Mercedes-Benz A-Klasse

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A-Klasse ist die Bezeichnung einer kompakten Modellreihe der Automobilmarke Mercedes-Benz. Sie wurde unter der Registriernummer 000114082 für die Daimler AG im Europäischen Markenregister eingetragen[1]. A-Klasse ist die erste Mercedes-Modellreihe für PKw mit Frontantrieb in der Kompaktklasse und wurde aus der Studie A entwickelt.[2] Von den beiden ersten 1991 entwickelten Prototypen der Studie A war dabei eines mit Elektroantrieb, das andere mit Verbrennungsmotor ausgestattet. Bis 1997 wurde auch die Version mit Elektroantrieb und beachtlichen Leistungswerten entwickelt.[3]

Im Oktober 1997 führte Mercedes-Benz die A-Klasse mit Verbrennungsmotoren in den Markt ein. Auf eine Serienfertigung der elektrischen A-Klasse wurde aus wirtschaftlichen Gründen verzichtet. Die Elektroversion wurde ab 1998 zur Dauererprobung eingesetzt.[4] Sie schuf mit den Versuchsfahrzeugen NECAR die Basis für die heutigen Entwicklungen E-Cell und F-Cell mit alternativen Antriebssystemen. Mercedes-Benz war mit der A-Klasse Vorreiter bei den Minivans. Neu waren bei Einführung der A-Klasse die Position des Motors und die Sandwichbauweise der Bodengruppe.

Motoranordnung (Baureihe 168/169)[Bearbeiten]

Um viel Platz für Passagiere und Nutzraum zu schaffen, ist der Vorbau (Motorhaube) bei der kompakten A-Klasse sehr kurz. Daraus resultiert die Notwendigkeit, bei einer hohen Crashsicherheit mit den Aspekten

  • des Abbaus der Bewegungsenergie auf einem verträglichen Verzögerungsniveau ohne auf verformbare Konsolen (sogenannte Crashboxen) zurückgreifen zu können, da diese zu lang bauen und
  • trotzdem bei einem Crash zu verhindern, dass der Überlebensraum in der Fahrgastzelle durch die Verformung verkleinert wird,

auf ein anderes Konzept zurückgreifen zu müssen.

Der Motor ist nicht, wie bei Frontantrieb üblich, vor den beiden Antriebswellen angeordnet, sondern ist nach vorn über sie geneigt. Dabei bildet der Motor eine von der Seite betrachtet dreieckförmige Anordnung der Antriebseinheit vor der Fahrgastzelle, welche bei einem Crash unter das Auto gleitet.[5]

Damit kann trotz des kurzen Vorbaus eine lange Knautschzone zum Energieabbau bei einem Frontalaufprall zur Verfügung gestellt werden, woraus eine hohe Crashsicherheit resultiert.[6] Besonderer Wert wurde auch auf die Kompatibilität, z. B. den Frontalcrash mit einem schwereren Fahrzeug gelegt.

Die beschriebenen Innovationen wurden patentiert als

  • „Kraftwagen mit einem in einem spitzen Winkel gegen die Horizontale geneigten Antriebsmotor“ (Patent DE 43 26 396 C 2),
  • „Stirnwandaufbau für einen Kraftwagen mit vorn angeordneter Antriebseinheit“ (Patent DE 44 00 132 C1)

und gelten im Automobilbau als revolutionär. Nachteilig ist die notwendige besondere Konstruktion von Motor und Getriebe, die einen plattformübergreifenden Einsatz erschwert und damit die Kosten erhöht.

Sandwichförmige Bodengruppe (Baureihe 168/169)[Bearbeiten]

Mercedes-Benz A-Klasse "E-Cell"

Eine weitere Innovation ist der Sandwichboden. Er bietet bei kompakten Außenabmessungen hohe Insassensicherheit, Raumökonomie und Variabilität.[7] Das System aus Längs- und Querträgern erfüllt Anforderungen bei Frontal- und Seitencrash, die sonst nur bei größeren Fahrzeugen möglich sind. Im Sandwichboden sind die Bordbatterie, die Auspuffanlage und der Kraftstofftank untergebracht. Bei TIREFIT entfällt das Reserverad. Der Platz kann dann für Gepäck genutzt werden.

Der Sandwichboden eignet sich auch zur Realisierung alternativer Antriebskonzepte, ohne dass der nutzbare Raum eingeschränkt wird. In diesen Zwischenboden wurde schon bei der Version mit Elektroantrieb von 1997 die Zebra-Batterie von unten montiert.[3] Im neuen E-Cell nimmt der Sandwichboden den Lithium-Ionenakku auf, bei F-Cell zusätzlich die Brennstoffzellentechnik.

