern auch als Dreitürer (Coupé) erhältlich. Die Version mit kurzem Radstand entfiel.
2005 [Bearbeiten]
Im Juni 2005 wurde zusätzlich die eng verwandte B-Klasse eingeführt. Sie hat dieselbe Spurweite wie die A-Klasse, aber 21 cm mehr Radstand und eine 43 cm längere Karosserie.[12]
2012 [Bearbeiten]
Seit September 2012 ist die nunmehr dritte Generation der A-Klasse auf dem Markt.[13] Das Sandwichboden-Konzept wurde bei dieser ebenso aufgegeben wie das Konzept des Minivan. Es handelt sich vielmehr um ein deutlich flacheres (Höhe 1,43 Meter = 18 Zentimeter tiefer als das Vorgängermodell) und breiteres (1,78 m breit) Schrägheckmodell, das nun vollständig der Kompaktklasse zugeordnet werden kann.[14] Die Länge beträgt 4,29 Meter.
Generationen und Derivate [Bearbeiten]
- A-Klasse (W 168) (1997–2004)
-
- Vaneo (W 414) (2001–2005)
- A-Klasse (W 169/C 169) (2004–2012)
-
- B-Klasse (T 245) (2005–2011)
- A-Klasse (W 176) (seit 2012)
-
- B-Klasse (W 246) (seit 2011)
- CLA-Klasse (C 117) (seit 2013)
Einzelnachweise [Bearbeiten]
- ↑ Anja Rother, Tübingen 2003: Krisenkommunikation in der Automobilindustrie. Eine inhaltsanalytische Studie am Beispiel der Mercedes-Benz-A-KlassePDF; 1,2 MB
- ↑ a b c Prospekt der Daimler-Benz AG, 12/1997:The A-Class Electric Vehicle, Powered by the ZEBRA Battery System PDF-Prospekt, aufgerufen 23. Januar 2012
- ↑ Daimler AG, Elektromobilität bei Daimler:Geschichte der Elektrofahrzeuge mit Batterie, Webseite Daimler AG, eingefügt 27. Januar 2012
- ↑ Spiegel online, Juli 2004: Mercedes A-Klasse: …und es hat Boom gemacht. Abgerufen am 16. September 2009.
- ↑ Mercedes-Benz: Schema: Abtauchen der Antriebseinheit bei Frontalaufprall aufgerufen 27. Januar 2012.
- ↑ Christof Vieweg. Alles über die Mercedes-Benz A-Klasse, Eine Publikation des Daimler-Benz Service, Stuttgart. 1. Auflage 1997, ISBN 3-9804457-8-X
- ↑ Daimler AG:Illustration zur Sandwich-Bauweise
- ↑ Mercedes A-Klasse mit Elektro Motor. 2010. Abgerufen am 26. Januar 2012.
- ↑ Daimler erhöht den Druck. 7. Juli 2008. Abgerufen am 30. Januar 2010.
- ↑ Der Spiegel, November 1997:Tanz um die Gummihütchen, aufgerufen 23. Januar 2012
- ↑ Welt online 21. Oktober 2007:Mercedes und der Elch: Die perfekte Blamage, aufgerufen 23. Januar 2012
- ↑ Paarlaufen: Mercedes B 200 gegen A 200. Motor Presse Stuttgart. 23. August 2005. Abgerufen am 17. September 2009.
- ↑ FAZ Technik & Motor: Der verschmähte Käufer, eingefügt 13. März 2012
- ↑ autobild.de
Weblinks [Bearbeiten]
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