Vorteil zur Aufnahme alternativer Antriebseinheiten[Bearbeiten]

Die Bodengruppe in sogenannter Sandwichbauweise[8] bietet Raum für alternative Antriebselemente wie

  • Batterien[9] oder
  • Brennstoffzellen und großvolumige Tankeinheiten[10] für die Versorgung der Brennstoffzelle.

Der Einbau kann dabei gut zugänglich von unten erfolgen und schränkt das Platzangebot im Fahrzeug nur in geringem Ausmaß ein.

Sicherheitsvorteil bei alternativen Antrieben[Bearbeiten]

Der Schutz der Insassen vor den schweren Batterien oder Drucktanks, beispielsweise bei einem Überschlag, ist das entscheidende zu lösende Sicherheitsproblem bei allen Fahrzeugen mit alternativen Antrieben. Mercedes löste mit dem Sandwichboden das Problem, brachte es dann aber nicht zur Anwendung.[3]

Durch die Abkapselung der alternativen Antriebselemente in einem eigenen Raum unter der Fahrgastzelle werden die alternativen Antriebselemente bei einem Unfall, einschließlich eines Überschlags, sicher von den Insassen ferngehalten.

Nachteile[Bearbeiten]

Beim Einsatz eines Sandwichboden verlagert sich der Fahrzeugschwerpunkt durch die höhere Position aller über dem Sandwich gelegenen Elemente (Sitze, Personen, Dachgruppe) nach oben. Dies erfordert eine andere Fahrwerksabstimmung. Bei alternativen Antrieben ist dagegen das erhöhte Gewicht bei der Fahrwerksabstimmung zu berücksichtigen.

Mercedes behob die beim Elchtest[11] publik gewordenen Stabilitätsprobleme der A-Klasse konsequent durch einen Produktionsstopp und umfangreiche Nachrüstungen mit steiferen Stabilisatoren und dem ersten serienmäßigen ESP in der Kompaktklasse.[12]

Geschichte der A-Klasse[Bearbeiten]

1997[Bearbeiten]

Hauptartikel: Mercedes-Benz Baureihe 168

Im Oktober 1997 wurde die erste Generation der A-Klasse eingeführt.

2001[Bearbeiten]

Ab März 2001 wurde das Programm um eine Version mit verlängertem Radstand ergänzt. Dem Ursprungsmodell mit kurzem Radstand wurde ein Facelift zuteil.

2004[Bearbeiten]

Hauptartikel: Mercedes-Benz Baureihe 169

Im Oktober 2004 kam die zweite Modellgeneration mit größerer Spurweite auf den Markt. Sie war nicht mehr nur als Fünftürer, sondern auch als Dreitürer (Coupé) erhältlich. Die Version mit kurzem Radstand entfiel.

2005[Bearbeiten]

Im Juni 2005 wurde zusätzlich die eng verwandte B-Klasse eingeführt. Sie hat dieselbe Spurweite wie die A-Klasse, aber 21 cm mehr Radstand und eine 43 cm längere Karosserie.[13]

2012[Bearbeiten]

Hauptartikel: Mercedes-Benz W 176

Seit September 2012 ist die nunmehr dritte Generation der A-Klasse auf dem Markt.[14] Das Sandwichboden-Konzept wurde bei dieser ebenso aufgegeben wie das Konzept des Minivans. Es handelt sich vielmehr um ein deutlich flacheres (Höhe 1,43 Meter = 18 Zentimeter tiefer als das Vorgängermodell) und breiteres (1,78 m breit) Schrägheckmodell, das nun vollständig der Kompaktklasse zugeordnet werden kann.[15] Die Länge beträgt 4,29 Meter.

Generationen und Derivate[Bearbeiten]

Neuzulassungen in Deutschland, Marktpositionierung und Konkurrenz: Monopolstellung, Fall, Wiederanschluss[Bearbeiten]

Jahr A-Klasse A3, S3, RS3 1er
19971 4.537 64.940
1998 76.443 59.923
1999 100.376 61.237 [16]
2000 94.751 52.614 [16]
2001 87.742 48.497 [17]
2002 77.479 40.474 [18]
2003 69.678 55.362 [19]
20042 74.779 60.891 14.749 [20]
2005 85.691 66.737 55.621 [21]
2006 71.294 77.044 56.293 [22]
2007 62.193 70.517 55.105 [23]
2008 61.583 65.088 75.621 [24]
2009 54.622 72.238 71.400 [25]
2010 51.579 63.466 55.353 [26]
2011 43.542 53.801 52.881 [27]
20123 31.973 45.999 59.241 [28]
20134 34.679 39.035 35.714 [29]

Während die A-Klasse in ihrem ersten vollen Jahr der Neuzulassungen 1998 Rang 16 der deutschen Neuzulassungsstatistik erreichte, stiegen die Neuzulassen 1999 weiter an und erreichten den bis heute höchsten Wert. Zeitgleich handelt es beim Jahr 1999 um das einzige Jahr, in dem die Neuzulassungen die 100.000-Einheiten-Marke überschritten hatten, womit die A-Klasse Rang 7 erreichte. Die A-Klasse hatte sich damit in den Top 10 etabliert. Auch im Jahre 2000 hielt die A-Klasse den siebten Rang, rutschte 2001 um zwei Plätze auf Rang 9 ab. 2002 landete die A-Klasse auf Platz 11 (-2), der auch 2003 und 2004 gehalten werden konnte. Aufgrund der Einführung der Baureihe 169 im Oktober 2004 stiegen die Neuzulassungen im ersten vollen Verkaufsjahr ebendieser Baureihe auf den besten Wert seit 2001. Sie platzierte sich auf Rang 6, der bis heute höchsten Platzierung. Bereits 2006 sanken die Neuzulassungen wieder, die A-Klasse verlor fünf Ränge und landete auf der 11. Diesen Platz belegte das Modell auch im Folgejahr. Dem Alterungsprozess entsprechend und durch neue Modelle der Konkurrenten bedingt verlor die A-Klasse ab 2008 verhältnismäßig stark und belegte 2008 den 12. (-1), 2009 nur noch den 18. Rang (-6). 2010 gewann die A-Klasse am Ende ihres Produktionszyklus' nochmals an Fahrt und konnte sich auf Rang 14 (+4) positionieren. 2011 verlor die A-Klasse jedoch wieder (Rang 21, -7), was sich auch im Jahr 2012 bestätigte (Rang 25, -4). Jedoch gab es eine Produktionspause von einem halben Jahr zwischen dem Produktionsende Baureihe 169 und der Produktionsaufnahme der Baureihe 176, was ungewöhnlich lang ist und beim vorangegangenen Modellwechsel nicht der Fall war, was die deutlich gesunkenen Zahlen für 2012 begründet.

Daimler Chrysler respektive Daimler sah und sieht die direkten Konkurrenten der A-Klasse im Audi A3 und im BMW 1er. Vom ersten vollen Verkaufsjahr an lag die A-Klasse deutlich vor dem ein Jahr vor der A-Klasse eingeführten Audi A3. Dies gelang der A-Klasse durchgehend bis einschließlich 2005. Erst dann, nicht zuletzt wegen des Einstiegs in die Kompaktklasse seitens BMW mit dem 1er, der Einführung des konzeptionell ähnlich aufgestellten VW Golf Plus und der Einführung der B-Klasse, die zum damaligen Zeitpunkt dasselbe Konzept wie die A-Klasse verfolgte, dabei nur etwas größer war und somit auch der A-Klasse Käufer raubte, verlor die A-Klasse 2006 den ersten Rang unter den drei Premium-Herstellern knapp an den A3, behauptete sich jedoch vor dem noch neuen 1er, was sich 2007 fortgesetzt hatte. Ab 2008 wurde der Abstand zwischen dem Duo A3 und 1er, der die A-Klasse von da an überholt hatte, und ebendieser größer. Bis 2012 hängten der Audi A3 und BMW 1er die A-Klasse zunehmend ab. Erst 2013 (mit Stand vom September) konnte die A-Klasse aufgrund der radikalen Konzeptänderung – weg vom konzeptionellen Minivan, hin zum gewöhnlichen Format der Kompaktklasse – den Abstand auf nur noch rund 1.000 Einheiten zum BMW 1er sowie 4.500 auf den Audi A3 deutlichst verkürzen.

Die A-Klasse hat sich trotz anfänglicher Schwierigkeiten zu einem wichtigen Standbein der Marke Mercedes-Benz entwickelt und stellt heute neben der B-, C- und E-Klasse das Kernportfolio dar. Die in den ersten Jahren hohen Neuzulassungszahlen resultierten aus fehlender Konkurrenz und einem damals innovativen, neuen Konzept.

1 Einführung der Baureihe 168 im September 1997
2 Einführung der Baureihe 169 im Oktober 2004, Ende der Produktion der Baureihe 168 im September 2004
3 Einführung der Baureihe 176 im September 2012, Ende der Produktion der Baureihe 169 bereits im April 2012
4 Bis einschließlich August 2013


Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Markeneintrag A-Klasse
  2. Anja Rother, Tübingen 2003: Krisenkommunikation in der Automobilindustrie. Eine inhaltsanalytische Studie am Beispiel der Mercedes-Benz-A-KlassePDF; 1,2 MB
  3. a b c Prospekt der Daimler-Benz AG, 12/1997:The A-Class Electric Vehicle, Powered by the ZEBRA Battery System PDF-Prospekt, aufgerufen 23. Januar 2012
  4. Daimler AG, Elektromobilität bei Daimler:Geschichte der Elektrofahrzeuge mit Batterie, Webseite Daimler AG, eingefügt 27. Januar 2012
  5. Spiegel online, Juli 2004: Mercedes A-Klasse: …und es hat Boom gemacht. Abgerufen am 16. September 2009.
  6. Mercedes-Benz: Schema: Abtauchen der Antriebseinheit bei Frontalaufprall aufgerufen 27. Januar 2012.
  7. Christof Vieweg. Alles über die Mercedes-Benz A-Klasse, Eine Publikation des Daimler-Benz Service, Stuttgart. 1. Auflage 1997, ISBN 3-9804457-8-X
  8. Daimler AG:Illustration zur Sandwich-Bauweise
  9. Mercedes A-Klasse mit Elektro Motor. 2010. Abgerufen am 26. Januar 2012.
  10. Daimler erhöht den Druck. 7. Juli 2008. Abgerufen am 30. Januar 2010.
  11. Der Spiegel, November 1997:Tanz um die Gummihütchen, aufgerufen 23. Januar 2012
  12. Welt online 21. Oktober 2007:Mercedes und der Elch: Die perfekte Blamage, aufgerufen 23. Januar 2012
  13. Paarlaufen: Mercedes B 200 gegen A 200. Motor Presse Stuttgart. 23. August 2005. Abgerufen am 17. September 2009.
  14. FAZ Technik & Motor: Der verschmähte Käufer, eingefügt 13. März 2012
  15. autobild.de
  16. a b Segmentierung von Personenkraftwagen 1999/2000. Kraftfahrt-Bundesamt, archiviert vom Original am 24. November 2005, abgerufen am 7. September 2013.
  17. Segmentierung von Personenkraftwagen Dezember 2001. Kraftfahrt-Bundesamt, abgerufen am 7. September 2013 (PDF; 89 kB).
  18. Neuzulassungen von Personenkraftwagen nach Segmenten und Typgruppen sowie mit Dieselantrieb im Dezember 2002. Kraftfahrt-Bundesamt, abgerufen am 7. September 2013 (PDF; 108 kB).
  19. Neuzulassungen von Personenkraftwagen nach Segmenten und Typgruppen sowie mit Dieselantrieb im Dezember 2003. Kraftfahrt-Bundesamt, abgerufen am 7. September 2013 (PDF; 115 kB).
  20. Neuzulassungen von Personenkraftwagen nach Segmenten und Modellreihen im Dezember 2004. Kraftfahrt-Bundesamt, abgerufen am 7. September 2013 (PDF; 108 kB).
  21. Neuzulassungen von Personenkraftwagen nach Segmenten und Modellreihen im Dezember 2005. Kraftfahrt-Bundesamt, abgerufen am 7. September 2013 (PDF; 141 kB).
  22. Neuzulassungen von Personenkraftwagen nach Segmenten und Modellreihen im Dezember 2006. Kraftfahrt-Bundesamt, abgerufen am 7. September 2013 (PDF; 177 kB).
  23. Neuzulassungen von Personenkraftwagen nach Segmenten und Modellreihen im Dezember 2007. Kraftfahrt-Bundesamt, abgerufen am 7. September 2013 (PDF; 157 kB).
  24. Neuzulassungen von Personenkraftwagen nach Segmenten und Modellreihen im Dezember 2008. Kraftfahrt-Bundesamt, abgerufen am 7. September 2013 (PDF; 280 kB).
  25. Neuzulassungen von Personenkraftwagen nach Segmenten und Modellreihen im Dezember 2009. Kraftfahrt-Bundesamt, abgerufen am 7. September 2013 (PDF; 355 kB).
  26. Neuzulassungen von Personenkraftwagen nach Segmenten und Modellreihen im Dezember 2010. Kraftfahrt-Bundesamt, abgerufen am 7. September 2013 (PDF; 2,0 MB).
  27. Neuzulassungen von Personenkraftwagen nach Segmenten und Modellreihen im Dezember 2011. Kraftfahrt-Bundesamt, abgerufen am 7. September 2013 (PDF; 2,1 MB).
  28. Neuzulassungen von Personenkraftwagen nach Segmenten und Modellreihen im Dezember 2012. Kraftfahrt-Bundesamt, abgerufen am 7. September 2013 (PDF; 1,8 MB).
  29. Neuzulassungen von Personenkraftwagen nach Segmenten und Modellreihen im August 2013. Kraftfahrt-Bundesamt, abgerufen am 7. September 2013.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Mercedes-Benz A-Klasse – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien